Vom Mut, den eigenen Weg zu gehen

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Den eigenen Weg zu gehen und dem wirklich zu folgen, was uns am Herzen liegt, das wünschen sich viele von uns. Doch Ängste und Zweifel halten uns oft davon ab, einfach loszugehen. Dass es möglich ist, noch heute den ersten Schritt auf unserem Weg zu machen, davon bin ich überzeugt.

fotolia©RudieWer schon einmal die tiefe Sehnsucht im Herzen gespürt hat, weiß, dass sie sich nicht so einfach verdrängen lässt. Es ist eine Sehnsucht danach, wirklich authentisch zu leben, eigene Talente und Potenziale zu verwirklichen und das zu tun, was dem eigenen Leben einen Sinn gibt.

Oft führt diese Sehnsucht zu inneren Krisen und ruft Umbruchszeiten hervor oder tritt in eben diesen auf. Dann scheint der Schritt zum Jobwechsel, zum Umzug, zur Trennung plötzlich unausweichlich. Denn wir erkennen, dass der Weg, dem wir bislang gefolgt sind, vor allem von den Wünschen anderer Menschen geprägt war – vielleicht von Kollegen, der Familie oder von Freunden.

Solch ein Moment des inneren Erkennens ruft erst einmal Angst hervor, denn er gleicht einer Stunde Null. Plötzlich steht kein Stein mehr auf dem anderen und das wohlgeordnete, sicher geglaubte Lebensgerüst beginnt gefährlich zu schwanken. Fragen tauchen auf und rotieren Tag und Nacht im Geist: Was ist wirklich meins? Wie kann ich wirklich authentisch leben? Was macht mich aus? Kann ich mein Leben einfach so verändern? Was werden die anderen sagen? Und was ist, wenn ich springe und scheitere?

Schwimmen gegen den Strom

So stark der Wunsch nach einem aufrichtigen, echten und authentischen Leben auch ist, Familie und Gesellschaft vermitteln oft das genau gegenteilige Bild: Hier geht es darum, einen guten Job zu finden, viel Geld zu verdienen, Sicherheiten zu schaffen, aufzusteigen.

In einer Gesellschaft, die auf Leistung ausgerichtet ist, gleicht das Gehen des eigenen Lebensweges oftmals einem Schwimmen gegen den Strom. Wer mit dem Gedanken spielt, wirklich dem Eigenen zu folgen und es zu leben, trifft schnell auf Hürden im Außen. Wie kannst du nur! rufen die einen. Das wird bestimmt schief gehen, die anderen. Unterstützung und Ermutigung finden wir vor allem bei den Menschen, die einen ähnlichen Weg gegangen sind – und gehen. Sie wissen somit, welche Steine und Hindernisse dieser mit sich bringt.

Von Marianne Williamson stammt das Zitat: „Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir über alle Maßen kraftvoll sind. Und das sind wir.“ Es ist nicht unmöglich, den eigenen Weg zu gehen. Vielmehr bleibt es oft Utopie, da wir es nicht wagen einfach loszugehen. Wer beginnt, seinem eigenen Lebensweg zu folgen, übernimmt Verantwortung für sich und sein Leben und zeigt anderen, dass es möglich ist, den ganz eigenen Weg zu gehen.

Standortbestimmung und Visionsentwicklung

Zu Beginn steht dabei die Erforschung unseres aktuellen Standortes. Denn es ist nicht möglich, eine Wanderung nach Berlin zu unternehmen, ohne zu wissen, ob wir in München oder in Hamburg starten. Daher steht die Standortbestimmung am Anfang des Weges: Wie sieht mein Leben momentan aus? Beruflich, privat? Wie sieht mein Lebensumfeld aus? Wo stehe ich im Leben? Wir können uns vorstellen, unser Leben wie eine Landkarte vor uns auszubreiten und die aktuellen Berge und Täler, Flüsse, die wir zu überqueren haben, und Orte, an denen wir heimisch sind, einzeichnen.

