Gestatten: Jeffrey Psycho – das freie Therapie-Einhorn

Ein Gedankenspiel, das Sie dazu einlädt, sich selbst in den Sattel zu schwingen

2017 02 Einhorn1Hören Sie, ich mochte Pferde nie besonders gern. Fragen wir mal so: Was ist denn Ihr Lieblingstier? – Ich würde jedenfalls niemals „Pferd“ als Antwort geben. Vielleicht in einem anderen Leben. Im Kindergarten malte ich stets bunte Gestalten, die Katzenform hatten, oder gerne auch mal ein Haus im Grünen mit heiteren Pipi machenden Hündchen davor – während Svenja, Stephanie und wie sie alle hießen in allen Farben von ihren eigenen Pferden träumten. Ja, damals war es das Pferd. Nicht der Prinz, der draufsitzt. Ich habe auch schöne Erlebnisse mit Pferden – nicht mit Prinzen – zu verzeichnen. Aber warum mein Herz auf einmal tierisch hüpfte, als ein guter Freund mir so nebenbei von Einhörnern erzählte, war mir ein Rätsel.

Ich hatte schon Geschichten von Fabelwesen aus der Anderswelt gelesen. Ich kann dieser Welt also etwas abgewinnen. Dieser und der gesamten, in die man sich hineindenken kann. In der man sich verlieren kann. In dieser Realität, die keine ist. Der gute Freund hatte seiner Freundin ein Buch geschenkt, damit sie bei der Lektüre ein bisschen der Alltagsrealität entfliehen konnte. Titel: Wie Sie Ihre eigene EinhornFarm bauen und Einhörner züchten ... oder so. Wichtig ist auch nicht der Titel, sondern das Thema.

Am nächsten Tag landete das Thema „Einhorn“ in der Suchmaschine des weltweiten Wissens. Es schien aktuell überall diesen Trend Einhorn zu geben – und das nicht nur im Kinderzimmer. „Be yourself!“, wieherte mir ein Einhorn von einem T-Shirt entgegen. Das Internet war voll von Einhörnern, denn wo eine Nachfrage, also ein Bedürfnis, da auch ein Angebot ist. Ha, ein Angebot?! Mit Einhörnern lässt sich Duschgel, Badeschaum, Schokolade, sogar Alkohol vermarkten. Überall Wattewolken und heile Welten, die wahlweise nach Himbeere, Vanille oder Granatapfel riechen. Meine Gedanken trabten während des Surfens im mannigfaltigen Marketing- und Konsum-Himmel herum ...

Der Mensch hat das Bedürfnis nach mehr Zu-FRIEDEN-heit und Sicherheit. Wir leben in einer Welt, die von Menschen beeinflusst wird. Zum Beispiel in der Politik. Dabei verhält es sich so wie im Straßenverkehr: Wenn einer Mist baut, hat das Auswirkungen auf alle. Und wir wissen nicht, wann der nächste Unfall passiert. Ungewissheit. Ahnung. Unwissenheit. Subjektives Erleben von: Da wird etwas weniger. Sinnlossinn-suchender Konkurrenzkampf. Neid. Allein-Gefühl. Subjektive Angst. Subjektive Gedanken zum weltlichen Geschehen. Subjektives alles. Wir reden über alles und doch schweigt es sich aus. Menschen sehnen sich nach einer kleinen inneren Welt. Vielleicht auf der Suche nach einem farbenfrohen Begehen der grauen Alltagstage.

Einhörner können für Naturverbundenheit und Achtsamkeit stehen. Für: „Achte und öffne dich für die schönen oder vielleicht sogar nicht fassbaren Dinge im Leben“. Einhörner als Schlüsselanhänger können, mit einem liebevollen Gedanken gesattelt, zu einem kleinen Wegbegleiter werden. Wir Menschlein geben den Dingen gerne Bedeutung. Wir geben ihnen einen Geist. Wir alle suchen Halt und suchen Hilfsmittel. Auch in Beratung und beim Coaching bedient man sich Hilfsmitteln. Gegenständen. Gedankenbildern, die stärken sollen.

