Herbstliche Einladung zum Einlassen und Verzaubern

FP 0620 alles App Page7 Image1Die Tage werden spürbar kürzer, Herbstwinde ziehen über das Land, die Blätter verfärben sich in einem spektakulären Feuerwerk, durch das wir unsere Schritte lenken und somit selbst etwas Anteil an der Wandlungskraft der Natur haben können: Die „Dunkle Jahreszeit“ hat begonnen.

Jetzt beginnt die Zeit der Innenschau, Ernte wird eingefahren und wir sitzen bei heißen Getränken und vielen Gesprächen gemütlich beisammen. Wir bewahren all das, was im Sommer gewachsen ist, und sorgen dafür, dass es weiter reifen bzw. gut bewahrt werden kann: neben der Ernte von Getreide, Gemüse und Obst auch die Ernte unserer eigenen Erfahrungen, Erinnerungen, neuen Beziehungen und Projekte.

Damit all das in unserem Leben weiter wirken kann und Bestand hat, müssen wir zum einen achtsam damit umgehen und es zum anderen gut verwahren. Dazu gehört, dass wir unsere Ernte genau betrachten und für uns überlegen, welche Bedeutung diese speziell für uns hat: Ist es etwas, das weiter wachsen und gehegt und gepflegt werden will? Oder will ich es bewahren und an einem sicheren Ort ablegen, wo ich es jederzeit wieder hervorholen kann? Was es auch ist: Dieser Prozess der Klärung hilft uns, positiv mit den uns wichtigen Ereignissen umgehen zu können. So, wie Kartoffeln eingekellert werden und Gemüse eingelegt wird, können wir unsere eigenen Erträge an geeigneten Orten sicher und angemessen verwahren.

Der Herbst birgt eine große Symbolik in sich: Wandel, Umbruch und Reife. Jahr für Jahr spüren wir es, aber auch im Laufe eines Lebens, wenn wir selbst älter und reifer werden und sich mehr und mehr Erinnerungen angesammelt haben. Dann spü- ren wir, dass es immer wieder Zeiten der Rückschau, des Innehaltens geben muss, in denen wir all das Angesammelte für uns selbst klären und integrieren können, wieder zu unserer Mitte zurückfinden und wir erneuert weitergehen können.

Es braucht die Herbstwinde, um uns von Altem, nicht mehr Lebendigem lösen zu können und neue Klarheit zu erlangen. Es braucht die feurige Wandlungskraft, um auch uns zu inspirieren und weiterzubringen. Von der Natur können wir etwas über diese Transformationen lernen sowie über die Stille, die es braucht, um das Neue zu festigen und wirklich zu verinnerlichen.

Doch nicht jeder erlebt die herbstliche Stimmung positiv: Ein Großteil der Bevölkerung erlebt jetzt vermehrt Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Melancholie und ca. 3 % erleiden eine „echte“ Winterdepression mit den Symptomen einer klassischen Depression und zusätzlich atypischen Symptomen wie Heißhunger und ein vermehrter Schlafbedarf.

Wichtiges Kriterium hierbei ist, dass die saisonale Depression, zu der die Winterdepression gehört, saisonal – also zu bestimmten Zeiten (meist Herbst und Winter) auftritt und danach wieder abklingt. Doch wie kommt man dann gut durch den Herbst und Winter? Wie kann hierbei die Wandlungssymbolik helfen?

Akzeptanz

Die Annahme dessen, was ist, ist der erste Schritt, damit sich etwas ändern kann. Sich einzugestehen, dass die eigene Stimmung sinkt, sobald der Herbst beginnt, kann schon eine körperlich spürbare Erleichterung mit sich bringen.

Achtsamkeit

Ein liebevoller und achtsamer Umgang mit sich selbst tut jetzt besonders gut. Sich Zeit für sich selbst zu nehmen, für das, was einem guttut und neue Energie schenkt. Sei es lesen, ein wohltuendes Bad, Spaziergänge in der Natur. Achtsam auch mit den eigenen Empfindungen und Reaktionen umgehen: Was am Herbst/Winter ist es, das mich so … (müde, traurig etc.) macht? Was daran stimmt mich vielleicht sogar positiv (glücklich, hoffnungsvoll etc.)?

Atem

Unsere Atmung ist Ausdruck unseres Lebens. Immer wieder zu unserem Atem hinzuspüren, hilft, uns mit uns zu verbinden sowie achtsam mit uns zu sein. Achten wir auf unseren Atem, können wir schneller und bewusster erkennen, wo er stockt, und ihn dann absichtslos, aber achtsam fließen lassen.

Bewegung

Täglich Körperübungen (auch kleine und kurze!) zu integrieren, hilft zum einen, den Kreislauf anzuregen, und zum anderen auch unserer Psyche, im Fluss zu bleiben. Besonders hilfreich sind dafür Tanz, Yogaübungen sowie bewusstes Gehen. Später gebe ich eine konkrete Anleitung für eine solche Alltagsübung.

Natur

Lassen Sie sich von der Natur inspirieren! Erst waren da tausend verschiedene Farbtupfer, als die Blätter sich zu verfärben begannen, jetzt scheint alles still zu sein, wenn auch das letzte Blatt vom Baum von dem Wind heruntergeschüttelt wurde. Und doch ist die Natur immer und überall lebendig: Selbst in dem Winterwald wächst ein grünes Kraut, regen sich die Tiere … Lassen Sie die Natur auf sich wirken und seien Sie offen dafür, was sie in Ihnen selber anregt.

