Psychologische Allergiebehandlung nach Dr. Werner Weishaupt

fotolia©aytuncoylumSind psychische Konflikte das Missing Link für eine erfolgreiche Allergiebehandlung? Nach über zwanzig Jahren psychotherapeutischer Tätigkeit und vielen Hundert dauerhaften Allergielöschungen mit der Psychosoma-tischen Kinesiologie liegt für mich der Zusammenhang von konflikthaften Belastungen im Leben der Patienten einerseits und bestimmten allergischen Reaktionen andererseits so deutlich auf der Hand, dass er bei jeder Form von Allergietherapie berücksichtigt werden sollte.

Die Quintessenz dieser Erfahrungen, die sich mit denen in den Praxen meiner vielen Schülerinnen und Schüler decken, ist:

Allergien sind Reaktionen auf Psychostress und spezifische Konflikte. Ohne diese seelische Komponente gibt es keine allergische Reaktion.

Die gelernten Verhaltensmuster können auch wieder verlernt und „gelöscht“ werden.

Dazu ist es erforderlich, den Ursprungskonflikt bewusst zu machen. Wenn er verarbeitet wird, werden die allergischen Reaktionen überflüssig.

Dieser Ansatz ist in weiten Bereichen der Schulmedizin leider immer noch unbekannt und unberücksichtigt – obwohl ich die genaue Vorgehensweise bereits im Artikel „Allergien erfolgreich mit psychosomatischer Kinesiologie behandeln“ (Paracelsus Magazin 02.11) beschrieben habe.1)

Im Frühjahr 2013 brachte die BILD-Zeitung eine Artikelserie zum Thema „Volkskrankheit Allergie“. Dort wurde berichtet, dass schon fast jeder dritte Deutsche von dieser Krankheit betroffen ist – mit steigender Tendenz. Allein bei Heuschnupfen habe sich die Zahl der Betroffenen in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt. 14 Millionen Menschen in Deutschland litten heute darunter. Knapp 7 Millionen hätten eine Kontaktallergie und rund 4,8 Millionen vertrügen bestimmte Nahrungsmittel nicht.

Als Experte wurde Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier interviewt, damals Uni Köln, heute Leiter des Allergie-Centrums an der Charité in Berlin. Auf die Frage: „Warum haben wir Allergien?“ antwortete er: „Allergien können sich jederzeit bilden. Eine Ursache könnte die moderne übertriebene Reinlichkeit sein. Sie verweichlicht unser Immunsystem. Zudem kann starker Stress allergische Symptome verstärken. Warum das Immunsystem plötzlich verrückt spielt, wissen Forscher nicht genau. Bekannt ist, dass Allergien häufig vererbt werden ...“2)

Jeder betroffene Allergiker weiß, dass spezifischer Stress – sei es im Beruf, sei es in der Familie – seine allergischen Symptome verstärken kann. In der Regel hilft ihm diese Beobachtung aber nicht unbedingt weiter, die auf ihn einwirkenden Stressfaktoren so zu minimieren, dass auch seine Symptome sich wieder reduzieren oder sogar ganz verschwinden. Das hängt einfach damit zusammen, dass die Art und Weise, genau so – nämlich mit einer Überreaktion auf bestimmte Reize aus der Umgebung mit einer verstärkten Histamin-Ausschüttung zu antworten – schon sehr viel früher in seiner Lebensgeschichte gelernt wurde.

Anders ist es überhaupt nicht zu erklären, dass z. B. jemand bis zu seinem 22. Lebensjahr Weizen, Äpfel, Nüsse und Birkenpollen vertragen und problemlos tolerieren konnte – aber ab dem 23. Lebensjahr plötzlich nicht mehr! Insofern lohnt sich doch hier die Frage: „Was genau ist in diesem Lebensalter passiert?“ Was hat der Betreffende Besonderes erlebt, das er „nicht verdauen konnte“, auf das er möglicherweise „verschnupft reagiert“ hat? Oder mit welcher Person bekam er in diesem Alter zu tun, der er sich nicht gewachsen fühlte, auf die er anfing – im übertragenen Sinne – überempfindlich und eben „allergisch“ zu reagieren?

