Hypnose ohne Hypnotiseur – ohne Suggestionen

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Hypnose ist ein ganz bekanntes Wort, kommt vom griechischen hypnos – Schlaf. Das ist aber irreführend, denn ein Hypnotisierter ist weit davon entfernt zu schlafen. Ein Hypnotiseur weiß, dass er den zu Hypnotisierenden schrittweise in die Trance führen muss. Aber ich kann davon berichten, wie ich ganz ohne Hypnotiseur schrittweise zu wie hypnotisch bestimmtem Handeln gelangte.

Das Ganze begann damit, dass mein im Ruhestand lebender Bruder mir am Telefon erzählte, dass er ab und zu Reisen unternehme – wie früher als Vertreter, jetzt aber Interessenten für Geldanlagen berate.

Mein Bruder ist mein Bruder, und trotz meiner Aversion gegen Finanzberater brachte ich ihn natürlich nicht auch nur gedanklich mit einem solchen in Verbindung.

Monate später schaute er anlässlich einer seiner Reisen bei mir vorbei. Wir aßen zusammen und dabei fragte ich ihn nach Näherem zu seiner Finanzberatung. Und er erklärte mir die Anlagemöglichkeit für ein Jahr zu 8% Rendite – allerdings musste es eine glatte höhere Summe sein.

Als er von seiner Reise zurück war, rief ich ihn an, um so einen Anlagevertrag abzuschließen. Und ich bekam diesen per Post, schickte mein Geld an die angegebene Bank und war’s zufrieden, bis ich bemerkte, dass die angelegte Summe mir nicht genug Geld für meinen Lebensunterhalt und die Verpflichtungen der nächsten zwei Monate gelassen hatte.

Interessant auch, dass ich dann im Fernsehen einen Beitrag über Menschen sah, die in die Schuldenfalle geraten waren, und ich so bei mir dachte: „So einer bin ich nicht.“

fotolia©K.-U. Häßler ©tang9046Was war geschehen?

Der erste Schritt betraf eine Information über Finanzberatung, die mich nicht betraf, und die ich auch nicht bewertete: „ist etwas für mich“ oder „ist nichts für mich“.

Der zweite Schritt war, dass ich darum auch die Quelle, meinen Bruder und seine Absichten, nicht beurteilte.

Drittens wurde mir die Geldanlagemöglichkeit von allerdings nur glatten Summen von meinem Bruder ganz absichtslos erklärt, so dass ich immer noch nichts zu entscheiden hatte.

Viertens: Aus purer Neugier ließ ich mir von meinem Bruder dann doch die betreffende Bankverbindung geben und schickte eilig die zusammengekratzte glatte Summe auf das angegebene Konto – obwohl ich einmal Industriekaufmann gelernt hatte.

Und, fünftens, ohne zu prüfen, ob das mir verbleibende Geld für die laufenden Ausgaben reichen würde. Und als Familienvater hat man an laufenden Ausgaben nicht nur die Miete, wie als Student, sondern auch Versicherungen, Krankenkassenbeiträge, Kfz-Steuer, Strom, Wasser, das Haushaltsgeld und wer weiß was noch pünktlich aufzubringen.

Nun weiß jeder Hypnotiseur, dass er schrittweise vorgehen muss. Aber hier war gar kein Hypnotiseur da, sondern alles ergab sich schrittweise von selbst. Und die Spitze: Den Ertrag von 8% Zinsen brauchte ich überhaupt nicht, ich war auch ohne bisher gut über die Runden gekommen. Es war einfach eine Art Gier gewesen, die mich zum Abschluss dieses Anlagevertrages verleitet hatte.

Und das Geld für die laufenden Ausgaben wurde nun unversehens knapp.

Das war gewissermaßen eine Hypnose ohne Hypnotiseur – aber „vorschriftsmäßig“ schrittweise strukturiert! Was soll man dazu sagen – noch dazu, wenn man selber Psychotherapeut ist und mit über 80 Jahren auch über Lebenserfahrung zu verfügen glaubte.

Um aber noch eins draufzusetzen: Der „astronomisch hohe“ Zinssatz von 18 % bei meiner Sparkasse wäre bei einer Überziehung meines Kontos pro Tag ja nur 0,049% gewesen, was ich mir natürlich auch locker hätte leisten können …

Man kann also auch mit über 80 Jahren noch von sich selbst überrascht werden.

Peter Bernhard Peter Bernhard
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