Die Kunst der Kommunikation - Wie Worte Beziehungen formen
Täglich begleitet sie uns: die Kommunikation! Dennoch unterschätzen wir häufig, wie wesentlich unsere Art zu kommunizieren sich auf alle Lebensbereiche auswirkt. Unsere Worte können Bindungen stärken oder beschädigen. Ein offenes Ohr kann die Vertrauensebene vertiefen.
Jeder von uns kennt gleichermaßen Augenblicke, in denen wir nicht verstanden werden oder unaufmerksam zuhören – oder dies an unserem Gesprächspartner bemerken. Und hier beginnt die faszinierende Reise der Kommunikation: zu ergründen, wie wir uns verständlicher ausdrücken, empathischer zuhören und Missverständnisse vermeiden können.
Bereits am Frühstückstisch beginnt für die meisten von uns die erste Kommunikation des Tages. Dabei spielt es keine wesentliche Rolle, ob wir verschlafen und wortkarg am Frühstückstisch sitzen oder ob wir bereits zu Beginn des Tages redselig sind. Schließlich kommunizieren wir nicht nur über unsere Worte mit unserem sozialen Umfeld, sondern ebenso nonverbal über unsere Gestik und Mimik. Wenn wir darüber nachdenken, wird uns bewusst, dass Kommunikation – egal, ob verbal oder nonverbal – mehr als lediglich ein Mittel zum Informationsaustausch ist.
Unsere Kommunikation könnten wir mit einem unsichtbaren Seil vergleichen, das Menschen miteinander verknüpft, zwischenmenschliche Verbindungen entstehen lässt und Gesellschaften zusammenhält. Dabei stellen jedes Gespräch, jede Geste und jeder Blickaustausch einen Anteil eines komplexen Netzes aus (unterbewussten) Signalen, Bedeutungen und Gefühlen dar. In der nonverbalen Kommunikation kann – aufgrund unserer Mimik und Gesten bzw. unserer Ausstrahlung – auch das Schweigen genauso stark wirken wie Worte. Nicht umsonst ist den meisten von uns das Sprichwort: „Ein Blick sagt manchmal mehr als tausend Worte“ bekannt.
KOMMUNIKATION BEGINNT SOFORT
Kaum haben wir als Säugling das Licht der Welt erblickt, beginnen wir sofort, mit unserer Umwelt zu kommunizieren. Mit lautem und grellem Schreien drücken wir aus, dass wir Hunger haben, Nähe suchen, schlafen wollen oder Schmerzen haben. Mit dem Heranwachsen lernen wir dann, unseren Bedürfnissen auf differenzierteren Ebenen Ausdruck zu verleihen: durch Sprache, Mimik und Gestik. Unsere Kommunikation wird zu einem Grundbedürfnis und stellt nicht bloß eine Art Technik dar, denn sie trägt dazu bei, dass wir Beziehungen aufbauen und unsere Identität entwickeln können. In den vergangenen Jahren haben wir weitere zusätzliche Wege der Kommunikation entdeckt und etabliert. So gehört der Austausch via E-Mail, Chats, Videokonferenzen und in sozialen Netzwerken zum Alltag. Dadurch ist es so einfach wie nie zuvor geworden, eine Botschaft mit einer großen Anzahl von Menschen zu teilen.
STRESS IST VORPROGRAMMIERT
Leider hat die ständige Erreichbarkeit einige Schattenseiten und Herausforderungen. Es kann schneller zu Missverständnissen kommen, Gefühlsausdrücke können in schriftlicher Form eher schwer transportiert werden und die Menge an Nachrichten sorgt schnell für Überforderung. Weiterhin fördert die ständige Erreichbarkeit zusätzlichen Stress in unserem Leben. Es ist wichtig, dass wir uns diese Aspekte stets vor Augen führen. Wenn wir lernen, bewusster mit diesen modernen Kommunikationswegen umzugehen, wird sich eine große Erleichterung in unserem Alltag einstellen. Mitunter kann es hilfreich sein, sich Zeiten für einen „social-media-detox“ einzuräumen – Zeiten, in denen wir weder auf Social-Media-Plattformen aktiv sind und auch nicht umgehend auf Chatnachrichten, E-Mails etc. reagieren. Zudem kann es helfen, sich darüber klar zu sein, dass schriftliche

Gezielte Nachfragen bringen mehr Klarheit und Tiefe ins Gespräch.
In unserer schnelllebigen Zeit ist klare und respekt- volle Kommunikation ein bedeutsamer Anker.
