Das vegetative Nervensystem und seine naturheilkundliche Behandlung

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Wissenswertes über das Vegetativum

fotolia©pankajstock123Der griechische Arzt Parmenides soll gesagt haben: „Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile jede Krankheit!“ Fieber gehört zu den mächtigsten Heilmitteln der Natur, weil das Abwehrsystem dadurch auf Hochtouren arbeitet, Bakterien und Viren durch die Hitze leichter absterben und vor allem das Vegetativum umgepolt wird. Man spricht in dem Zusammenhang von „Umstimmung“ und beobachtet, dass der frierende, blasse Patient durch den Umstimmungsvorgang des Fiebers gut durchblutet und warm zu werden beginnt. Der Kranke entspannt sich und entscheidende Heilungsvorgänge fangen an, häufig unterstützt durch einen tiefen Heilschlaf.

Aber nicht nur bei fieberhaften Krankheiten, sondern bei der Mehrzahl aller Erkrankungen spielt das vegetative Nervensystem eine wichtige Rolle. Das gilt vor allem bei akuten Erkrankungen, die mit deutlich spürbaren subjektiven Beschwerden wie etwa Schmerzen, Schwindel, Unruhe und dergleichen einhergehen. Ganz prinzipiell kann man sagen, dass bei allen Zuständen von deutlichem Unwohlsein das Vegetativum die Schlüsselrolle innehat. Kann man als Therapeut das gestörte Vegetativum des Patienten wieder zur Normalität und damit zum harmonischen Funktionieren zurückführen, ganz so, wie es das körpereigene Fieber zustande bringt, hat man oft einen wichtigen Schritte zur Gesundung getan.

Bevor ich auf die Therapie des Vegetativums zu sprechen komme, möchte ich die Bedeutung und Funktionsweise des vegetativen Nervensystems näher erläutern.

Beim vegetativen oder autonomen Nervensystem handelt es sich um einen unbewusst ablaufenden Steuerungsmechanismus, dessen Zentrale im Hypothalamus sitzt und der den gesamten Organismus im Sinne einer Automatik steuert. Genauso wie eine automatische Heizung die Temperatur in einem Normalbereich regelt, der zu Wohlbefinden und Gesundheit führt, genauso sorgt das Vegetativum innerhalb unseres Körpers für einen harmonischen Ablauf unserer wichtigsten Körpervorgänge. Praktisch alle willentlich nicht beeinflussbaren Funktionen werden durch das Vegetativum gesteuert, angefangen vom Herzschlag über die Darmtätigkeit bis zur Hautdurchblutung. Das Vegetativum regelt auch die Fortpflanzungsvorgänge und all jene Emotionen, die mit körperlichem Wohlbefinden zu tun haben.

Grundsätzlich kann man sich das Vegetativum wie eine Automatik vorstellen, die zwei extrem gegensätzliche Pole hat: den Sympathikus und den Parasympathikus (auch „Vagus“ genannt). Unser Alltagsleben schwankt zwischen der Tagesaktivität des Sympathikus und der Nachtaktivität des Parasympathikus. Zu den wichtigsten Eigenschaften des Sympathikus zählen: beschleunigter Herzschlag, hoher Blutdruck, verstärkter Stoffwechsel, feuchte und blasse Haut, innere Angespanntheit und Unruhe. Bei überwiegender Aktivität des Parasympathikus beobachtet man das Gegenteil, nämlich langsamen Herzschlag, niedrigen Blutdruck, verminderten Stoffwechsel, eher trockene Haut, Müdigkeit und Schlafbedürfnis, Verkrampfung der Atemwege und des Darmes.

Bei Gesundheit pendelt das Vegetativum in harmonischer Weise zwischen Sympathikus und Parasympathikus hin und her, ohne in Extreme zu verfallen. Wir fühlen uns dabei wohl und haben ein Gefühl von Gesundheit und Lebensfreude. Wenn das Vegetativum dagegen in einem der Extremzustände verharrt, vergleichbar mit einer automatischen Heizung, die entweder zu stark heizt oder zu stark kühlt, beginnen wir uns unwohl zu fühlen. Zum Unwohlsein kommen mit der Zeit gestörte Körperfunktionen und irgendwann ernsthafte Krankheiten. Die Abb.1 soll das veranschaulichen.

