Bald Heilpraktiker für Psychotherapie ... und dann?

2013-04-unddann1

Die schriftliche Überprüfung zum Heilpraktiker steht bevor. Jetzt kommt es darauf an, die Vorbereitung effizient zu gestalten. Der Lernstoff ist nicht einfach, Zeit ist knapp und zu Hause wartet die Familie. Neben dem Studium hat manch einer noch einen Job. Jetzt gilt es, die richtige Strategie zu finden, um das Prüfungsziel zu erreichen. Sie sind gut beraten, sich wirklich zunächst mit Ihrem individuellen Zeitrahmen zu befassen, den Sie benötigen. Planen Sie jeden Tag eine halbe Stunde Lernstoff ein - am besten schon ein Jahr vorher. Sie halten das für zu lange? Nun – Sie festigen ja nicht nur den Stoff für die Überprüfung. Schließlich möchten Sie ja einmal in diesem Beruf tätig sein. Je mehr und intensiver Sie in eigener Sache arbeiten, desto sicherer fühlen Sie sich später in ihrer Praxisarbeit.

Die Lernstrategien sind so unterschiedlich wie der Mensch selbst. Wählen Sie für sich individuell aus, was Ihnen am besten zusagt, aber fangen Sie an! Wo sollten Sie am besten anfangen? Das richtet sich danach, was Sie schon wissen. Stellen Sie sich Ihr vorhandenes Wissen vor Ihrem geistigen Auge vor. Festigen Sie es. Dann können Sie an das vorhandene Wissen, neuen Stoff andocken. Tun Sie das bitte in kleinen Schritten, umso mehr bleibt haften. Was sich sehr gut gestaltet, ist ein grobes Gerüst. Ich denke da z. B. an die ICD-10. Beim Erfassen der einzelnen diagnostischen Kriterien von F0 bis F9 haben Sie den ersten groben Überblick. Ist das Gerüst verinnerlicht, dann fällt Ihnen die Zuordnung einzelner Störungen leichter. Es lässt sich besser differenzieren.

Auf den ersten Blick scheint sicher einiges verwirrend. Je öfter Sie die ICD-10 lesen, je eher wird sie Ihr (Lese-)Freund. Sie brauchen die ICD-10 auch später in Ihrer Praxis als Nachschlagewerk. Wichtig ist auch die Zuhilfenahme des triadischen Systems. Lernen Sie mit Gleichgesinnten. Stellen Sie Fragen im Unterricht. Die Dozenten geben gern Hilfestellung. Bitte Prioritäten setzen und nicht ablenken lassen. Auch die Pause gehört zum Rhythmus!

Ausreichender Schlaf ist wichtig! Sollten Sie es bevorzugen, vor dem Schlafen zu lernen, dann hat das den Vorteil, dass sich das Gelernte in der Nacht sortiert und vom Gehirn besser abgespeichert wird. Stress ist kein guter Ratgeber. Je entspannter Sie sind, umso besser die Vorbereitung. Der Lernerfolg wird Ihnen Recht geben.

Als sehr wertvolle Fachbücher empfehle ich, (neben der ICD-10), das GK3 und die Fachbücher „Mündliche und schriftliche Prüfung Heilpraktiker für Psychotherapie“ von Christopher Ofenstein. Die schriftlichen Prüfungsfragen lehnen sich an diese Werke an.

Nun liegt Ihre Priorität voll beim Lernen und Sie machen gute Fortschritte. Welche organisatorischen Dinge sind nun notwendig? Die Anmeldungszeit liegt bei etwa 10 bis 12 Wochen vor der Prüfung. (Anm.: In einigen Bundesländern sind es 12 bis 18 Monate!) Das liegt an der Bearbeitungszeit und an der Gültigkeit von Dokumenten, die benötigt werden.

Zunächst erkundigen Sie sich bei Ihrem örtlichen Gesundheitsamt nach dem zuständigen Mitarbeiter. Es wird Ihr Ansprechpartner für Fragen rund um den Prüfungsablauf sein. Ein guter Draht zu dieser Person erspart viel Zeit und Lauferei! Viele Dinge lassen sich dann per Telefon, Fax oder E-Mail regeln. Das Gesundheitsamt benötigt: einen aktuellen Lebenslauf, ein Führungszeugnis (nicht älter als drei Monate), ein ärztliches Attest (zeitnah), die Geburtsurkunde und die zeitnahe Erklärung des derzeitigen Wohnortes. Das Führungszeugnis und die Wohnungsbestätigung erstellt jedes Bürgerbüro. Danach bezahlen Sie die Prüfungsgebühr für die schriftliche Überprüfung und bekommen dann einen Termin.

