Buch-/CD-Besprechungen

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2014-03-Buch2Der Baum der Erkenntnis im Alten Testament hat die Psychotherapeutin Ortrud Grön, Jg. 1925, dazu inspiriert, sich mit Naturgleichnissen der Bibel tiefer auseinanderzusetzen. 40 Jahre erforschte sie die Bildersprache der Natur in Träumen und erfuhr, was Albert Einstein so formulierte: „Naturwissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Naturwissenschaft ist blind.“

Die Vorgänge in der Natur werden dabei auf die seelisch-geistige Ebene des Menschen übertragen. Diese metaphorische Sicht öffnet tiefe Erkenntnisse auf der Suche nach einem befreiten und kreativen Leben. In ihren vier Büchern bringt sie zum Ausdruck, dass „Die Welt das Bilderbuch ist, in dem die Menschen lesen lernen können, um den Geist Gottes zu suchen.“

Ortrud Grön: Der Sündenfall – eine andere Sichtweise auf die Naturgleichnisse in der Bibel“, Verlag Komplett-Media, 2014, 144 Seiten, ISBN 978-3-8312-0408-3


2014-03-Buch3Die Autorin, die selbst Ausbildungen zum Thema Mobbing durchlief, liefert mit diesem Buch eine Art Erste-Hilfe-Wegweiser zum Thema. Kurz, sachlich und verständlich erklärt sie zunächst den Mobbing-Begriff, um dann etwas genauer auf die Unterscheidung von Konfl ikt und Mobbing einzugehen. Sie führt die Schäden auf, die durch Mobbing an Leib und Seele verursacht werden, und erklärt dann, warum Menschen überhaupt zu Mobbern werden.

In diesem in 12 Kapitel untergliederten Buch gibt es verschiedene Tipps für Betroffene wie: „Welche Möglichkeiten es gibt, sich im Kleinen zu wehren?“, „Bach-Blüten“ und „Woran man einen guten Anwalt erkennt“, um nur einige Beispiele zu nennen. Es ist ein erster Wegweiser nicht nur für Betroffene selbst, sondern auch für Familienangehörige, Arbeitskollegen, Chefs. Es gibt Tipps für Betriebsräte (inklusive Mobbing-Fragebögen), Tipps für Unternehmen und am Ende des Buches ergänzende Informationen mit wertvollen Links und Adressen von Beratungsstellen, Mediatoren, Anwälten für Arbeitsrecht und Fachkliniken sowie Buchempfehlungen.

Es ein empfehlenswertes und informatives Büchlein mit vielen wichtigen Informationen zur ersten Orientierung in diesem Bereich.

Rezension: Angela Straube

Tatjana Jerz: „Ist es schon Mobbing? Ein Wegweiser zum Thema“, Books on Demand, 72 Seiten, ISBN 978-3-7322-5587-0


2014-03-Buch4Als ich dieses Büchlein (ganze 84 Seiten) das erste Mal in den Händen hielt, war ich nicht sicher, was mich erwartet. Dies sollte sich sehr schnell ändern. Allein das Inhaltsverzeichnis weist eine geballte Ladung Informationen zum Thema EMDR und vielen praktischen Ansätzen auf.

Je weiter ich las, umso mehr wurde mir die Wirkung EMDRs ersichtlich und fassbar. Faszinierend, zumal wir die benötigten Werkzeuge dazu fast alle ständig bei uns tragen. Angefangen von der Verarbeitung eines möglichen Geburtstraumas über die Beruhigung des Kindes bis zur ADHS/ADS-Vorbeugung, Wahrnehmungsförderung und den Grenzen der Eigenanwendung.

Die Autorin hat an alles gedacht. Mit diesem Ratgeber hat sie ihre eigenen langjährigen Erfahrungen zu diesem Thema weiterentwickelt. Es ist ein sehr gutes, fachlich fundiertes Buch entstanden, das Sie begeistern wird. Sehr zu empfehlen für junge Eltern, um sich und ihrem Kind (nachhaltig) Gutes zu tun. Sowie für jeden Interessierten an und um das Thema EMDR.

Rezension: Petra Assert, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Dr. rer. pol. Ayleen Birgit Scheffer-Hadenfeldt: EMDR für Babys, Elternschule für Ihr Baby im 1.Lebensjahr, Verlag Books on Demand, ISBN 978-3-7322-8383-5


2014-03-Buch5In diesem Buch wechseln die Autoren die gängige Perspektive auf die Einheit von Körper und Geist, mit der sie mit Body-Mind-Disziplinen wie Yoga arbeiten, und stellen eine neue Sichtweise auf das Leib-Seele-Thema dar. Bisher galt der Körper in der therapeutischen Praxis vor allem als Spiegel der Seele, als reine Plattform, auf der sich Gefühle äußern. Die Autoren verankern den umgekehrten Gedanken im komplexen Wechselspiel aus Körper und Geist. Sie gehen davon aus, das auch Körperzustände die Psyche beeinflussen. So bekommt der Körper eine neue Rolle als Mitgestalter von psychischen Prozessen.