Man sollte immer gut zu sich selbst sein. Gut zu sich in Gedanken sprechen. Sich selbst fragen, was ein guter Freund – sprich Geist – einem sagen würde. Manchmal wünscht man sich einen oder etwas als Support. Auch wenn man weiß, dass man es selber entscheiden oder selbstbestimmt und -verantwortlich handeln muss. Da hilft auch in mancher Situation nicht immer Lebenserfahrung oder Coachingkompetenz oder oder. Da muss man abwägen und das eigene Herz und seinen Kopf miteinander diskutieren lassen, bis es passt. Und manchmal kann es dauern, bis man sich z. B. für ein Fitnessstudio entscheidet. Hallo, Komfortzone. Hallo, kleiner behaglicher Stall. Können also Einhörner auf Trab bringen; als kleine Unterstützer dienen und mentale Kraft und positive Energie schaffen? Wie war datt denn früher mit den Einhörnern, hm?

Das Einhorn galt schon lange Zeit als Sinnbild für das Wilde, Unbezähmbare. Es war als Krafttier auf Leinwänden dargestellt. In der christlichen Kunst gibt es eine Darstellung aus dem 12. Jahrhundert. Dort wurde das Einhorn im Zusammenhang mit Jungfräulichkeit abgebildet. Es wird Maria gezeigt, die in ihrem Schoß ein Einhorn beschützt.

Ich recherchierte ganz gewissenhaft weiter und landete vermeintlich wieder in der Gegenwart. So, so ... ein Einhorn steht für die Besonderheit?! Für den Wunsch nach Besonderheit? An dieser Stelle sei gesagt: Welche kleine Seele wünscht sich nicht, etwas Besonderes zu sein? Wir Menschen denken mitunter auch, dass wir etwas Au- ßergewöhnliches machen müssen, um etwas Besonderes zu sein. Wir bekommen es eingeredet oder reden es uns selbst ein. Das funktioniert noch am besten. Also ersehnt jeder das Außergewöhnliche. Ein kleines persönliches Plätzchen in und auf der Welt.

Ich möchte, dass Sie wissen: Ich wünsche mir, dass mehr Menschen verstehen, dass es immer die Psyche ist und die eigene Befähigung zur Seelenhygiene, ob mit oder ohne Unterstützung, um ein zufriedenes Leben zu führen und sich selbst zu lieben. Es wird meiner Meinung nach immer mehr das Bewusstsein dafür erwachen, dass jemand, der mit seiner Psyche umgehen kann und offen bleibt, – dass dieser Mensch auch mit dem Leben umgehen kann. Dass, ob hohes Tier oder kleiner Mann, – so viel mehr für sich und die Menschen tun könnte, wenn er ehrlich mit sich (und anderen) wäre ... wenn er oder sie verstehen würde, dass so viel nicht Fassbares (nonverbale Kommunikation, Gedanken, Gefühle und Lebenswelten des Gegenübers ... Psychologie ... Energien – positive wie negative) uns allgegenwärtig begleitet und auch beeinflusst.

Und warum ich möchte, dass Sie das wissen? Na, Sie sind doch schließlich in meinem Kopf. Sie lesen meine Gedanken. Wenn Sie das schon tun, kann ich Ihnen auch einen vom Pferd ... ähm ... Einhorn erzählen ...

