Psyche + chaotisch = psychotisch

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2013-01-Psyche1Und immer hereinspaziert … in die Herberge des gesammelten Wahnsinns oder bestenfalls doch „nur“ in ein Krankenhaus, um nach den Ursachen deines entfremdeten Denkens, Fühlens, Handelns und ihren körperlichen Auswirkungen zu forschen … oder gleich besser noch, um die dir eigenen unbewussten Hinweise/Symptome wegzaubern zu lassen?!

Sehr angenehm, würde dies dauerhaft funktionieren. Dabei wusste bereits Johann Wolfgang von Goethe wie es am besten fruchtet:

„Ich finde die Mittel, vom Wahnsinne zu heilen, sehr einfach. Es sind eben dieselben, wodurch man gesunde Menschen hindert, wahnsinnig zu werden: Man errege ihre Selbsttätigkeit, man gewöhne sie an Ordnung, man gebe ihnen einen Begriff, dass sie ihr Sein und Schicksal mit so vielen gemein haben.“

Kontraproduktiv ist, dass der Mensch nicht ordentlich aufgeklärt wird, wenn er zum ersten Mal einer Psychose ausgesetzt ist. Wollen wir etwa unmündigen Nachschub für die Sparte „psychisch krank“ heranziehen?!

Hast du erst einmal Psychosen verspüren müssen, gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Ich finde einen passenden Schlüssel, der mir den Zugang zur Ausheilung und einem entspannten Weiterleben verschafft.

2. Ich gebe mich dem „Schicksal“ eines „psychisch unheilbar Erkrankten“ hin, lasse allen hierzu nötigen Beteiligten freien Spielraum und widme mich dem unaufhörlich fremdbestimmten Behandlungskreislauf.

Sehr gut! Du entscheidest dich für die erste und einzig erstrebenswerte der beiden Alternativen!

2013-01-Psyche2Betrachten wir zuerst das Erblühen einer Psychose.

(Mit zu berücksichtigen ist hier das Entgleisen, ausgelöst durch körperliche Krankheit, durch Hormonveränderungen oder Drogenund Medikamentenmissbrauch.)

Ich funktioniere durchwegs so, wie es andere von mir erwarten. Ich existiere in Beziehungen, einer Partnerschaft oder einem Arbeitsverhältnis, in denen ich mich maximal unwohl fühle. Eine Loslösung durch Trennung schaffe ich nicht, aus welchen Gründen auch immer. Manchmal ist es der Schock einer ungewollten Trennung, der uns ins verrückte Abseits drängt. Ich bin überfordert, sei es mit einer Situation, mit mir selbst, mit der Umwelt usw. Ich fabriziere ständig unnötige Gedanken, wie kläglich alles ist. Dies lässt mich nicht mehr los. Eine Heidenangst gesellt sich dazu, weil im Moment keine Lösung für meine Probleme und Wünsche greifbar ist. Keinerlei Notausgang ist vorhanden, den man durchschreiten dürfte, um das Chaos wieder etwas zu regulieren. Mit eingeschränkter Sichtweise steuern wir einem Untergang entgegen. Nur nichts anmerken lassen!?

Eigenartige Dinge spielen sich in meinem Körper ab. Nicht einzuordnen. Eine schwere Krankheit?! Alles wird so umständlich! Vielleicht fühle ich nur heftig mein Umfeld, welches offiziell vorgibt, mir wohlgesonnen zu sein, jedoch hinterrücks gegen mich agiert? Ich bin eine hochsensible Person, weiß es nur noch nicht, und somit außerstande, entsprechend mit dieser Fähigkeit umzugehen.

Oder bin ich eher derjenige, der sich schnell von seinem Gegenüber verfolgt fühlt, weil ich tatsächlich selbst extrem hohe Ansprüche an mich, somit unweigerlich an meine Umwelt stelle und davon ausgehe, dass meine Mitmenschen gleich veranlagt sind? Unzählige psychisch einengende Eventualitäten sind im Umlauf. Setzen wir uns längere Zeit einer solchen aus, verändern wir uns merklich.

Entweder reagiere ich körperlich und verdränge somit meine psychischen Bedenken oder ich „knalle“ gleich richtig durch. Mir wird heiß, ich brenne am ganzen Körper, alles schmerzt und fühlt sich fremd an. Völlige Lähmung und Erschöpfung sind symptomatisch eine andere Variante … Helft mir bitte endlich! Ich bin schwer krank! Halluzinierend beharre ich darauf. Mein Denken ist mit den verschiedensten formalen und inhaltlichen Störungen behaftet. Eine Einweisung steht an, weil die bislang zur Gesundung Aufgesuchten zwar wissen, „was los ist“, allerdings nicht zuständig für psychotische Zustände sind.

2013-01-Psyche3Das Ausmaß einer Psychose ist typabhängig! Je chaotischer, sturer fanatischer und uneinsichtiger unsere Denkweise ist, desto psychotischer wird der Zustand. Oberstes Gebot ist, und das bei jeder psychischen Ausfallerscheinung: Es liegt immer auch mit am Wollen und Nichtwollen des einzelnen Betroffenen. Ich bestimme selbst, wie weit meine psychische Erkrankung voranschreitet. Eine Heilung oder ein Zurechtkommen geht hauptsächlich mit Zulassen, Aushalten, Hilfeannehmen und gnadenlosem Umdenken einher.

Oft ist eine Psychose lediglich ein Hilfeschrei: keiner hört mir zu, ich finde keinen anderen Ausweg mehr. Somit kommt wieder Aktion in Lahmgelegtes. Ich finde Gehör und Aufmerksamkeit. Ein Wendepunkt. Es geht bergauf, richtig erkannt und angepackt!

Je mehr ich in der Lage bin, psychische – zugegebenermaßen anfänglich sehr erschreckende – Erscheinungen auszuhalten und diese gleichsam einzuordnen lerne, je weniger setze ich mich dem Strudel eines psychisch Kranken aus. Je mehr ich Aufklärung suche, meinen Körper mitsamt seiner Reaktionsweise kennenlerne, je weniger überfällt mich die panische Angst, nicht mehr zurechtkommen zu können. Was meist der Auslöser des „Austickens“ ist. Schließlich weiß ich, auf was mein Körper anspringt und wie ich mir helfen und helfen lassen kann, in diesen äußerst dramatischen Zeiten.

2013-01-Psyche4Fakt ist, wir können lenken, welche Richtung eingeschlagen wird. Lernen wir das Aushalten, um dann im Heilungsprozess, dieses immer weniger zu benötigen! Hilfreich hierfür ist das Wissen, warum unsere Psyche überreagiert. Stehen wir dem Geschehen offen gegenüber. Legen wir die Sturheit einer allwissenden Denk- und Handlungsweise ab. Entdecken wir die zahlreichen Wege, die unser Befinden bessern lassen. Stärken wir das Bewusstsein für uns selbst und das unumgänglich im Einklang mit der Außenwelt. Fanatisches, eingefahrenes Gedankengut ist zu erkennen und strikt aufzulösen. Das ist Bedingung um Ordnung im Chaos zu schaffen! Es klappt!

Fotos ©Stella Müller-Rößler
Model ©Mike Flint

Stefanie FüßnerStefanie Füßner
PROVOKATEURIN & zertifizierte Psychologische Beraterin (VFP)

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