Mein Geld, dein Geld, unser Geld?

2015 01 Geld1

Geld und Liebe – kaum miteinander vereinbar! Liebe rechnet nicht, heißt es, und wer liebt, möchte mit dem Partner nicht über Euro und Cent verhandeln. Doch wenn zwei ihren Alltag gemeinsam organisieren, sind Auseinandersetzungen ums Geld meistens unvermeidlich.

fotolia©pogoniciAndauernde Diskussionen jedoch können die Liebe zerstören. Dabei geht es oftmals gar nicht darum, ob einer von beiden zu viel ausgibt: Geld wird gern als Vehikel benutzt, um bestimmte Empfindungen nicht aussprechen zu müssen. Hinter dem Streit ums Geld verbergen sich andere Gefühle: Es geht um Anerkennung in der Partnerschaft, und um Macht. Über ihre Finanzen zu sprechen, fällt vielen Paaren noch schwer, doch man kann es lernen.

Warum Finanzen häufig für Diskussionen sorgen?

Immer mehr Auseinandersetzungen in Beziehungen drehen sich um die Finanzen. Hört bei Geld die Liebe auf?

Birgit Weidt im Gespräch mit dem Münchener Psychotherapeuten und Eheberater Dr. Franz Thurmaier.

Finanzkrise, Börsencrash, Inflation – es sind wirtschaftlich schwierige Zeit. Was macht das mit der Liebe, wenn weniger Geld in der Haushaltskasse ist?

Das ist Stress pur – und darüber muss gesprochen werden, besonders dann, wenn einer plötzlich weniger verdient oder arbeitslos geworden ist. Unter dem Aspekt: Müssen wir jetzt sparen? Wenn ja, wo sparen wir? Und wie gehen wir mit dem Geld um, das noch hereinkommt? Weniger Geld zu haben, bedeutet nicht nur, sich weniger zu leisten, sondern heißt für viele auch, dass das Selbstwertgefühl angekratzt ist. Besonders Männer werden bei Jobverlust oder materiellen Einbußen häufig gereizt und unausgeglichen. Sie neigen dazu, ihrer Partnerin Vorwürfe zu machen, denn der Chef, der die Kündigung ausgesprochen hat, ist weit weg, an den kommen sie nicht direkt heran. Als alles noch lief auf der Arbeit, wurde über manches in der Partnerschaft hinweggeschaut. Das ändert sich nun. Wer seinen Job verliert, erlebt das als Einbruch des Selbstwertgefühls. Also, es muss nicht nur in finanzieller Hinsicht eine Lösung gefunden, sondern es sollte auch überlegt werden, inwieweit man dem Partner helfen kann, damit er nicht in ein so tiefes Loch fällt.

Wenn es nun mehr Anlass zu Streitereien gibt – kommt zum Vorschein, was ohnehin schon da war an unterschiedlichen Auffassungen?

Was früher an Missstimmung lediglich etwas brodelte, kann nun unter emotionalem Druck regelrecht überkochen. Bisher hat den einen die leichte Verschwendungssucht des Partners nicht so gestört, doch nun, wo die Anspannung wächst, werden die Charakterzüge des anderen deutlicher wahrgenommen. In finanzieller Not kann es nun eskalieren, gerade wenn der eine sparsam ist, genauestens die Preise vergleicht; der andere dagegen nicht auf jeden Cent schaut, weil ihm das zu aufwändig ist. Da fangen beide an, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, ob zum Beispiel der teure Wein oder das Designerkostüm hätte sein müssen.

Haben es Paare mit einem unterschiedlichen Geldmuster schwerer miteinander auszukommen? Wenn z. B. der Geizhals auf die Genießerin, der Finanzchaot auf die Gewissenhafte triff?