Es gab also Einhörner mit und ohne Sternschnuppen auf dem Hinterteil. Es gab sie in allen Farben. Geflügelt und ungeflügelt. Groß. Klein. Immer mit Horn. Pferd mit Horn gleich kleines Wunder. Kraftspendendes Etwas. Ich hatte am Tag zuvor ein kleines gefilztes Einhorn-Plüschtier in meinen Warenkorb gelegt. „Kauf ich morgen. Das kommt dann auf meinen Schreibtisch und soll mich jeden Tag an meine guten Vorsätze erinnern.“ So hatte ich ganz fröhlich mit mir selber flachsend gedacht. Aber am anderen Tag war ominöserweise der Warenkorb gelöscht und auch bei dreifacher Suche fand ich entsprechendes Einhorn mit weißem Fell und Regenbogenmähne nicht mehr. So sind wir Menschen: Es sollte nur dieses sein. Kein anderes! Also klickte ich beleidigt den Onlineshop weg und beschäftigte mich mit den liegen gebliebenen E-Mails. Zurück zur Realität. Jedenfalls zu meiner. Aber innerlich ärgerte ich mich über den Verlust, der ja eigentlich keiner war. Ich hatte mir das so schön in Gedanken zurechtgelegt. Laut Internet war das gewundene Horn Sinnbild der guten Entwicklung, des Aufstiegs und der Wandlung. Ich mochte den Gedanken, an mir selbst zu arbeiten und dafür ein Einhorn als kleines Sinnbild und Deko-Element mein Eigen zu nennen.

Das Wochenende drauf: Ich war gerade dabei, Frühstück zu machen. Die Kaffeemaschine gurgelte vertraut und verheißungsvoll. Ich wollte just die Butter mit dem Messer ... „Hey, pass doch auf!“ Huch, was war das? Ich zuckte zusammen und zog das Messer zurück. Woher kam das? Ich hatte ja meinen Partner in Verdacht. Gab es da etwa eine neue App, mit der man Zwergenstimmen imitieren konnte? „Ha, ha – sehr witzig ...“, rief ich aus der Küche und ins Wohnzimmer hinein, „Willste Kaffee?“ Aus dem Wohnzimmer kam nur ein Gemurmel. Natürlich wollte er Kaffee. Und natürlich war er beschäftigt. Ich vermutete, was das war. Ich hatte neulich so einen Diktierstift geschenkt bekommen. Eher für „kleine Agenten“ und zum Spaß gedacht als zum ernsthaft gemeinten Gebrauch. Man kann auch nur einen Satz aufnehmen. Komischerweise wollte jeder unserer Freunde mal was damit aufnehmen und auch mein Partner nutzte über mehrere Tage den Stift als Kommunikationsmittel. Der Stift erwachte sogar zwischendurch zum Leben, wenn mein Partner kichernd aufnahm: „Hallo. Ich bin ein Zauberstab.“

Aber warum kam dann die Stimme von so nah, wenn mein Partner mit dem Diktierspaß im Wohnzimmer war? Ich holte irritiert und gedankenversunken zwei Tassen aus dem Schrank. „He, hallo!“ Neben der Butterdose, etwa so groß wie ein prächtiges Hühnerei, stand ein Einhorn. Ein schönes, elegantes Einhorn stand da. Ja, echt. Es stand da. Oder es wackelte vielmehr auf einer Stelle ein bisschen hin und her. „Moin, moin – ich bin Jeffrey. Simsalabim und so, weißte.“

Mein Gehirn lief jetzt auf Hochtouren (auch ohne Kaffee – siehe Lehrbuch > Adrenalinschub) und ich ging diverse Möglichkeiten durch, was mit mir oder meinem Kopf passiert sein konnte: Halluzinationen aufgrund untergejubelten Cannabis oder anderer beigemengter, unentdeckter psychotroper Substanzen? Nein, ich machte ja gerade erst Frühstück. Eine akute organische Psychose? Schizophrenie? – Hoffentlich nicht. Wenn Schizophrenie? Eine paranoide? Oh weh. Veränderungen im Neurotransmittersystem?! Hirnmorphologische Veränderungen? Überarbeitung? Ziemlich heftig für eine kleine Überarbeitung, oder? Aber hey, keine rosa Elefanten. Es war ein ... ich war im Einhorn-Wahn?!