Vielleicht haben Sie auch Lust auf eine kleine Imagination: Stellen Sie sich die Stimmung eines wunderbar herbstlichen Waldes (eines Winterwaldes, eines nebelverhangenen Bergtals etc. – lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf und wählen Sie das herbstlich/winterliche Naturbild, das eine positive Stimmung in Ihnen hervorruft) vor ... lassen Sie diese in sich wirken ... was taucht auf – in Ihrem Körper (Empfindungen, Gefühle ...), welche Bilder oder Worte zeigen sich?

Nehmen Sie sich Zeit und spüren Sie in Ihrem eigenen Tempo nach ... wenn Sie mögen, können Sie Ihre Imaginationserfahrung in ein Bild oder ein Gedicht umsetzen – das ist Ihr kleiner persönlicher Farbtupfer, wenn die Stimmung nicht nur draußen immer dunkler und grauer wird.

Einlassen

Sich bewusst auf diese Jahreszeit, den Wandel, die Transformation einzulassen, bewirkt, dass wir offen für alles Kommende sind, und stärkt unsere Fähigkeit, genau im Hier und Jetzt zu sein, in dieser (Jahres-) Zeit zu leben und sich bewusst auf ihre Qualitäten einzulassen. Lassen wir uns ein, dann nehmen wir unsere Umgebung freier wahr, als wenn wir ausschließlich auf das uns Störende fokussiert sind.

Perspektivwechsel

Es kann heilsam wirken, wenn wir das Ganze aus einem anderen Blickwinkel und vielleicht sogar aus der Distanz betrachten. So können wir auch den positiven Aspekt dieser bunten und stürmischen Jahreszeit sehen: Veränderung und Erneuerung, die mit den Winden direkt zu uns getragen werden. Das schwindende Licht, das ebenso regelmäßig am kürzesten Tag des Jahres wiederkehrt und Tag für Tag stärker wird. Aus einer anderen Perspektive nehmen wir auf einmal die gewaltige Kraft und Schönheit des Wandels und die Lebensrhythmen wahr, von denen auch wir bestimmt werden und die genau wissen, wann es Zeit für einen Wechsel ist.

Märchen

Was eignet sich besser als ein stürmischer und verregneter Nachmittag, um Märchen vorzulesen, sich vorlesen zu lassen oder selber zu lesen? Märchen bergen ihren ganz eigenen Zauber, der nicht nur Kinder in den Bann zieht. Für uns Erwachsene halten sie oft manche Lösung bereit, die uns überraschen kann. Vielleicht lassen Sie sich inspirieren, in die Welt der Märchen entführen, entdecken dabei Ihre eigene ganz persönliche Symbolik darin oder schreiben sogar Ihr eigenes (Lebens-)Märchen.

Diese kleinen Hilfsmittel sollen Ihnen bei aufsteigendem „Winterblues“ helfen, diese Zeit des Jahres dennoch gut für sich zu nutzen. Sicher fallen Ihnen noch ganz persönliche Ressourcen ein, für die Sie in dieser Jahreszeit vielleicht sogar mehr Zeit haben. In einem Bildungsurlaub haben wir ganze Metaplanwände voller Ressourcen gesammelt. Die Teilnehmer (immer m/w/d) waren erstaunt über den Reichtum an Schätzen, die schon da sind, aber häufig nicht gewürdigt werden.

Vielleicht wollen Sie sich selbst jetzt kurz Zeit nehmen, um Ihre Ressourcen zu notieren und damit Ihre eigene kleine Schatzkiste zusammenstellen, in der Sie bei Bedarf stöbern und den für Sie passenden Schatz heraussuchen können, wenn sich Antriebslosigkeit und Müdigkeit ausbreiten.

Als Abschluss gebe ich Ihnen eine konkrete Übung mit, die Sie jederzeit in Ihrem Alltag integrieren und je nach Stimmung oder vorhandener Zeit länger oder kürzer gestalten können. Ich empfehle die Morgen- oder Abendstunden dafür. Probieren Sie aus, wann Ihr individuell passender Zeitpunkt ist.

  • Stellen oder legen Sie sich hin (variieren Sie hier ruhig und finden Sie so heraus, was Ihnen zu welcher Zeit guttut).
  • Spüren Sie den Boden und fühlen Sie, wie er Sie trägt.
  • Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf Ihren Atem
  • Nehmen Sie ihn einfach wahr, ohne etwas verändern zu wollen.
  • Verweilen Sie etwas und spüren nach, wie Sie sich jetzt in Ihrem Körper fühlen.
  • Vielleicht taucht nach einiger Zeit der Impuls auf, sich zu bewegen: Gehen Sie diesem nach und folgen Sie Ihrem Körper in seinen Bewegungen.
  • Taucht kein solcher Impuls auf, gehen Sie bewusst ein paar Schritte ... lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit in Ihre Füße ... in die Knie ... nehmen Sie zu Ihrer Bewegung die Arme hinzu ... die Hände ... beziehen Sie Ihren ganzen Körper mit ein: Hüfte, Becken, Rücken, Brust, Nacken, Kopf und lassen Sie so Ihren eigenen „Tanz“ entstehen, eine Folge individueller Bewegungsabläufe, die Ihren gesamten Körper miteinbeziehen und Sie mit frischer Energie versorgen. Bleiben Sie so lange in der Bewegung, wie sie Ihnen guttut.
  • Kommen Sie zur Ruhe – entweder im Stand oder liegend.
  • Spüren Sie Ihrer Bewegung nach, beobachten Sie Ihren Atem, Ihren Energiefluss im Körper: Hat sich etwas verändert?
  • Schließen Sie die Übung ab und genießen Sie die frische Energie, die jetzt durch Ihren Körper pulsiert.

Quellen

Selina DanischSelina Danisch
Heilpraktikerin für Psychotherapie
mit Praxis in Braunschweig, Dozentin

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Foto: ©Smileus

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