Buch-/CD-Besprechungen

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2016 02 Buch2Braucht es in einer Zeit, in der die Psychiatrie über differenzierte Diagnosesysteme verfügt, ein umfassendes Werk über den Wahn? Ja. Denn der Inhalt der Symptome wurde in den letzten zwei Jahrzehnten sträflich vernachlässigt. Der Hintergrund der Erkrankung oder der aktuellen Episode bleiben oft ebenso im Dunkeln wie die Umstände, die zu den Symptomen geführt haben.

Michael Schödlbauer hat mit seinem Buch den Wahn in die Interaktion zwischen Arzt und Patienten zurückgeholt. Es ist eben nicht in erster Linie ein Buch über den Wahn, sondern ein Buch über Begegnungen, die nicht nur für den Arzt, sondern das gesamte soziale Umfeld durch den Wahn eine besondere Prägung bekommen. Mit diesem Fokus auf der Begegnung holt der Autor eine lange Tradition der anthropologischen Psychiatrie zurück und integriert sie in die moderne evidenzbasierte Psychiatrie.

Indem der Wahn als Beziehungsphänomen begriffen wird, kann sein Sinn dem Verstehen zugänglich gemacht werden, wodurch eine Grundlage für die therapeutische Bearbeitung hergestellt wird. Eine therapeutische Beziehung entwickelt sich aber nur, wenn der Wahn Sinn macht, wenn er also für die den Patienten, die Patientin Evidenz bildet. Die gesamten 339 Textseiten bilden die Suche nach dem Sinn des Wahns ab – mit vielen Fallbeispielen aus den zahlreichen Veröffentlichungen anthropologischer Psychiater des vergangenen Jahrhunderts und der praktischen Arbeit des Autors. Der Sinn des Wahns wird immer wieder an der Grenze zwischen Normalität und Erkrankung gesucht.

Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – ist es für Schödlbauer keine Frage, dass der Wahn ein Krankheitsphänomen ist. Die antipsychiatrische Haltung ist seine Sache nicht. Ein wesentliches Anliegen ist ihm mit Sicherheit, dass auch Wahnphänomene psychotherapeutischer Behandlung zugänglich werden. Dies kann nur gelingen, wenn Therapeuten die Angst vor der „Unverständlichkeit“ der Psychose ablegen können.

Um dieses „Herkulesprojekt“ zu bewältigen, greift Schödlbauer die Auseinandersetzung mit Jaspers Kriterien des Wahns von 1913 und dem darin enthaltenen Dogma der Unkorrigierbarkeit auf, die von anthropologischen Psychiatern bis Ende der 1970er Jahre geführt wurde.

Wer dieses Buch ignoriert, verpasst nicht nur wichtige Erkenntnisse für die praktische Arbeit, sondern auch eine wesentliche Erweiterung seines Bildungshorizonts.

Rezension: Michael Konrad, Ravensburg

Schödlbauer, Michael: Wahnbegegnungen. Zugänge zur Paranoia. Psychiatrie-Verlag, Köln, Reihe Anthropologische Psychiatrie Band 1, ISBN 978-3-884-14620-0


2016 02 Buch3Rollen-, Aufgabenunklarheiten oder Konfl iktsituationen an der Schnittstelle zwischen Person, Organisation und Profession können in einer Supervision oder in einem Coaching bearbeitet werden. Dafür braucht man eine Struktur.

Dieses Buch stellt 50 Techniken (Tools) von 31 erfahrenen Supervisoren vor. Auf der Basis von lösungsorientierten, systemisch-konstruktivistischen und/oder hypnosystemischen Konzepten werden Gestaltungselemente vorgestellt, die die Reflexion der Supervisanden anregen und sie in der Lösungsfindung unterstützen wollen. Dabei wird zur Technik mitgeliefert: Anwendungsbereich, Zielsetzung, detaillierter Ablauf (teilweise plus Download- Materialien), Zeitbedarf, technische Voraussetzungen, Varianten-Vorschläge, weiterführende Literatur sowie persönliche Erfahrungen des Autors.

