Der Einsatz von Handpuppen in der therapeutischberatenden Arbeit mit Klienten

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Handpuppen bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten und können in den unterschiedlichsten Kontexten von Therapie, Coaching und Beratung eingesetzt werden. Im Kontakt mit einem Klienten, einer Gruppe, in der Familienberatung oder -therapie sowie gezielten Interventionen in Coachings sind Handpuppen geeignet, Beziehungen aufzubauen und zu gestalten, Situationen aufzulockern, Perspektiven zu wechseln und neue Sichtweisen einnehmen zu können. Handpuppen können Klienten darin unterstützen, sich kreativ und kommunikativ in einem geschützten Rahmen auszuprobieren. Sie ermutigen Menschen im Umgang mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen und wirken stabilisierend und stärkend.

Aus einem großen Repertoire kann der Therapeut sein geeignetes Medium von unterschiedlichsten Puppen wie Hand-, Finger-, Strumpfpuppen, Tier- oder Märchenfi guren sowie kleinen und großen Handpuppen mit menschlichen Zügen auswählen.

Handpuppen sind behutsame Türöffner zu Gedanken und Gefühlen

2015 04 Hand2In ihrer ursprünglichen Wesensvielfalt, ob als menschliche oder tierische Handpuppen, sind sie behutsame Türöffner zu Gedanken und Gefühlen. Handpuppen zeigen auch kreative, oftmals mit dem Verstand nicht zu findende Wege auf. Sie können tatsächlich spielerisch Klient und Therapeut dabei unterstützen, der jeweils eigenen Wahrnehmungs- und Gefühlswelt vertrauen zu lernen. Empathisch, liebevoll, mit Kreativität und Fantasie folgen Handpuppen der Spur von Menschen in ihrer Einzigartigkeit und Individualität.

Leicht lassen sich gerade Menschen erreichen und verstehen, wenn diese Schwierigkeiten im Anerkennen, Benennen und Durcharbeiten von Gefühlen und Verhaltensweisen haben. Gefühle wie Wut, Angst oder Traurigkeit können mittels der Handpuppe gut dargestellt und ausgelebt werden, denn eine Handpuppe bietet hierfür eine ideale Projektionsfläche.

Beziehungsaufbau und -gestaltung mit Handpuppen

2015 04 Hand3Behutsam lässt sich z. B. im Einzelkontakt mit dem Einsatz einer Handpuppe eine vertrauensvolle Gesprächsbasis aufbauen. Neue Handlungsspielräume für selbstsicheres Verhalten, die Förderung von sozialen, emotionalen und kommunikativen Interaktionen können leicht initiiert und umgesetzt werden. In der therapeutischen Arbeit mit dem Klienten entsteht ein Raum, in dem eine deutungsfreie Kommunikation erlebbar wird. „Alles darf so sein, wie es ist.“

Auf individuelle Bedürfnisse, Belange und Ressourcen kann eingegangen werden. Ideal ist der Einsatz von Handpuppen, wenn unterschiedlichste therapeutische Methoden eingesetzt werden. Es entstehen neue Spielräume für therapeutische Interventionen. Eigene Methoden der Umsetzung kann der Therapeut aus sich heraus entwickeln und einsetzen.

Kulturübergreifende Kommunikation

Gerade in der aktuellen Arbeit mit Menschen aus Krisengebieten – der deutschen Sprache wenig mächtig, oftmals traumatisiert – kann der Einsatz von Handpuppen zu einem Medium werden, das eine wertvolle Basis zu einem vertrauensvollen Einstieg in eine Gesprächssituation ist, denn Handpuppen können wertvolle Türöffner zu einer „kulturübergreifenden Kommunikation“ sein. „Verstehen ohne große Worte.“

Wenn Klienten (noch) nicht die Worte finden können oder sich nicht trauen, Wünsche, Bedürfnisse sowie Belastendes zu artikulieren, erleichtert gerade eine Handpuppe die Kontaktaufnahme und den Zugang. Dies kann auch von großer Bedeutung sein, wo die Sprache noch nicht ganz genau das Gefühl zu erfassen oder auszudrücken vermag. Denn eine Handpuppe eröffnet Menschen den Zugang zur eigenen Gedanken- und Gefühlswelt, ermutigt und versteht ohne große Worte! Auf spielerische Weise kann der Vertrauensaufbau zwischen Therapeut und Klient mithilfe einer Handpuppe ermöglicht werden. Menschen werden darin unterstützt, sich selbst einfühlsam und offen zu begegnen. Und das im Spiel!

