Mit einem Lächeln ...

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Ein guter Unterstützer zeigt einem auch mal den zwinkernden Blick aufs Leben. Hilft es, wenn man sich und das Leben manchmal nicht so ernst nimmt?

2015 03 Laecheln2Wissen Sie: Manchmal schenkt uns das Leben Momente, in denen man eins ist mit sich und der Welt und über sich und die Dinge einfach nur lächelt. Etwa wenn man sich selbst vielleicht ein klein wenig ertappt hat, weil man sich ja am besten kennt. Schön ist das, wertvoll. Ich hoffe, Sie wissen und kennen das. Wobei mit Wissen hat das ja eher wenig zu tun. Denn: Wissen ist nicht alles. Manchmal erlaube ich mir auch einen Spaß mit mir selbst und kann dann herzlich über mich lachen. Ach, was soll‘s: Ich teile mit Ihnen eine kleine Anekdote. Bei dem Gedanken daran grinse ich immer noch in mich hinein ...

Neulich bekam ich einen Satz Karten von meinem Bruder geschenkt. Mit den Worten: „Du stehst doch auf so etwas.“ (Ja, danke, Bruderherz – ich lese nun mal gerne philosophische, besinnliche Sprüche und Verse) überreichte er mir das kleine Etui. Ich will jetzt keine Werbung machen, um hier Bedürfnisse zu schaffen. Also nenne ich nicht den Namen des Kartensets. Ist auch völlig irrelevant für meine Geschichte. Und wir wollen Sie ja nicht mit unnötigen Details belasten. Oder abschweifen. Kommen wir auf den Punkt ... zum Doppelpunkt genaugenommen:

Die Karten lagen bei mir schon einige Wochen ungenutzt auf der Fensterbank. Es war ein schöner, entspannter Sonntag und ich kam auf die Idee, dass mein Partner und ich doch mal verdeckt einfach drei Karten aus dem Stapel nehmen und darüber dann nachsinnen könnten. Klingt spannend, oder? Wer schüttelt da vehement mit dem Kopf?! In Gedanken entgegnet mein Partner noch: „Na gut – komm, dann mach‘ ich mal mit. Vielleicht erhalte ich ja eine Eingebung und es macht was mit mir.“

Mein Partner weiß, dass ich gerne kreativ die „Seele auflockern und trainieren“ möchte – dass ich Klienten auch immer mit einem bunten Strauß von Wahrnehmungen und einem abwechslungsreichen Methodeneinsatz anrege. Man wird damit aus seiner Komfortzone gelockt. Man wird so hervorragend zum Nachdenken über sich, seine Realität und sein Denken und Handeln angeregt. Und manchmal ist es eben nur ein Satz auf einer Postkarte, in einem Buch oder von einem Menschen, der unser Denken und Handeln verändert, der uns persönlich das Leben mit einem Lächeln auf den Lippen betrachten lässt.

Kennen Sie solche Sätze? Nicht umsonst gibt es Affirmationen. Sätze, die von innen stärken sollen.

Stress ergibt Entwicklung. Entwicklung ergibt Stress. Ich spreche hier nicht nur vom negativen Stress. Ich spreche vom Suchen und Finden, vom Auf-Veränderung-in-der- Umgebung-Reagieren. Das schließt positive Entwicklungen und Erfahrungen mit ein sowie Denkprozesse und Fortschritte, die Kraft und Energie kosten, aber das Leben bedeuten.

Mein Partner und ich hatten in diesem Sinne in letzter Zeit viel Stress. Also: So ein bisschen innere Stärke gefällig? Heute im Angebot. Die Tüte Mitleid ist gerade ausverkauft. Er zog drei Karten. Und ob Sie es glauben oder nicht: Er gestand mir, dass die Karten ihn getroffen hätten (und ihm irgendwie gut taten). Was dich trifft, betrifft dich – heißt es. Und ich? Ich zog ebefalls drei Karten. Las nacheinander die erste, die zweite und die dritte. Und wissen Sie, was soll ich sagen – ich biss mir erst auf die Lippen, dann merkte ich, wie meine Wangenknochen sich gefährlich spannten, und dann konnte ich nicht anders: Ich musste heftig grinsen. Doch es kam noch besser. Mein Liebster sah mich fragend an. Dann schlussfolgerte er: „So, so – na, dann lass mal sehen ...“ und war im Begriff, die Karten zu greifen. Ich entzog sie ihm flink aus einer albernen, spielerischen Laune heraus und setze mich drauf. Ja, Sie haben richtig gelesen. Ist das regressives Verhalten? Egal!

Jedenfalls erwischte mein Partner dann doch die Karten und las stillschweigend, zufrieden zurückgelehnt. Ich ging in die Küche. Der Kaffee war fertig. Was für ein Zufall. Aber im Leben gibt es ja keine Zufälle, oder?! Oder doch?! Wie denken Sie darüber?!