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Gesundheit und Wohlbefinden hängen deshalb unmittelbar vom richtigen Funktionieren des Vegetativums ab. Wenn wir zu lange gestresst worden sind (Burnout) oder zu wenig Anforderungen von der Außenwelt bekommen, werden wir träge und geraten in Passivität und Erschlaffungen, die sich irgendwann in ihr Gegenteil verkehren – nämlich in Verkrampfungen. Bei Parasympathikotonie beobachtet man träge Müdigkeit und Erschöpfung, Desinteresse und Schlafbedürfnis, aber auch Verkrampfungen – etwa des Darms mit Verstopfung oder der Kopf- und Nackenmuskeln in Form von Spannungskopfschmerzen. Man erkennt solche Menschen an engen Pupillen (Miosis) und einer eher trockenen Haut, einem müden und verkrampft wirkenden Aussehen und an bestimmten Symptomen wie Gallenkoliken, Neigung zu Magengeschwüren, Verstopfung, niedrigem Blutdruck, langsamem Puls und dergleichen. Bei Menschen, bei denen im Gegensatz dazu der vegetative Pol des Sympathikus dauerhaft überreagiert, fällt das Aufgedrehte, Nervöse und Angespannte auf. Mangelndes Schlafbedürfnis, Neigung zu Durchfall, hohem Blutdruck und schnellem Puls sind ebenso charakteristische Zeichen der Sympathikotonie wie weite Pupillen (Mydriasis), feuchte Haut und gehetzt- nervöses Aussehen.

Ursachen der autonomen Dysregulation

Bei Fehlsteuerungen des vegetativen Nervensystems sprach man früher von „vegetativer Dystonie“, heute von autonomer Dysregulation oder von somatoformen Beschwerden. Wenn der Arzt bei seinen Untersuchungen nichts gefunden hat, bekommt der Patient den Stempel der autonomen Dysregulation aufgedrückt. All diese Bezeichnungen haben in weiten Bevölkerungskreisen oft einen anrüchigen Beigeschmack, der den Kranken aus seiner Sicht in den fatalen, wenig schmeichelhaften Geruch von stärkeren seelischen Störungen, außerdem von Hypochondrie und Drückebergerei bringt.

Weil dabei ärztlicherseits stereotyp seelische Beschwerden vermutet werden, werden dem Patienten bei anhaltenden Beschwerden Psychotherapie sowie allgemein eine Normalisierung der Lebensweise empfohlen, das heißt Sport, keine Genussgifte, frühes Zubettgehen und Entspannungsübungen. Die Mehrzahl aller Patienten kommt durch solche ärztlichen Empfehlungen in noch größere Bedrängnis, denn viele Menschen fühlen sich nicht richtig diagnostiziert und deshalb in eine falsche Richtung gedrängt. Aus der Sicht der naturheilkundlichen Diagnostik, die sich in meiner Praxis bewährt hat, haben Patienten mit ihrer Verärgerung in vielen Fällen recht, weil gängige Therapieempfehlungen oftmals an den wahren Ursachen der vegetativen Dystonie vorbeizielen. Was aus naturheilkundlicher Sicht häufig Ursachen der autonomen Dysregulation sind, möchte ich näher ausführen.

An allererster Stelle stehen unbewusste seelische Konflikte, von denen der Patient in der Regel nichts spürt und die sich ausschließlich durch psychoenergetische Blockierungen bemerkbar machen. Weil er nichts davon bewusst wahrnimmt, hält er eine psychische Verursachung seiner Beschwerden für falsch. Die Mehrzahl solcher Konflikte sind tief unbewusst und kaum zu verbalisieren, was die Abneigung der meisten Patienten gegenüber einer konventionellen Gesprächs-Psychotherapie verständlich macht. Psychoenergetische Störungen führen über gestörte Chakra-Funktionen zu vegetativen Fehlsteuerungen, womit sich der Zirkel schließt und vom Verständnis her klar wird, wodurch die allermeisten vegetativen Störungen zustande kommen.

Mit dem Testsystem der „Psychosomatischen Energetik“ gelingt es innerhalb weniger Minuten, das gestörte Chakra und den zugrundeliegenden Konflikt zu finden. Mit bestimmten homöopathischen Komplexen („Emotional- und Chakra-Mitteln“) können solche Chakra-Blockaden und Konflikte innerhalb einiger Monate aufgelöst werden. Erstaunlicherweise ist erst dann der Großteil der Patienten in der Lage, über den seelischen Hintergrund ihrer Krankheit nachzudenken. Erst dann erscheint mir eine Psychotherapie sinnvoll zu sein, bei der man dann viel schneller „auf den Punkt kommt“, weil tief unbewusste Blockierungen vorher aufgelöst worden sind.

