Ist die narzisstische Persönlichkeitsstörung heilbar? Ich sage ja!

©TheVisualsNeedIn meiner Ausbildung zum Psychologischen Berater habe ich gelernt, dass Persönlichkeiten durchaus veränderbar sind. Das heißt also auch, dass Störungen therapierbar sind. Und das trifft auch auf die narzisstische Störung zu. Das ist zwar oft ein langer Weg, aber wenn der gegangen wird, sind Erfolge zwangsläug vorprogrammiert.

Vor vier Jahren bekam ich die Diagnose: narzisstische Persönlichkeitsstörung. Man kann auch sagen, dass ich darum gebettelt habe, denn schließlich konnte ich mit der emotional instabilen PS und der paranoiden PS nicht wirklich viel anfangen. Mit der Hauptdiagnose: narzisstische PS machte das Ganze aber umso mehr Sinn. Fortan glaubte ich daran, ein Narzisst zu sein. Ich identizierte mich voll und ganz mit der Diagnose.

Ich informierte mich, begann die bereits von mir über alle Maßen gelobte Schematherapie und ng langsam an, mich selbst zu verstehen. All das, für das ich bislang keine befriedigende Antwort fand, schien sich zu erklären – und zwar von selbst, ohne dass ich groß nachhelfen musste, obwohl es doch etwas mit Anstrengung verbunden war, mein Schutzschild (auch Autopilot, Tun-Modus, Ego, Schweinehund, Überkompensationsmodus oder aggressiver Beschützer genannt) darum zu bitten, beiseitezutreten, damit ich meinem inneren Kind das geben konnte, was es brauchte: nämlich bedingungslose Liebe, bedingungslose Akzeptanz und bedingungslose Loyalität.

Vor allem aber musste ich erkennen, dass ich vielen Glaubenssätzen zu viel Beachtung schenkte, die ich übernommen hatte und die in Wirklichkeit nicht die meinen waren. Es waren die meiner Eltern, die einfach nur gute Eltern sein wollten und deshalb das taten, was sie glaubten, tun zu müssen.

„Ich bin nicht gut genug.“ oder
„Ich bin nur dann gut, wenn …“
„Was ich fühle, ist nicht wichtig.“ oder
„Wenn du dich so anstellst, bist du ...“

Ein Angsthase vielleicht? Möglicherweise auch eine Memme? Eine Heulsuse? Kein Mann? Nicht tapfer?

„Ich bin nicht liebenswert oder nur, wenn ich besondere Leistungen bringe.“
„Ich muss dies tun, sonst …“ oder „… weil ich dann …“
„Ich darf nicht entspannen.“
„Ich bin wertlos.“

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Und es war viel, viel mehr. Ich war Perfektionist. Niemandem konnte ich es recht machen. Ich war immer unzufrieden. Ich hatte immer was zu meckern – sowohl an mir als auch an anderen, gerade an meinen Partnerinnen. Auch die waren nicht gut genug, zumindest dachte ich das. Denn auch ich war nicht gut genug, jedenfalls in meinen Gedanken. Ich übertrug mein Leid auf andere. Ich hasste Fehler. Ich war total im Mangel.

Ich war jedoch weder sadistisch, dissozial noch asozial. Ich konnte aber supergut schauspielern. Ich unterdrückte meine Gefühle. Ich lachte, wenn ich weinen musste. Ich war oft nicht authentisch. Und ich konnte anderen besser helfen als mir selbst. Ich hatte ein klassisches Helfersyndrom. Ich opferte mich auf. Wenn der Dank nicht folgte, tat ich noch mehr und noch mehr. Ich wusste nicht, wann es reichte.

Ich übertrieb meine Leistungen. Ich dachte, ich muss das tun, denn ich glaubte, dass man mich nur dann liebt, wenn ich ein möglichst perfektes Bild von mir zeige. Ich ging davon aus, dass es erwartet wurde. Ich glaubte, niemals glücklich sein zu können. Ich war verbittert und ständig rastlos unter Volldampf. Ich war ein Workaholic.

