Unterstützung für die Selbstwirksamkeit

FP 0518 Komplett Big Page22 Image1Sie nehmen sich gerade Zeit. Und auch wenn es nur ein paar Minuten sind, ist es doch Ihre Zeit. Sie können jede Minute entscheiden, wofür Sie Ihre Zeit nutzen. Klingt theoretisch einfach. Ist praktisch nicht ganz leicht. Das weiß ich auch. Doch Sie nehmen sich gerade Zeit. Zeit für das Wichtigste in Ihrem Leben: sich selbst. Sie und Ihr innerliches Bedürfnis, die „Freie Psychotherapie“ auf Ihre persönliche Art und Weise zu erfahren.

Wie erfahren sind Sie auf diesem Gebiet? Meiner Erfahrung nach spielt es keine Rolle, ob Sie gerade frisch die Welt der „Freien Psychotherapie“ erkunden oder bereits seit mehreren Jahren Ihren Weg z. B. als Heilpraktiker für Psychotherapie oder Psychologischer Berater beschreiten – die „Freie Psychotherapie“ lädt dazu ein, sich immer wieder aufs Neue mit alten und neuen Methoden, Ansätzen und Gedanken zu beschäftigen. Was beschäftigt Sie gerade? Ich frage mich manchmal ganz überlegt in einem ruhigen Moment, in dem ich bewusst einen Schritt aus dem Alltag zurücktrete, was mich gerade beschäftigt.

Wir alle wissen um die Wichtigkeit der Introspektion. Auch die Lektüre nicht nur dieses Magazins betreibe ich ganz bewusst und versuche, mich zu öffnen für Denkanstöße, Gedankenfutter und Seelenschmaus. Nicht nur in meiner Supervisionsgruppe wurde so manches Mal beklagt, dass man mitunter einfach keine Zeit habe, sich mit einer interessanten Zeitschrift oder einem guten Buch in Ruhe hinzusetzen. Ich sage Ihnen hier und jetzt: sich bewusst Zeit für so etwas nehmen ... sich sagen: Das ist gut für mich und dient auch meiner Weiterbildung in gleich mehrfachem Sinne ...

Das ist auch für mich eine Herausforderung. Lassen Sie uns heute gemeinsam die kleine Herausforderung annehmen und treten wir gemeinsam zurück – und ein in Lesezeit und Stunden oder auch nur Minuten, wie Sie es entscheiden, in innerliche Gedanken-Spaziergänge.

Ich freue mich jedes Mal auf die neue Ausgabe dieses Magazins. Schnuppern Sie doch mal kurz an Ihrem Magazin. Das riecht für mich schön nach frisch Gedrucktem. Gönnen Sie sich einige Sekunden und betrachten Sie das Cover. Wie fühlt sich das Papier an? Oder was fühlen Sie? Vielleicht lesen Sie diesen Artikel gerade online auf dem Monitor oder Tablet, sitzen mit Ihrem Handy an der Bushaltestelle – die Freie-Psychotherapie-App geöffnet. Das weiß ich gerade natürlich nicht und möchte Sie jetzt auch nicht ermuntern, an Ihrem Bildschirm oder Handy zu schnüffeln.

Wobei ... wir verbringen mitunter so viel Zeit mit diesen „Wegbegleitern“, dass der Grad des Beziehungsgefühls dafür bei vielen von uns ausreichen sollte. Einer Studie zum Thema Stressfaktoren der britischen Physiological Society mit 2 000 volljährigen Menschen zufolge wurde im vergangenen Jahr „Verlust des Smartphones“ auf Rangplatz 14 gelistet. Auf dem Platz davor: „Bedrohung durch Terrorismus“.

FP 0518 Komplett Big Page24 Image1Ich erzähle Ihnen jetzt nichts Neues: Das Smartphone ist für viele zum Lebensgefährten geworden. Ist Ihr Handy auch Ihr Freund? Ich wähle hier bewusst diesen Begriff. Es gibt mitunter Seminare in Klöstern, die das Ziel haben, dass Menschen auch mal abschalten können – ihr Handy und ihren Geist – oder eben bitte beides wenigstens ein bisschen.

Die Medien schreiben und sprechen von Handysucht und auch ich spreche mich hier für die bewusste Benutzung aus. Doch: Das Handy kann wirklich praktisch sein. Ich nutze gerne die Möglichkeit, Magazine auch unterwegs zu lesen, wenn die gedruckte Ausgabe gerade zu Hause liegt. Ich finde auch viele Apps hilfreich. Apps sollen mitunter das Leben „regeln“ ... sagen wir vorsichtig: verbessern. Viele Start-ups wissen, dass auch hier menschliche Bedürfnisse eine Suche generieren und ein Angebot Zufriedenheit schafft – für beide Seiten.

