Von Vertrauen, mentaler Kraft und heilsamer Intuition – Erfahrungsbericht einer Krebspatientin

2015 04 Vertrauen1

„Nicht was einem widerfährt, sondern die Einstellung dazu, ist wichtig.“
Gisela Beyersdorff

fotolia©nadezhdaEs traf mich aus heiterem Himmel. Ich war 35 Jahre und mein lang ersehntes Kind gerade ein Jahr alt geworden. Wir waren eine frischgebackene, glückliche kleine Familie. Wir wollten heiraten, ein zweites Kind und ein eigenes Heim. Unsere Lebenspläne und Vorhaben zerbrachen von einer Sekunde auf die andere. Inoperabler, metastasierter Lungenkrebs im Endstadium mit dem Angebot für eine palliative Chemotherapie. Eine unfassbare Diagnose. Aufgeben war keine Option. Lungenkrebs? Ich? Ich fühlte mich fit und gesund. Es sollte doch nur mein Husten abgeklärt werden. Und genau dieser war Symptom einer seltenen Krebsart, welche nicht durch Zigarettenkonsum ausgelöst wird und wenn überhaupt eher ältere Menschen betrifft.

Ich wollte mich auf keinen Fall einreihen zwischen Resignation und Sterbebett. Ich wollte leben – lange, gesund und glücklich. Ich wollte Herrin der Lage bleiben, aber vor allem hatte ich einen Wunsch: Ich wollte meinen Sohn aufwachsen sehen. Mir war noch nicht klar, dass dieser Schicksalsschlag eine positive Wende und großartige Chance für mein Leben bedeuten würde. Die Vision, dass ich irgendwann mit meiner Geschichte anderen Mut machen könnte, hatte ich allerdings sofort und sicherlich hat mich diese Hoffnung auf meinem Weg angespornt.

Damals überflutete mich zunächst unbändige Panik und Verzweiflung. Jeden Morgen erwachte ich mit dem gleichen Albtraum. Ich stellte mir die Frage, wie ich so auch nur einen Monat überleben sollte. Ich zog mich komplett von der Außenwelt zurück. Ich war auf der Suche nach einem Rettungsanker, einem Strohhalm, irgendetwas, das mir half. Ich wollte etwas tun, etwas Wirkungsvolles, etwas Nachhaltiges, das mich weg von den belastenden Emotionen brachte und wieder auf zwei lebensbejahende Beine stellte. Leugnen und Nicht-wahr-haben-Wollen brachte mich nicht weiter, denn jede Hustenattacke holte mich zurück in die harte Wirklichkeit.

So akzeptierte ich nach wenigen Tagen die Diagnose. Allerdings nicht die schulmedizinische Prognose, dass ich nur noch wenige Monate zu leben hatte, und schon bald erkannte ich, dass es neben der Schulmedizin viele Möglichkeiten gab, die ich selbst in die Hand nehmen konnte. Eine tiefe innere Gewissheit sagte mir, dass ich alles in mir hatte, was für eine Heilung nötig war.

Nachdem alle nötigen diagnostischen Folgeuntersuchungen abgeschlossen waren, u. a. eine Lungenteilresektion zur Gewebegewinnung und Sicherstellung der Diagnose, erbat ich mir Zeit, die Therapieempfehlung zu überdenken. Ich informierte mich umfangreich und holte zwei weitere ärztliche Meinungen ein. Die Frage, wie aussichtsreich die Chemo sei, wurde mit der Drittelregelung beantwortet. Bei einem Drittel der Patienten wird der Tumor unter der Chemotherapie kleiner, bei einem Drittel der Patienten wächst der Tumor unter Chemo weiter, ist also resistent, und bei einem anderen Drittel bleibt der Befund konstant. Chemotherapie spricht besonders gut bei schnell wachsenden Krebsarten an, nämlich dort, wo sich eine Vielzahl der entarteten Zellen teilt.

In meinem Fall allerdings betrug die Wachstumsrate nur 2% – also hatte ich zu 33% die Chance, ca. 2% der sich gerade teilenden Zellen per Chemo zu vernichten. Im Gegenzug würde ich mit 100 %iger Sicherheit mein ohnehin gestresstes Immunsystem in die Knie zwingen. Eine schulmedizinische Alternative war nicht im Angebot, nicht vor einer erfolglosen Erstlinientherapie. Ich war nicht überzeugt, doch meine Familie drängte mich verzweifelt zum Beginn der Chemo und so ließ ich diese Therapie widerwillig über mich ergehen.