Nicht nervös werden – der Bescheid dauert etwas, ist dafür komplett und enthält alle Informationen, wo und wann die schriftliche Prüfung stattfindet.

Ihr Wissen wird nun noch weiter gefestigt. Alles hat gut geklappt und Sie sind guter Dinge. Jetzt rückt der Prüfungstermin näher. Der Druck wächst, Prüfungsangst kommt hoch, Nervosität und somatische Begleiterscheinungen nehmen zu.

Was kann ich gegen meine Prüfungsangst tun? Gar nichts! Denn sie ist normal und kann sogar förderlich und leistungssteigernd sein.

Jung hat einmal postuliert: „Wogegen Du Deinen Widerstand richtest, dem schaffst Du Bestand“. Wir wollen doch als zukünftige Heilpraktiker von unserem Erlernten profitieren und wissen, wie das richtig geht. Wir denken natürlich real und kehren die negativen Gedanken einfach in positives Gedankengut um. Statt zu resignieren, tun Sie etwas aktiv für sich. Meditation, Heilatmen, Entspannungsübungen und viel Optimismus sind jetzt gute Wegbegleiter. Schließlich war die Vorbereitung intensiv genug. Warum sollten Sie denn durchfallen?

Das haben andere Kollegen doch vor Ihnen auch geschafft. Jetzt gerade!

Stärken Sie Ihre Persönlichkeit. Gehen Sie im Geist durch, wie die Prüfungssituation aussehen könnte. Visualisieren des Vorganges in allen einzelnen Facetten hilft! Im Prüfungvorbereitungskurs können Sie Ihren Dozenten einmal ansprechen, ob das Ganze nicht einmal „im Lernen am Modell“ rekonstruiert werden kann. Fokussieren Sie Ihre ganze Kraft, Ihre ganze Stärke und Ihren Glauben an die „bestandene“ Prüfung. Kurze Affirmationen wie: Ich bestehe die Prüfung am ...! Am ... bin ich Heilpraktiker für Psychotherapie!

Leben Sie im Jetzt und Hier so, als wären Sie schon Heilpraktiker für Psychotherapie. Ihr Unterbewusstsein wird Ihnen dabei einen enormen Schub verleihen. Glauben Sie an sich – an das machbare, positive Ergebnis und denken Sie immer daran: Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht – weil wir es nicht wagen, ist es schwer! Am Abend vor der Prüfung bitte nicht mehr lernen. Was bis hierhin nicht drin ist, wird auch in den letzten Stunden kein Bestand Ihres Wissens werden. Stattdessen können Sie mental alles noch einmal durchspielen.

Generell sollten Sie für den Prüfungstag auch einen Plan B in der Tasche haben. Was ich damit meine? Stellen Sie sich vor, Sie steigen in Ihr Auto, drehen den Zündschlüssel und – nichts. Was dann? Außer einem großzügigen Zeitpuffer ist es also ratsam, über mehrere Varianten zu verfügen. Es gibt nur diesen einzigen Tag!

Nun hat alles gut geklappt, Sie sind da und haben Ihr Auto geparkt. Jetzt ist auch noch etwas Zeit, ein paar tiefe Atemzüge zu genießen und Sie betreten nun das Gebäude. Sie werden dort schon erwartet, identifizieren sich anhand Ihrer Unterlagen und Ihres Ausweises und bekommen eine Platznummer. An diesem nummerierten Platz steht ein Schild mit Ihrem Namen, wo Sie Ihre schriftliche Prüfung in 45 Minuten absolvieren mit den gesamten übrigen Teilnehmern. Geordnet wird nach Kategorien A und B. Nach einer freundlichen Begrüßung werden die Prüfungsbögen ausgegeben, einschließlich Übertragungsbogen. Dieser Bogen wird einzig als Bewertung Ihrer Prüfung vom Prüfungsgremium akzeptiert! Die Antworten müssen zusätzlich auf diesen Bogen übertragen werden.

Seien Sie hochkonzentriert. Sorgfältiges Lesen und Anwenden des Ausschlussverfahrens sind sehr nützlich. Notizen sind auf Ihrem Prüfungsbogen erlaubt. Antworten können markiert oder weggestrichen werden. Das ist machbar, denn Sie geben ja den Übertragungsbogen ab. Konzentration vermeidet Übertragungsfehler. Es wäre schade, wenn sich beim Übertragen durch eine Unachtsamkeit Fehler einschleichen.

Sehr fair ist die Zeitansage der Prüferin nach Ablauf der Hälfte der Zeit. So wissen Sie, wie Ihr Ablauf ist. Die Zeit ist um und die Prüfungsbögen werden eingesammelt. In der Regel sind dann im Internet nach ein paar Stunden die inoffiziellen Ergebnisse sichtbar. Den offiziellen Bescheid bekommen Sie ca. 4 bis 6 Wochen später zugeschickt (ich gehe mal davon aus, Sie haben bestanden – herzlichen Glückwunsch!) Aus diesem Bescheid geht dann auch der mündliche Termin hervor.