Nachrichten (besonders in E-Mails oder Chatverläufen) schnell falsch interpretiert werden können, da wichtige Ausdrucksformen wie die Gestik und Mimik sowie die Stimmlage fehlen. Wenn wir uns nicht sicher sind, wie eine bestimmte Aussage gemeint ist, sollten wir besser einmal mehr als zu wenig nachfragen, um unnötige Auseinandersetzungen oder Ärgernisse zu vermeiden. BITTE ZUHÖREN
Vermutlich ist den wenigsten von uns bewusst, wie wichtig ein weiterer Aspekt unserer Kommunikation ist – das Zuhören. Im Regelfall warten wir in Gesprächen darauf, selbst wieder die Chance zu erhalten, uns unserem Gesprächspartner mitzuteilen, anstatt aufmerksam und mit einem Ausdruck von persönlichem Interesse zuzuhören. Dabei äußert sich das aktive Zuhören nicht nur dadurch, dass wir den Worten unseres Gesprächspartners unsere Aufmerksamkeit schenken, sondern ebenso seiner Tonlage, Mimik und Körpersprache sowie seinen unausgesprochenen Emotionen. Mit dem aktiven Zuhören schaffen wir eine tiefere Vertrauensbasis, eine stärkere zwischenmenschliche Bindung und können Konfliktsituationen entschärfen. Ein weiterer wichtiger Faktor beim aktiven Zuhören zeigt sich darin, dass wir die Bereitschaft zeigen, unsere eigene Perspektive kurz zurückzustellen und unserem Gesprächspartner zudem unsere Geduld schenken, sodass er in Ruhe seine Gedanken und Gefühle formulieren und im Gespräch zum Ausdruck bringen kann. Dabei zeigen wir mit unserer respektvollen Haltung, dass uns seine Gedanken und Gefühle wichtig sind und wir ihn verstehen möchten. Gleichermaßen wichtig ist die Art und Weise, wie wir selbst uns unserem Gesprächspartner mitteilen. Dabei kann „bewusste Klarheit“ als Leitfaden für unsere Kommunikation dienen. Schließlich haben unklar formulierte Botschaften schnell Missverständnisse und Frustration zur Folge. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir uns im privaten oder beruflichen Umfeld befinden. Wir werden leichter verstanden und kommen schneller an unser Ziel, wenn wir unsere Gedanken und Bedürfnisse in simple, klare Formulierungen kleiden. Unsere Körpersprache können wir dazu ebenso bewusst einsetzen wie unsere Sprache. Der Tonfall sollte freundlich und respektvoll sein, unser Blickkontakt offen und unsere Haltung ruhig und „angemessen“ selbstbewusst. So verstärken wir die Wirkung unserer Worte und bringen durch die stimmige Kombination mit unserer Körpersprache unsere Authentizität zum Ausdruck, steigern das Vertrauen in unsere Person.
Tatsächlich läuft mehr als die Hälfte unserer Kommunikation über unseren Gesichtsausdruck, die Gestik und Körperhaltung – also nonverbal – ab. Den meisten von uns ist bekannt, dass verschränkte Arme ein Zeichen von Abwehr sein können sowie ein Kopfnicken unsere Zustimmung zum Ausdruck bringen kann. Verstehen wir diese und weitere Zeichen zu deuten, verstehen wir neben den ausgesprochenen Worten auch unausgesprochene Sorgen oder Widerstände unseres Gesprächspartners. Natürlich senden wir ebenso gleichzeitig (oft unbewusst) nonverbale Signale aus. Daher kann es sich lohnen, unsere eigene Körpersprache zu reflektieren. Unsere jeweiligen Gesprächspartner fühlen sich besonders durch offene Gesten, unseren aufmerksamen und offenen Augenkontakt sowie durch eine freundliche Mimik eingeladen, sich uns gegenüber persönlich zu öffnen und zu zeigen. NÄHE VS. DISTANZ
Unsere Art der Kommunikation legt vor allem in nahen Beziehungen – wie innerhalb der Familie, Partnerschaften oder Freundschaften – den Grundstein für ausgeprägte Nähe oder ein eher distanziertes Miteinander. Bedauerlicherweise entstehen viele Konflikte aufgrund unausgesprochener oder missverständlich formulierter Bedürfnisse. Die Ursache ist im Regelfall keine böse Absicht. Lernen wir, unsere Gedanken und Gefühle klar und respektvoll zu formulieren, können wir Spannungen bereits eindämmen, bevor sie die nächste Eskalationsstufe erreichen und womöglich in einem Konflikt gipfeln.
Ein simples Tool im Bereich der Kommunikation kann der Gebrauch von „Ich-Botschaften“ sein, anstatt Vorwürfe (z. B. „Nie hörst du mir richtig zu!“) zu äußern. Dabei beschreiben wir mit unserer „Ich-Botschaft“ unsere eigene Wahrnehmung (z. B. „Ich fühle mich übergangen, wenn ich nicht aussprechen darf.“) und unser eigenes Bedürfnis. Dadurch verhärten wir nicht (unnötig) die Fronten, sondern eröffnen einen Raum für eine gemeinsame Lösungsfindung. Es ist nachvollziehbar, dass viele Menschen innerlich dichtmachen, wenn man ihnen mit Vorwürfen bzw. Schuldzuweisungen begegnet. Kommunizieren wir auf diese Weise miteinander, ist es umso wahrscheinlicher, dass das Gespräch in einen Konflikt übergeht, als wenn wir uns klar und eigenverantwortlich äußern. Natürlich gehören auch Missverständnisse zum Alltag. Sie lassen sich jedoch deutlich reduzieren. Die hauptsächlichen Ursachen dieser Missverständnisse liegen häufig in der Benutzung unklarer Formulierungen oder dem Gebrauch von Äußerungen ohne hilfreichen Kontext.
