Buchbesprechungen

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2013-01-Buch1Ich habe schon etwas Anlauf gebraucht, um dieses 680-Seiten-Werk zur Hand zu nehmen. Aber bereits nach den ersten Seiten merkte ich, wie leicht es sich liest, wie klar strukturiert und wie elegant es formuliert ist – und wie es mit all dem genau der Methode entspricht, über die es berichtet: der Kinesiologie.

Die gelernte Journalistin Claudia Niklas und der Diplom-Psychologe und Kinesiologe Andreas Niklas aus München haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Grundfragen dieser neuen Wissenschaft nachzugehen, die ihre Anfänge vor knapp 50 Jahren in Amerika hatte und seitdem einen Siegeszug um die ganze Welt gemacht hat: Wie funktioniert ihr Hauptarbeitsinstrument, der Muskeltest? In welcher Weise kann er Kommunikationsbrücke zum Körper und Unbewussten eines Menschen sein? Welche Zugänge erschließt er, die der Schulmedizin und Schulpsychologie in der Regel verborgen bleiben? Und inwiefern ist er doch verlässlich und mehr als esoterische Spinnerei?

In jedem Kapitel merkt man, dass die Autoren diese Methode kennen und praktizieren – sie schauen auf einen Erfahrungsschatz von über 7.000 kinesiologischen Balancen zurück. Und zugleich haben sie sich die offene Neugier von Anfängern bewahrt, die ganz unvoreingenommen alle Fragen stellen, die ihnen in den Sinn kommen.

Die Antworten auf diese Fragen geben sie zum einen durch eine geistesgeschichtliche Analyse unserer jüngeren Vergangenheit. Hier zeichnen sie sachkundig und feinfühlig nach, welche Bewusstseinsschritte nötig waren, um z. B. das Wissen der westlichen Schulmedizin über die Funktion von Muskeln und Organen mit den Erkenntnissen der chinesischen Medizin über die Meridiane, Akupunkte und das Lenken der Lebensenergie (Chi) so zusammenzuführen, dass brauchbare Arbeitsmodelle und profunde Resultate der Heilungsarbeit dabei herauskamen.

Die Antworten auf die Grundfragen der Kinesiologie geben sie zum anderen durch 19 herausragende Interviews mit den Gründervätern und -müttern dieser Methode, die inzwischen schon so viele Anwendungsfelder erschlossen hat, dass man sie heute in fast allen Lebensbereichen findet: Gesundheitsvorsorge und Wellness, Chirotherapie, Orthopädie und Zahnmedizin, Ergo- und Physiotherapie, Pädagogik und Entwicklungsförderung, Psychologie und Psychotherapie, Tierheilkunde usw.

Die Methode wird zu therapeutischen Zwecken ebenso eingesetzt wie zur Leistungssteigerung bei Sportlern, Musikern und anderen Künstlern. All das wird anschaulich durch die gut strukturierten Interviews mit den Pionieren der Kinesiologie aus der ganzen Welt, die ihre eigenen Zugänge, besonderen Erkenntnisse und therapeutischen Techniken so lebendig schildern, das auch hier das Lesen ein reines Vergnügen ist.

Fazit: Ein absolut empfehlenswertes, schön gebundenes und mit zahlreichen Fotos aufgelockertes Buch, das mit dem Preis von 49,95 € sehr günstig zu erstehen ist.

Buchbesprechung: Dr. Werner Weishaupt, Heilpraktiker für Psychotherapie, Kinesiologe und Dozent

Claudia und Andreas Niklas, Kinesiologie, Kopfgold Verlag Dachau, 2012, 683 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen und Illustrationen, ISBN 978-3-943-42402-7


2013-01-Buch2Seit einiger Zeit hat sich auch auf dem Hörbuchsektor der Trend durchgesetzt, Fachbücher einlesen zu lassen. Der Reinhardt-Verlag schließt sich davon nicht aus, und präsentiert neben einigen anderen Hörbuchveröffentlichungen auch seinen Klassiker „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann auf diesem Medium.

 

Es ist die Frage, welche Form der Präsentation den Rezipienten mehr überzeugt. Fachbücher liest man ja gemeinhin nicht zur Unterhaltung, sondern weil man etwas lernen möchte. So ist es also eine sehr individuelle Sache, auf welche Weise jemand am nachhaltigsten lernt.