Die Emotional Freedom Technique (EFT), eine Methode der Klopfakupressur zur Behandlung von Stress, half mir dabei, überhaupt den Mut zu fassen und nicht bei der ersten Chemoinfusion komplett in Panik auszubrechen. Ich versuchte, die Wirkung der Infusion zu unterstützen, indem ich winzige Haifische und Ninja-Kämpfer imaginierte, die sich einen direkten Weg zu meiner Lunge bahnten, um dort das unerwünschte Gewebe aufzufressen. Mit diesen Vorstellungen kam ich zur Ruhe und entspannte mich, so gut es ging. Irgendwann sah ich ganz deutlich vor meinem inneren Auge eine Spinne, die sich an ihrem Spinnfaden emporzog. Ein unbewusstes Bild dafür, dass mein Leben an einem seidenen Faden hing, ich jedoch gleichzeitig die Kraft in mir hatte, um mir ein neues, sicheres Netz zu spinnen. Diese intuitive Botschaft gab mir Kraft und ich nahm sie dankend an.

Nach Durchführung von vier geplanten Zyklen Chemotherapie war der Befund unverändert. Die einzige Veränderung, die sich einstellte, war, dass ich mich nun wirklich krank fühlte und krank aussah. Placebos wirken, weil der Patient fest an eine Wirkung glaubt. Kann im Umkehrschluss eine Therapie wirken, wenn der Patient nicht dahintersteht?

Auch wenn ich mein Bestes gab und auf Erfolg hoffte, glaubte ich nicht wirklich daran. Ich wollte meinen eigenen Körper nicht bekämpfen, sondern die Botschaft hinter dem körperlichen Symptom verstehen. Ich begriff mich nicht als Opfer und die Erkrankung nicht als einen zufällig wild gewordenen Zellhaufen, sondern als einen Teil von mir. Wieso sollte ich gegen mich kämpfen? Das tat ich in Form des Krebses bereits und genau das galt es umzukehren. Wie wäre es also, nicht gegen den Krebs zu kämpfen, sondern dankbar für die Botschaft zu sein, die er beinhaltete und durch die ich nun die Chance hatte, eine Veränderung einzuleiten?

Die zentrale Frage war: Was genau nimmt mir die Luft zum Atmen?

fotolia©JPC-PRODMein Leben hatte in den letzten Jahren ein extrem rasantes Tempo aufgenommen, welches, im Nachhinein betrachtet, nur in einer Sackgasse enden konnte. Beruflich war ich zur Geisel meiner eigenen Anspruchshaltung geworden und trat tagein, tagaus im selbst gewählten Hamsterrad, verbrannte wertvolle Energie, ohne ans Ziel zu kommen. Reglementierungen verboten mir eine Selbstentfaltung, nach der ich mich sehr sehnte. Mein Körper spiegelte mir nun innerlich das Chaos und den Irrsinn des Außen wider. Vom Außen in ein Korsett gepresst, war eine Entfaltung nur noch im Innen möglich? Wenn mein Verstand nicht in Erwägung zog, auf die Notbremse zu treten, dann musste mein Körper einspringen. Er bildete eine Ummantelung meiner Lungenbläschen. War es ein Schutzmantel? Und wenn ja, wovor wollte ich mich tatsächlich schützen? Vor dem Außen?

Auch wenn ich privat endlich das Glück gefunden hatte, so vergiftete mein Streben nach Anerkennung einen wesentlichen Teil meines Lebens. Ich war ungewollt auf einem gefährlichen Umweg gelandet und einige meiner Zellen taten es dem gleich. Mein beruflicher Erfolgskampf wucherte ins Private, sodass zu wenig Luft für freizeitlichen Ausgleich blieb. Ich ließ das zu und dieses autoaggressive Verhalten manifestierte sich nun körperlich. Mir wurde klar, dass ich Entspannung und Selbstliebe benötigte, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Ich musste lernen, Grenzen zu setzen und auch mal „Nein!“ zu sagen.

Ich bereue nicht, dass ich mich für die Chemotherapie entschieden hatte, denn mein Durchhalten brachte mich einen Schritt weiter zur Genehmigung der Zweitlinientherapie, der modernen Targettherapie. Dieses Mal war ich mir sicher, dass es bergauf gehen würde.

