Die verschiedenen Phasen des Liebeskummers

2017 02 Liebes1Liebeskummer ist nicht gleich Liebeskummer! Jeder Mensch tickt unterschiedlich, und genauso leidet beim Liebeskummer jeder anders. Natürlich leiden Verlassene anders als die, die jemanden verlassen haben. Oder die Paare, die unglücklich zusammenleben.

Trotzdem lassen sich Phasen des Liebeskummers ausmachen, die jeder – früher oder später – durchmachen muss, um das Ende einer Beziehung zu verarbeiten.

Leugnung

2017 02 Liebes2Erst einmal will man es nicht wahrhaben, man leugnet das Beziehungsende und was dazu geführt hat. Man möchte einfach nicht akzeptieren, dass einen der Partner verlässt. Man appelliert an dessen Liebe und versucht, um die Beziehung zu kämpfen. Man hofft, dass alles wieder gut wird und dass das Beziehungsende nur ein böser Traum ist.

Oft neigen Menschen dazu, sich in dieser Phase aus ihrem sozialen Umfeld zurückzuziehen und isolieren sich. Wenn sie niemandem von der Trennung erzählen, ist diese weniger real.

Tipp: Mit Freunden und engen Vertrauten offen über den Kummer sprechen. Das führt dazu, die eigenen Gefühle greifbar zu machen und vielleicht auch, die Situation besser zu verstehen, um sie irgendwann verarbeiten zu können.

Überbordende Gefühle

Ist die Situation benannt, brechen die Gefühle auf. Man weint, man ist böse, fühlt sich allein und gekränkt. Meist alles gleichzeitig, zumindest aber durcheinander.

Was hilft: Auch wenn es schwer scheint, sollte man sich Ablenkung suchen und sich nicht im stillen Kämmerlein einschließen.
Besser: sich mit verschiedenen Menschen umgeben, sich in die Arbeit oder andere neue Projekte stürzen oder ein neues interessantes Hobby suchen, um sich von dem Trennungsschmerz abzulenken.

Verhandeln

Dann kommt die Phase, in der man um den Partner und die Beziehung kämpft, getreu dem Motto: „Das darf nicht wahr sein, ich bekomme meinen Partner sicher wieder zurück“. Dann versteht man, dass der Partner nicht wiederkommt, weil er oder sie eventuell einen neuen Partner hat oder man betrogen wurde. In diesem Fall kommt zum Liebeskummer auch Eifersucht auf den neuen Partner hinzu.

Depression

Dann beginnt die schlimme Trauerphase, in der man realisiert, dass der Partner nicht zurückkommen wird. Da kommt es natürlich auch darauf an: Wie lange war man zusammen? Gibt es gemeinsame Kinder? Führt man eine Firma zusammen? Und gewiss leidet ein 20-jähriger Single nicht so lange, wie jemand, der 20 Jahre verheiratet war.

Liebeskummer bei älteren Menschen unterscheidet sich von dem bei jüngeren Menschen insofern, dass er länger braucht, um zu heilen. Wenn man geraume Zeit zusammen war, hat man eine gemeinsame Zukunft geplant und aufgebaut, da gehen dann Lebensentwürfe kaputt. Junge Menschen haben generell mehr Ablenkung durch Schule, Studium und so weiter.

Zorn und Wut

Wer seinen Gefühlen freien Lauf lässt, der sagt sich irgendwann: „Was will ich eigentlich von so einem Idioten“ oder „Was fand ich an dieser Person eigentlich so toll?“ Diese Gedanken sind wichtig. Sie helfen, die Wut rauszulassen, und schaffen eine wichtige emotionale Distanz zwischen dem Leidenden und dem Expartner.

Was hilft: alte gemeinsame Fotos und andere Andenken an und aus glücklicheren Tagen unbedingt loswerden. Niemand wird in Zukunft alte Chatverläufe mit ewigen Liebesschwüren benötigen, denn sie erfüllen in erster Linie einen Zweck: die Selbstgeißelung des Trauernden.

Akzeptanz

Die letzte Phase ist die Akzeptanz, es beginnt der Neuanfang. Man hatte Zeit, die Trennung zu verarbeiten und die Trauer um den Partner zu überwinden. Auch wenn man nicht ausgeheilt ist, so kann man sich wieder am Leben erfreuen und bekommt den Expartner immer öfter und länger aus dem Kopf.

Die Liebeskummerpraxis

In meine Praxis kommen Frauen und Männer gleichermaßen. Es gibt sie seit 2004. Auf die Idee kam ich, als ich im Jahr 2003 selbst verlassen wurde und nach der Trennung in ein tiefes, schwarzes Loch gestürzt bin. So habe ich am eigenen Leib verspürt, wie schlecht es einem – auch als Erwachsenem – gehen kann. Wie viele Menschen in meine Praxis kommen, hängt auch von der Jahreszeit ab. Am besten läuft es, wenn die Sonne scheint. Dann möchte niemand alleine sein. Dann will jeder raus und glücklich sein.

Silvia FauckSilvia Fauck
Psychologische Beraterin, Knigge-Trainerin, Autorin, Beziehungs- und Liebeskummerpraxis in Berlin

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Fotos: fotolia©martialred, fotolia©teracreonte