Auditive Typen mögen auch hier das Hörbuch gegenüber dem Printmedium bevorzugen. Andere – beispielsweise auch ich – bevorzugen und benutzen Bücher. Benutzen deshalb, weil ich dazu neige, interessante Stellen zu unterstreichen, persönliche Notizen einzutragen und einen Band mit unzähligen Haftzetteln zu verzieren. Der Vorteil des Hörbuchs liegt natürlich darin, dass man sich auch bei alltäglichen Verrichtungen, quasi ganz nebenbei, mit geistiger Materie beschäftigen kann. Ein gedrucktes Buch erfordert ungeteilte Aufmerksamkeit – ein Hörbuch nicht.

Nichtsdestotrotz überzeugt diese Einspielung sehr. Zum einen liegt das natürlich an der Vorlage. Riemanns Band ist für psychotherapeutisch tätige Menschen einfach ein Standardwerk, das nicht nur, obgleich schon über 50 Jahre alt, durch seinen noch immer gültigen Inhalt überzeugt.

Es ist nicht nur das Was, was sehr fundiert und großartig dargelegt wird, sondern auch der philosophisch-literarische Schreibstil ist von einer solchen Ausdruckskraft und Klasse, dass man an diesem Buch, egal ob als Print- oder Hörmedium kaum vorbeigehen kann.

Zum anderen lauscht man aber auch nur allzu gern der Schauspielerin, Sängerin und Moderatorin Katja Schild bei ihrem Vortrag. Mit warmer Mezzostimme vermag sie dieser Einspielung ihren eigenen Stempel aufzudrücken, wobei man bei jedem Satz das Gefühl hat, dass die Künstlerin genau weiß, was sie da vorliest. Psychologische Fachliteratur gehört schließlich nicht zu den Standardwerken, die man während einer Gesangsausbildung lesen muss.

Sicherlich hört man die vier CDs nicht an einem Stück oder an vier Tagen hintereinander weg. Dafür ist die Materie dann doch zu anspruchsvoll, und es könnten sich Ermüdungserscheinungen seitens des Hörers einstellen, was schade wäre. Abgesehen davon ist der Text zusammengestrichen, um nicht den Rahmen der Auffassungsgabe des Lauschers zu sprengen. Wer gerne wissen möchte, was fehlt, dem sei unbedingt auch die Lektüre empfohlen.

Dieses Werk von einer kompetenten Vorleserin einlesen zu lassen war jedenfalls eine lohnende Idee des Verlages.

Es ist ein großartiges Buch, das auf diese hörbare Weise sicherlich noch einen höheren Bekanntheitsgrad erfahren wird.

Buchbesprechung: Heidi Kolboske, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Fritz Riemann, Grundformen der Angst, Hörbuch, gelesen von Katja Schild, Audio- CD, Verlag Reinhardt, München, 2006, ISBN 978-3-497-02749-1


2013-01-Buch3Humor in Psychiatrie und Psychotherapie, wie geht das denn? Das geht – und wie das geht wird in diesem einmal mehr lesenswerten Band aus dem Schattauer Verlag dargelegt. Prof. Dr. med. Barbara Wild trägt in diesem durchweg lesenswerten Buch etliche Aufsätze über alles Wissenswerte zum Thema von 20 namhaften Autoren zusammen. Das reicht von Erläuterungen zur Entstehung des Humorverständnisses, über die Analyse von Studien zur Lokalisierung von Humorzentren in der Neurobiologie über den Einsatz von Humor bei verschiedenen Krankheitsbildern bis hin zum gezielten Einsatz in der Psychotherapie. Humor kann und darf seinen Platz auch bei schweren psychischen Erkrankungen haben, bei Depressionen ebenso wie bei – man höre und staune – selbst bei Schizophrenie. Es kommt eben darauf an, in welcher Gestalt man Witziges einsetzt und welchen Zweck man damit verfolgt.

 

Die Vielschichtigkeit dieses Bandes überzeugt einmal mehr. Ganz besonders lesenswert ist z. B. ein Aufsatz über Humor mit betagten Menschen. Es ist ausgesprochen eindrucksvoll, wie Menschen, welche kaum noch über eigene Ressourcen verfügen, durch humoristische Interventionen motiviert werden können. Humor kommt sowohl in der psychoanalytischen Gruppenarbeit, der Verhaltenstherapie, der Traumatherapie oder Kunsttherapie zum Einsatz.

