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„Umarme dein Leben! Du hast nur eins!“

Sonja Kavain, SK: Herzlich willkommen zum ersten Interview von Simone Hauswald und Martin Sowa zur Buchpremiere: „Umarme dein Leben! Du hast nur eins.“

Wie habt ihr beiden euch kennengelernt und wie kam es dann zu eurem ersten gemeinsamen Buch?

Simone Hauswald, SH: Wir haben uns vor neun Jahren bei den Special Olympics in Todtnauberg kennengelernt. Das ist die größte Sportorganisation für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Für mich war dies ein sehr besonderer Abend mit vielen unbeschreiblichen special moments. Hier standen Herzlichkeit und das barrierefreie Miteinander auf allen Ebenen im Mittelpunkt – ganz anders als bei den Olympischen Spielen, die ich 2010 in Vancouver erleben durfte. Seitdem war ich auf einigen Inklusionsevents von Martin dabei. Daraus ist eine tolle Freundschaft mit vielen Gemeinsamkeiten entstanden. Ja, und dann haben wir einfach beschlossen, ein gemeinsames Buch zu schreiben.

Martin Sowa, MS: Simones Ausstrahlung und ihr Umgang mit den Sportlern mit Behinderung haben mich an diesem Abend sehr tief berührt. Ich habe intuitiv gewusst, dass ich mit ihr mal irgendetwas zusammen machen werde.

SK: Martin, wie bist du zum Schreiben gekommen?

MS: Ich glaube, es war schon in der Grundschule, als der Aufsatz meines Mitschülers zum schönsten Osterhasen-Erlebnis besser war als meiner, und ich dann einfach spontan einen erfunden habe, der dann mit einer glatten Eins bewertet wurde.

Im Studium habe ich dann die Arbeit zu meinem Staatsexamen mit dem Thema Behindertensport in der Hälfte der Zeit geschrieben. Mein erstes Kinderbuch entstand durch die Vorgabe von Stichworten meiner Kinder, mit denen ich immer Gutenachtgeschichten erfunden habe.

Das war der Beginn für weitere zahlreiche Bücher im Bereich Sonderpädagogik und Inklusionssport. Und dann habe ich mir gedacht, ich versuche jetzt einfach mal, jemanden umzubringen.

So entstand der erste Krimi und daneben ganz viele Kurzgeschichten. Des Weiteren mache ich die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die TSG Reutlingen Inklusiv.

Von daher fällt mir das Schreiben, sagen wir mal, etwas leichter als anderen Menschen.

SK: Simone, hast du schon ein Buch geschrieben? Wie ist es dir beim Schreiben ergangen?

SH: Nein. Für mich ist es tatsächlich das erste. Es hat schon etwas, ein Buch zu schreiben. Allein der Gedanke, dass es eines Tages jemand in den Händen hält und darin mit Freude und Begeisterung liest, ist besonders. Ich liebe Bücher und schreibe mir gerne Dinge auf, um zu reflektieren. Dieses Buch zu schreiben, war eine bereichernde Erfahrung für mich. Das Eintauchen in die Welt der Wörter, das Auseinandersetzen mit den jeweiligen Themen und die Überlegungen, wie ich die Menschen durch unterschiedliche Perspektiven abholen kann, hat mich selbst persönlich weiter in die Tiefe gebracht.

Manchmal hatte ich einen richtigen Schreibflash und konnte gar nicht mehr aufhören. Dann gab es aber auch Phasen, in denen gar nichts ging. Im Vertrauen, dass die Zeit mir aber auch wieder die richtigen Worte schenken wird, konnte ich das einfach so stehen lassen. Ich bin davon überzeugt, dass man ganz andere Worte findet, wenn man diese mit Ruhe und Gelassenheit formuliert, als wenn man in Eile und unter Stress schreibt.

Da habe ich sicherlich aus meiner Zeit als Leistungssportlerin profitiert. Denn wenn du nur dein Ziel vor Augen hast und dich nicht auf den nächsten Schritt konzentrierst, wirst du über den nächsten Stein stolpern.

SK: Wie lief das Schreiben bei dir, Martin?

MS: Wenn ich etwas anfange, bin ich zu 150 % davon überzeugt, dass ich es fertig bekomme. So war es auch dieses Mal. Wenn ich einen Stift in die Hand nehme und mich mit einem Wort oder Impuls auseinandersetze, weiß ich vielleicht noch nicht, wie es ausgehen wird. Aber ich weiß, dass es schön ausgehen wird. Mit der Zeit entsteht ein fertiges Bild – nein, eigentlich entsteht ein Film in meinem Kopf, den ich zu Ende schreibe. Und hinterher ist es ein fertiger Text. Manchmal gehe ich auch in die Figuren rein, stelle mir Fragen dazu, um die richtigen Worte und Gefühle zu finden. Somit spiele ich mir meine Geschichten vor, was auch als Grundlage für meine Lesungen dient. Dort werden alle Zuhörer (immer m/w/d) miteinbezogen. Das Wichtigste ist mir dabei, jeden Zuhörer, egal wie alt, ob männlich oder weiblich, immer im Inneren anzusprechen über Gestik, Mimik und Emotionen.

SK: Was hat euch konkret zu diesem Buch motiviert und wie ist der Titel entstanden?

SH: Als ehemalige Leistungssportlerin im Biathlon habe ich viele Erfahrungen gemacht – sowohl Höhen als auch Tiefen. Und es hat sich definitiv gelohnt, einmal mehr aufzustehen als liegen zu bleiben. Und in meiner jetzigen Berufung als Mentalcoach erlebe ich täglich, wie wichtig es ist, sich immer wieder neu auszurichten, Klarheit im Leben zu schaffen und selbst gut für sich zu sorgen. Sei es auf mentaler, körperlicher oder emotionaler Ebene. Diese Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen, war meine Motivation.