Als Kind wurde ich gemobbt. In der Grundschule ng es bereits an. Ja, ich war ein Opfer. Zu Hause foppte mich meine Schwester mit ihren Freundinnen. Und immer, wenn ich mich wehrte, wurde ich bestraft. Zu Hause von meinen Eltern, in der Schule von den Lehrern. Fünf gegen einen, aber geglaubt hat mir keiner. Mit elf kam mein erster Selbstmordversuch. Ich wollte nicht mehr weiterleben. Ich hielt mich für Abschaum. Danach wechselten sich Suizidgedanken und Rachegedanken ab. Straffällig jedoch wurde ich nie.

Selbstverliebt war ich kein bisschen, denn ich hasste mich für mein Aussehen. Ich hielt mich aber oft für besser als andere. Ich fühlte mich überlegen. Manchmal war ich das wohl auch, zumindest gegenüber meiner Mutter. Ja, mit ihr gab es viele Kämpfe.

Ich war zum Glück intellektuell und einigermaßen empathisch. Glaubt keiner, ist aber so. Ich konnte schon immer andere Menschen fühlen. Im Internet nennt man das hochsensibel bzw. hochempathisch. Ich nenn es einfach Mitgefühl. Und am Anfang brannte ich für eine Sache und zeigte enormes Interesse.

So bekam ich viele Frauen ins Bett. Ich überzeugte mit Charme, hatte aber jedes Mal große Verlustangst. Ich klammerte. Ich hasste meine Gedanken, die ich nicht haben wollte. Und sobald auch nur eine Frau Verhaltensweisen zeigte, die mich an meine Mutter erinnerten, trennte ich mich. Ja, wenn ich getriggert wurde, lief ich weg und schmiss alles hin, was ich mir aufgebaut hatte. Laut wurde ich selten. Geschlagen habe ich eine Frau nie, außer eben meine Mutter. Aber auch nur, weil ich mich wehren musste. Ja, meine Mama hat mich oft windelweich geschlagen. Sie sagte, Kinder haben das manchmal verdient. Und zu meiner Zeit, als ich Kind war, war das auch noch nicht verboten.

Nachgestellt habe ich keiner. Zwar waren einige Trennungen hässlich, aber meistens dann nur zwei Wochen gegenseitig über SMS. Statt zu jammern und mich ganz dem Liebeskummer hinzugeben, suchte ich mir schnell eine Neue. Solange es verfügbare Frauen gab, solange musste ich mich nicht mit meinem Leid auseinandersetzen. Ich litt dennoch heimlich. Zum Glück hatte ich Freunde.

Und dann erfuhr ich Folgendes:

Es waren die Glaubenssätze/Überzeugungen/Annahmen und teilweise auch Traumata meiner Großeltern und deren Vorfahren, die den Krieg erlebt hatten und dadurch traumatisiert wurden. Sie gaben diese an meine Eltern weiter und diese wiederum an mich. Und es waren die meiner Erzieher im Kindergarten, der Lehrer in meiner Schule und all der anderen, die mich von der Wiege bis ins Jetzt begleiteten. Es wurde etwas gesagt. Ich habe es nicht hinterfragt. Ich habe es geglaubt und nie gedacht, dass es auch anders sein könnte. Doch es ist anders. Und es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit. Man kann immer wieder zurück, und sei es nur mittels einer Imagination.

MBSR half mir, das zu akzeptieren. Emotional Unlinking schenkte mir innere Freiheit und Unabhängigkeit. Aber die Schematherapie öffnete mich für mich, mein inneres Kind, meine Traumata und mein Bewusstsein für mein bisheriges, teilweises dysfunktionales Verhalten. Ich lernte das, was ich bis dato nicht kannte: „Selbstliebe“! Ich lernte, den bewussten Umgang mit mir selbst und meinen Gefühlen und Gedanken. Ich lernte, Verantwortung zu übernehmen für mein Verhalten und meine Handlungen. Ich lernte, Lob anzunehmen. Ich bin in Liebe mit mir selbst.