In diesem Band werden unterschiedliche Strömungen unter der Sonne des humorvollen Lichtes betrachtet. Nicht nur die praxisbezogenen Kapitel sind spannend und drängen nach einem „Mehr“. Gerade in den ersten Abschnitten lernen wir viel über Witzwahrnehmung und Witzverständnis und die schlichte Frage, was Humor überhaupt ist. Dabei war die Herausgeberin darauf bedacht, nicht nur trockene Sachverhalte darlegen zu lassen, sondern sie forderte auch jeden Autor auf, gleich noch einen Lieblingswitz mit zum Besten zu geben.

Es ist schon sehr interessant zu lesen, was eine medizinisch-wissenschaftliche Elite so lustig findet.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, in der therapeutischen Arbeit Humor als Interventionstool mit hinzuziehen zu wollen, erhält in diesem Buch viele Anregungen für dessen Anwendung. Natürlich wird auch immer wieder vor Unangemessenheit in bestimmten Situationen gewarnt. Aber grundsätzlich kann man sagen dass „Humor ein wichtiges Element positiver zwischenmenschlicher Beziehung und damit auch der Beziehung zwischen dem Psychotherapeuten und seinen Patienten ist” (Reinhart Lempp, Seite 87). Den einen oder anderen mag es vielleicht erst einmal Überwindung kosten, Humor in der Therapie einzusetzen. Aber ausgehend von dem eben zitierten Satz, der eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Psychotherapie anspricht, ist der Einsatz von Humor den dafür aufgewandten Mut allemal wert.

Buchbesprechung: Heidi Kolboske, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Barbara Wild (Hrsg.), Humor in Psychiatrie und Psychotherapie; Verlag Schattauer, 2011, 324 Seiten, ISBN 978-3-794-52796-0


2013-01-Buch4Dieses sehr ansprechend und aufwändig gestaltete Buch macht aufgrund der ungewöhnlichen Aufmachung schon neugierig. Zum einen auf das Buch selber, zum anderen, was es denn beinhalten mag, um sich selber ein Stück näher zu kommen. Die Autorin Anne Dorin stellt 400 Fragen zu allen möglichen Lebensbereichen, die einladen sollen zu einer Reise zur Selbsterkenntnis.

 

Dabei ist die Gestaltung des Buches allerdings mehr auf eine weibliche Klientel zugeschnitten, kaum denkbar, dass ein Mann dieses Buch jemals in die Hand nehmen würde. Schade eigentlich.

Es ist ein gutes Buch, das zur intensiven Arbeit an sich selbst anregen soll, ein Arbeitsbuch an sich und für sich selbst. Man sollte es spielerisch und offenherzig benutzen, denn wenn man es allzu ernst nehmen würde, könnte eine wenig gefestigte Persönlichkeit dazu neigen, allzu schonungslos mit sich selbst ins Gericht zu gehen, und das wäre natürlich eher kontraproduktiv.

Die Fragen, die die Autorin stellt, und von der die Leserin angehalten ist, Antworten mit einem mitgelieferten Bleistift einzufügen, können sehr gut in psychotherapeutische Gespräche übernommen werden. Wobei sich die Frage stellt, ob dieses Buch in Gänze auch in der Therapie begleitend eingesetzt werden kann. Eine Klientin oder Patientin sollte jedoch nicht unbedingt damit alleingelassen werden.

Fotos, Sprichwörter, Aphorismen und Affirmationen kommentieren mögliche Antworten und ebnen mögliche unerfreuliche Beurteilungen ein wenig ein. Ein wenig schade ist, dass zwar viele Fragen gestellt werden, von denen man angehalten ist, sie in aller Offenheit zu beantworten, aber Wege aus einem möglicherweise zu Tage getretenen Dilemma beinhaltet dieses Buch nicht.

Arbeit an sich selbst lohnt schlussendlich immer, wenn man davon überzeugt ist, dass diese Arbeit einen weiterbringt. Und wenn Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Besserung ist, dann hat dieses Buch durchaus seinen Platz in der Nachttischschublade oder auf dem Therapeutenschreibtisch.

Buchbesprechung: Heidi Kolboske, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Anne Dorin, Ich find mich – Innenansichten, Ideemedia, 2005, gebundene Ausgabe, 106 Seiten, ISBN 978-3-934-34282-8


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