Häuptling Heinrich sorgt für Sicherheit!

Außer sich sein!
Was passiert bei Trauma und großem Stress in unserem Gehirn?

FP 0520 App kompl Page40 Image1Menschen, die traumatische Erfahrungen in ihrem Leben machen mussten, sind oft völlig überrascht über ihre eigenen – wie sie finden – seltsamen, unberechenbaren, unverständlichen Reaktionen, oft auch noch Jahre nach den fürchterlichen Ereignissen. So leiden sie doppelt: einerseits unter den Traumafolgen selbst und andererseits daran, dass sie von sich denken, mit mir stimmt etwas nicht. Oder daran, dass sie zu schwach sind und unfähig, ihre schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten, und sie befürchten gar, verrückt geworden zu sein.

Aus der neueren Forschung wissen wir, wie wichtig es ist, dass Menschen im Sinne der Psychoedukation verstehen lernen, was in ihnen vor sich geht. Denn mit dem Wissen darum, was passiert, wenn wir in Wut oder Stress geraten oder von heftigen Gefühlen überschwemmt werden, wird es etwas einfacher zu lernen, Verständnis für die eigenen Reaktionsweisen aufzubringen und damit auch sich selbst zu regulieren. Schon allein das Bewusstwerden über diese Vorgänge hilft uns dabei, bessere Entscheidungen zu treffen, und ist somit ein wesentlicher Teil der Stabilisierung und des Heilungsprozesses.

Um diese Abläufe und Reaktionen in unserem Gehirn für unsere Klienten bildhaft und spielerisch darstellen zu können, haben wir – Anette Frankenberger, systemische Paar- und Familientherapeutin, Klaus Meilinger, systemischer Berater, Jule Pfeiffer-Spiekermann, Kunsttherapeutin und Illustratorin – das „HirnkastlSet“ mit neun Magnetfolien entwickelt.

Hier die stark vereinfachte Version der Abläufe unter Stress

FP 0520 App kompl Page41 Image3Unser Hirnkastl

Es besteht aus einem Oberstübchen – dem Neocortex, das ist jener Teil, den wir stark vereinfacht mit dem „Verstand“, dem Denken gleichsetzen können, und einem Unterstübchen – dem limbischen System, das ist der „fühlende“ Gehirnteil mit der Amygdala, die für unsere Sicherheit und unser Überleben sorgt.

Wir wollen versuchen, die Vorgänge sinnbildlich mit Personen darzustellen:

Wer wohnt alles im Oberstübchen?

Der beruhigende BerndDie Problemlöser-PetraDer beruhigende Bernd hilft dabei, dass wir uns nach einer aufregenden Situation daran erinnern können, was uns am besten hilft, um wieder „runterzukommen“ und zur Ruhe zurückzufinden.

Die Problemlöser-Petra, die kreative Katrin und der flexible Fred arbeiten oft bei der Lösungsfindung zusammen. Sie schätzen die Lage ein, in der wir uns gerade befinden, und helfen dann dabei, aus einer verzwickten Situation wieder herauszufinden, neue Wege für eine Lösung zu suchen und dabei beweglich zu bleiben.

Die empathische Erika unterstützt uns dabei, Mitgefühl zu entwickeln und uns in andere hineinzuversetzen. Sie ist aber auch für den liebevollen Blick auf uns selbst zuständig.

Die kreative KatrinUDer flexible Frednd der gesprächige Gerd findet die richtigen Worte für das, was wir gerade erlebt haben, was uns bewegt und welche Bedürfnisse wir nun haben, sodass wir uns anderen mitteilen und unser Erleben und Verhalten verständlich machen können.

Und wer bewohnt das Unterstübchen?

Hier finden wir die ängstliche Annie und den Chef: Häuptling Heinrich. Sie sind sehr damit beschäftigt, darauf zu achten, dass all unsere Grundbedürfnisse erfüllt werden und wir stets in Sicherheit sind.

Die empathische ErikaDer gesprächige GerdWenn die ängstliche Annie irgendwo eine Gefahr wahrnimmt und ihrer Natur gemäß in Panik gerät, alarmiert sie Häuptling Heinrich, der dann sofort unser gesamtes System (Körper und Geist) in Alarmbereitschaft versetzt. Er übernimmt die Kontrolle und kappt als Erstes die Verbindung zum Oberstübchen.

Jetzt sind alle, die oben wohnen, buchstäblich stumm geschaltet und können sich nicht mehr mit denen im unteren Bereich abstimmen. Es läuft nur noch das archaische Notprogramm, das im schlimmsten Fall unser Überleben sichert. Abstimmung und Nachdenken würde viel zu viel Zeit kosten.

Die ängstliche AnnieDenn jetzt muss alles schnell gehen, sehr schnell! Häuptling Heinrich sorgt dafür, dass unser Herz schneller schlägt und unsere Muskeln sich straffen und vorspannen, falls wir fliehen oder kämpfen müssen. Wenn das aber unmöglich erscheint, kann Häuptling Heinrich auch dafür sorgen, dass wir ganz stillhalten, so als würden wir uns totstellen.

Was aber, wenn die ängstliche Annie sich geirrt hat? So etwas passiert viel schneller, wenn wir in unserer Lebensgeschichte schon mehrere schlimme Erfahrungen machen mussten. Annie vermutet dann schnell überall Gefahr und ist viel leichter aus der Fassung zu bringen. Dann startet Häuptling Heinrich das Notprogramm mal wieder ganz umsonst und aus einem scheinbar winzigen Anlass flippen wir aus. Wir schreien und toben, vielleicht schlagen wir sogar um uns. Oder wir werden ganz blass und still, es verschlägt uns die Sprache.