Die folgende CT-Kontrolle bestätigte meine Überzeugung. Aufgrund der starken Nebenwirkungen musste die Dosierung dieser Chemotherapie allerdings reduziert werden. Damit verminderte sich auch der Therapieerfolg. Seit der Diagnose war mittlerweile ein Jahr vergangen und ich fühlte mich körperlich ausgelaugt und schwach. Meine Ärzte hatten keine weitere Therapieempfehlung außer einem erneuten Versuch mit der Erstlinientherapie. Auch wenn die Dinge nicht gut standen, hatte ich Vertrauen in den Prozess des Lebens und blieb sehr optimistisch.

Ich ernährte mich gesund, machte leichten Sport an der frischen Luft, las Bücher über alternative Heilmethoden und stärkte meine mentale Kraft. Ich genoss die Tage mit meiner Familie und war dankbar für einen normalen Alltag. Es gab nichts, was ich hätte ändern wollen. Mein einziger Wunsch war, mein Kind aufwachsen zu sehen. Die Liebe zu meinem Sohn und zu meiner Familie war meine zuverlässigste und wirkungsstärkste Therapie.

Bald wurde mein Vertrauen mit einer glücklichen Fügung belohnt, als mich eine Vertretungsärztin in das „Compassionate Use“-Härtefallprogramm eines renommierten Pharmakonzerns vermittelte. Am letzten Tag vor Schließung des Programms ging mein Antrag beim Hersteller ein und ich erhielt ein Medikament, das in Deutschland noch nicht zugelassen war. Die Wirkung des Medikaments war schnell spürbar, mein Husten verringerte sich rasch und auch die bildgebende Diagnostik sprach Bände. Die neue Therapie schenkte mir kostbare Zeit, in der ich stetig weiter an mir arbeiten konnte und mich mit all den Dingen, die Energieräuber waren, versöhnte. Ich ließ mich von meiner inneren Stimme leiten, hörte auf meine Bedürfnisse und spürte positive Effekte durch energetische Arbeit an mir. Erst Jahre später wurde mir klar, dass ich intuitiv meine eigene Mischung aus heilendem Reiki, Affirmationen und einer meditativen Innenschau entwickelt hatte.

Es verging ein weiteres Jahr und meine Ärzte rechneten bereits seit Monaten mit einer Resistenzentwicklung. Sie nahmen anhand der Studienergebnisse an, dass der Tumor wieder wachsen würde, doch der Computertomograph zeigte eine Vollremission, eine vollständige Rückbildung. Ich hätte die Welt umarmen können, mein ersehntes Wunder war real. Ich war stolz und glücklich, mit mir und der Welt im Einklang. Ein Teil in mir konnte jedoch das Glück schwer greifen und fragte sich, ob nicht noch eine Lektion offen war. Ich hatte das Gefühl, dass noch etwas Bedeutendes nachkommen würde, dass ich den Tiefpunkt noch nicht überwunden hätte. Tatsächlich fehlte mir noch eine entscheidende Erkenntnis, die es zu lernen galt.

Im Rahmen der Erhaltungstherapie sollte ich das Medikament weiter einnehmen. Als Nebenwirkung entzündete sich meine Lunge immer wieder und musste permanent mit Antibiotika behandelt werden. Eine dieser Entzündungen entwickelte sich zu einem akuten Lungenversagen, sodass ich ins künstliche Koma gelegt werden musste. Ich kam auf die Intensivstation und die Ärzte riefen maximale Therapieeskalation aus. Ich wurde rund um die Uhr bewacht. Maschinen pumpten sauerstoffangereichertes Blut in meine Venen, mein Herzschlag wurde mit Elektroschocks in Rhythmus gebracht, meine Nieren drohten zu versagen und meine Leber war seit Langem überfordert. Mit Ausnahme einer Dialyse gab es nichts, was die Intensivmediziner noch hätten tun können. Man konnte nur abwarten. Nun lag es bei mir.

So befand ich mich einige Wochen zwischen Leben und Tod. Ich bekam vieles vom Außen mit und ich wusste genau, wenn ich einfach loslassen würde, gäbe es kein Zurück, dann würde dieser verlockende wohlige Sog in diese sonnige Spirale unkontrollierbar werden. Für diese finale Reise war ich allerdings noch nicht bereit. Zu viel gab es noch zu lernen, zu erledigen und zu meistern.

Ich entschied mich, zu bleiben, und lernte wieder, selbstständig zu atmen und zu laufen. Es war ein Drahtseilakt und ich fiel in mein weich gesponnenes Sicherheitsnetz. Der Tod hat für mich seinen Schrecken verloren und mit dieser Erfahrung lässt es sich viel entspannter leben. Ich habe mich auch hier – und dies galt es wohl noch zu lernen – versöhnt. Ich habe keine Angst mehr vor dem Sterben, dem Sterben eines Tages, wenn ich meinen Sohn und seine Familie lange genug begleitet habe.

