Abschied!

fotolia©Yvonne WeisAbschied gehört zum Leben. Ständig verabschieden wir uns, bewusst oder unbewusst. Oder wir haben uns zu verabschieden von Situationen, Momenten, Gewohnheiten, Dingen, Menschen, Gedanken, Vorurteilen, Urteilen, Gefühlen ...

Alles ist im Wandel, wenn auch scheinbar nicht immer im Fluss oder zumindest nicht in dem Fluss, in dem wir gerade sein wollen. Oder meinen, sein zu müssen. Und schon stellen wir uns die Fragen: Was muss? Was sollte? Was darf? Was kann?

Ein Jahr geht zu Ende. Ein Jahr voller Momente, Erlebnisse, Routine, Begebenheiten, Glücksmomente, Ohnmachtsgefühle, Kämpfe, Resignationen, Mut, Durchhaltevermögen, Kraft, Stärke, Hoffnung, Verzweiflung, Angst, Glück, Liebe, Hass, Kriege, Ungerechtigkeit, Gleichmut, Toleranz, Intoleranz, Fortschritt, Rückschritt, Stagnation ... und doch all die Fülle und immer weiter, über die Jahreszeiten und über uns selbst hinaus.

Was erinnern wir? Jetzt?

Wo waren die dunklen Momente? Wo die lichtvollen? Wir haben alles hinter uns gelassen, wie auch immer, sind weitergegangen. Wie? Wohin? Wir sind jetzt hier. Hier in diesem Moment. Auch er wird vergehen. Aber jetzt ist JETZT (siehe Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart).

Ein tiefer Atemzug ...

... ich bin dankbar für alles. Für das vermeintlich Schlechte und das Gute. Und ich bin auch dankbar dafür, dass ich dankbar sein kann. Das war nicht immer so in meinem Leben. Manches Mal haderte ich. War verzweifelt, hoffnungslos, undankbar. Sah nicht meine eigene Verantwortung für meine Situation, meine Gedanken, meine Ausrichtung. Aber davon habe ich mich schon lange verabschiedet.

Jetzt ist Winter ...

... der Frühling spornte uns an, gab uns Auftrieb, wie auch den Keimen, die wie im Zeitraffer plötzlich voller Kraft emporschossen.

Der Sommer mit seiner kraftgebenden Sonne, seinen Blumen, seiner Farbenpracht, seiner Wärme und Kraft liegt hinter uns, die Ernte ist eingeholt, alles ist vorbereitet für die kalte Jahreszeit mit viel Dunkelheit, weniger Tageslicht, weniger Farben, weniger Unternehmungslust, mehr Regen, vielleicht Schnee, mehr Nässe. Mehr Ruhe, mehr Rückzug, mehr Möglichkeit für Gedanken, für Reflexion.

Abschied!

Auch von der Bikinifigur, die über die keksund kuchenvollen Adventstage, Weihnachtsfeiern und Feiertage auseinanderging wie ein Hefekloß ... Bei Ihnen nicht? Gut so! Wovon verabschieden Sie sich? Jetzt? Das Jahr über?

Ich habe mich schon von einigen Menschen in meinem Leben verabschieden müssen. Manche wurden mir durch den Tod genommen. Andere gingen fort. Brachen das Band ab. Manchmal ging ich. Entschied mich für andere Wege, die allein beschritten werden wollten oder mit anderen Wegbegleitern. Abschied tut weh. Auch mit dem allerbesten, allerbegrüßenswertesten Grund! Aua! Und doch: Es geht weiter. Immer weiter.

Was habe ich in meinem Leben nicht schon alles überlebt! Selbst mein mehrfach gebrochenes Herz heilte auf erstaunliche Weise immer wieder und fühlt sich fast größer und angefüllter an denn je! Unglaublich! Aber wahr! Menschen, die ich liebe oder liebte, bleiben in meinem Herzen. Auf immer und ewig. Sie leben in mir weiter, auch wenn sich ihre Daseinsform verändert hat.

Abschied!

Unser Körper ändert sich ständig. Sie wissen das. Zellen erneuern sich. Andere verabschieden sich. So ist das. Wir können etwas dafür tun, unseren Tempel gut zu erhalten, damit wir ihn noch lange nutzen können. Auch das hat für mich mit Dankbarkeit zu tun. Nicht immer ist alles, von dem wir wissen, dass es „gut“ oder „besser“ wäre, für uns möglich.