Manchmal werde ich vor, in oder nach meinen Seminaren gefragt, ob ich „gute“ Apps kennen würde, die zur Arbeit oder einem persönlichen Thema passen. Meine Antwort: „Ja, kenne ich.“ Ich empfehle aber nicht die App, denn was für mich gut ist, muss noch lange nicht jemand anderem zusagen. Dennoch gibt es da ein buntes Angebot, aus dem jeder wählen kann, wenn man so etwas nutzen möchte.

Es gibt z. B. Tagebücher in App-Form. Führen Sie ein Tagebuch? Schreiben Ihre Klienten Tagebuch? Manch einer bevorzugt die digitale Variante. Warum nicht? Es gibt Dankbarkeits-Apps, die uns spielerisch und mit Momentaufnahmen vor Augen führen, dass Dankbarkeit eine gute Zeit schafft, die uns bei Betrachtung des Handy-Screens vielleicht lächeln lassen.

Es gibt Entspannungsklänge in App-Form. Es gibt allerlei „Achtsamkeits- und Abschalthilfen“. Es gibt Apps, die gute Gedanken bieten und Tag für Tag mit Sprüchen als Push-Nachrichten auf dem Screen erscheinen. Diese Apps helfen vielleicht, ein Stück weit mehr Selbstwirksamkeit und Achtsamkeit aufzubauen in der digitalen Welt. Sie schaffen ... wie heißt es so schön: Mehrwert. Es gibt zahlreiche CoachingApps oder Apps von Coaches (die ich hier unkommentiert, aber nicht unerwähnt lassen möchte). Es gibt Lernhilfen zum ICD-10 und zu psychischen Störungen – nicht zu vergessen die sehr hilfreiche Paracelsus-App, die ich dann doch guten Gewissens empfehlen kann. Es gibt da schon so viele.

Sind Sie schon mal in Ihrem App-Store auf Entdeckungsreise zu Ihrem Themenbereich und Ihren Interessen gegangen? Ich finde: Auch das kann uns helfen, neue Möglichkeiten zu entdecken. Nennen wir es an dieser Stelle vielleicht kreative Recherche für Sie privat und beruflich. Das Schöne ist ja: Wir sind immer auf dem Weg und die Themen erreichen uns, wenn es so sein soll. Ich zwinkere Ihnen in diesem Moment zu. Können Sie nicht sehen. Aber so ist es. Vielleicht erreichen uns die Themen manchmal aber auch, weil wir uns „einfach“ Zeit nehmen konnten, weil wir uns Zeit genommen haben – ob für etwas Gedrucktes oder den digitalen Content – dennoch bewusst und in Kommunikation mit uns.

An der Paracelsus Schule Essen bin ich unter anderem Dozentin für Kommunikationstraining. Mein Herz schlägt für dieses Thema. Wir wissen: Kommunikation ist überall. Nicht nur mit uns selbst, sondern auch mit Menschen auf unterschiedliche Art und Weise – auch digital. Auch hier bietet das Handy zahlreiche Möglichkeiten der Kommunikation.

Neulich habe ich ein kleines Experiment gewagt. Ich habe aus einem Bauchgefühl (eher aus einer verschmitzten Laune) heraus eine Nachrichten-Gruppe gegründet.

Ich habe das so gemacht, wie einige andere eine Gruppe für Geburtstagsfeiern oder gemeinsame Aktivitäten gründen, und habe dann ein paar meiner privaten Kontakte angeklickt. Ich weiß natürlich, dass ich so etwas oder Ähnliches nicht einfach mit den beruflichen Kontakten machen darf. Auch ich habe mich ausführlich mit dem Thema DSGVO und Co. auseinandergesetzt. Aber ein Experiment unter Freunden ...

Meine Mundwinkel wandern gerade nach oben. Die Gruppe hieß „The Challenge“. Erst einmal keine Erklärung. Ich freute mich schon auf die ersten Reaktionen. Was diese Gruppe sollte? Wissen Sie: Ich engagiere mich im Rahmen meiner Tätigkeit und meines Strebens auch für ein junges Unternehmen, das mithilfe von Apps dem Menschen „hinter dem Smartphone“ unter anderem seine individuellen Verhaltensweisen und seinen Tagesablauf in Bezug auf Körper, Geist und Seele darlegen möchte.