Ich schüttelte den Kopf. Man sagt ja gerne, Dinge seien multifaktoriell bedingt. Doch davon verschwand das kleine Einhorn mit der multifarbigen Mähne auch nicht. Es hatte ein süßes, leicht graues Schnäuzchen und war sonst komplett weiß. Typ Schimmel. Ach, das könnte es auch sein ... Schimmelbefall in der ganzen Wohnung und dadurch ausgelöste ... aber nein. Aus dem Wohnzimmer wurde der Wunsch nach Kaffee etwas lauter bekundet. „Kaffee – bitte Schatz! Du hast versprochen, dass du heute früh aufstehst und wir eine Runde joggen nach dem Frühstück. Und dass du Kaffee machst.“

Ich kniff die Augen zusammen. „Ich muss meinem Partner Kaffee bringen“, sagte ich mehr zu mir als zu allem anderen, war da doch nix, zu dem ich sprechen konnte. „Mach das! Komm aber gleich wieder. Ich warte schon viel zu lange.“ „Worauf wartest du denn?“, fragte ich laut in Richtung Butter. „Na, auf den Kaffee“, kam es leicht verärgert von der Couch.

Wir Menschen ignorieren ja gerne. Andere Menschen, unser inneres Bauchgefühl und Tatsachen. Also nahm ich beinahe wie im Schlaf und als ob nichts passiert wäre die Kaffeekanne, schenkte ein, gab Milch hinzu und griff zum Zucker, um den Kaffee für meinen Partner zu süßen.

„Nur gut, dass du deinen Kaffee ohne Zucker trinkst. Das wären für dich nur unnötige Kalorien!“, stellte das Einhorn keck fest, – mit einem nach oben gereckten Kopf und einem prüfenden Blick in meine Richtung. Langsam rauf. Und runter. Mit verharrendem Blick auf mein Bäuchlein. Dann stellte es sich besonders aufrecht hin. Das konnte ich genau sehen. Während ich den Kaffee mit einem Teelöffel umrührte, wanderte meine Nase zur Anrichte. Das Horn glänzte matt wie Elfenbein. Wie Perlmutt. Schöner. Meine Augen nahmen jede einzelne farbenfrohe Locke der Einhorn-Mähne wahr. Ganz oben am Kopf lila. Dann dunkel- und hellblau, grün, gelb, orange und rot. Ich schnupperte. Das da roch sogar ein klein wenig nach ... Pferd.

„Lass das! Deine Sinne täuschen sich nicht. Wehe du ... ey ... du bist ja verrückt!“ „Kann sein“, brachte ich heraus. Denn da hatte ich auch schon meinen Zeigefinger ausgestreckt, um das „Unbelievable Unicorn“ anzufassen. Es wich aus, hüpfte „hopps“– flink auf den niedergelegten Teelöffel und dann zwischen die Tassen und versteckte sich dahinter. Ich griff zu und zack, schon zerbrach eine der beiden Tassen samt Inhalt auf dem Küchenboden. „Schi ...!“, fluchte ich. „Was ist passiert?“, kam die Frage aus dem Wohnzimmer. „Ach, nix ist passiert. Mir ist eine Tasse heruntergefallen. Du weißt ja. Vor dem ersten Kaffee bin ich immer noch sehr verträumt. Aber alles unter Kontrolle.“

Genau. Nix war passiert. Alles unter Kontrolle. Bis auf das Einhorn, das nun auf dem Rücken lag und mit seinen Hufen in der Luft strampelte. Nicht, weil es hingefallen war. Es lachte vor Wonne. „Wihiihihiiiiiii“, wieherte es. „Ja, los! Hol einen Lappen und mach das weg. Bück dich. Bring mal ein bisschen Schwung in den Tag. Das verbraucht auch Kalorien. Hopp, hopp, hopp, Pferdchen im Galopp. Wihiihiiihiii. Wer in den Garten Eden will, also dahin, wo ich herkomme, der muss nackt eine gute Figur machen können. Paradies-Regeln und so, verstehste Schätzchen? Hopp, hopp.“ Ich konnte es nicht glauben.

Punkt 1: Ein kleines Einhorn war in der Küche.

Punkt 2: Es machte sich über mich lustig und war noch nicht mal ein besonders „guter“ Coach, wie mir schien. Etwas zu ruppig. Etwas zu wild für meine Verhältnisse.