Alle Tools sind darüber hinaus in eine Übersichtstabelle gebracht worden, die darüber informiert, in welchen Phasen welches Tool angezeigt ist – unterschieden nach Einzel-, Gruppen- oder Teamsupervision.

So ist z. B. die Technik „Motivationsstrukturaufstellung“ eingeordnet unter der Phase „Schritte auf dem Weg zur Lösung“ für „Einzelsupervision“. Es wird mit Bodenankern im großen Raum gearbeitet, um die Veränderungsmotivation zu reflektieren und ggf. eine Auftragsnachklärung einzuleiten. - Auszuführen allerdings nur bei Vorerfahrung mit Strukturaufstellungen.

Das Tool „Handeln aus der Zukunft“, ebenfalls der Phase Lösungsfindung zugeordnet, ist für Teams bis 20 Personen gedacht, dauert 2 Stunden und erfordert die Möglichkeit, nach draußen gehen zu können.

An einem Fluss, See, auf einer Lichtung oder an einem Berg kann der Supervisor das Team unterstützen, in sieben Phasen allmählich Zukunftsvisionen zu entwickeln. – spezielle Vorkenntnisse für den Supervisor werden nicht aufgeführt. Trotzdem setzen alle Tools eine spezielle Haltung voraus, die in der Einführung ausführlich beschrieben ist.

Transparenz herrscht auch in Bezug auf die Autoren, die mit Foto und beruflichen Schwerpunkten vorgestellt werden. D

a die Tools den Autoren zugeordnet sind, erhält man darüber zusätzliche Informationen zum Anwendungskontext.

Fazit: Praktische und übersichtliche Methoden- Schatzkiste nicht nur für die Supervision, sondern auch für Coaching, Personal- und Organisationsentwicklung.

Rezension: Kerstin Willeke, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Coach

Neumann-Wirsig, Heidi (Hrsg.): Lösungsorientierte Supervisions-Tools Verlag managerSeminare, Edition Trainingaktuell, ISBN 978-3-958-91012-6


Bücher von VFP-Mitgliedern

2016 02 Buch4In angenehmer Interviewform stellen uns Melanie und Werner Weishaupt in ihrem Lehr-Video „Traumatherapie und Kinesiologie“ zunächst einmal eine Systematik und Definition von Traumata vor.

Wir lernen den Unterschied zwischen Stress und Trauma kennen und erfahren, warum Menschen in traumatischen Erfahrungen stecken bleiben, warum sie Symptome entwickeln, die aus verdrängten Traumatisierungen stammen, wie es einem Menschen gelingt, unerträgliche Ereignisse zunächst scheinbar unverletzt wegzustecken, um dann später feststellen zu müssen, dass seit diesem einen bestimmten Ereignis im Leben einiges schief gelaufen ist.

Geburtstrauma – Gewalterfahrungen – humanitäre Katastrophen – sexueller Missbrauch – Trennungen – Mobbing – Bedrohungen – Verlust von Kindern – Gefangenschaft in religiösen Sekten: es werden eine Reihe von Traumatisierungen vorgestellt und man versteht, wie Menschen unter Bedrohungen mit eigenen Traumatisierungen vereinsamen können. Plötzlich versteht man, warum einigen Menschen die Erinnerung an Lebenszeiträume abhanden kommen, oder warum sie unentwegt von schlechten Erinnerungen geflutet werden. Viele Beispiele aus der Praxis machen das anschaulich.

Aber auch die Reaktionen Angehöriger geraten ins Blickfeld, wir sehen den Reigen gut gemeinter und doch nicht funktionierender Umgangsversuche an uns vorbeigehen, so vielen, was uns leider vielfältig bekannt vorkommt. Auch gängige oder ehemalige Traumatherapien werden beleuchtet und neu bewertet. Es werden auch die vielfältigen Spätfolgen traumatischer Erfahrungen erklärt und nachvollziehbar verständlich.