Als ich wiederkam, sah er mich an. Ich kann ja vieles deuten. Sagen wir mal: Das habe ich gelernt. Aber mein Partner ist nun mal nicht ich und ich bin nicht mein Partner. Auch ein Thema, mit dem ich mich sehr intensiv und gerne auseinandersetze: Kommunikation. Na, jedenfalls dauerte es ein paar Sekunden und ich hatte keine Ahnung, wie ich den Blick deuten sollte. Dann grinste er. „Was?!“, fragte ich und folgte seinem Blick. Wegen der hochsommerlichen Temperaturen trug ich kurze Shorts. Oh. Tatsächlich. Er hatte nur zwei meiner drei Karten erwischt. Eine klebte immer noch an meinem Oberschenkel. Unglaublich. „Das ist deine Karte. Die wird dein Denken verändern. Die klebt dir quasi schon am Arsch.“ – „Bestimmt.“ Ich grinste.

Diese Karte hatte mich in mich hineinlachen lassen. Ich zupfte sie ab und las laut vor: „Manchmal ist ein klares und kraftvolles ‚Scheiß drauf!‘ ein effektiverer Weg, mit Selbstzweifeln und Gegenargumenten umzugehen, als sie wieder und wieder jammernd zu analysieren.“ Zack. Da war es wieder. Ich grinste. Ja, ja.

Im Gespräch mit einem Fachmann im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie hatte ich mich neulich gerade dazu ausgetauscht. Im Leben gilt der Kompromiss in der Konstellation. Und den sollte man mit Humor nehmen können. Stichworte wie „Ausgangssituation durch Familienumgebung“, „Resilienz“, „Positive Psychologie und Psychotherapie“ fielen.

Manchmal hadern Menschen stark mit ihrer Ausgangssituation und fragen sich, was ihre Rolle ist in diesem Universum, und warum gerade sie sich mit diesem und jenem Problem herumschlagen müssen oder mussten. Sie verlieren die Kraft und den Glauben an sich, an die Menschen um sie herum und kommen ins Grübeln. Dann liegt es an fachkundigen Seelenbegleitern – an Unterstützern – sie professionell an die Hand zu nehmen und ihnen dabei zu helfen, ihre Realität nicht als die wirkliche Realität, sodern nur als einen kleinen Teilausschnitt zu betrachten, den sie autonom abwägen, einordnen und überdenken können. Also: durch Veränderung im Denken, Veränderung im Gefühl und im Handeln – oder?

Dann liegt es aber auch manchmal an den Unterstützern, mit einem Zwinkern und einem verbalen Schubs, mit anderen Impulsen die Sicht der Dinge im Kopfe des anderen zu aktivieren. Manchmal kann man nämlich nicht nur etwas, sondern auch sich selbst kaputtreden und -denken. Mein geschätzter Gesprächspartner meinte: „Manchmal stelle ich meinen Klienten nur eine Frage: „Na und – was bedeutet das denn?“ Dann helfen manchmal eine Abschätzung des Energieaufwandes und ein kleines „Scheiß drauf!“

Anstatt in letzter Zeit auch mir selbst mal „Scheiß drauf!“ zu sagen und sozusagen die Arschkarte zu ziehen, hatte ich wohl aus irgendeinem (von mir noch nicht selbstanalysierten Grund) meine Mühe mit so manch einem Gegenargument und bekam meinen Kopf nicht frei. Was soll ich jetzt sagen?! Meine Yogalehrerin setzte letztens noch einen drauf, indem sie mir in der Vorwärtsbeuge unvorhergesehen auf den Kopf patschte und im wissenden Ton konstatierte: „Jenny. Yoga! Lass mal los.“ – Ja, ihr habt ja alle Recht, aber ... Kein aber. In der heutigen Zeit – ach, was sage ich – es gilt schon immer, mit seinen Energien zu haushalten und die Balance zu finden – für sich selbst.

Man kann, wenn die Energien nicht stimmen, sowohl körperlich als auch seelisch erkranken und das passiert mitunter durch zu viel Blaaablaaa im Kopf. Es ist unglaublich wichtig, sich auch zu hinterfragen. Davon rede ich nicht. Aber: Manchmal ist ein klares und kraftvolles „Scheiß drauf!“ vielleicht ein effektiverer Weg, mit Selbstzweifeln, die jeder einmal hat, und Gegenargumenten (ob subjektiver oder objektiver Natur) umzugehen, als sie wieder und wieder jammernd zu analysieren. Und auch wenn man das „jammernd“ streicht – manchmal hilft doch nur ein Lachen. Und das man sich und das Leben nicht so ernst und wichtig nimmt.

Ich hoffe, ich durfte Sie ein klein wenig erfreuen. Denn das Leben ist schön. Momente der Leichtigkeit sind kostbar. Schon in meinem Poesiealbum stand einst geschrieben: „Lieben, Leben, Lachen – das sind drei schöne Sachen.“ Und mit diesem ach so wahren Verslein verabschiede ich mich – mit einem Lächeln – über mich. Über das Leben. Und rufe Ihnen zu: Alles wird gut ... Und wenn es auch „mal nicht so gut“ ist: Zeigen Sie gerne auch mal lächelnd die Arschkarte!

Jenny Miosga Jenny Miosga
Heilpraktikerin für Psychotherapie, Geprüfte Psychologische Beraterin, Journalistin, Rhetorik- und Kommunikationsexpertin
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