Doch statt uns darüber zu grämen oder uns gedanklich selbst zu beschimpfen, sollten wir uns meiner Meinung nach von diesem nicht hilfreichen Gedankengut verabschieden. Wir können lernen, anders mit uns umzugehen. Und das sollten wir uns wert sein.

Unsere Gedanken sind ein mächtiges Instrument. „Es geschehe nach deinem Glauben“ steht schon in der Bibel. Oft ist uns das nicht bewusst. Dann verrennen wir uns oder beißen uns fest und spüren dann erst spät, was wir da tun. Wenn wir Unlust verspüren, unser Spiegelbild nicht mehr lächeln kann oder uns eine plötzliche Krankheit zur Ruhe und im besten Fall zur Besinnung bringt.

Abschied von Gesundheit. Erst mal. Aber: Nach dem Abschied ist auch ein Neubeginn möglich. Ob wir wollen oder nicht: Es geht weiter. Irgendwie auf jeden Fall. Besser wäre wünschenswert.

Das Jahr verabschiedet sich ...

... nach all dem Kerzenschein zum Schluss nun noch das Feuerwerk zum Jahreswechsel. Böllern gegen dunkle Mächte. Raketen mit guten Wünschen für das kommende Jahr, den Neubeginn, in den Himmel geschossen. Wie auch immer es sein wird in dem Moment: ob freudig oder traurig, gemeinsam oder allein, krank oder gesund: Es geht vorbei. Alles. Und etwas Neues kommt.

Nicht nur zur Weihnachtszeit, nicht nur zum Jahreswechsel, nicht nur im neuen Jahr. Jederzeit!

Woran denken Sie jetzt? Was fühlen Sie? Was wünschen Sie sich? Wenn Sie jetzt tief einatmen ... und ausatmen ... und tief in sich hineinspüren: Was fühlen Sie? Jetzt ist doch im Grunde alles in Ordnung! Die Gedanken, okay – die plappern andauernd und oft, habe ich feststellen dürfen, auch unnötiges Zeug.

Wir verabschieden uns ...

... und dürfen gespannt sein auf alles, was kommt. Denn, dass etwas kommt, ist klar. Schietwetter, vielleicht Schneematsch, auch Winterstürme. Wir können Schietwettertee aufgießen und uns von innen wärmen. Wir ziehen uns warme Sachen an und bei Sturm machen wir es uns zu Hause im besten Fall gemütlich. Vielleicht auch in Gesellschaft.

Das geht auch ohne Bikinifigur. Das geht auch allein. Das geht auch ohne Geld. Ohne Job. Ohne Partner. Ohne einen geliebten Menschen, den wir verloren haben. Das geht! Vielleicht geht es nicht so, wie wir es in unserer Idealvorstellung gerne hätten. Aber es ist möglich. Glauben Sie mir. Ich habe das alles schon durchlebt.

Manchmal merken wir erst im Nachhinein, was wir hatten. Aber auch dann können wir uns bedanken. Manchmal merken wir erst in der Not, wer unsere wahren Freunde sind. Oder welche wirklichen Gaben wir haben, die mit irdischen Gütern nicht aufzuwiegen sind.

Manchmal hilft uns eine Trennung von unserem Partner, uns vorzubereiten auf neue Lektionen und einen Menschen, der besser zu uns passt.

Manchmal ist ein Unglück die Vorbereitung auf das große Glück!

Angst ist natürlich. Aber sie darf nicht genährt werden. Sie hat eine Schutzfunktion, aber sie darf nicht überhandnehmen und uns vom Leben trennen.

Manchmal sollten wir uns daran erinnern. Alles geht vorbei. Alles hat seine Zeit. Alles hat ein Ende. „In jedem Ende wohnt ein neuer Anfang.“

Abschied!

Und wenn schon keine momentan zu empfindende Freude, so doch bitte eine Offenheit für eine neue Möglichkeit, neue Möglichkeiten, 365 Tage, 24 Stunden lang.

Abschied ist immer möglich. Jederzeit! Willkommen auch. Jetzt!

Angela StraubeAngela Straube
Paarcoach, Künstlerin

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Foto: fotolia©Yvonne Weis