Fragen wir hier den bewussten Verstand, fällt den meisten Patienten spontan wenig ein. Der eine oder andere kann sich an besondere Ereignisse erinnern – wie Neustart im Beruf, Wechsel in eine andere Abteilung, Umzug in eine andere Wohnung oder Stadt, Beginn oder Ende einer partnerschaftlichen Beziehung u. a. m. Im Einzelfall kann das natürlich auch etwas auf der körperlichen Ebene gewesen sein, wie ein schwerer Infekt, eine Impfung, neu eingesetzte Zahnmetalle etc.

Wollen wir den auslösenden Ursprung genau erfassen, ist es viel verlässlicher, das Unbewusste des Patienten zu befragen, in dem alle Lebenserinnerungen präzise gespeichert sind. Auf dieser Ebene vergessen wir nichts, was ein genialer Einfall der Natur ist, denn sonst könnten wir wohl kaum etwas aus Erfahrungen lernen! Und mit dem kinesiologischen Muskeltest, dessen Validität inzwischen in vielen Studien belegt worden ist, bekommen wir Zugang zu genau dieser Ebene unseres Organismus (vgl. Andreas und Claudia Niklas: „Yes, we can!“ Kinesiologie und Wissenschaft, München, 2013).

Die „Wissenschaft von der Bewegungsenergie im menschlichen Organismus“ (Kinesiologie) geht von folgenden Grundannahmen aus:

  • Über den Muskeltest bekommen wir einen präzisen Zugang zum Unbewussten und zum Körper, wenn wir über Vortests und ggf. Vorkorrekturen für eine klare und eindeutige Signalgebung sorgen.

  • Dort ist alles gespeichert, was wir jemals erlebt haben, genauso wie alles, was der Körper für seine Gesundheit wissen muss. Unser Organismus weiß, was uns guttut und was uns schadet – und: Worauf wir allergisch reagieren, in welchem Alter wir damit angefangen haben und warum bzw. wozu. In der Regel haben nämlich diese Reaktionen in irgendeiner Weise einer Konfliktvermeidung, -verschiebung oder -lösung gedient (s. Tabelle 1). Diese Zusammenhänge gilt es, sich zuerst einmal bewusst zu machen und zu verstehen.

  • Dann kann mithilfe von Originalsubstanzproben oder entsprechenden Testampullen kinesiologisch ausgetestet werden, auf welche Stoffe das Immunsystem überreagiert. (Bezugsquelle für Allergietestkästen: https://www.kinesiologie-zubehoer.de/) In der Regel sind das eigentlich harmlose Substanzen wie Blütenpollen, Tierhaare, bestimmte Nahrungsmittel usw., die körperfremde Eiweiße enthalten. Sie sind aber zu Triggern geworden, dadurch dass der Organismus – im Sinne eines bedingten Reflexes – in der ursprünglichen Situation gelernt hat, diese Substanzen mit dem erlebten unbewussten Konflikt zu koppeln.

  • Die allergische Überreaktion auf diese Trigger findet seitdem jeweils zuerst im Meridiansystem statt, löst innerlich Panik aus und blockiert den freien Fluss der Lebensenergie (vgl. Werner Weishaupt: „Heimliche Allergien machen unheimliche Angst“, Freie Psychotherapie 02.04). Erst danach reagieren wir auf der körperlichen Ebene, in unseren Zellen, mit unseren Hormonen, auf der Haut und/oder der Schleimhaut etc. Es kommt zu den typischen Symptomen wie Juckreiz, Hautentzündungen, Triefnase oder Atemnot.

Die Psychologische Allergiebehandlung erfolgt in zwei Schritten:

a) Test und Auflösung von Eigensabotagen

Nach meinen langjährigen Erfahrungen greift letztlich keine Allergiebehandlung – weder eine schulmedizinische noch eine naturheilkundliche – wenn sie diese psychosomatischen Zusammenhänge nicht berücksichtigt. Denn dann wird das Unbewusste des Patienten dafür sorgen, entweder bestimmte wichtige Auslöser zu verstecken oder auf andere Weise den Erfolg der therapeutischen Maßnahmen zu sabotieren, z. B. durch „Rückfälle“ oder Symptomverschiebungen aller Art (vgl. Werner Weishaupt: „Von Widerstand und Eigensabotage“, Freie Psychotherapie, 03.06).

