Partner missbrauchter Frauen

Partner von Frauen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuell missbraucht wurden, sind in besonderem Maße herausgefordert. Wenn sie – manchmal erst nach Jahren des Zusammenlebens – von dem Missbrauch erfahren, sind sie geschockt und mit einer Flut von unterschiedlichen Gefühlen konfrontiert: mit Wut auf den Missbraucher, mit tiefem Bedauern, aber auch mit Hilflosigkeit und Überforderung. Auf der anderen Seite sind sie oft starker Kritik und Aggression von Seiten der Partnerin ausgesetzt. In dieser extrem belastenden Situation werden sie von TherapeutInnen häufig nicht wahrgenommen, während sie selbst sich nicht einmal engsten Freunden anvertrauen können.

Sexueller Missbrauch gehört zu den schwersten Eingriffen in das Autonomiegefühl eines Menschen. Diese Grenzüberschreitung zerrüttet die innere und äußere Integrität und beeinträchtigt lebensnotwendige Gefühle wie Vertrauen, Sicherheit, Nähe und Abgrenzung. Die direkten emotionalen Folgen können so schwerwiegend wie vielseitig sein.

Dazu gehören:

2006-04-frauen1• Schuldgefühle
• Mangelndes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl
• Angstzustände
• Schamgefühle
• Verlust von Gefühlen und Dissoziation
• Zwanghaftes Verhalten
• Selbsthass und Selbstverletzung
• Depression
• Aggressivität
• Regressives Verhalten
• Überangepasstsein
• Ablehnung des eigenen Körpers
• Kontaktstörungen, gestörtes Sozialverhalten
• Gestörte Sexualität
• Unterschiedlichste psychosomatische Störungen
und vieles mehr.

Mit all dem werden auch die Partner konfrontiert und müssen damit fertig werden. Wenngleich der Wille zu Verständnis und Einfühlung in der Regel vorhanden ist, stößt jeder Mann in so einer Situation schnell an seine Grenzen. Hilflos steht er der Situation gegenüber. Er ist damit das Co-Opfer des Missbrauchs und befindet sich ebenfalls in einer schweren persönlichen Krise.

Sein Alltag hat alle vorherigen Selbstverständlichkeiten verloren und er muss mit kaum berechenbaren, oft schmerzlichen Situationen fertig werden.

ABLEHNUNG UND AGGRESSION

2006-04-frauen2"Sie versucht mich zu dominieren, lockt mich, stößt mich dann weg."

Wenn die Partnerin jede Nähe ablehnt, unerwartet und unangemessen reagiert, sich zurückzieht oder sich sehr aggressiv verhält, ist es schwer, das nicht persönlich zu nehmen.

Auch wenn er das Verhalten der Partnerin als Folge des Traumas einschätzen kann, entsteht ein Gefühl von persönlicher Verletzung. Schließlich will er ja nur helfen und empfindet diese Reaktionen als ungerecht und kränkend. Der Partner muss lernen, diese Reaktionen nicht in Bezug zu sich zu sehen, sondern die innere Stärke entwickeln, dieses Verhalten wie die Symptome einer (hoffentlich vorübergehenden) Krankheit akzeptieren zu können.


AUSEINANDERSETZUNG MIT DEM TÄTER

"Manchmal erschrickt sie vor mir – da könnte ich heulen."

Die Wut, der Hass auf den Täter kann auch für den Partner ein zentrales Gefühl werden. Besonders wenn er wahrnimmt, dass ihn seine Partnerin scheinbar mit dem Täter verwechselt. Diese "Verwechslung" kann durch ein unbedachtes Wort, eine heftige Geste, leidenschaftliches Verhalten usw. ausgelöst werden.

Schnell entsteht hier eine tiefe Kränkung, das Gefühl, nun für den Täter den Kopf hin halten zu müssen bzw. mit ihm auf eine Stufe gestellt zu werden.

Tief im Inneren kommt es so auch zu einer Infragestellung des eigenen männlichen Selbstverständnisses. Das wahrscheinlich unbewusste Gefühl, als Beschützer zu versagen, und das durch den Täter beschädigte Männerbild, führen zu tiefer Verunsicherung über das eigene Rollenverständnis.

SEINE BEDÜRFNISSE

"Früher bin ich viel zum Sport gegangen – jetzt soll ich das nicht mehr, weil sie zuhause Ängste entwickelt."

Versteht der Partner auch die Probleme der Frau und die daraus resultierenden Veränderungen ihres Verhaltens, so bleiben seine Bedürfnisse und Wünsche doch vorhanden und können immer mehr zur Quelle von Unzufriedenheit und Frustration werden. Waren Aufmerksamkeit und das Gefühl, ernst genommen zu werden, sowie Sexualität und Nähe, doch auch Pfeiler der Beziehung, so steht, mit der neuen Situation, für ihn die gesamte Beziehung in Frage.