Handpuppen als Potenzial in der Therapie und Beratung für Groß und Klein

Der Einsatz und die Arbeit mit Handpuppen sind eine Herausforderung und ein spannender Prozess, weil Therapeut und Klient regelrecht „andere und neue Seiten“ an sich entdecken, die in kognitiven Prozessen öfter unerkannt oder ohne weitere Bedeutung bleiben. Neue Impulse für die therapeutisch-beratende Arbeit werden gegeben – ob die Handpuppe(n) situativ oder im Rahmen eines therapeutisch orientierten Angebotes eingesetzt wird. Eine Wirkung geht immer wieder neu von einer Handpuppe aus und setzt einen Rahmen in der Beziehungsarbeit zwischen Klient und Therapeut, indem die Aufmerksamkeit auf die Handpuppe fokussiert wird. Dieses dynamische Miteinander geschieht mit besonders viel Intensität und Bewegung und ist ein reichhaltiges Potenzial für Groß und Klein.

Konkreter Einsatz von HERZWESEN®- Handpuppen.

Am Beispiel von zwei Handpuppen aus der Familie der HERZWESEN®-Handpuppen soll ein konkreter Einsatztransfer dargestellt werden. Die HERZWESEN® sind kleine gefühlsstarke Persönlichkeiten. „Verstehend, tröstend, lachend, weinend, ermutigend, stärkend.“

Sie sind bereits seit länger als einem Jahrzehnt etablierte Wegbegleiter in der therapeutisch-beratenden Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Familien und Erwachsenen, in Coachings und sozial-emotionalen Kompetenztrainings – und zwar bei Groß und Klein.

Die HERZWESEN®-Handpuppen sind lebendig, unverwechselbar und geben in ihrer Ursprünglichkeit ein breites und einzigartiges Spektrum an Gefühlsqualitäten von Menschen wieder. HERZWESEN® repräsentieren typische menschliche Wesenszüge, Verhaltensweisen und Gefühle. Die Handpuppen sind in Größe, Farbe, Material, Beweglichkeit und Haptik genau an kleine und größere Hände angepasst.

Sie sind tatsächlich so entwickelt und gestaltet worden, als seien sie gerade aus einer einfachen Zeichnung, einem Kopffüßler, wie ihn wohl jede(r) von seinen eigenen Zeichnungen als Kind noch in Erinnerung hat, entstanden. Genau darin liegt ihre Wirkung – in ihrer Ursprünglichkeit oder Archetypik. Zugrunde liegt dieser Archetypik jeder einzelnen Handpuppe C. G. Jung`s Archetypenlehre.

Eine weitere Besonderheit jedes HERZWESEN ®s ist sein großes rotes Herz an seiner linken Seite. Es macht diese kleinen Wesen menschlich.

Vorstellung von zwei HERZWESEN®: König Klingel und Navi

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HERZWESEN® sind ganz besondere kleine und große Persönlichkeiten. Als Gestalterin, Entwicklerin und Macherin wurden seit 2005 bis heute 18 ursprüngliche HERZWESEN®-Charaktere von mir entwickelt – König Klingel ist einer davon. Wertvolle Tipps für das Entstehen jeder einzelnen Handpuppe kommen immer wieder aus der Praxisarbeit mit Kindern, Eltern und in Coachings.

König Klingel hat Klienten häufig dabei unterstützt, in einer manchmal lauten, multimedial ausgerichteten Welt auch mit leisen Tönen wahrgenommen zu werden. Ein besonderer Effekt sind tatsächlich die vier Glöckchen auf seiner Krone, die so manchen still werden und achtsam in sich hineinhorchen lassen. Auch macht er Menschen in Therapie, Beratung und Coaching neugierig, für sich herauszufinden, was er mit seinen ruhigen, weisen Worten zu sagen hat. In Business-Coachings hat er Klienten neugierig gemacht, eine neue Seite in sich auszuprobieren, sich selbst liebevoll und achtsam zu begegnen, eine Aufmerksamkeit für den Moment zu schaffen, ein spürendes Gewahrsein für die leisen Momente und Töne zu finden.

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Navi lässt sich als eine Art „Stimmungsbarometer“ beschreiben. Mittlerweile ist er aus der Arbeit mit Familien und Kindern, größeren Gruppen im Allgemeinen kaum noch wegzudenken.

Mittels seiner drei Ampelpunkte und der besonders beweglich gearbeiteten Arme kann der Klient zu Beginn und am Ende einer Therapie- oder Beratungsstunde seinen emotionalen oder körperlichen Zustand darstellen. Dies kann nonverbal geschehen. Häufig fühlt sich jedoch der Klient geradezu ermutigt, seinen Einstieg in die Beratung über diesen ersten Prozessschritt zu finden. Damit liegt die Kompetenz beim Klienten selbst, seine eigene Befindlichkeit wahrzunehmen und sie auch im Therapieverlauf justieren zu können. Navi kann geradezu spielerisch einen Anstoß geben, eine bestimmte Situation mit einem Betrachtungsabstand zu reflektieren.

