Therapie in Trance

fotolia©HetiziaDer Bedarf an psychotherapeutischer Hilfe ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Ursache ist die wachsende Zahl psychischer Erkrankungen. Es gibt eine Vielzahl psychotherapeutischer Methoden: Gruppentherapie, Gesprächstherapie, Familienaufstellung, Verhaltenstherapie, analytische Psychotherapie usw. Eine dieser Methoden wird nach meiner Erfahrung immer wieder kritisch betrachtet oder ist mit Vorurteilen belegt: Therapie in Trance – auch Hypnotherapie oder Hypnosetherapie. Dieser Artikel soll etwas Licht ins Dunkel bringen und dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.

Trance und Hypnose bezeichnen den gleichen Zustand, die Begriffe sind aber häufig mit unterschiedlichen Gefühlen besetzt.

Was bedeutet Trance/Hypnose?

Es handelt sich um einen schlafähnlichen Zustand, der in etwa mit dem Zustand kurz vor dem Einschlafen verglichen werden kann. Es ist also ein veränderter Bewusstseinszustand. Ein Zustand tiefer Entspannung, das logischreflektierende Bewusstsein ist ausgeschaltet.

Dieser besondere Zustand kann durch verschiedene Methoden herbeigeführt werden: verbale, akustische oder visuelle Interventionen, Konzentration auf sich selbst oder Drogen. Es gibt auch psychiatrische Krankheitsbilder, die zu diesem Zustand führen können.

Woher kommt die häufig tief verwurzelte Angst vor der Trance/Hypnose?

Ich höre immer wieder, es ist die Angst davor, nicht kontrolliert zu sein bzw. die Kontrolle zu verlieren. In der weiteren Konsequenz manifestiert sich die Angst, dem Willen des Therapeuten ausgeliefert zu sein. Diese Bilder im Kopf rühren insbesondere von der häufig auf Veranstaltungen oder im TV dargestellten Showhypnose. Hier werden tatsächlich die Kandidaten für publikumswirksame Effekte missbraucht. Die qualifizierte Einleitung eines hypnotischen Prozesses ist fast immer nicht ersichtlich.

Therapeutische Trance indes verfolgt ein ganz anderes Ziel – dem Klienten zu helfen, ihn zu heilen. Sonst wäre schon der Begriff Therapeut falsch gewählt – Therapie bedeutet dienen, heilen.

Ein verantwortungsvoller Therapeut weiß das und wird in erster Linie dem Klienten die bestehenden Ängste nehmen wollen. Er wird ihn aufklären und ihm insbesondere aufzeigen, auf welche Art und Weise er den Trancezustand einleitet. Der Therapeut wird ihm versichern, dass der Klient jederzeit kontrolliert ist und nichts von seinem Recht auf Selbstbestimmung abgibt.

Ich leite eine Trance bei Entspannungsmusik über ein spezielles, von Milton Erickson herausgebildetes Sprachmodell ein. Dabei handelt es sich um sehr vage, unbestimmte Formulierungen, die der Fantasie des Klienten Raum geben, auf seine eigene Art und Weise die Konzentration auf sich selbst zu finden und in einen Entspannungszustand hineinzugleiten:

„Und du kannst, wenn du magst, jetzt immer tiefer in dich hineinspüren und zulassen, dass dein Körper entspannt. Und indem du dich um deine Entspannung kümmerst, spürst du vielleicht auch, mit welchen Körperteilen du gerade den Sessel berührst, der dich heute trägt. Indem du dies spürst, kannst du auch wahrnehmen, dass du die Luft aus diesem Raum einatmest – aus einem Raum, der dich schützt“.

Diese sehr unbestimmte und nicht direktive Sprache ermöglicht einen sehr wertschätzenden Umgang mit dem Klienten und lässt sehr viel Platz für Authentizität, für die selbstbestimmte, natürliche Konzentration auf sich selbst.

Befindet sich der Klient in Trance, besteht eine Zugriffsmöglichkeit auf den Bereich des Unbewussten. Damit besteht die Chance, frühe innere Bilder und Gefühle (z. B. aus der Kindheit) zu identifizieren und zu verändern. Die Veränderung bestehender innerer Bilder ist auf vielfältige Weise möglich: verkleinern, vergrößern, den Bildern eine andere Farbe oder Helligkeit geben, die Qualität verändern oder sie auch löschen.

Psychische Störungen sind häufig psychogene Störungen, d. h. sie sind entwicklungsgeschichtlich bedingt. Eine Veränderungsarbeit in Trance ist daher sehr Erfolg versprechend.

Die Arbeit mit inneren Bildern beginnt erst, wenn sich der Klient an den Trancezustand gewöhnt hat. Vorher verankere ich beim Klienten noch eine Ruhe- und Entspannungssituation, die ich als Therapeut jederzeit abrufen kann. Bei der Arbeit mit inneren Bildern kann es immer mal vorkommen, dass der Klient unruhig wird oder Gefahr läuft, in einen gefühlsmäßigen Erregungszustand zu geraten. Dann würde ich diesen Ruhe- und Entspannungszustand auslösen. Dazu ist es natürlich erforderlich, den Klienten sehr genau im Auge zu behalten, ihn genau zu beobachten, jede Regung und Veränderung des gesamten Menschen wahrzunehmen.

Darum geht es in der Psychotherapie sowieso. Den ganzen Menschen wahrzunehmen und zu spüren. Wertschätzend und achtsam mit ihm umzugehen. Ein gutes Leitbild für eine qualifizierte Therapie in Trance mag daher sein: „Gib den Dingen Raum, die im Raum sind.“

Rainer WieckhorstRainer Wieckhorst

Heilpraktiker für Psychotherapie, Experte für Kommunikation, Angst- und Panikstörungen, Praxis in Reinbek
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Foto: fotolia©Hetizia