Darum neigen zahlreiche Internetnutzer zu impulsiven Entscheidungen und was Onlinezahlungen damit zu tun haben
Das Internet ist zum täglichen Begleiter der meisten Menschen geworden und aus dem alltäglichen, modernen Leben beinahe nicht mehr wegzudenken. Dieser Trend führt dazu, dass Online Dienstleistungen in Hülle und Fülle genutzt werden. Um diese zu bezahlen, werden Online Zahlungsmethoden benötigt, welche vermehrt den digitalen Konsum beeinflussen. Für einige Menschen können Onlinezahlungen psychologische Risiken mit sich bringen. Längst nicht jeder Nutzer versteht es, sein digitales Kaufverhalten zu kontrollieren und viele handeln impulsiv.
In der heutigen Zeit läuft vieles schneller ab als noch vor einigen Jahren. Vor allem das Internet macht diese Veränderung sehr deutlich, denn zahlreiche Onlinezahlungen werden mittlerweile innerhalb weniger Sekunden abgewickelt. Für manche Nutzer ist dies ein Vorteil, denn der Einkauf im Netz gestaltet sich komfortabel, sicher und schnell. Andere denken nicht über ihre digitalen Käufe und Entscheidungen nach. Vor allem, wenn es um kleine Beträge geht, wird in vielen Fällen nicht reflektiert, sondern einfach geklickt. Die Deutsche Bundesbank führte im Jahr 2023 eine Studie zum Zahlungsverhalten in Deutschland durch. Aus dieser geht hervor, dass bereits damals circa 44 % der Teilnehmer Online Zahlungsmethoden bevorzugten.
Impulsive Käufe im Internet sind sehr häufig ein Spiegel eines negativen emotionalen Zustands. Insbesondere Stress, Anspannung und unausgeprägte Selbstkontrolle führen zu schnellen, unüberlegten Entscheidungen. Moderne Online Zahlungsmethoden fördern diesen Effekt ungewollt. Viele Menschen verlieren durch die wiederholte Nutzung den Bezug zum wahren Geldwert. Zudem wirken sich viele kleine Käufe unterbewusst stimulierend auf das Belohnungszentrum des menschlichen Gehirns aus.
Digitale Entscheidungen werden sehr häufig von Stress geleitet
Menschen unter Stress neigen dazu, unüberlegte Entscheidungen zu treffen. Das autonome Nervensystem beginnt zu arbeiten, sobald eine hohe Belastung für das Gehirn entsteht. Dieser Prozess führt dazu, dass impulsive Handlungen begünstigt werden.
Laut offiziellen Studien aus dem Bereich der Neuropsychologie schwächt Stress den präfrontalen Cortex vorübergehend ab. Dieser ist für die Abwägung von Risiken und die Kontrolle von Impulsen verantwortlich. Laut Studien aus den Jahren 2023 und 2024 wird besonders dann unüberlegt gekauft, wenn sich Stress mit äußeren Reizen kombiniert. Dieser Effekt wird durch das moderne digitale Umfeld weiter befeuert. Durch die ständige Verfügbarkeit von Online Dienstleistungen werden spontane Entscheidungen erleichtert. Besonders, wenn sie kurzfristige Erleichterung oder Belohnung suggerieren.
Für die angewandte Psychologie gewinnt die systematische Erfassung von Stressmustern somit an Bedeutung. Nicht nur das sichtbare Verhalten eines Menschen ist ausschlaggebend. Um impulsive digitale Entscheidungen zu verstehen, ist es wichtig, sich mit den Emotionen der Patienten zu befassen.
Online Zahlungsmethoden schaffen eine mentale Distanz zum Geld
Die veränderte Beziehung zum Zahlungsmittel ist ein weiterer wichtiger psychologischer Faktor. Bargeld ist eine sichtbare und greifbare Ressource. Digitale Zahlungsmethoden erschaffen hingegen eine Distanz zwischen der Handlung und der anschließenden Konsequenz. Laut der Deutschen Bundesbank wurden im Jahr 2023 noch circa die Hälfte aller Käufe in Deutschland mit Bargeld bezahlt. Gleichzeitig hat sich der Anteil von Online Zahlungen auf circa 6 % verdreifacht. Circa 81 % der Zahlungen mit Bargeld könnten mittlerweile digital abgewickelt werden.