Manches funktioniert schlicht und ergreifend durch gute Datenbanken. Das andere sind die dahinterstehenden Experten mit Sinn für benutzerfreundliche Designs und Menschen, die wissen, dass z. B. ein gesundes Essverhalten oder die Zeit, die man sich für Bewegung nimmt (ich spreche diesmal nicht von intellektueller Bewegung und Beweglichkeit, sondern tatsächlich von körperlicher), manchmal schwierig „ganz allein“ zu finden sind.

Apps können uns helfen, wenn man z. B. täglich seinen Gefühlsstand dokumentiert und dadurch gewisse Zusammenhänge in seinem Körper und in seiner Seele erfassen kann. Apps können uns helfen, indem sie uns durch das Erlebnis der Selbstwirksamkeit sowie gewisse indirekte und direkte Belohnungssysteme motivieren. Apps können vielleicht sogar helfen und unterstützen, dass der Nutzer eine Verhaltensmodifikation erfährt und ein Stück weit sein eigener Coach werden kann durch Ein-sich-bewusst-Machen. Ich denke, deshalb funktionieren einige Apps so gut. Und weil hinter einigen Apps auch ein Netzwerk an Menschen steht, die alle ein Ziel, ein Anliegen oder ein Bedürfnis teilen, daran arbeiten möchten und einen Weg suchen, „dranzubleiben“.

So sollte meine Gruppe „The Challenge“ auch ein Wirgefühl bewirken. Ich wollte sehen, wie es ist, andere Leute über den digitalen Weg zur Aktivität zu bringen, und so lud ich ein Foto hoch, das einen Wegweiser zeigte. Dort stand zu lesen: „Raus aus der Komfortzone“. Ich wollte doch mal schauen, wer von denen Lust (und Zeit) hatte, mit mir ein wenig jeden Tag über zwei Wochen hinweg auf seine Ernährung, seine Gedanken und im Allgemeinen mit neuen Challenges Morgen für Morgen auf sich zu achten. Ich biete auch Online-Coaching an und habe Übungen ausgearbeitet, die ich zum Teil meinen Freunden nun nacheinander in abgewandelter Form schicken wollte. So weit der Plan. Hier die Realität!

Erster Kommentar: „Aber in der Komfortzone ist es doch so schön. Ich will da nicht raus.“ Zweiter Kommentar: „Mein Leben ist eine einzige Komfortzone, Leute!“ Einer schickte ein Bild. Ich schüttelte den Kopf: ein Urlaubsfoto, das die Person mit Bier in der einen Hand und Riesen-Burger in der anderen zeigte. Daraufhin: „Prost. Prost. Das nenne ich mal Komfortzone.“ Ich konnte die Nachrichten nicht stoppen. Wollte ich auch nicht. Das nächste Bild wurde geschickt ... a-ha, noch mehr fettiges Essen, Alkohol und ... Komfortzone.

Okay, ich sagte mir: „Du wolltest das so. Es ist ein Experiment. Es liegt an der Auswahl der Leute, die eigentlich nicht Zielgruppe für so etwas sind. Und auf ihre Art und Weise beschäftigen die sich damit.“ Drei Personen traten wortlos aus der Gruppe aus. Ich schrieb: „Okay, hier gibt es keine Zielgruppe. Hier gibt es nur ein gemeinsames Ziel.“ Die „Antwort“ darauf: „Mein Ziel ist übermorgen die Komfortzonen-Insel. Ich bin im Urlaub. Da fällt es mir ganz schwer, aus der Komfortzone zu kommen. Sorry, bin raus.“

Ich grinste. Dann schwieg es sich nach und nach aus. Die Gruppe wurde noch unzählige Male dazu „missbraucht“, Witze und lustige Sprüche in die Runde zu schicken, die rein gar nichts mit dem Zweck von „The Challenge“ zu tun hatten. Einige eingeladene Personen blieben still. Sollte ich das Ganze jetzt schon abbrechen? Ich schrieb: „Wer macht denn jetzt mit?“ Erstaunt hob ich die Augenbrauen. Immerhin eine Handvoll Menschen hatte weiterhin Interesse und bekundete sogar, dass das eine tolle Idee sei. Doch als dann am dritten Challenge-Tag nur zwei mitmachten und die Verlockungen des Lebens zu süß zu sein schienen, trat ich aus der Gruppe aus.

Lustiges Experiment. Nun sollte die Auflösung für alle in Einzelnachrichten kommen. Aber halt. Da. Eine Nachricht: „Du bist aus der Gruppe raus. Wir sind führungslos. Was ist los?“ Ein zweiter Text von einem „The Challenge“-Gruppenmitglied: „Ich wollte gerade schreiben, dass ich gestern nicht mitmachen konnte, weil ich Stress hatte. Warum bist du raus? Was ist jetzt mit der Gruppe?“ So. So. Verstehen Sie jetzt mein Grinsen beim Gedanken an dieses Experiment?