Die nächsthäufige Ursache vegetativer Fehlfunktionen sind Belastungen durch Erdstrahlen (Geopathien), chronisch entzündliche Herde wie chronische Nebenhöhlenentzündungen und funktionelle Organstörungen, wozu vor allem die schlechte Darmflora sowie eine fehlerhafte Funktion der Verdauungsorgane (Gallestauungen, Pankreopathien, Magenfehlfunktionen) gehören. Zur Testung benutze ich einen speziellen Organtestsatz (Rubimed AG) und überprüfe, bei welcher Ampulle der Patient eine kinesiologische Reaktion zeigt. Weitergehende Untersuchungen wie Neuraltherapie und Reflexdiagnostik dienen dann dazu, den anfänglichen Verdacht zu erhärten, der durch eine positiv getestete Organampulle entsteht, wozu im Falle von Herden auch fachärztliche Untersuchungen gehören können.

Warum solche häufig versteckten Störungen zu vegetativen Störungen führen können, ist leicht zu erklären. So kennt jeder das Unwohlsein bei „verdorbenem Magen”, einer plötzlich auftretenden heftigen Entgleisung der Darmflora, bei der Bakterientoxine von außen (Salmonellen usw.) als Initialzünder wirken. Durch ganz ähnliche Mechanismen führt die schlechte Darmflora, wenn sie auf Dauer besteht, zu diffusem Unwohlsein und einer vegetativen Fehlsteuerung. Bei Geopathien kommt es zu schweren Störungen der Schlafrhythmen, wodurch man sich ständig unausgeschlafen und müde fühlt. Chronische Nebenhöhlenentzündungen verlängern den elenden Zustand des Erkältetseins, wodurch sich der Patient ausgelaugt und krank fühlt. Patienten begreifen in der Regel auf Anhieb und ohne viel Worte, warum eine bestimmte versteckte Störung bei ihnen zu den Beschwerden und Krankheiten geführt hat, unter denen sie leiden. Man braucht deshalb zum Begreifen solcher Krankheitsvorgänge kein großartiges Hochschulstudium, sondern einen rein praktischen Menschenverstand.

Weil es keine objektiven Untersuchungsmethoden für solche Fehlfunktionen gibt, werden Menschen mit derartigen Störungen meist falsch diagnostiziert, weil die eigentliche Ursache der vegetativen Fehlfunktion nicht erkannt wird. In einem derartigen Unschärfebereich, bei dem die herkömmlichen schulmedizinischen Diagnosemethoden versagen, hat die naturheilkundliche Diagnostik bekanntlich ihre Domäne. Die Erfahrung zeigt, dass erst das Beseitigen der wirklich ursächlichen Krankheitsfaktoren zu rascher Besserung und schließlich zur Heilung führt. Aus diesem Grund sollte es unsere Aufgabe als Naturheiler sein, am primären Beginn der Ursachenkette anzusetzen, etwa beim Beseitigen einer Geopathie, weil erst dann die vegetative Fehlsteuerung dauerhaft und ursächlich beendet wird, die genau genommen das letzte Glied der Symptomenkette darstellt, s. Abb. 2.

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Vegetative Umstimmung als Akuttherapie

Häufig ist es aus diversen Gründen nicht auf Anhieb möglich, die eigentlichen Ursachen einer vegetativen Fehlsteuerung zu erkennen und kausal zu behandeln, sondern man muss dem Kranken erst einmal rasche Hilfe in akuten Krisen offerieren. Die einfachste Heilbehandlung besteht darin, die vegetative Starre im Sinne einer Sympathikotonie oder Parasympathikotonie aufzulösen und das Vegetativum wieder zum harmonischen Schwingen zu bringen, wie ich das schon eingangs anhand der umstimmenden Kraft des Fiebers dargestellt habe. Bei vielen akuten Erkrankungen wie viralen Infekten, akuten Schmerzzuständen, Unwohlsein, Schwindel und dergleichen genügt es erstaunlicherweise oft, alleine die vegetative Fehlsteuerung aufzuheben, um hervorragende und schnelle Besserungen zu erreichen. Das gelingt oft mit einfachen Mitteln, wozu unter anderem künstliches Fieber etwa durch Schwitzkuren gehört.

Ein weiterer effektiver Weg der vegetativen Umstimmung ist medikamentöser Natur. Mein ärztlicher Kollege Dr. med. Ernst Hartmann, der Entdecker des Globalgitternetzes (auch „Hartmann-Gitter“ genannt), entwickelte zur vegetativen Umstimmung in den 1960er Jahren das Polyxan blau® (für Sympathikotonie) und Polyxan gelb® (für Vagotonie). Es handelt sich um homöopathisch aufbereitete Wiesengräser von geopathisch auf- und abbauenden Kraftfeldern. Neuerdings gibt es zwei homöopathische Präparate namens Simvita® (für Sympathikotonie) und Paravita® (für Vagotonie), die ebenfalls hervorragende und schnelle Wirkungen erzielen. Welches der beiden gegenpolar wirkenden Mittel man benötigt, kann man empirisch abschätzen oder anhand der energetischen Testung ermitteln. Wird der Arm des Patienten z. B. bei der kinesiologischen Testung der Simvita®-Testampulle schwach, so verhelfen ihm die entsprechenden Tropfen, um seine Sympathikotonie alsbald loszuwerden und sich schnell wieder gut zu fühlen.