Generell kann man schon sagen, wenn beide eine ähnliche Auffassung haben, gibt es weniger Auseinandersetzungen über die Finanzen, da muss weniger abgestimmt werden. Doch es gilt auch: „Gegensätze ziehen sich an“. Sind die Gegensätze zu groß, wird es schwierig, doch das heißt noch nicht, dass die Beziehung daran scheitern muss. Nur stellt dies eine zusätzliche Herausforderung dar. Hier ist es wichtig zu verstehen, warum der eine kleinkariert und der andere großzügig mit Geld umgeht. Solange das nicht klar ist, wird das als persönlicher Angriff erlebt, unter dem Motto: Sie kauft sich teure Schuhe, nur um mich zu ärgern, um mir zu zeigen, dass mein Geiz sie aufregt. Wenn der Partner aber die Gründe dafür nachvollziehen kann, z. B. welche Befriedigung das Shoppen seiner Frau bringt, dann ändert sich die Sichtweise – das Problem ist damit zwar noch nicht gelöst, doch die Auseinandersetzung ist dann nicht mehr so aggressiv, sondern etwas verständnisvoller und auf mögliche Kompromisse gerichtet.

Warum ist es wichtig zu ergründen, wie man mit Geld umgeht?

fotolia©Thomas MuchaEs kann hilfreich sein, sich mit der eigenen Geldbiographie auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie die Eltern waren: großzügig und spontan oder eher planvoll und sparsam. Damit kann man auch unbewusste Botschaften erkennen, die sich in einem festgesetzt haben. Vielleicht ist man doch noch sehr geprägt von solchen Sätzen wie: „Über Geld spricht man nicht.“ oder: „Geld verdirbt den Charakter.“ Solche Botschaften bleiben oft bis ins Erwachsenenalter bestehen, unabhängig vom Einkommen. Sich so etwas klar zu machen, verhilft zu einem bewussteren Umgang mit Geld. Es ist spannend, nicht nur beim Partner zu ergründen, warum er ein Pfennigfuchser oder Lebemann ist, sondern sich auch selbst zu fragen: Woher kommt meine große Sparsamkeit bzw. meine Großzügigkeit? Manchmal scheint es, dass Paare unbewusst das Gegenteil von dem suchen, was sie selber sind, um dazuzulernen. So könnte der eine lernen, sparsamer zu sein, und der andere dagegen sollte versuchen, sich mehr zu gönnen. Wenn es gelingt, sich gemeinsam weiter zu entwickeln, ist das wunderbar.

Und wenn es nicht gelingt?

Wenn‘s schief geht, dann werden die Gegensätze in der Partnerschaft zunehmend extremer – der eine lebt immer stärker die Verschwendung, der andere den Geiz, weil beide nicht erkennen, dass man Kompromisse eingehen muss. Ohne die jedoch kommt man nicht zusammen. Ich erlebe häufig in der Eheberatung, dass Paare zu kämpfen anfangen: Die Frau beklagt sich, wie ihr sparsamer Mann sie maßregelt und bevormundet, der Mann dagegen schildert, wie verantwortungslos seine Frau das Geld ausgibt. So reiben sich beide aneinander, merken aber nicht, dass jeder seine Rolle spielt und nicht bereit ist, sie ein Stück weit zu verlassen. Meine Arbeit in der Beratung ist es dann aufzuzeigen, dass jeder nur einen Teil in der Beziehung auslebt und beide die Möglichkeiten haben, flexibel zu reagieren, also mal sparsam, mal verschwenderisch zu sein.

Über Geld zu reden fällt vielen Paaren schwer. Warum ist Geld immer noch solch Tabuthema?

Die meisten Paare tun sich schwer, über Geld zu reden, weil Geld eng mit Macht und Prestige verknüpft ist. In unserer Gesellschaft wird Anerkennung durch Geld gezeigt. Und da entsteht der Eindruck: Geld und Liebe, das passt nicht recht zusammen. Im Alltag aber treffen beide aufeinander und man muss darüber sprechen. Generell geschieht das schon, häufig aber in einem unsachlichen Ton, denn Geld wird gern als Ersatz benutzt, um bestimmte Empfindungen, die unterschwellig mitschwingen, nicht ansprechen zu müssen. Hinter einem Streit ums Geld verbergen sich meist auch noch andere Gefühle, z. B. dass man sich von dem anderen nicht ausreichend akzeptiert und nicht genügend respektiert fühlt.

Ab wann sollten zwei über Geld reden?

