Demenz

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Das Verstehen des anderen Verhaltens

Das Schlagwort Demenz klingt für viele beängstigend. Nicht mehr „normal“ zu sein und das bisher geführte Leben nicht mehr so fortsetzen zu können – ein schwer zu ertragender Gedanke. Die Anzahl der demenziell Erkrankten steigt an, so die Prognose. Die Betreuung von Menschen in dieser Lebenssituation zu übernehmen, ist eine Aufgabe, die viel Geduld, Verständnis und innere Gelassenheit erfordert. Mitleid ist nicht der richtige Weg. Wer möchte, ehrlich zugegeben, schon ständig Mitleid erfahren.

Wer sagt uns denn, dass diese Menschen nicht richtig „funktionieren“. Wer bestimmt denn, was richtig und falsch ist. Wir in unserem Denken, in unserer „normalen“ Welt, sind wir auf dem richtigen Weg, ist unser Handeln richtig? Häufig haben wir verlernt, unsere Emotionen frei zu äußern, immer weiter und schneller muss alles gehen. Nur nicht aus der Spur kommen. Dieser Druck und nicht verarbeitete Lebenssituationen können uns aber gerade aus dieser Spur bringen. Was wir dann brauchen ist Verständnis, sind Menschen die uns zur Seite stehen, um all diese Dinge zu verarbeiten. Nicht anders ist es bei Menschen mit Demenz. Sie brauchen Empathie.

Bei der Betreuung dieser Menschen muss man in der Lage sein, Verständnis zu haben. Verständnis im Sinne von beobachten, hinhören und hineinfühlen. Es gibt kein Handbuch für das Verhalten dieser Menschen. Was bei Frau X gut ankommt, kann bei Frau Y aufgrund ihrer Erfahrungen ganz anders wirken. Im Umgang mit diesen Menschen begegnen uns viele Überraschungen und ganz viel Weisheit, man muss sich nur darauf einlassen. Wichtige Voraussetzung ist eine ehrliche Grundhaltung. Menschen mit Demenz haben ein sehr feines Gespür dafür, ob es jemand ehrlich meint. Sie hören und fühlen sofort, ob das Gesagte nur eine Floskel ist oder ob es tatsächlich so gemeint ist. Braucht ein Mensch z. B. Unterstützung beim Anziehen und der Unterstützende ist mit seinen Gedanken ganz woanders, in seinem Handeln hektisch, versucht aber durch seine verbale Äußerung das Vorgehen zu erklären, kann dies schon der Auslöser sein, warum sich der Demente nicht anziehen will, sich gegen diese Handlung sperrt, da sein Gefühl ihm sagt, da ist was nicht in Ordnung. Ich soll etwas tun, was ich so nicht will, also mache ich nicht mit. Warum sollte er auch? Nur weil jemand anders die Notwendigkeit dafür sieht? Nein!

Mit einer Demenz gibt man seine Persönlichkeit, die sich eventuell verändern kann, nicht ab. Man ist deshalb nicht ohne Willen und dumm schon gar nicht. Entscheidungen werden selber getroffen. Und ein „Nein“ sollte auch als solches verstanden werden (Ausnahme bildet hier nur die Kenntnis über den Verlust der Wortbedeutung). Diese Menschen wie Kinder zu behandeln, weil sie ja in der Erinnerung wieder zurückgehen, ist ein grobes Fehlverhalten. Eher sind Respekt und Anerkennung gefragt. Wenn wir einen Raum betreten und die Unterhaltung verstummt im gleichen Augenblick, so fühlen wir uns unwohl, haben das Gefühl, es wurde über uns gesprochen. Schlimmer noch ist es bei Menschen mit Demenz, da wird über sie gesprochen, obwohl sie daneben stehen, so als hätten sie keine Ohren, oder nach dem Motto: Die bekommen es sowieso nicht mit, die merken eh nichts mehr. Diese Menschen bekommen alles mit! Wie schlimm muss sich das anfühlen, wenn da gesagt wird, der war wiedermal komplett nass! Oder der will dies nicht oder der ist total bockig. Kaum vorstellbar, wie man sich damit wirklich fühlt. Bei so viel Rücksichtslosigkeit ist es kein Wunder, wenn der Betroffene sich immer mehr zurückzieht oder ein abwehrendes oder aggressives Verhalten an den Tag legt. Solche Dinge können auch dezenter besprochen werden.

Nicht selten werden diese gesagten Dinge wieder im Gespräch mit dem Dementen auftauchen. Wie: Die sagen immer solche Sachen, die wollen bestimmen über mich oder Ähnliches. Wenn man richtig hinhört und die Situation beobachtet, wird man die Ursache für solche Äußerungen schnell finden. Keiner ist perfekt, wir alle machen Fehler, schön ist, wenn man daraus lernt. Wer sein eigenes Verhalten überdenkt, wird auch einen Weg finden, an diesem zu arbeiten. Wie kommuniziere ich richtig, wie verhalte ich mich im Umgang mit Dementen. Welche Brücke, von Mensch zu Mensch, kann ich bauen, um in die Welt der Dementen zu gelangen? Auf dem Weg zu mehr Verständnis und entspanntem Umgang mit Dementen biete ich eine Fachfortbildung an, in der meine Erfahrungen als Alltagsund Demenzbegleiterin die Grundlage bilden, darüber hinaus möchte ich durch Selbsterfahrung die Dinge greifbarer machen.

Die Ausbildung findet im 1. Halbjahr 2013 an der Paracelsus Schule Oldenburg statt.
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Martina Vornhagen

 

Martina Vornhagen
Geprüfte Alltags- und Demenzbegleiterin