Die Körperhaltung ist an seelischen Prozessen kausal beteiligt und nimmt auf Denken, Fühlen und Handeln ebenso Einfluss, wie umgekehrt. Der Fachbegriff „Embodiment“ (Verkörperung) bringt die menschliche Erfahrung, gleichzeitig ein Körper zu sein und einen Körper zu haben, auf den Punkt. Mit dieser neuen bzw. erweiterten Sichtweise bekommt auch die Disziplin des Yoga einen neuen Fokus. Asanas (Körperübungen), die auf Veränderungen alt eingefahrener Körperhaltungen und Bewegungsmuster abzielen, prägen geistige Haltung, Lebendigkeit und Gestaltungskraft positiv. Oder mit den Worten der Autoren: „Durch Änderung des körperlichen Erlebens kann auch psychisches Erleben verändert werden.“

Zentrale Begriffe aus der Yoga-Philosophie werden anschaulich erklärt. Die verschiedenen Formen des Yoga sind ebenso differenziert dargestellt wie Grenzen und Risiken auf der einen und die strukturelle, funktionelle und psychische Wirkung der Versenkungstechnik auf der anderen Seite. Kurze Einblicke in den Lehrtext des Yoga-Sutram des Patanjali und praktische Anleitungen mit Skizzen und mehreren Varianten von klassischen Asanas (Körperübungen) und Pranayamas (Atemübungen) im hinteren Teil, runden das Buch wunderbar ab.

Überhaupt: Überall dort, wo sich das Werk auf Yoga und das Prinzip des Embodiments konzentriert, ist es gut lesbar. Doch bis Seite 119 sind die Seiten gefüllt mit medizinisch-komplexen Abhandlungen über Stress aus Sicht verschiedenster Disziplinen, mit Arbeitsstressmodellen und Epidemiologie, gespickt mit Statistiken und Schaubildern. Für Yogalehrer und Menschen, die sich professionell mit Yoga beschäftigen, sind die theoretischen Grundlagen als Untermauerung für das Konzept des Buches sicher nicht verkehrt, dennoch streckenweise mühsam zu lesen. Und in Summe sind die Bedingungen der Stressentstehung und die negativen Folgen auch nicht wirklich neu.

Gleiches gilt für die Studien zur Alltagsrelevanz von Meditation, Auszüge aus dem Präventionsleitfaden und Tabellen zur Finanzierung der Präventionsförderung im hinteren Teil.

Umfangreiches Hintergrundwissen, dezidierte Prozentzahlen, traditionelles Wissen und Aussichten auf die Zukunft der Prävention – „Yoga & Embodiment“ bündelt ein großes Repertoire an Erfahrungswissen, Erkenntnissen aus der Wissenschaft und praktischen Anleitungen. Seine komplexe Fülle hinterlässt jedoch ein Gefühl der Erschöpfung. Es ist wie mit der Entspannung selber: Konzentration auf das Wesentliche, das hätte dem Fachbuch gutgetan.

Rezension: Ela Windels, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Elisabeth Baender-Michalska/Rolf Baender: Yoga & Embodiment, Stress und Schmerz bewältigen, Schattauer Verlag, 311 Seiten, ISBN 978-3-7945-3062-5


Bücher von VFP-Mitgliedern

2014-03-Buch6Der Tod mit all seinen unterschiedlichen Gesichtern begegnet uns allen in unserem Leben. Ein schweres Thema, bringt es uns doch oft an unsere Grenzen und an das Wissen um unsere eigene Endlichkeit.

Ich arbeite seit vielen Jahren in meiner therapeutischen Praxis u. a. mit Menschen in Trauersituationen. 2010 hat sich mein Bruder das Leben genommen und ich musste nun auch selbst schmerzhaft feststellen, dass mir all mein „theoretisches Wissen“ um Tod und Trauer in diesen schweren Momenten nur bedingt helfen konnte. Ich musste also – wie wir alle – meinen ganz eigenen Trauerweg finden und gehen. Die Trauer mit all ihren so unterschiedlichen Gesichtern anzuerkennen und zu leben, war nicht immer einfach. Und trotzdem habe ich erleben dürfen, dass aus meinem Schmerz etwas Wunderbares entstehen durfte:

Die TRAUERPERLE© als neues Trauersymbol und mein Buch, das ich Ihnen hier vorstellen möchte.

Perlen gelten als Symbol für Trauer und Tränen. Und wie die Muschel mit ihrem Schmerz leben muss und dabei Schicht für Schicht ihr Perlmutt um die Verletzung legt, können auch wir unsere Trauer annehmen und Schritt für Schritt unseren ganz persönlichen Weg durch die Trauer gehen. Ich begleite Trauernde mit meinem Buch durch den Prozess des Trauerns, unterstütze mit tröstenden Texten und hilfreichen Ritualen und Körperübungen. Meine Botschaft: Aus unserem Schmerz kann etwas Kostbares entstehen.

