Editorial
Liebe Leserinnen und Leser, manche Trennungen reißen nicht nur eine Beziehung auseinander, sondern auch das innere Wetter. Plötzlich ist alles grau, schwer, unübersichtlich – und selbst der Regenmantel, der einen sonst sicher durch den Alltag bringt, fühlt sich zu eng an. Wer nach einer Trennung mit Verlust- und Zukunftsängsten in eine Anpassungsstörung rutscht, erlebt oft neben Trauer einen Zustand, in dem das Leben vorübergehend seine Selbstverständlichkeit verliert.
Gerade hier beginnt die therapeutische Herausforderung: im behutsamen Wiederentdecken dessen, was trägt. Ressourcenorientierte Begleitung heißt, den Blick konsequent dorthin zu lenken, wo noch Kraft, Würde, Handlungsfähigkeit und Zukunftssinn vorhanden sind, auch wenn sie im ersten Moment kaum sichtbar erscheinen. Das ist weder Schönfärberei noch Verdrängung – es ist professionelle Präzision im Umgang mit verletzter Stabilität.
Trennungserfahrungen stellen nämlich nicht nur Bindung infrage, sondern auch Identität, Selbstwert und Lebensplanung. Wer therapeutisch arbeitet, kennt die Versuchung, sich vom Schmerz der Klienten mitreißen zu lassen. Hier braucht es einen zugewandten Gegenentwurf: Was ist trotz allem noch da? Welche Beziehungen, Routinen, Kompetenzen und Zukunftsbilder sind nicht verschwunden, nur verschüttet? Und wie kann aus dem Gefühl des Ausgeliefertseins ein positives Erleben von Einfluss entstehen?
In dieser Ausgabe erfahren Sie, wie aus Schwere wieder Leichtigkeit werden kann. Mit fachlicher Tiefe, klinischer Sensibilität und dem Mut, Ressourcen nicht als nettes Extra, sondern als therapeutische Kernkompetenz zu verstehen. Weitere Themen sind Narzissmus, Schutzreflexe bei Kindern, Begleitung älterer Menschen, Selbsthypnose, gesunde Ernährung im Alter, Ayurveda, neue Leichtigkeit, Yager-Code, Datenschutz in der Praxis u.v.m.
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!
Ihr
Dr. Werner Weishaupt Präsident des Verbandes Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e. V.
GENDER-HINWEIS Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Magazin auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.
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