MS: Unsere Lebensgeschichten haben uns beide sehr geprägt. Wir sind beide Kinder des Sports. Ich habe früher Handball gespielt und das gemeinsame Training, die Freude beim Gewinnen und auch das Verlieren haben mich sehr geprägt. Das, was ich dort gespürt habe, wollte ich vielen Menschen vermitteln und weitergeben. Ich habe angefangen, mich mit dem Thema „Sport für Menschen mit Behinderung“ zu beschäftigen. Das Wort Inklusion gab es damals noch nicht. Und daraus ist in vielen Jahren meine Arbeit und Berufung im Inklusionssport entstanden.

Wir beide sind zwei unheimlich positiv denkende Menschen. Während der Pandemie haben wir wahrgenommen, wie viele Menschen da draußen jammern und sich beklagen. So entstand die Idee und die Motivation, den Menschen mit unserem Buch wieder die Schönheiten des Lebens und des Alltags bewusster zu machen und näherzubringen. Wir leben in so einer herrlichen Welt. Man muss nur die Augen öffnen und wieder mit allen Sinnen genießen. Auch die Begegnungen mit Menschen sind für uns eine unglaubliche Bereicherung und daraus ergibt sich für uns der Satz: „Umarm doch einfach, was du hast, nimm die Natur, die anderen Menschen, die Gespräche und sauge das alles in dich auf. Die Zeit rast weg. Genieße sie. Du hast nur ein Leben.“

SK: Was erwartet die Leser in eurem Buch?

SH: Wir haben 26 Buchstaben in unserem ABC. In immer anderen Kombinationen kann man damit die Schönheit des Lebens zusammentragen und die Welt beschreiben. So haben wir für jeden Buchstaben ein Wort ausgesucht, das mit etwas Positivem im Leben und im Alltag in Verbindung steht. So entstanden 26 Kapitel, die jeweils aus einem Zitat, einem Impuls von mir und einer Kurzgeschichte von Martin aufgebaut sind.

Wir haben den Fokus auf Freude, Dankbarkeit und Wertschätzung für den Alltag, für das Leben selbst in den Vordergrund gerückt, um unsere Leser damit zu begeistern und vielleicht auch ins Nachdenken zu bringen. Manchmal braucht es gar nicht viel. Ein Lächeln, eine Umarmung oder eine kurze Begegnung kann reichen, um sich wieder besser zu fühlen und Kraft und Mut zu schöpfen.

Das Schöne an unserem Buch ist, dass man es irgendwo aufschlagen, sich von einem Wort inspirieren lassen und es häppchenweise lesen kann. Gerade meine Impulse laden durch gezielte Fragen zum Reflektieren ein und da macht es durchaus Sinn, sich immer nur einem einzigen Kapitel zu widmen. Es ist sozusagen ein Inspirationsbuch und Workbook zugleich.

Das Leben bietet uns so viel Großartiges, dass wir es umarmen und genießen sollten: All(e) Tag(e).

SK: Was unternehmt ihr eigentlich selbst, um euer Leben positiv zu gestalten und es zu umarmen?

MS: Ich genieße jeden Moment, den ich in meinem Leben habe. Sei es bei einer Fahrradtour, beim Spazierengehen oder wenn ich sonst irgendwo bin. Ich sauge alles wie ein Schwamm auf und deswegen habe ich so einen großen inneren Schatz, den ich dann auch anderen Leuten auf lockere Art und Weise zeigen möchte.

SH: Ich starte mit Sport und Meditation in den Tag. Die Natur ist für mich eine Kraftquelle, aus der ich den ganzen Tag schöpfe. Sei es durch die frische Luft, die Sonne, das klare und kühle Wasser oder die Bäume, die mich unglaublich erden. Wer mit einem guten Gefühl, mit Freude und Leichtigkeit den Tag begrüßt, zieht andere Menschen und Situationen an. Wenn du mit einem Lächeln durch die Welt läufst und andere Menschen grüßt, dann lächeln sie ganz oft zurück. Ein schöner Austausch, der nichts kostet, aber unglaublich heilsam ist.

SK: Und wie geht es weiter? Gibt es vielleicht auch Lesungen, bei denen man euch live erleben kann?

MS: Lesungen sind auf jeden Fall in Planung. Diese werden dann in den unterschiedlichen Medien veröffentlicht.

SK: Vielen herzlichen Dank für das inspirierende Interview und die Einblicke in euer Buch. Und wenn Sie, liebe Leser, genauso wie ich, freudvoll erfüllt sind von diesen beiden Menschen, dieser Idee und diesem Buch, dann lade ich Sie zu diesen wunderschönen Impulsen und Kurzgeschichten ein. Zum Selberlesen, zum Weiterschenken und zum weiterinspirieren.

SH, MS: Wir sagen auch herzlichen Dank, liebe Sonja, für deine tollen Fragen, deine Feinfühligkeit und Klarheit, mir der du uns durchs Interview geführt hast.

Sonja Kavain
Wirtschaftspsychologin,
Leadership Coach der neuen Zeit und Sprecherin

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Simone Hauswald
Dipl.-Mentalcoach (CH),
Biathlon-Weltmeisterin und -Medaillengewinnerin bei Olympischen Spielen

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Martin Sowa
Autor zahlreicher Bücher, Experte im Inklusionssport und
Träger des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland

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