Nach wiederum ca. 4 bis 6 Wochen werden Sie dann in einer Stadt, die außerhalb Ihres Wohnbereiches liegt, mündlich geprüft. Der zuständige Amtsarzt wird auf Ihrem Bescheid vermerkt. Die mündliche Prüfung kann 30 bis 90 Minuten dauern. In der Regel führt der Amtsarzt den Vorsitz, beisitzend ein Psychiater und ein Heilpraktiker. Jetzt ist nun noch einmal Zeit, Ihren Stoff für die mündliche Prüfung zu festigen, allerdings sind die Anforderungen etwas differenzierter. Neben Fallbeispielen möchte das Prüfungsgremium Ihre Persönlichkeit begutachten. Es möchte einfach wissen, wie Ihre Praxisarbeit in möglichen Alltagssituationen aussehen könnte und ob Sie eine Gefahr für die Volksgesundheit darstellen!

Berufskunde wird abverlangt, Berufsordnung, Gesetze, Erste Hilfe, (kein stures) Fachwissen und Ihre Vorstellungen, was Sie als zukünftiger Heilpraktiker tun werden. Wichtig sind Abgrenzungen: Was darf ich – was nicht! Es wird sicher Fragen in diese Richtung geben. Lassen Sie sich bitte nicht verunsichern!

Vorgehen an einem Fall: zuerst Suizid, dann mögliche organische Erkrankungen, und wenn organische Erkrankungen, merken Sie sich bitte diesen Satz: Ich lasse abklären!

Erkundigen Sie sich auch bei Ihrem zuständigen Gesundheitsamt, welche Rufnummer in Notfällen zu wählen ist und wie der Vorgang abläuft. Damit kann man dann sofort punkten, wenn folgende Frage gestellt wird: „Wie gehen Sie in Ihrer Praxis mit einem Notfall um?“

Bei guter Vorbereitung wird nichts schiefgehen. Das waren übrigens die Worte, die ich nach bestandener Prüfung vom Amtsarzt zu hören bekam: „Wer sich bei uns gut vorbereitet, fällt auch nicht durch.“ Ich hatte den Eindruck, willkommen zu sein. Hier legt man es nicht auf ein „Durchfallen“ an. Nun ist für Sie auch die Hürde genommen.

Sie hören den Amtsarzt sagen: „Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie.“ Er schüttelt Ihnen, sowie auch die Beisitzer, die Hand und verabschiedet Sie mit den besten Wünschen für die Zukunft. Puh – was für eine Erleichterung und Freude – einfach unfassbar. Viele mir bekannte Heilpraktiker gaben mir dasselbe Feedback des „Nichtfassen-Könnens“.

Nach einer wohlverdienten Pause und Feierlichkeit mit Freunden und Familie tritt nun der Alltag ein. Wer sich Gedanken in Richtung Selbstständigkeit gemacht hat, muss nun neue Hürden meistern. Wie sieht die Finanzierung aus? Welche Räumlichkeiten kommen infrage? Welche Hilfe kann ich wo in Anspruch nehmen? Die Überlegungen sind in etwa gleich, die Ausführung eine andere Sache. In Eigenregie lässt sich viel machen, kostet allerdings viel Kraft und Aufwand. Ich habe mich von einem Coach begleiten lassen, der steht in der Materie und gibt viele nützliche Tipps und kennt die nötigen Ansprechpartner.

Erkundigen Sie sich bitte im Vorfeld schon, welche (Finanz-)Hilfen in Anspruch genommen werden können. Die meistgenutzte Möglichkeit der Unterstützung ist die Existenzgründerförderung, beantragt bei der Bundesagentur für Arbeit oder bei den Rentenstellen, je nach Voraussetzung. Hilfreiche Anlaufstellen sind die IHK, der zuständige Ego-Pilot oder eben ein Coach. Eine Tragfähigkeit muss erstellt und – z. B. durch den VFP – bescheinigt werden. Sie wird geprüft, um dann die Freigabe der Fördergelder zu bewilligen. Eine sehr gute begleitende Maßnahme ist der Existenzgründerkurs. Dieser findet einmal wöchentlich statt und vermittelt relevante Informationen rund um die Existenzgründung. Die Teilnahme wird von der Bundesagentur für Arbeit vergütet. Wie das im Einzelnen aussieht, erfahren Sie vor der Teilnahme. Günstige Kredite vergibt die KfW-Bank. Informationen dazu erhalten Sie von den hiesigen Kammern, vom Ego-Piloten und von der KfW-Bank selbst. Vergessen Sie bitte die Anmeldung beim Finanzamt und beim Gesundheitsamt nicht.