Wenn sich aus einer anfänglichen Verliebtheit eine feste Partnerschaft entwickelt und man an eine gemeinsame Zukunft denkt. Am Anfang spielt Geld keine große Rolle, da läuft es meistens relativ locker, mal zahlt der eine, mal der andere, wenn man sich trifft. Zum Thema wird es auf jeden Fall, wenn beide zusammenziehen. Wer bezahlt wie viel Miete? Entscheiden wir uns für ein gemeinsames Konto? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es immer noch Frauen gibt, die sich scheuen, über finanzielle Angelegenheiten in der Beziehung zu sprechen, und auch nach vielen gemeinsamen Jahren nicht wissen, was ihr Mann verdient. Es sind auch hochintelligente und emanzipierte Frauen, die sich vor den realen Fakten scheuen, solange die Beziehung gut läuft. Vielleicht ist es einfach nicht wichtig, solange es gut klappt. Oder man fürchtet, Nachfragen könnten vom Partner als Misstrauen erlebt werden. Im Falle einer Trennung oder Scheidung wissen sie dann oft nicht, was ihnen und den Kindern an Unterhalt zusteht. Eigentlich sollte man von Anfang an in der Partnerschaft auch über Geld reden.

Gemeinsam oder getrennt – was sagt das Konto über die Liebe?

Die meisten Ehepaare vertrauen heute auf die Form der gemeinsamen Kontoführung. Denn gemeinsame Kasse untermauert die Vorstellung eines gemeinsamen Lebens: Wir leben zusammen, wir teilen was wir haben. Das gemeinsame Konto ist die romantische Form der Finanzfrage. Voraussetzung dafür: gegenseitiges Vertrauen und klare Absprachen! Was können wir uns monatlich leisten? Wer behält den Überblick über Einnahmen und Ausgaben?

Paare, die sich für getrennte Konten entscheiden, leben eher nach individuellen Gesichtspunkten. Jeder behält sein Einkommen, gemeinsame Kosten werden separat überwiesen oder über ein Extra-Konto für Haushalt und alles Weitere verwaltet.

Das ist kein Nachteil für die Liebe, vorausgesetzt beide Partner sind glücklich damit, fühlen sich durch ein geringes oder nicht vorhandenes Einkommen des einen nicht benachteiligt.

Wie lässt sich Streit um die Finanzen vermeiden?

Damit es nicht ständig zu Reibereien wegen des Geldes kommt, ist es hilfreich, die gegenseitigen Erwartungen zu besprechen: Was ist dem anderen wichtig? Und was brauche ich zum Glücklichsein? Ob eine große Mietwohnung oder lieber das Sparen für das Eigenkapital zum Hausbau oder der Wunsch nach mehrwöchigen Urlaubsreisen – Wünsche und Vorstellungen müssen gemeinsam besprochen werden.

Dazu gehören natürlich auch Kompromisse und Verzicht, denn nicht alles ist realisierbar. Wenn kein Zwei-Wochen-Urlaub drin ist, weil sonst wichtige Rücklagen aufgebraucht werden, sollte man gemeinsam überlegen: Können wir uns eine Woche leisten oder fahren wir nur alle zwei Jahre? Der Lebensstandard muss natürlich immer wieder aktuell an das Vermögen angepasst werden.

Was bedeutet es für eine Beziehung, wenn der eine viel, der andere wenig verdient?

Die Frage ist doch: Wie wichtig ist mir Geld für meine Unabhängigkeit, was bedeutet es für mich, wenn der Partner mehr verdient oder wenn er mich finanziert – bedeutet das für mich Abhängigkeit?

Das muss so nicht sein in einer Beziehung. Es gibt Paare, die aufgrund der Geburt eines Kindes in die klassische Rollenverteilung schlüpfen und bei denen es gut läuft, wenn sie es beide akzeptieren. Es sollte in einer Beziehung immer ein Ausgleich stattfinden, dass beide den Eindruck haben: Ich leiste meinen Teil. Das kann Geld sein; das können auch organisatorische Fähigkeiten sein, wie die Vorbereitung von Ausflügen oder Planung von Urlaubsreisen. Solange der indirekte Ausgleich funktioniert, ist Geld nur einer von vielen Bereichen, die eine Beziehung stabilisieren.