Und dann werden wir Zeuge einiger kleiner Wunder: wir erleben die Psychosomatische Kinesiologie® im Einsatz. Melanie und Werner Weishaupt demonstrieren anhand einfacher Schritte das Vorgehen der Kinesiologischen Therapie live. Vom Vortest über die diagnostische Phase, Suchen innerer Widersprüche, Identifizierung von Auslösern und Abklärung biographische Timeline bis zur Auflösungsarbeit. Wer es nicht erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, dass das scheinbar einfache Nachsprechen von Affirmationen bei gleichzeitigem Klopfen indizierter Akupunkturpunkte innere Prozesse in Bewegung setzen kann. Die Arbeit ist sanft, menschlich und gründlich. Und zwischendurch werden wir mit den Handwerkzeugen der Psychosomatischen Kinesiologie® in Kontakt gebracht, erleben die Arbeit der Ablösung alter, destruktiver Muster und den Austausch gegen kreative, positive Qualitäten.

Auch die Vorbeugung vor Retraumatisierungen mittels EMDR ist Thema und Demonstration dieses Videos, eine Technik, die hilft, unbeherrschbare Reaktionen in womöglich zusätzlich noch ungünstigen Situationen zu verhindern. Auch das kinesiologische Muskelcoaching ist Gegenstand des Lehrvideos. Außerdem erleben wir einige therapeutische Prozesse, bei denen Melanie und Werner Weishaupt uns zeigen, wie die Arbeit der Traumatherapie vom ersten bis zum letzten Schritt abläuft.

Es ist empfehlenswert, zusätzlich zur DVD, die ausgesprochen lehrreich und interessant ist, an einer persönlichen Ausbildung in Psychosomatischer Kinesiologie® bei Melanie und Werner Weishaupt teilzunehmen. Aber auch so ist das Video bei vorhandenen Grundkenntnissen der Methode unbedingt empfehlenswert.

Rezension: Thomas Schnura, Heilpraktiker, Psychologe M.A.

Traumatherapie und Kinesiologie. Eine Lehr-DVD mit Melanie und Werner Weishaupt, video-commerz GmbH, München, ASIN 3939072869


2016 02 Buch5Ein kleines Buch … voll Fantasie und wunderschönen Geschichten. Einer kurzen Auseinandersetzung mit dem Thema Fantasiereisen folgen 10 Fantasiegeschichten. Zu jeder Geschichte gibt die Autorin vorab Hinweise zur Wirkung, weiterführende Ideen und die Möglichkeit einer anschließenden Auseinandersetzung in kreativer Form von Malen oder Zeichnen für Kinder oder auch Erwachsende. Dafür wurde extra eine Buchseite freigehalten.

Jede Fantasiereise steht für sich. Themen wie Erholung, Schutz, Stress reduzieren, Perspektivenwechsel, Verankerung werden angesprochen und bearbeitet. Es beginnt mit der Zentrierung des Atems, dann folgt die Reise und schließlich das Zurückholen ins „Hier und jetzt“ in Form von Körperwahrnehmung mit zunehmenden Bewegungen. Es ist wunderschön, sich mitten auf einer Wiese stehend wiederzufinden und die wärmende Sonne zu spüren oder den Duft der Blumen und Pflanzen wahrzunehmen. Das Treiben der fleißigen Ameisen zu erleben oder die Welt als Vogel zu sehen.

Beim Lesen dieses Buches kamen mir spontan Ideen für Einsatzmöglichkeiten. Sogleich habe ich eine dieser wunderbaren Geschichten bei erwachsenen Klienten angewendet. Die Betreffenden waren im Geschehen und empfanden dies als sehr wohltuend und entspannend.

Ich wünsche Frau Hamacher viel Erfolg und hoffe, dass da noch weitere Bücher folgen.

Rezension: Petra Assert, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Hamacher, Stefanie: Fantastische Geschichten – Fantasiereisen für Kinder. Verlag Familienbande, ISBN 978-3-639-62420-5