Heute, fünf Jahre nach der Diagnose, ist meine Lunge gesund und leistungsfähig. Mein Körper hat viele Narben. Jede einzelne erinnert mich, macht mich demütig und dankbar für mein ausgefülltes und glückliches Leben, das ich heute führen darf. Mein Leben ist jetzt, nach einigen wesentlichen Veränderungen, gesund. Vor der Diagnose war es krank. Das Leben hat mich in besonderer Weise auf die Herausforderung vorbereitet, quasi trainiert. Mir wurde alles zur Seite gestellt, was ich brauchte, um wieder das Gleichgewicht zu finden. Schicksalsschläge oder Rückschläge haben ein Ziel – sie lehren uns, lassen uns wachsen und machen uns stärker. In der Krise liegt die Chance – so heißt es und es ist wahr. Diese Krise hat meine Familie und mich stärker gemacht. Wir haben uns noch fester und auf heilsame Weise verbunden.

Meine Ärzte sagten mir, sie wissen auch heute noch nicht, warum ein Patient besser auf eine Therapie anspricht und ein anderer weniger. In ihren Augen habe ich großes Glück. Für mich ist es sehr viel mehr als das, aber auf keinen Fall ein Zufall. Auch wenn es kein Allheilmittel gibt und die Medizin noch vor vielen Rätseln steht, so bin ich überzeugt davon, dass in jedem von uns das Potenzial zur Heilung steckt. Ich brauchte mein ganz persönliches Heilungspaket. Dieses fand ich u. a. in meiner individuell zusammengestellten Methodik.

Meine Empfehlung an alle Betroffenen ist daher: Übernehmt die Verantwortung für eure Heilung. Lasst euch von der Schulmedizin helfen und sucht euch zusätzlich euer individuelles Heilungs- und Unterstützungspaket.

Die Frage lautet: Was kannst du für dich tun, damit es dir besser geht?

Ich habe mich für viele Heilalternativen geöffnet und meiner inneren Stimme vertraut, die mich seither wie ein zuverlässiger Kompass leitet. Ich fand durch meinen familiären Rückhalt, EFT, Visualisierungen, Entspannungstrainings, eine sukzessive Ernährungsumstellung, leichtes körperliches Training, angenehme Gesellschaft und einen neuen Fokus auf die schönen Dinge des Lebens meinen wohltuenden Ausgleich und entdeckte den selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Weg wieder. Ich verlernte nicht, zu lachen, und holte mir Hilfe über Gespräche, Hypnose und energetische Verfahren wie u. a. Bioresonanz. Außerdem quittierte ich meinen kaufmännischen Job und nutzte die neu gewonnene Zeit für meine berufliche Neuorientierung. Ich entdeckte die Psychologie und die Psychosomatik und bin heute Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Ich weiß nun, warum ich lernen sollte, mit einer schweren Erkrankung umzugehen, und was meine Aufgabe ist. Ich möchte meine Erfahrungen weitergeben, als energetischer Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie anderen Menschen hilfreich zur Seite stehen, sie ein Stück auf ihrem Weg begleiten, wenn die Herausforderungen und Veränderungen des Lebens einen Beistand erfordern. Ich möchte anderen dabei helfen, die eigenen Ressourcen und Potenziale zu entdecken, um den individuellen Lebensaufgaben kraftvoll zu begegnen.

Schwere Erkrankungen sind Leuchtraketen, Warnsignale, die wir nicht überhören sollten. Jede enthaltene Botschaft ist individuell und es gilt, sie zu erforschen. Schwere chronische Erkrankungen haben in meinem Verständnis multifaktorielle Ursachen und sollten daher auch nicht nur mit einer Therapie versorgt werden. Das Wissen, was uns heilt, trägt jeder in sich. Manchmal ist der Außenlärm nur so dominant geworden, dass wir neu lernen müssen, auf die innere Stimme zu hören. Die mentale Kraft in uns allen ist Potenzial und wichtige Ressource, welche nicht unterschätzt werden sollte.

Ich wünsche allen Betroffenen und deren Angehörigen dieses mentale Potenzial und das nötige Vertrauen in die ureigene Intuition.

Sandy Brämer-Nadim Sandy Brämer-Nadim
Heilpraktikerin für Psychotherapie, Diplomkauffrau (FH), Energetischer Coach, Traumatherapie und Hypnose

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