Gibt es ein Geheimnis glücklicher Ehen?

Es scheint wohl darin zu bestehen, dass beide positiv miteinander im Gespräch bleiben. Wenn es gelingt, eigene Bedürfnisse und Wünsche mitzuteilen und die des Partners/der Partnerin besser zu verstehen; wenn Meinungsverschiedenheiten konstruktiv geklärt werden – dann kann die Liebe wachsen und erhalten bleiben. Dies gilt für den finanziellen Bereich genauso wie für alle anderen Bereiche der Beziehung.

Tipps

1. Sehen Sie es als Vertrauensbeweis an, wenn Sie sich gegenseitig über Ihre finanzielle Situation aufklären. Reden Sie dabei auch über schwierige Themen wie Schulden oder Unterhaltsverpflichtungen.

2. Schreiben Sie gemeinsam einmal im Monat all Ihre Einnahmen auf und einigen Sie sich auf einen Ausgabenplan.

3. Reden Sie offen und ehrlich über Ungleichgewichte in der Beziehung. Beachten Sie dabei drei wichtige Kommunikationsregeln:
• zuhören
• Gespräche führen und keine Monologe
• ausreden lassen

4. Überlegen Sie zusammen mit Ihrem Partner, wie Sie mit den gemeinsamen Kosten umgehen. Bewährt haben sich drei Konten: Basis ist eine gemeinsame Haushaltskasse, sozusagen als Topf für Anschaffungen vom Klopapier bis zum Geschirrspüler. Darüber hinaus hat jeder sein eigenes Bankkonto für den Überblick der individuellen Ausgaben.

5. Ist Ihr Partner ein Pfennigfuchser, müssen Sie seine Sparwut nicht mitmachen, wenn Ihnen dadurch Lebensqualität abhanden kommt. Ihre Wohlfühlgrenze sollten Sie nicht unterschreiten.

Wenn Ihr Partner zu viel Geld nur für unnötige Spielereien ausgibt und reden nicht mehr hilft, müssen Taten her. Bieten Sie ihm z. B. einen leeren Kühlschrank als Mahnung.

6. Prüfen Sie alle 6 Monate, ob sich Ihre Situation und Bedürfnisse verändert haben und Sie Ihre Ausgaben neu überdenken müssen.

7. Machen Sie sich Ihre grundlegenden Bedürfnisse bewusst. Was ist dem anderen und was ist mir wichtig? Mit welchem Kompromiss kann jeder von uns leben? Der eine will eine sichere Altersversorgung, der andere viel reisen. Darüber sollte man nicht streiten, sondern es akzeptieren, und entsprechend der Einkommenssituation müssen entsprechende Absprachen getroffen werden.

Literatur

  • Gisela Kaiser: Geld oder Leben. Wie Geld unsere Beziehungen und Gefühle beeinflusst, Koehler Verlag
  • Joachim Engl, Franz Thurmaier: Damit die Liebe bleibt: Richtig kommunizieren in mehrjährigen Partnerschaften, Kreuzverlag
  • Joachim Engl, Franz Thurmaier: Wie redest Du mit mir? Fehler und Möglichkeiten in der Paarkommunikation. Kreuzverlag
  • Sowie die über das Institut beziehbaren DVDs: Ein Kick mehr Partnerschaft. Gelungene Kommunikation … damit die Liebe bleibt

Informationen

  • Tipps zum Thema Familienfinanzen gibt der Verband der Familienfrauen und -männer, der sich für finanzielle und soziale Sicherung bei Familienarbeit einsetzt.
  • Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz verschickt kostenlos die Broschüre „Das Eherecht“. Bitte anfordern: Telefon 0180 / 5 2219 96 oder herunterladen: www.bmjv.de
  • Michael Klein: Eheverträge, Deutscher Taschenbuch Verlag, München

Dr. Franz ThurmaierDr. Franz Thurmaier
Psychologe, Psychotherapeut, Ehe-, Familien- und Lebensberater.
Leiter des Münchner Institutes für Forschung und Ausbildung in Kommunikationstherapie


Birgit Weidt Birgit Weidt

Autorin, Journalistin

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