Bei akuten Beschwerden werden 10 Tropfen pro Stunde dosiert. Die Dosierung wird auf 3-mal 10 Tropfen pro Tag reduziert, sobald eine Besserung eintritt. Hartmann empfahl 40 Tropfen in ein Glas Wasser zu geben und schluckweise so lange zu trinken (in Abständen von 5 bis 10 Minuten), bis eine spürbare Besserung eintritt. Meist geschieht das innerhalb kurzer Zeit. Sensible Patienten spüren eine Besserung sogar in Minutenschnelle. Indikationen sind praktisch alle akuten Beschwerden, die symptomatisch mit Naturheilmitteln behandelt werden können. Bei grippalen Infekten verschwinden die Beschwerden oft innerhalb ganz kurzer Zeit, was ich am eigenen Leib erleben konnte, als ich eine starke Erkältung mit Simvita®-Tropfen innerhalb eines Tages komplett auskurierte.

Umstimmung bei chronischer autonomer Dysfunktion

Weitere Anwendungsgebiete für Simvita® bzw. Polyxan blau® sind alle länger anhaltenden Formen der Sympathikotonie, angefangen von tachykarden Rhythmusstörungen bis hin zu Nervosität und Angstzuständen. Bei Ängsten empfiehlt sich zusätzlich , ein spezifisch wirkendes homöopathischen Komplexmittel für Angstzustände. Von einer ärztlichen Kollegin erfuhr ich, dass sie sogar eine hypertone Krise mit Simvita® erfolgreich kupieren konnte. Paravita® bzw. Polyxan gelb® eignen sich im Unterschied dazu für länger anhaltende vagotone Zustände, die durch Krämpfe, Schwäche, Übelkeit und eher bradykard/hypotone Kreislaufsituation gekennzeichnet sind. Klassische vagotone Zustände sind alle chronischen Schmerzzustände und von Krämpfen geprägte Krankheiten.

Ganzheitliche Effekte der Umstimmung

Im Grunde führt jede Heilmaßnahme, die mit einem Gefühl des erleichterten Aufatmens und der deutlich spürbaren Besserung einer Krankheit verbunden ist, automatisch zu einer vegetativen Harmonisierung. Ob man einen Kranken massiert, akupunktiert oder ihm eine gut wirkende Arznei verabreicht, immer kommt es zur vegetativen Harmonisierung, wenn man sprichwörtlich „auf die richtigen Knöpfe gedrückt hat“ und der Kranke sich danach wohler und besser fühlt. Umstimmung bedeutet:

  • die vegetative Polarität wird durch Umstimmungsmaßnahmen in ihr Gegenteil verkehrt
  • der Kranke gelangt wieder in einen Zustand der Harmonie und
  • die Lebenskräfte beginnen wieder zu fließen, wodurch Heilvorgänge einsetzen

Umstimmung bedeutet aber noch mehr, wie jeder erfahrene Therapeut bestätigen kann. Der Kranke verändert sich in seinem gesamten Sein und wird seelisch gelöster, emotional optimistischer und gemütsmäßig freundlicher gestimmt. Heilung ist etwas Ganzheitliches, das Seele und Körper umfasst, wenn wir beim Kranken wirkliche Umstimmungen erreichen. Das gelingt am besten durch eine ursächliche Therapie und eine direkte vegetative Umschaltung.

Bezugsquellen

Polyxan blau®, gelb®, grün® (Mischung von blau/gelb): Fa. Ritsert, Eberbach (D) Organtestsatz Simvita®, Paravita®, Anxiovita®-Testampullen und Medikamente: Rubimed AG, Grossmatt 3, CH 6052 Hergiswil

Literaturhinweise

  • Banis, Reimar: Psychosomatische Energetik, Co´med Verlag, Sulzbach, 1998
  • Hartmann, Ernst: Über Konstitutionen, Yin Yang und Reaktionstypen, Eigenverlag im Forschungskreis für Geobiologie Waldbrunn/WK, 1986
  • Thews, Vaupel: Vegetative Physiologie, Springer Verlag, Heidelberg, New York, 2001


Dr. med. Reimar Banis Dr. med. Reimar Banis
Facharzt für Allgemeinmedizin NHV
c/o Internationale Gesellschaft für Psychosomatische Energetik
Dörflistrasse 4, CH-6056 Kägiswil