Interessant ist der Einsatz von Navi auch für den Therapeuten, gibt er doch eine erste Auskunft über das jeweilige Befinden des Klienten wieder. Navi ist eine Art „Türöffner“ für eine Gesprächssituation, da der Therapeut sehr früh wichtige Infos erhält. Auch lässt sich sehr konkret an die Bedürfnisse des Klienten anknüpfen, z. B. die Frage stellen, was er gerade in der Situation braucht, wenn zu Beginn der Gesprächssituation auf die rote Ampel gezeigt wird. Auch kann gefragt werden, wie die Ampel am Ende der Gesprächssituation aussehen soll. Er unterstützt dabei, dem Therapiegespräch eine „zielorientierte“ Struktur zu verleihen, ohne dabei statisch zu wirken.

Ein junger Klient, 19 Jahre, teilte in einem Coaching seinen Gefühlszustand mit und zeigte dabei auf den roten Ampelpunkt. Er hob einen Arm von Navi und legte diesen auf die Stirn, die andere Hand des kleinen Wesens legte er auf den Bereich des Herzens. Er befinde sich genau in diesem Dilemma, sagte er dann. Den richtigen Studiengang für sich zu finden, sei für ihn eine Entscheidung zwischen Verstand und Herz, ließ er die Therapeutin wissen. „Ob er gerade eine Idee hat, wie sich Navi auch wohlfühle“, war meine Frage. Auch hier nutzte er wieder Navi und legte beide Hände auf den Bauchbereich.

Als kognitiv veranlagter junger Mann war ihm sein Konflikt sehr gegenwärtig. Aus einer Ärztefamilie kommend waren bereits alle Weichen für das Medizinstudium gestellt – so formulierte er es selbst. Die künstlerisch-kreative Seite war jedoch seine eigentliche Neigungsseite. Und diese Seite verlangte immer wieder neue Aufmerksamkeit. Meist aber wurde sie in Form von sehr leisen Tönen kommuniziert, die sowohl er als auch sein Umfeld leicht überhören konnten. Hierbei half ihm in weiteren Sitzungen König Klingel. Navi wurde für ihn zu einer wichtigen Navigationsfigur, die ihn dabei unterstützte, seine eigenen Bedürfnisse besser kennenzulernen. Er traute sich mehr und mehr, diesen Gefühlen und Bedürfnissen seine Aufmerksamkeit zu geben. Es dauerte eine Zeit, auch im Außen die richtigen Worte zu finden und diese letztlich vor seiner Familie zu sprechen. Heute studiert er Kommunikationsdesign – eine gelungene Verbindung seiner kognitiven, emotionalen und sozialen Kompetenzen.

Starke Persönlichkeiten

Durch den Einsatz von Handpuppen in Therapie, Beratung und Coachings gelingt nachhaltig ein sehr sensibler, bewusster und verantwortungsvoller Aufbau von Beziehungserfahrungen. Soziale, emotionale und kommunikative Kompetenzen können spielerisch gestärkt und als Grundlage für therapeutisch-beratende Prozesse genutzt werden.

Bereits der Einsatz einer Handpuppe ermöglicht es dem Therapeuten, einen offenen und direkten Raum zu seinem Klienten zu finden, und unterstützt individuelle Lösungen und Strategien, die aus ihm selbst kommen und seine eigenen Möglichkeiten zu wertvollen Ressourcen machen.

Förderung von Freude, Zufriedenheit und Selbstsicherheit

Im Umgang mit Klienten, die schwierige Lebenssituationen oft als hoffnungslos und wenig veränderbar bezeichnen, können die immer wieder erfrischenden HERZWESEN® ein lebendiges Ausprobieren und Tun im Spiel und mit Worten erlauben, frei von Leistungsansprüchen, die Welt um sich herum, sich selbst, Situationen, Beobachtungen und Erlebnisse im wahrsten Wortsinn durch die Handpuppe zu begreifen. Denn sie erlauben es auch, neue Möglichkeiten und Fertigkeiten in einem angemessenen und sicheren Rahmen auszuprobieren, um für sich Lösungen und Strategien für komplexere Herausforderungen zu finden und emotionale Konflikte zu bewältigen.

Probieren Sie es aus – es macht Spaß und Freude, große und kleine Menschen professionell mit HERZWESEN® begleiten zu dürfen!

Das Buch zum Thema

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Marie-Anne Raithel:
HERZWESEN®-Lernen mit allen Sinnen.
Sozial-emotionales Kompetenztraining,
Shaker Media Verlag,
ISBN 978-3-84401-054-1


Marie-Anne Raithel Marie-Anne Raithel

Heilpraktikerin für Psychotherapie mit Praxis in Würselen, Coach DVNLP/systemische Ausrichtung, EMDR-Therapeutin (VDH/DGMT), Sozial-emotionales Kompetenztraining HERZWESEN®-Lernen mit allen Sinnen, Dozentin an der Paracelsus Schule Aachen, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!