Eigentlich bräuchten wir jetzt dringend die Unterstützung vom beruhigenden Bernd oder von der Problemlöser-Petra, aber die wohnen ja oben und sind gerade abgeschaltet.

Deshalb funktioniert es auch nicht, wenn man jemanden im Alarmmodus auffordert, sich doch bitte zu beruhigen oder zu erzählen, was denn eigentlich los ist oder sich gar einfühlsam und rücksichtsvoll zu zeigen gegenüber den Bedürfnissen anderer. Geht nicht, weil diese Qualitäten gerade gar nicht zu Verfügung stehen, sondern von Häuptling Heinrich übersteuert werden.

So etwas passiert uns allen einmal, wenn wir uns zu sehr ängstigen oder aufregen. Aber hat man jemals Mama oder Papa gesehen, wie sie sich schreiend im Supermarkt auf den Boden werfen, weil ihr Lieblingsjoghurt aus ist?

Bei Kindern sind die Bewohner der Oberstübchen aber noch nicht ganz fertig entwickelt (diese Entwicklung ist in der Regel erst bis zum Alter von 25 Jahren abgeschlossen), es kann leichter passieren, dass Häuptling Heinrich bei ihnen aus winzigem Anlass „ausflippt“ und das Notprogramm startet. So haben sie dann buchstäblich vorübergehend „den Verstand“ verloren.

So hilft das Hirnkastl-Set auch Eltern dabei, das anstrengende und manchmal rätselhafte Verhalten ihrer Kinder besser einzuordnen und anders darauf zu antworten, anstatt mit den Kindern zu eskalieren und deren Stressprogramm und auch das eigene weiter anzufeuern. Auch Kinder und Jugendliche bekommen damit eine Vorstellung über die Abläufe in ihrem Gehirn und finden eher Worte dafür.

Uns allen geht es natürlich am besten, wenn die Bewohner von Ober- und Unterstübchen gut zusammenarbeiten. Wir stellen uns vor, wie Botschaften und Aufgaben zwischen unten und oben ausgetauscht werden. Wenn die Bewohner unseres Hirnkastls in gutem Kontakt miteinander sind, können wir die richtigen Entscheidungen treffen, mit anderen Leuten auskommen, Freundschaften schließen und uns tolle Sachen ausdenken. Wir können uns auf Veränderungen kreativ einstellen, uns empathisch in andere einfühlen und neue Lösungen für Probleme finden. Und wenn wir in eine brenzlige Situation geraten, ist es mithilfe der Leute im Oberstübchen möglich, dass wir uns erst mal beruhigen und nachdenken und unsere Handlungen abwägen, bevor wir reagieren. Auch wenn Annie dann mal misstrauisch und alarmiert ist, kann sie zusammen mit Gerd um Hilfe bitten oder mit Petra nach Lösungen suchen, ohne allzu schnell Häuptling Heinrich die Führung übernehmen zu lassen.

Das sagen unsere Klienten

Eine Schulsozialarbeiterin: „Wow, das war heute eine kleine Erleuchtung. Jetzt kann ich die Kinder und Jugendlichen besser verstehen, mit denen ich arbeite.“

Eine Klientin: „Darf ich das für mich fotografieren? Jetzt weiß ich endlich, dass ich nicht verrückt bin, und verstehe, warum ich so oft einfach keine Worte für meinen Zustand finden kann.“

Ein Vater in der Erziehungsberatung: „Dann muss ich wohl erst mal meinen eigenen Häuptling Heinrich wieder einfangen, bevor ich meinen kleinen Sohn im Trotzalter beruhigen kann!“

Ein Klient: „Danke für die Erklärungen zu den Hirnis, das macht für mich begreifbar, warum meine Freundin so reagiert, wenn ihre früheren Erfahrungen des Missbrauchs angetriggert werden, und ich kann sie dann leichter in Ruhe lassen.“

FP 0520 App kompl Page43 Image3An wen richtet sich das Set – wer kann’s brauchen?

Das „Hirnkastl-Set“ kann vor allem in der Beratung und therapeutischen Begleitung von Erwachsenen und Kindern mit traumatischen Erfahrungen eingesetzt werden – z. B. in (trauma-)therapeutischen Praxen, heilpädagogischen Einrichtungen und auch in der Fortbildung von psychologischen und pädagogischen Fachkräften. Es passt auch gut in die Erziehungsberatung.

Durch das Hantieren mit den beweglichen Magnetfiguren auf einer Tafel wird das Geschehen im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar. Da die verschiedenen Gemütszustände und sozialen Kompetenzen als Personen dargestellt sind, fällt es leichter, sich damit zu verbinden, darüber ins Gespräch zu kommen und heilsame Prozesse anzustoßen.

Das Set ist so gestaltet, dass Therapeuten und Berater (m, w, d) es ganz einfach und selbstverständlich mit ihren ganz eigenen Worten passend zu ihrer spezifischen Arbeitsweise einbauen können.

Das Set

  • neun Magnetfolien (acht Figuren und ein Gehirn)
  • vier kleine Magnete
  • zwei Absperrbänder
  • ein Begleittext
  • auf Wunsch mit Power-Point

Die Bezugsquelle
www.anettefrankenberger.de

Anette FrankenbergerAnette Frankenberger
Systemische Paar- und Familientherapeutin,
Supervisorin in eigener Praxis 

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