Angelika Kaddik: Wie aus Schmerzen Perlen werden – mein Trostbuch, Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-5790-7305-7


2014-03-Buch7Der zweite Band aus der „Dr. Psych“-Reihe setzt dort an, wo der erste endet.

Nachdem im ersten Teil die Grundbegriffe eingeführt und schon einige Bereiche der Erwachsenenpsychiatrie behandelt wurden, wird dies in den ersten Kapiteln des vorliegenden Buches fortgesetzt. Es folgt eine kurze Einführung in die Kinder- und Jugendpsychiatrie, Erklärungen zur Wirkungsweise der wichtigsten Psychopharmaka und Tipps zum Erkennen und Behandeln psychiatrischer Notfallsituationen. Die Hauptthemen dieses Buches sind jedoch neurotische, somatoforme und reaktive Störungen sowie Ess-/Schlaf-/sexuelle Störungen und Persönlichkeitsstörungen.

Die Lustformel wirkt, wie schon in Band 1, nach wie vor – das Lesen und Lernen macht einfach Spaß. Sogar an die kleinen Doktoren, die als Wegweiser dienen sollen, habe ich mich inzwischen gewöhnt.

Durch ein sinnvolles Schema wird das schnelle Nachschlagen beim Lernen zusätzlich erleichtert. Die Verfasserinnen folgen bei der Beschreibung der Krankheitsbilder jeweils derselben Gliederung:

  • Definition der/des Obergriffe/s und Eingrenzung der verschiedenen Bereiche
  • gefolgt von Symptomen und Formen
  • Diagnostik
  • Ätiologie und schließlich
  • Therapiemöglichkeiten

Positiv fallen mir bei der Lektüre dieses Werkes vor allem die hilfreichen Tipps und Hintergrundinfos auf, welche man sonst selten liest. Das sind zum Beispiel historische Hintergründe, wie im Kapitel F7 „Intelligenzminderung“, in dem man auch etwas über die Entstehung der Kindereuthanasie im Dritten Reich erfährt. Daneben führt die Lektüre dazu, dass Leser/-innen ganz selbstverständlich eine Achtsamkeit für die Unterschiede in Alltagssprache und klinischer Sprache entwickeln, wie es z. B. bei der begrifflichen Unterscheidung zwischen Neurose und neurotischer Störung erfolgt (Kapitel F4 „Neurotische Störungen“).

Ein ausführlicher Exkurs zu Sigmund Freud darf natürlich in keinem Lehrwerk dieser Art fehlen. Hier beeindruckt mich, dass die Autorinnen die Heterogenität ihrer Leserschaft vorwegnehmen und reflektieren, dass manche Leser/-innen, die bereits mit Vorwissen gesegnet sind, an dieser Stelle gelangweilt sein könnten. Sie weisen sogar explizit darauf hin, dass die Bände bewusst so geschrieben wurden, damit die betreffenden Passagen durch den übersichtlichen Aufbau ganz einfach übersprungen werden können. Doch auch Psychologieneulingen wird durch die Lektüre des Kapitels eine Beurteilung der historischen Einordnung und die Bedeutung von Freuds Erkenntnissen für die Disziplin ermöglicht.

Im Kapitel „Verhaltensauffälligkeiten“ sind die Aufmerksamkeitsdefi zitstörung (ADS) und die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) selbstverständlich zentral. Hier wird deutlich, warum die Diagnose der defizitären Störungen oft so schwerfällt.

Wenn ich überhaupt etwas Negatives an den Büchern von Dr. Sandra Maxeiner und Hedda Rühle finden soll, dann beschränkt es sich für mich darauf, dass die Handlichkeit der Bände durch Gewicht und Maße eingeschränkt ist. Dieses Schicksal ist jedoch eines, welches das Werk mit anderen Lehrbüchern teilen muss.

Ich wiederhole mich gerne: Auch Band 2 ist lesens- und empfehlenswert und komplettiert das Lehrwerk.

Zur Überprüfung des Gelernten empfiehlt es sich, auch noch Band 3 zu kaufen und den erworbenen Wissensstand zu testen.

Ein Tipp zum Schluss: Wer hinter das Geheimnis des erfüllten Lebens kommen will, dem sei die genaue Lektüre von Kapitel F4 empfohlen.

Rezension: Linda Rittner, M. A., Beraterin und Kinesiologin

Dr. Sandra Maxeiner, Hedda Rühle: Dr. Psych‘s Psychopathologie. Klinische Psychologie und Psychotherapie, Band II, Das Lehrbuch mit der Lustformel, Jerry Media Verlag AG, 2014, 944 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-9523-6721-6