Konkret lassen wir den Patienten aussprechen: „Ich will, kann und darf frei werden und bleiben von allen meinen Allergien.“ Und in gleicher Weise das Gegenstatement: „Ich will, kann oder darf das nicht.“ Nur wenn die Testmuskeln nach dem ersten Statement klar ein „Ja“ anzeigen (stark haltender Muskel) und nach dem zweiten ebenso klar ein „Nein“ (weich nachgebender Muskel), können wir mit der oben beschriebenen Suche nach den Allergieauslösern beginnen. Nur dann wird uns der Körper eindeutig signalisieren, worauf er unverträglich reagiert.

FP 0119 kompl big Page34 Image1Zeigt der Muskeltest jedoch innere Widersprüche an, z. B. ein Arm hält dem Testdruck stand, der andere jedoch nicht, müssen wir diese zuerst auflösen. In der Regel reicht es hier aus, den Akupunkt Dü 3 (s. Abb.) in Kombination mit der – mehrfach wiederholten – Standardaffirmation zu klopfen: „Trotz aller inneren Widersprüche liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz.“

In allen anderen Fällen ist es sinnvoll, die vorhandenen Beharrungsmuster herauszuarbeiten und aufzulösen. Dabei helfen uns verschiedene Testlisten und andere kinesiologische bzw. psychologische Werkzeuge, um die Testperson für konstruktive Konfliktlösungen zu öffnen.

b) Allergielöschung und Herstellen einer neuen Balance

Wenn wir auf diese Weise alle Voraussetzungen geschaffen haben, kann der eigentliche Stressausgleich mit den Allergieauslösern beginnen. Dazu werden die herausgefundenen Substanzproben auf den Bereich des Akupunkts ZG 6 (ca. eine Handbreit unterhalb des Bauchnabels des Patienten) gelegt. Dieser Stressreiz führt zu einem schwach testenden Muskel. Nun lässt man die getestete Person ihre Stirnbeinhöcker (emotionale Testpunkte) berühren. Schaltet dadurch der Testmuskel wieder um und gibt ein starkes Signal, kann man davon ausgehen, dass die Unverträglichkeit emotionale Ursachen hat. In diesem Falle überprüft man im nächsten Schritt mithilfe des Muskeltests, in welchen Meridianen durch das Auflegen der Substanzen Blockaden ausgelöst wurden, sodass die Lebensenergie dort nicht mehr frei fließen konnte. Nach den Vorstellungen und Erfahrungen der chinesischen Medizin, die in die Kinesiologie aufgenommen wurden, geht es darum, schon auf dieser Meridianebene eine Überreaktion zu verhindern und ein „Umlernen“ für die Zukunft zu initiieren. Infolgedessen bleibt der Rest des Organismus in der Zukunft dann praktisch verschont und entwickelt gar nicht mehr die sonst üblichen Haut- und Schleimhautreaktionen bzw. chronischen Beschwerden.

Als hilfreiches Instrument hat sich hier die „Testliste der Emotionen und Konflikte“ (https://www.kinesiologie-zubehoer.de/) erwiesen, die ich 2006 entwickelt habe und die in den „Fachausbildungen zur Psychosomatischen Kinesiologie®“ in verschiedenen Paracelsus Schulen näher vorgestellt wird. Bezogen auf die einzelnen Meridiane und Organe sind hier jeweils rund 20 Stichworte aufgelistet, die uns erlauben, schnell und einfach herauszutesten, in welchem Meridian eine Blockade ausgelöst wurde und darüber hinaus mit welchem ursächlichen Gefühl oder Konflikt sie zusammenhängt. Diese Ergebnisse werden mit der getesteten Person im Einzelnen durchgesprochen, sodass sie lernt, sich selbst und ihre psychosomatischen Reaktionen immer besser zu verstehen.