Diese Unzufriedenheit belastet die Beziehung noch zusätzlich, durch daraus entstehende Schuldgefühle und Verlustängste der Partnerin sowie sein Schuldgefühl für den "unmoralischen" Gedanken, in so einer Situation eine Trennung auch nur zu erwägen.

VERZICHT AUF GLÜCK

"Heute, wo der Missbrauch bekannt ist, da ist alles so schwierig geworden."

Leicht fühlt sich der Partner wie in eine Falle gefangen. Zwischen seiner Liebe und seinen Erwartungen an die Beziehung, den moralischen Implikationen und dem Wunsch nach Flucht wird er zerrieben.

Da waren einmal gemeinsame Pläne für die Zukunft, Geborgenheit und emotionale Sicherheit. Jetzt hat er das Gefühl, wegen eines Schicksalsschlages kein Recht mehr auf persönliches Glück zu haben.

DER HAUSHALT

"Sie vergisst alles, manchmal sogar essen und trinken."

Nichts ist mehr, wie es war. Das gilt auch für den Haushalt bzw. die Haushaltsführung. Die seelische Belastung raubt der Partnerin viel Kraft für die normalen, täglichen Besorgungen. Die wichtigsten bzw. selbstverständlichsten Dinge werden vergessen, bzw. bleiben einfach liegen.

Ihr verlorenes Selbstvertrauen lässt oft einfache Tätigkeiten nicht mehr zu, ohne Selbstwertgefühl erscheint ihr nichts mehr wirklich wichtig.

Der Partner ist hier gefragt die entstehenden Lücken zu füllen und viel mehr Verantwortung als früher für die Familie und den Haushalt zu übernehmen. Je nach seiner eigenen Haltung und Erfahrung fühlt er sich hier leicht überfordert und hilflos, die gesamten Anforderungen an ihn empfindet er als unsäglichen Stress.

FAZIT

Die Rolle als Partner einer missbrauchten Frau ist tragischer und belastender als es im Allgemeinen wahrgenommen wird. Seine seelische Situation bedarf darum ebenso psychologischer bzw. beratender Unterstützung.

Das ist natürlich auch im Interesse der Partnerin, denn bei der Bearbeitung und Verarbeitung ihres Traumas ist eine emotional stabile und sichere Partnerschaft sehr wichtig.

DAS KONZEPT "VERBÜNDETE"

Im Rahmen der Ahrensburger-Beratungsstelle für Frauen und Mädchen hat die Autorin in diesem Jahr ein neues Angebot gestartet. Unter dem Namen "Verbündete" hat sie für die Partner von sexuell missbrauchten Frauen ein spezielles Gruppenangebot eingerichtet. Es soll die psychologische und therapeutische Unterstützung von Partnern in dieser Situation gewährleisten.

Obwohl sich viele Männer noch scheuen, gezielte Unterstützung zu suchen, ist der Bedarf an dieser Hilfeleistung offenkundig. Um den Zugang zu dieser Hilfe zu erleichtern, war bald die Idee von einem speziellen Netzwerk "Verbündete" geboren.

Inzwischen wurden zwei weitere Therapeuten zur Zusammenarbeit in diesem Netzwerk gewonnen. Geplant ist die Ausweitung dieses Konzeptes über alle Regionen und dazu suchen wir noch interessierte Kolleginnen und Kollegen.

WARUM EIN NETZWERK "VERBÜNDETE"?

Jeweils individuelle Hilfe in den verschiedenen Regionen zu finden, ist für die Betroffenen schwer, nicht zuletzt aufgrund des Mangels an Information und konkreten Adressen.

Die Bereitschaft sich helfen zu lassen steigt aber mit dem leichteren Zugang zu problemspezifischen Angeboten. Ein übergeordnetes Netzwerk bietet hier die Möglichkeit zentraler Anlaufstellen, gemeinsamer Information und Öffentlichkeitsarbeit.

Kolleginnen und Kollegen, die an einer Zusammenarbeit mit dem Netzwerk "Verbündete" interessiert sind, können sich gerne an mich wenden.

 

Netzwerk "Verbündete":

Evelyn Böttger
Heilpraktikerin für Psychotherapie, Dipl. Paar- und Lebensberaterin
Gestalttherapeutin
22926 Ahrensburg
Telefon 0 41 02 / 5 20 77
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Dipl.-Psychologe
Bernhard Jäkel
22085 Hamburg
Telefon 0 40 / 22 69 23 47
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Michael Hoffmann
Heilpraktiker für Psychotherapie
60598 Frankfurt am Main
Telefon 0 69 / 20 32 92 25
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