Stress, Burnout, Depression: Wie alles zusammenhängt und was helfen kann

©PaoleseWann wird aus Stress Burnout? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Burnout und Depression? Warum leiden so viele Menschen in Deutschland unter stressbedingten psychischen Erkrankungen und was kann man dagegen tun?

Mehr als 15 % der Fehltage in Betrieben lassen sich auf psychische Ursachen zurückführen. Das verursacht sozialwirtschaftliche Kosten von fast drei Milliarden Euro jährlich.

Doch was sind die Ursachen? Was passiert mit den Menschen in unserem modernen Sozial- und Wirtschaftssystem?

Tatsache ist, unsere Gesellschaft hat sich verändert. Status, Leistung und Materialismus haben an Bedeutung gewonnen. Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Druck nimmt zu. Hohe Mieten und Kredite müssen bezahlt werden und in der Arbeitswelt werden die Ziele und Anforderungen immer höher gesteckt. Es entsteht ein enormer Leistungsdruck, verbunden mit immer weniger Zeit für persönliche Freiräume und Erholung. Dies kann dazu führen, dass sich die Betreffenden irgendwann in einem Hamsterrad wiederfinden.

Angst, nicht perfekt genug zu sein, Angst den Arbeitsplatz zu verlieren, das Gefühl, noch mehr leisten zu müssen, um Anerkennung zu bekommen, uneingeschränkte Erreichbarkeit und Arbeitszeiten, die keinen Raum mehr für ein erfülltes Privatleben ermöglichen – all das erzeugt Stress. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die nicht mehr der menschlichen Natur gerecht wird. Doch wie lange kann ein Mensch diesen Stresslevel halten?

Natürlich ist das bei jedem Menschen unterschiedlich, abhängig von der persönlichen Resilienz. Manchmal kann ein hoher Stresslevel über Jahre hinweg gut gehen und wird oft durch enorme Leistungsbereitschaft kompensiert – bis dann irgendwann die Seele anfängt, Signale zu senden.

Ein Beispiel aus der Praxis

Herr H., Abteilungsleiter in einem Pharmakonzern, wurde vor drei Wochen wegen akuter Erschöpfungszustände krankgeschrieben.

Er erzählt davon, wie sehr er sich anfangs mit seiner Arbeit identifiziert hatte und teilweise von morgens früh bis abends spät im Büro saß. Er fühlte sich gebraucht, ja fast unersetzlich. Er war erfolgreich und investierte all seine Kraft und Energie in den Job. Das ging über einige Jahre so, wobei ihm kaum noch Zeit für Freizeitaktivitäten mit seiner Familie blieb. In seiner kargen Freizeit ging er so oft er konnte zum Joggen, um „den Kopf frei zu bekommen“.

Dann, nach Jahren der intensiven Leistungsbereitschaft hatte er zusehends den Eindruck, je mehr er sich einbrachte, umso höher wurden die Anforderungen. Dabei merkte er, wie Ärger in ihm aufstieg und er diese ständige Fremdbestimmung nur noch schwer ertragen konnte. Also joggte er noch mehr um dem Ärger und der langsam aufsteigenden Angst davonzulaufen.

Irgendwann ging ihm die „Puste aus“ und seine Leistungsbereitschaft nahm ab, erst unmerklich und dann immer rascher. Er fand sich oft am Schreibtisch wieder, teilnahmslos in den Computer starrend.

Bald darauf bemerkte er, wie sich eine große Erschöpfung in ihm ausbreitete, geistig sowie körperlich. Er kam morgens nur noch schwer aus dem Bett und seine Frau beklagte sich darüber, dass er genervt und aggressiv sei und sich immer mehr zurückziehen würde. Anfangs dachte er noch, „das wird schon wieder“, aber es wurde schlimmer.