Dann habe ich noch erfahren, dass nach meinem Austritt aus der NachrichtenGruppe Witzchen gemacht wurden, wie „Die Lehrerin verlässt den Klassenraum. Auf die Komfortzone!“ Aber letzten Endes war da ganz viel Kommunikation und es wird vielleicht eine neue Gruppe geben zum Austausch und zur Motivation. Ich glaube auch, dass wir alle viel Spaß hatten.

Aber es zeigt: Raus aus der Komfortzone oder sich Zeit nehmen, um vielleicht ein wenig an seinen Gewohnheiten zu arbeiten – das ist nicht leicht. Ist es leichter mit einer App, die z. B. mit einem Tagebuch und daraus entstehenden Grafiken auf meine Lebensweise aufmerksam macht? Nicht nur. Nicht immer. Aber vielleicht für ein paar Menschen.

Wir als „Freie Psychotherapeuten“ möchten Menschen unterstützen, autonom zu werden, sich zu spüren und für sich zu merken, dass sie etwas in ihrem Leben ändern können, wenn sie das möchten. Wir haben so viele Möglichkeiten an der Hand. Ich rede hier von wissenschaftlich fundierten Therapieansätzen, psychologischem Wissen und professioneller, supportiver Hilfe zur Selbsthilfe – aber auch von modernen kleinen Angeboten, die man als Berater im Blick behalten sollte, auch wenn man sich selbst nicht dafür interessiert.

Man kann vielleicht seine Klienten dahingehend beraten, wenn da mal eine Frage kommt. Habe ich nämlich bekommen. Nicht nur einmal. Deshalb habe ich mich damit beschäftigt und ich rede viel mit Menschen darüber, anderen Menschen den Zugang zu sich selbst und ein Stück weit mit kleinen Hilfestellungen zu ermöglichen. Wir wissen auch: Manchmal sind es eben die kleinen Dinge im Leben. Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich eine meiner wenigen Apps auf dem Handy bewusst öffne, um positive Affirmationen in schönen Farben angezeigt zu bekommen. Ich denke manchmal im Verlauf des Tages noch über die freudebringenden Worte nach. Diese App inspiriert mich. So sehr, dass ich einem Freund, dem Geschäftsführer der Düsseldorfer Firma Jommi, Fabian Oertel, davon als positives Beispiel erzählt habe, der unter anderem einen Calory Guide anbietet, um Ernährungsgewohnheiten für sich zu erfassen.

Er selbst sagt zum Thema Apps und sinnvoller Nutzung: „Es sollte bei zukünftigen Apps nicht nur ums Auflisten gehen. Es geht auch nie um die tolle Technologie dahinter. Es ist wichtig, den Menschen und seine Bedürfnisse im Blick zu haben und darauf mit der App einzugehen. Das macht das Konzept Smartphone möglich. Das macht das Konzept überhaupt möglich und nur so sollte man an Apps herangehen. Ich glaube, die Menschen spüren oft im ersten Augenblick, ob eine App etwas für sie sein könnte. Aber jeder, der eine App auf seinem Smartphone installiert, sollte sich auch klarmachen, wofür er oder sie das macht. Und dass es am Ende immer wieder auf eines am meisten ankommt, ob solche Apps einem etwas bringen: Dass man das selbst möchte.“

Und? Was möchten Sie? Möchten Sie vielleicht irgendwann einmal Ihre eigene Coaching-App Ihr Eigen nennen? Das wäre doch auch eine Möglichkeit, oder? Möchten Sie vielleicht keine Apps nutzen, aber sich dafür dem Thema Online-Coaching widmen? Es gibt so viele Möglichkeiten, solange wir den persönlichen Kontakt nicht vergessen.

Der persönliche Kontakt ist auch effektiver, wenn z. B. meine Freunde und ich demnächst zusammen trabend eine Runde um den See laufen und ich neben Schnaufen zwischendurch motivierende Laute von mir gebe. Von mir aus können die mit Schrittzähler-App ankommen – aber bitte ohne störende Anrufe oder Nachrichten, denn davon haben wir im Alltag wirklich oft genug. Es ist dann Zeit. Zeit für uns. Zeit für Freunde.

Und Sie?
Wofür nehmen Sie sich jetzt Zeit?

Jenny MiosgaJenny Miosga
Geprüfte Psychologische Beraterin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Dozentin an der Paracelsus Schule Essen, Autorin
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