Und dann schrieb ich mein Buch (Ein Narzisst packt aus. Tectum Verlag). Auch das Schreiben half mir beim „Heilen“. Es half mir beim Verzeihen, beim Verstehen und es brachte mir Gehör und Anerkennung ein. Ja, jeder Mensch strebt danach. Ich kenne keinen, der sich über Lob und Aufmerksamkeit nicht freut. Ich kenne Menschen, die es nicht gewohnt sind, dass man sie lobt, aber ich kenne keinen, der sich nicht bedankte, nachdem ich ihn so gesehen hatte, wie er war. Mag sein, dass darunter auch Schauspieler waren. Dann waren es aber sehr gute. Und ich lernte auch, mich selbst zu loben. Ich lernte Zufriedenheit.

Als man mir Ende letzten Jahres im Rahmen der Verlaufsdiagnostik mitteilte, dass ich keine NPS mehr habe, konnte ich das nicht so recht glauben. Überall steht doch, dass die NPS nicht heilbar sei. Meine Behandler sagten, ich soll nicht alles glauben, was ich lese. 80% dessen, was im Internet steht, ist Stuss. Zudem sei ein Mensch ja nicht nur seine Störung. Jeder Mensch hat gesunde Anteile. Und diese gesunden Anteile sind auch der Schlüssel für die Heilung aller seelischen Verletzung. Es gilt, diese zu aktivieren. Denn nur wer aktiv an sich und seinen Zielen arbeitet, hat Erfolg, weil die Mühe sich auszahlt. Und bei mir hat es sich ausgezahlt. Ich bin weitest gehend vom Leid befreit, also „heil“ oder „geheilt“. (Suchen Sie es sich aus.)

In der Schule übrigens hat sich das bestätigt. Im Unterricht zur Persönlichkeitspsychologie hieß es, dass Persönlichkeiten veränderbar sind, also sind auch Störungen änderbar, wenn nicht sogar heilbar. Ich jedenfalls leide nicht mehr.

Schon während meiner Therapie riet man mir, in einen Lehrberuf zu gehen. Ich könne Menschen gut beraten und auch führen. Ich machte also einige Ausbildungen, um als Coach zu arbeiten. Es macht mir Freude, Menschen zu helfen, ihre Glaubenssätze aufzulösen. Niemand soll wegen seiner Kindheit ewig leiden müssen. Niemand soll geschlagen werden, weder in den Magen noch sonst wohin. In den Magen gehört Liebe und Selbstliebe, denn laut vielen Werbespots geht die Liebe doch dadurch bis zum Herzen. Zudem heißt es doch „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Und dabei unterstütze ich Menschen.

Seit Juni des vergangenen Jahres bin ich auch Student in der Paracelsus Schule. Ich bin in der Ausbildung zum Psychologischen Berater. Dazu kommt dann die Weiterbildung zum Mobbingberater und zum Entspannungstrainer. Damit bin ich meinem Ziel, als Therapeut zu arbeiten, auch nah. Ich muss dafür nur noch die Prüfungen bestehen. Da ich aber mittlerweile weiß, dass ich gut genug bin, bin ich mir sehr sicher, das zu schaffen. Ich glaube an mich. Und ich wünsche wirklich jedem, der diesen Beruf wählt, dass er dies auch tut. Denn wir tragen große Verantwortung. Wir leisten Gutes. Wir helfen Menschen auf ihrem Weg. Ich konnte jedenfalls davon sehr gut protieren.

Ich tue es für mich. Denn ich bin es mir wert. Und für wen lernst du diesen Beruf?

Leonard Anders
NLP, Emotional Unlinking und The Work Coach, Blogger, Autor

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Foto: ©TheVisualsNeed

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