Viele Nutzer versuchen, ihre digitalen Ausgaben zu kontrollieren. So zum Beispiel dann, wenn eine iGaming Dienstleistung genutzt wird. Prepaid-Zahlungen ermöglichen es, das Budget im Auge zu behalten, denn es kann nicht mehr ausgegeben werden, als eingezahlt wurde. Nutzer informieren sich auf Online Vergleichsportalen beispielsweise zu einem Casino mit Cashlib Einzahlung oder weiteren Prepaid Optionen. Fest aufladbare Guthabenlösung werden subjektiv als kontrollierbarer wahrgenommen. Psychologisch bedeutsam ist hier weniger das konkrete Angebot als das Bedürfnis, das Budget zu kontrollieren und es vom alltäglichen Konto zu trennen. Dadurch kann ein Rahmen für die Selbstkontrolle geschaffen werden.
Das Internet dient vielen Menschen als Kompensator für emotionalen Stress
Immer mehr Menschen nutzen digitale Dienste, um mit Alltagsstress umzugehen. Das Streamen von Filmen, Online-Games oder der Einkauf im Netz erzeugen einen Reiz und hellen die Stimmung auf.
Aktuelle Handelsdaten belegen den Trend. Die 1.000 umsatzstärksten B2C-Onlineshops Deutschlands konnten ihren Netto-Umsatz im Jahr 2024 auf circa € 80,4 Milliarden steigern. Im Vergleich zum Vorjahr (2023) ist ein Zuwachs von circa 3,8 % zu erkennen. Somit liegt der Onlineanteil am Einzelhandel bei circa 13,4 %.
Untersuchungen zum Verhalten von Verbrauchern zeigen, dass circa 80 % der 16- bis 75-Jährigen bereits einmalig im Internet eingekauft haben. Damit steigt die Zahl der Situationen, in denen impulsive Entscheidungen entstehen können.
Ansatzpunkte für die therapeutische Praxis
Aus der Perspektive von Psychotherapeuten ist vor allem das Zusammenspiel von Auslösern, Emotionen und Verhalten bedeutend. Was genau gekauft wurde, spielt eine untergeordnete Rolle. Mehrere Ansatzpunkte haben sich in der Praxis bewährt:
- Identifikation emotionaler Trigger: In welchen Situationen entstehen die stärksten Impulse, online Geld auszugeben oder das Internet zu nutzen? Hier könnten Faktoren wie Einsamkeit, Stress oder verschiedene innere Konflikte eine Rolle spielen.
- Entschleunigungsstrategien: Kurze Atemübungen oder das Einführen fester Bedenkzeiten vor Käufen können die automatischen Muster unterbrechen.
- Strukturierung der digitalen Umgebung: Das Entfernen gespeicherter Zahlungsdaten oder das Festlegen klarer Budgetgrenzen fördert die Selbstkontrolle.
- Stärkung des Selbstwertgefühls: Fehlentscheidungen sollen nicht zu weiterer Selbstabwertung führen. Sie sollten als Ansatz für den Veränderungsprozess dienen.
Diese Interventionen fördern die Fähigkeit zur Selbstregulation und vergrößern den Abstand zwischen innerem Impuls und äußerem Handeln.
Die Geschwindigkeit von Onlinezahlungen begünstigt impulsives Verhalten
Wenn Geld nur als Zahl auf dem Display erscheint, verschwimmt für viele der reale Wert. Kaufreize und Belohnungsgefühle summieren sich zu riskanten Mustern. Besonders bei ohnehin belasteten Menschen ist dies ein Risiko.
Therapeutisch wirksam sind klare Grenzen und das bewusste Wahrnehmen eigener Emotionen. So schafft man Abstand zwischen innerem Impuls und Klick. Langfristig lässt sich auf diese Weise ein reflektierteres digitales Konsumverhalten fördern.