Als Freiberufler gibt es vom Finanzamt eine Steuernummer – das war‘s. Das Gesundheitsamt möchte die Anschrift Ihrer geplanten Praxis wissen und führt Sie dann als Heilpraktiker für Psychotherapie unter dieser Anschrift. Ob Sie sich Praxisräume anmieten möchten, ist eine Frage Ihrer Liquidität. Sie haben in der Berufskunde erfahren, dass die Möglichkeit besteht, Ihre Praxis „zu Hause“ zu führen. Sollten Sie sich damit anfreunden können, sollten Sie darüber nachdenken. Sie sparen nicht nur zusätzliche Raummieten; Sie können auch später bei der Steuererklärung die Kosten wie Miete, Strom und Wasser anteilsmäßig geltend machen!

Es empfiehlt sich, insofern Sie zur Miete wohnen, ein klärendes Gespräch mit Ihrem Vermieter zu führen. Erklären Sie ihm, dass es sich bei Ihrem Beruf ausschließlich um beratende Gespräche handelt. Es werden keinerlei Gerätschaften benötigt. Umbauten sind nicht notwendig. Lärm entsteht nicht – im Gegenteil benötigen Sie Ruhe für Ihre Beratung. Es wird also keinerlei Beeinträchtigung auftreten. Besucherverkehr ist am Anfang minimal. Sie fangen ja erst an. Bieten Sie Ihrem Vermieter eine „Kostprobe“ Ihres Könnens an und fragen Sie ihn, womit Sie sich für sein Entgegenkommen erkenntlich zeigen könnten.

Bei mir hat das super funktioniert. Ich habe nicht einmal eine Mieterhöhung bekommen. Leitsatz fürs Business: Wer besser verhandelt, gewinnt!

Ihrem Gesundheitsamt müssen Sie natürlich auch versichern, dass Ihre Praxisräume ausreichend ausgestattet sind, um die notwendige Durchführung einer Therapie zu gewährleisten, Sanitärbereich eingeschlossen. Eine Kontrolle durch das Gesundheitsamt wäre möglich. Ich warte noch darauf...

Sie können sich privat oder gesetzlich versichern. Ich habe die gesetzliche Krankenkasse gewählt. Zu überlegen wäre auf jeden Fall der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung und evtl. einer Arbeitslosenversicherung, die dann bei Aufgabe des Geschäftes greift. Inwieweit man eine Rechtsschutz-, Praxisinventar- oder Rentenversicherung mit einbindet, ist von Fall zu Fall individuell.

Wie mache ich mich bekannt? Sie wissen, dass unsere Werbemöglichkeiten begrenzt sind, darum sollten wir alles nutzen, was wir dürfen. Flyer, ansprechende Visitenkarten und eine Website wären sinnvoll. Vorträge, Messen und ein gutes Netzwerk sind sehr zu empfehlen. Die beste und gute, alte Möglichkeit ist nach wie vor die Mund-zu- Mund-Propaganda. Zeitungsanzeigen sind natürlich nicht von der Hand zu weisen, siedeln sich allerdings im Werbebudget im oberen Bereich an. Für eine Werbung in Postkartengröße sind dann je nach Anzeigenblatt bis zu 1 000 Euro fällig. Ich habe bei Ärzten, Apotheken und anderen Gesundheitseinrichtungen vorgesprochen, mich mit meiner Visitenkarte vorgestellt und erklärt, was ich tue und ob die Möglichkeit besteht, meine Flyer bei ihnen zu platzieren. Auch da ist das Wohlwollen gemischt, jedoch vorhanden. Der Vorteil sind Besucher, die ein gesundheitliches Problem haben. Warum soll man also nicht einmal einen Blick auf einen Flyer eines Heilpraktikers werfen? Sie können auf Anhieb nicht besser sein als Ihre Mitbewerber. Ihre Mitbewerber sind schon etwas länger am Markt und schlafen natürlich nicht. Es wird nicht leicht. Allerdings sagte Sokrates einmal: „Alles, was denkbar ist, ist auch machbar.“

Meine Empfehlung: Seien Sie besonders, seien Sie authentisch, strahlen Sie Persönlichkeit aus und bleiben Sie im Selbst, realistisch und – einzigartig.

Am nächsten ist man sich selbst, wenn man nicht mehr glaubt etwas Bestimmtes zu sein.

Ich wünsche Ihnen für ihr Vorhaben alles erdenklich Gute.


Frank Süßmann

Frank Süßmann
Heilpraktiker für Psychotherapie, Sexualberater

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