Sind wir uns nun der momentanen Bestandteile unserer Lebenslandkarte bewusst, ist es anschließend möglich, den Kurs neu auszurichten und die Segel für die Reise ins Neuland zu setzen. Nun geht es um eine Visionsentwicklung: Wo möchte ich hin? Berufl ich, privat? Was soll sich verändern? Was möchte ich mitnehmen aus meinem bisherigen Leben, was loslassen?

Besonders leicht lassen sich solche Fragen während einer Auszeit vom Alltag klären. Denn dort gibt es Zeit, Raum und Stille, die es ermöglichen, wieder in Kontakt mit uns selbst zu treten und zu erkunden, wohin unsere weitere Reise gehen soll. Sowohl der Rückzug in eine andere Umgebung, wie ein Meditationszentrum oder in die Natur, als auch professionelle Unterstützung, beispielsweise durch eine Mentorin, einen Mentor oder einen Coach, können helfen, verborgene Fähigkeiten, Wünsche und Träume ans Licht zu bringen.

Ist der Standort klar, die Vision entwickelt oder das Ziel ins Auge gefasst, können wir anschließend den ersten Schritt auf dem neuen Weg machen.

Schritt für Schritt

Mit der Verwirklichung neuer Ideen und Visionen kommt oft zugleich der Wunsch auf, alles Alte sofort loszulassen und alles Neue direkt umzusetzen. Das ist der Moment, in dem viele Projekte und neue Wege scheitern. Denn wir setzen die Erwartungen an uns selbst so hoch an, dass sich Erfolgserlebnisse gar nicht einstellen und Mut machen können weiterzugehen. Statt Freude und Neugierde tauchen Gefühle von Stress, Druck und Entmutigung auf.

Denn wie gerne vergleichen wir uns mit Menschen, die seit 30 Jahren ihrem eigenen Weg folgen und erfolgreich das tun, wo wir erst noch hin wollen: Mit dem Vorbild-Therapeuten, der Meditationslehrerin, die seit zwei Jahrzenten erfolgreich Kurse gibt, oder dem Coach, der uns immer wieder begeistert. Es ist illusorisch und hinderlich zu glauben, direkt auf dem gleichen Level einsteigen zu können.

Ebenso wie das Warten auf den perfekten Moment – der dann doch nie kommen wird –, um endlich den ersten Schritt auf dem eigenen Weg zu wagen.

Was wirklich hilft, unsere Pläne und Wünsche umzusetzen, ist die Ausrichtung auf das Jetzt. Die Frage: Was kann ich jetzt tun? Denn es gibt immer etwas, was wir jetzt tun können. Einen Schritt, den wir in diesem Moment machen können – und wenn er noch so klein ist.

Das Gehen des eigenen Weges, ebenso wie die Umsetzung von Ideen und Visionen, ist ein Prozess. Es ist ein Plan, der sich Schritt für Schritt verwirklicht und zugleich ständig wandelt. Dabei flexibel zu bleiben und dem offen und neugierig zu begegnen, was ist, hilft ungemein auf diesem Weg.

Bleiben wir gespannt auf das Neue und anstehende Veränderungen auf unserem Lebenskurs, dann dürfen wir immer wieder darüber staunen, in welch faszinierende Richtungen sich unser Leben bewegt und die wir vorher gar nicht hätten planen können.

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Der Artikel entstand nach dem Buch von Sabrina Gundert „Auf dem Herzensweg – Lebensgeschichten spiritueller Frauen. Das Buch „Hab Mut und geh – Das Herzensweg- Praxisbuch“ von Sabrina Gundert ist im Herbst 2014 im Irdana-Verlag erschienen, ISBN 978-3-98136-099-8

 

Sabrina Gundert Sabrina Gundert
Coaching, Seminare und Bücher für Frauen, die ihren eigenen Weg gehen wollen

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