Punkt 3: Ich musste einen Lappen holen. Ich sah gar nicht noch einmal hin, als ich den Boden wischte. Ich hörte nur zu: „Also, noch einmal ... hi, ich bin Jeffrey. Und ich bin da, um dich zu begleiten. Du wirst dich fragen, wohin. Weißte, das fragen mich alle Klienten. Ich begleite dich auf deinem Weg – deinem Weg zu dir selbst. Ich begleite dich ab jetzt bei der Erreichung deiner Ziele. Ich begleite dich zu deinen Träumen. Ich begleite dich auf dem täglichen Weg des Sichhinterfragens. Eigentlich heiße ich Jeffrey Psycho und bin ein freies TherapieEinhorn. Psycho ist mein Nachname. Wir sind bei uns alle Psychos. Wir ... also die letzten Psycho-Einhörner. Aber weißte Moppelchen, ich darf nicht therapieren – nur coachen. Das ist ein gewaltiger Unterschied, wie du weißt, weißte? Manchmal biete ich auch eine Yogastunde an. Herabschauendes Pferd und so.“ „Das heißt: Hund. Herabschauender Hund“, kommentierte ich besserwisserisch, aber dennoch zaghaft und zweifelnd. „Ach, wie auch immer. Am liebsten lasse ich meine Klienten die Chakren anhand meiner Mähnenfarben auswendig lernen. Da geht so ´ne Stunde schnell rum. Wihiiihiiiiii. Und dann gibt es Zuckerstückchen für mich. Ich liebe Zuckerstückchen! Hast du Zuckerstückchen? Aber das nur mal so am Rande ... Nenn mich also einfach Jeffrey. Ich bin Jeffrey, das zuckersüße Super-Einhorn.“

Bei dem Wort „Super“ stellte sich das kleine, freche Einhorn auf die Hinterbeine, streckte seine Vorderbeine gen Himmel und verlieh seinen Worten Nachdruck mit einem lauten ... Rülpsen. „Ey, das ist also super an dir? Dass du rülpst?“, fragte ich etwas schmallippig und weiterhin Kaffee aufwischend. „Upps. Tschuldigung. Die Aloe-vera-Pflanze von der Fensterbank. Ich habe zu viel von dem leckeren Zeug ...“, kicherte es aus dem kleinen Schnäuzchen heraus. Ich wollte gerade nachfragen, da kam die Nachfrage schon von meinem Partner: „Schatz, was ist jetzt mit dem Kaffee?“ Kaffee? Was? Ich hatte hier gerade andere Probleme. Jeffrey, das freie Psychotherapie-Einhorn. Alle waren Psycho ... also nicht alle. Ich – dem Schein nach.

„Jetzt mach schon“, forderte mich Jeffrey auf, „wir reden später weiter. Tu so, als ob nichts wäre. Wir sehen uns. Muss noch was erledigen. Namasteee und tschüss. Ich melde dich jetzt direkt mal im Fitnessstudio an. Wird dir guttun. Ach so, und du, dein Unterbewusstsein sagt mir, dass du auch stolz auf dich wärst, wenn du mal wieder aktiver im Allgemeinen und so. Jetzt muss ich aber los. Du brauchst da anscheinend Unterstützung. Auch wenn du im Grunde weißt, wo deine blinden Flecken liegen, Schätzchen. Und Unterstützung gibt es für dich“ ... kunstvolle Pause. „Von Jeffrey Psycho! Dem Therapie-Einhorn ... und Kaffee.“ „Ja, tschüss und so. Wie? Und Kaffee?“, flüsterte ich ungläubig. „Schatz, Schatz, machst du jetzt bitte endlich Kaffee?“