Irgendwann überredete ihn seine Frau dazu, endlich einen Arzt aufzusuchen, der dann die Diagnose „Burnout“ stellte und ihm eine Auszeit sowie psychotherapeutische Begleitung empfahl.

In der Behandlung lernt er nun, achtsamer mit seinen Bedürfnissen umzugehen und Freiräume für sich persönlich einzuplanen. Mithilfe der MBSR-Methode (Mindfull Based Stress Reduction) erfährt er, wie wohltuend und heilsam eine Kombination aus verschiedenen Entspannungsübungen, wie z. B. Bodyscan (achtsam den Körper beobachten), Sitzmeditationen oder leichte Yogaübungen sein können. Die Übungen sind nicht nur für den Moment wirksam, sondern verändern auch nachhaltig den Cortisolspiegel im Blut.

Was im Körper passiert

Cortisol wird in der Nebennierenrinde hergestellt und ist sozusagen unser Stresshormon, das bei „Alarmbereitschaft“ vermehrt in den Körper ausgeschüttet wird.

Sollte unser Leben aus permanenten Stresssituationen bestehen (oder sich zumindest so anfühlen), setzt der Körper ununterbrochen das Hormon Cortisol frei. Ein chronisch erhöhter Cortisolspiegel wird mit einer herabgesetzten Immunfunktion, Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit und Herzerkrankungen in Verbindung gebracht. Außerdem kann er Hirnleistungsstörungen, Angstzustände, Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen oder auch Konzentrationsprobleme verursachen. Stress hat also eine negative Wirkung auf viele kognitive Funktionen.

Weiterhin verringert Cortisol die Neubildung von Hirnzellen, indem es die Produktion des Wachstumsfaktors BDNF hemmt — ein Protein, das eine entscheidende Rolle bei der Stimulierung neuer Hirnzellen spielt. Die neurobiologischen Auswirkungen von Meditationsübungen auf die Hirnaktivität und Hirnstruktur konnten wissenschaftlich sichtbar gemacht werden. Es hat sich gezeigt, dass wir tatsächlich durch Meditation und Achtsamkeit unser Gehirn und damit sogar unsere Persönlichkeit verändern können.

Die Amygdala ist Teil des limbischen Systems im menschlichen Gehirn und unter anderem zuständig für die emotionale Bewertung von Situationen. Genau dieser Bereich ist bei Meditierenden weniger aktiv. Dadurch sind sie in der Lage, Konflikten und Problemen weniger irrational zu begegnen. Auch der Hippocampus ist Teil des limbischen Systems und reguliert ebenfalls emotionale Reaktionen. Durch fortwährenden Stress verkleinert sich der Hippocampus. Das kann ein emotionales Ungleichgewicht bis hin zu depressiven Erkrankungen nach sich ziehen. Dank der Stressregulation bei Meditationen und Achtsamkeitsübungen verdichtet sich die graue Substanz des Hippocampus und die Fähigkeit zur Regulierung emotionaler Reize verbessert sich.

Es gibt in Deutschland ca. 4,9 Millionen Menschen, die unter Depressionen leiden. Es werden doppelt so viele Antidepressiva verschrieben wie noch vor zehn Jahren. Studien zufolge stellt die tägliche und intensive Meditation sowie auch die Psychotherapie tatsächlich wirksame Alternativen für die Behandlung depressiver Erkrankungen mit pharmazeutischen Mitteln dar.

Fazit

Um Burnout und Depressionen vorzubeugen und Stress zu reduzieren, gibt es effektive Methoden:

  • achtsam mit den eigenen Bedürfnissen umgehen
  • Erschaffen von persönlichen Freiräumen
  • Sport und Bewegung
  • berufliche Erreichbarkeit am Abend und am Wochenende unterbinden
  • tägliche Auszeiten für Meditations- und Achtsamkeitsübungen einplanen
  • gesunde vitaminreiche Ernährung

Martina RiepoldMartina Riepold
Heilpraktikerin, Pädagogin, systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin

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