Anschließend kommt wieder die Klopfakupressur zur Anwendung, indem mit den aufliegenden Substanzproben die Anfangs- oder Endpunkte des getesteten Meridians rhythmisch beklopft werden. Dies geschieht ebenfalls in Verbindung mit heilenden Affirmationen, etwa ein bis zwei Minuten lang. Dann wandert man zum nächsten Meridian weiter und wiederholt das Ganze so lange, bis alle Meridiane stark testen – für Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft (s. Tabelle 2).

Zum Schluss überprüft man noch einmal per Muskeltest, ob der Allergieausgleich nun komplett ist.

Schließlich ist es auch sinnvoll zu testen, ob ggf. diese Balance noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden soll, was manchmal sinnvoll ist, wenn der Patient bestimmte Auslöser nicht meiden kann – z. B. bestimmte Pollen in der Blühsaison einzelner Pflanzen. Sonst ist es meist nicht erforderlich, die früheren Allergieauslöser noch weiterhin zu meiden, da der an sie gekoppelte emotionale Konfliktstress jetzt abgelöst ist und der Körper wieder ganz „normal“ darauf reagieren kann.

Tabelle 1: Welche Funktionen können Allergien (u. a. Symptome) erfüllen?
Ähnlich wie andere körperliche Symptome können auch Allergien im innerseelischen Haushalt oder in dem Beziehungsgefüge, in dem der Betroffene lebt, bestimmte unbewusste Funktionen erfüllen. Sie können z. B. „gebraucht“ werden, um
1. Beachtung und Rücksichtnahme zu bekommen
– Kontrolle und Macht auszuüben
– sich vor Ansprüchen zu schützen
– bei anderen Schuldgefühle zu wecken
– sich zu rächen und andere zu bestrafen
6. eigene Emotionen zu verschleiern
– Entwicklungsschritte zu vermeiden
– sich aufzulehnen und zu protestieren
– sich vor Konfrontation zu verstecken
– von anderen Konflikten abzulenken
11. Nähe und Zuwendung zu erzwingen
– sich Verantwortung zu entziehen
– etwas oder andere zu erpressen
– Ablehnung anderen gegenüber auszudrücken
– Unzufriedenheit oder Ärger zu spiegeln
16. sich selbst zu bestrafen und zu zerstören
– eine Lebenssituation nicht ändern zu müssen
– eine Ausrede oder Ausflucht zu haben
– verbalen Trotz und Widerstand zu vermeiden
– eine bestehende Abhängigkeit zu erhalten
21. anderen eine erwünschte Aufgabe zu geben

Tabelle 2: Meridian – Affirmationen
– Ich bin demütig, tolerant und bescheiden – LUNGE
– Ich bin glücklich und fröhlich. Ich habe Glück – LEBER
– Ich wende mich mir selbst und anderen voller Liebe zu – GALLE
– Ich glaube und vertraue auf meine Zukunft. Ich bin sicher – PANKREAS
– Meine kreativen und sexuellen Energien sind ausgewogen – NIERE
– Ich bin von Grund auf rein und gut. Ich bin es wert, geliebt zu werden – DICKDARM
– Ich lasse die Vergangenheit los. Ich bin großzügig und entspannt – KREISLAUF
– Mein Herz ist voller Vergebung – HERZ
– Ich bin ruhig und zufrieden. Ich bin in Frieden – MAGEN
– Ich bin hoffnungsfroh, leicht und beschwingt – SCHILDDRÜSE
– Ich bin voller Freude, ich hüpfe vor Freude – DÜNNDARM
– Ich bin ruhig, ausgeglichen und friedlich - BLASE

Quelle
„... einfach effektiv ...“ – Kurs-Handbuch zur Psychosomatischen Kinesiologie®. Lehrskript, Dr. Werner Weishaupt, Eigenverlag „Praxis im Zentrum“, 2018

Literaturverweise

1)https://www.paracelsus.de/magazin/ausgabe/201102/allergien-erfolgreich-mitpsychosomatischer-kinesiologie-behandeln
2)http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/bild-serie/volkskrankheit-allergie-29644304.bild.html

Dr. paed. Werner WeishauptDr. paed. Werner Weishaupt
Heilpraktiker für Psychotherapie, Dozent für Psychotherapie und Psychosomatische Kinesiologie®
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Foto: fotolia©aytuncoylum