Irgendwas ruckelte an mir und an dem Bild in meinem Kopf. Puh, war das auf einmal hell. Aber von einer sofortigen Erleuchtung kann man nicht sprechen. Ich erwachte. Mein Partner war jetzt neben mir und sah mich merkwürdig an. Ich realisierte zäh, dass ich aus der Traumwelt kam und im Bett lag: „Klar Schatz, mach ich. Und du, am Montag melde ich mich im Fitnessstudio an.“ Da schaute mein Partner noch irritierter. „Ja, weißt du, manchmal braucht man einen kleinen mentalen Schubs, um in die Hufe zu kommen.“ Auch ohne Jeffrey, dem Psychotherapie-Einhorn, konnte ich meinem Leben selbst eine neue Geschwindigkeit geben oder aufstehen und aktiv werden. Jeden Tag kann man aufstehen und das beschließen. Etwas ein klein wenig abwechslungsreicher gestalten vielleicht. Etwas Neues tun. Alles ist Kopfsache, nicht wahr? Und Tatsache. Also Machsache. Ach, du weißt, was ich meine. Denn auch wenn man Dinge weiß und darüber nachdenkt – komm auf Trab – sagt das Einhorn!

Die eigene Hürde sind oft wir selbst, weil sie in uns ist. Wir selbst haben es in der Hand. Mit oder ohne Einhorn in der Tasche, in Gedanken und im Leben. Braucht es Eskapismus? Oder bauen wir uns lieber unsere eigene Erfüllbare-Träume-Welt auf? Wir alle haben unsere Träume, möchten ein buntes, erfülltes Leben – kämpfen manchmal mit unseren alten Gedankenmustern und Strukturen. Wollen etwas ändern und kommen nicht in die Hufe. Hilft da ein Talisman mit Affirmation? Vielleicht.

Hin und wieder ist es aber auch nur ein wohlwollendes Gedankenspiel mit sich selbst und das Sich-selbst-für-Positives- Öffnen. Manchmal lernt man neue Verhaltensmuster kennen und lieben, erfindet sich neu im Jetzt. „Sei, wie du bist. Es sei denn, du kannst ein Einhorn sein. Dann sei ein Einhorn.“ Das habe ich auch auf Stoffbeuteln und diversen Kleidungsstücken im Onlinehandel gelesen.

Ich sage: Sei selbst dir dein Einhorn. Sei, wie du bist, und lebe mit dir. Genieße Fantasie. Dann brauchen ich und du kein Einhorn. Vielleicht wird mich Jeffrey nochmals in meinen Träumen besuchen. Wer weiß, vielleicht wiehert er auch mal in deinem Kopf herum. Aber seien wir doch mal ehrlich ... mit dem muss man doch mal reden ... der Kleine braucht doch mal eine Supervision, oder? Sollen wir ihn mal zusammen unterstützen – du und ich? Ah, und was mir dabei gerade auffällt. Ich bin vom „Sie“ zum „Du“ gekommen. Wir haben uns hier ein wenig gemeinsam die Zeit vertrieben, haben zusammen einen Gedankenspaziergang gemacht. Auch das ist manchmal einfach schön. So schön wie die Welt der Einhörner. Nein, so schön ist unsere Welt.

Glaub an dich und glaube auch an die Menschen. Unterstütze sie. Sei offen. Sei gut zu dir. Sei du selbst und lass andere Menschen sie selbst sein. Nimm dich selbst und das Leben an, dich und das Leben manchmal nicht so ernst. Nimm dich bisweilen nicht so wichtig oder lass los ... lass zu. Sei selbst bunt. Die Welt ist bunt. Mach sie bunter.

Ich werde gleich mal meine Stifte herausholen. Heute male ich etwas. Heute wird es ein Pferd. Aber nicht irgendeins. Nein, ein besonderes. Eins mit Horn. Jeffrey Psycho. Das freie, wilde Therapie-Einhorn. Mein unperfektes, kleines und etwas verrücktes Einhorn. Und es macht heiter ... Regenbogenpipi. Und wie sehen dein Einhorn und deine Gedankenwelt jetzt aus?

Jenny MiosgaJenny Miosga
Beraterin und Trainerin: Kommunikation, Image, Psyche

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Foto: fotolia©Anna Velichkovsky