KULTURELLE EMPFINDUNGEN
Nicht selten erschweren kulturelle Unterschiede die Kommunikation. Schließlich bedeutet nicht in jeder Kultur ein Kopfnicken die Zustimmung. Auch mit der Äußerung offener Kritik wird unterschiedlich umgegangen. Hier gilt es, sich gegebenenfalls intensiver mit dem Thema der interkulturellen Kompetenz auseinanderzusetzen. Ob in Gesprächen mit den eigenen Landsleuten oder mit Menschen aus einer anderen Kultur ist es jedoch immer sinnvoll, offene Rückfragen zu stellen: „Habe ich es richtig verstanden, dass du … gesagt hast?“. Derartige Nachfragen bringen mehr Klarheit und Tiefe in das Gespräch. Wie bereits erwähnt, ist auch in diesem Fall Geduld ein wesentlicher Faktor. Oftmals braucht es Zeit, bis eine Botschaft (richtig) ankommt und entsprechend verarbeitet wird. Wir lernen in jeder zwischenmenschlichen Unterhaltung einiges dazu – sowohl über uns selbst als auch über unseren Gesprächspartner. Wenn wir unsere Neugierde behalten, interessierte Fragen stellen und uns trauen, offen miteinander zu kommunizieren, wachsen unsere Begegnungen und zudem gewinnen diese an Stärke und Tiefgang. Damit nutzen wir unsere Kommunikation als eine
Wir kommunizieren nicht nur mit Worten, auch nonverbal über Gestik und Mimik.
lebende Fähigkeit und nicht bloß als eine Art „starres Werkzeug“. Das Wundervolle an dieser lebendig gewordenen Fähigkeit ist, dass wir sie weiterentwickeln können. Wenn wir mit größerer Bewusstheit kommunizieren, verbessern wir damit nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch das unserer Mitmenschen. Verläuft unsere Kommunikation auf einer Ebene der Bewusstheit, Klarheit und des Respektes sowie des aufrichtigen zwischenmenschlichen Interesses, bauen (und stärken) wir gesellschaftliche Brücken.
Ein weiteres Tool, das unsere Kommunikation in eine positive Richtung bringen kann, ist die Anwendung der sog. gewaltfreien Kommunikation. Dabei wenden wir vier einfache Schritte an: 1. Beobachten, 2. Gefühle ausdrücken, 3. das eigene Bedürfnis äußern, 4. eine Bitte formulieren.
Haben wir z. B. eine Verabredung mit einem Freund und dieser kommt bereits zum wiederholten Male zu spät, könnten wir ihm das mithilfe der gewaltfreien Kommunikation spiegeln – ohne ihm Vorwürfe zu machen – indem wir sagen:
1. „Wir waren um 13:00 Uhr verabredet. Nun ist es bereits 13:20 Uhr.
2. Ich fühle mich nun frustriert. 3. Pünktlichkeit ist für mich wichtig, weil ich meine Zeit gern effektiv nutze.
4. Könntest du bitte zukünftig versuchen, pünktlich zu unseren Verabredungen zu erscheinen.
5. Bitte …“
Schlussendlich können wir die Entwicklung unserer Kommunikation als einen lebenslangen Lernprozess begreifen, denn sie fordert uns heraus, unserem Gegenüber mit Ehrlichkeit zu begegnen, aufmerksam zuzuhören und immer wieder (neue) Brücken zu bauen. Besonders in unserer heutigen schnelllebigen und lauten Zeit, die mit viel Reizüberflutung aufwartet, kann bewusste, klare und respektvolle Kommunikation ein wichtiger Anker sein. Sie ist ein Weg, Verbindung zu schaffen und auszuprägen und Verständnis sowie mitunter Mitgefühl und Nähe zu fördern. Jeder von uns kann seinen persönlichen Anteil zu einer gelungenen Kommunikation beitragen. Das macht aus einem bloßen Informationsaustausch ein echtes Gespräch. Durch aufmerksames Zuhören. Dank Klarheit in unseren Worten. Durch unseren ausgedrückten Respekt. Mithilfe unserer Empathie. Probieren wir es aus!

Isabelle Maria Kühler
Coachin und Psychologische Beraterin mit Schwerpunkten Hochsensibilität, Liebe und
Partnerschaft, Autorin

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