A-Z: Für den Alltag der Mutigen

2012-04-A-Z2

fotolia©Daniel ErnstFür den Alltag der Mutigen

A wie Anderssein Zahlt sich auf jeden Fall aus: ausgetretene Pfade verlassen. Etwas Neues wagen. Etwas anders machen. Etwas selber probieren. Etwas trotzdem glauben, auch wenn alle Anderen es für verloren erachten. Sich selbst Überraschung und Abenteuer verschaffen. Das verspricht Leben. Und rettet die Identität. Anderssein ist ein Auftrag.

B wie Boshaftigkeit Ist auch nur die andere Seite der Medaille. Eine Emotion eben. Und sagt erst einmal etwas über den Absender aus. Umfang und Tiefe der Gemeinheit scheinen in direktem Zusammenhang zu seiner psychischen Verfassung zu stehen, wie beispielsweise seine eigenen Verletzungen oder offenen Sehnsüchte. Lassen wir deshalb sein Problem bei ihm und machen wir uns bewusst: Wie schwierig es mit der eingefangenen Gemeinheit weitergeht, hängt zu einem großen Teil auch von uns selber ab. Wir können zurückschießen, uns ärgern, Verbitterung hegen und somit noch mehr des Übels schaffen. Oder wir kultivieren die Qualität unseres Herzens: Vergelten nicht Gleiches mit Gleichem. Schütteln stattdessen den Pelz. Kommen zur Ruhe. Bleiben gelassen. Und warten ab, bis der Sturm sich gelegt hat. Um dann mit neuer Kraft den Faden wieder aufzunehmen und eine verträgliche Lösung zu finden.

C wie Charakter Eine ganz feine Sache. Erkennt man tatsächlich am allerbesten im Stockdunkeln. Bei anderen. Die Frage lautet aber auch: Bin ich selbst ein ganzer Kerl und wenn ja, wie oft? Ganz gewiss: Wir haben`s auch schon vergeigt. Gewaltig in den Sand gesetzt: die Sache mit den menschlichen Werten. Gelogen. Betrogen. Verletzt. Was haben wir erwartet? Dass uns verziehen wird. Und wer uns verzeihen kann, aus seinem tiefsten Herzen heraus und ohne gegenzurechnen, der ist gewiss einer: ein Charaktermensch.

D wie Depression Und du wünschst dir, lieber sämtliche Knochen auf einmal gebrochen zu haben. Steck den Kopf nicht in den Sand. Sieh hin. Hör hin. Erkenne die Botschaft. Sie könnte lauten, dass man gegen die Regeln seiner eigenen Seele lebt. Kehre um. Beachte deine Sehnsüchte und verwirkliche sie in deinem Leben.

E wie Entscheidung Wenn die Frage jetzt oder nie lautet, kann die Antwort nur heißen: dann lieber jetzt! Alles andere könnte man beispielsweise aus der Perspektive des eigenen Sterbebetts bereuen. Wenn eine Sehnsucht sich erst einmal angebahnt hat, ein Wunsch in uns rumort, oder eine Ausbruchstendenz, dann können wir auch ernst machen. Noch einmal darüber schlafen. Einen Plan machen. Eine Krise einkalkulieren. Und dann: los! Umdrehen ist oft noch einmal möglich. In den letzten Stunden des Lebens ein Versäumnis zu bereuen, wäre hingegen wirklich tragisch.

F wie Fehlgriff Gibt es nicht. Alles ist Experiment. Eine Frage von Versuch und Irrtum, die ausschließlich unserem Wachstum dient.

G wie Gerne! Sollte man sich zum Mantra machen: Das machen, was das Herz wirklich zum Lächeln bringt. Nichts tun, nur weil es andere erwarten. Und dem unvermeidbar Alltäglichen einen Zauber einhauchen. Tu es aus Liebe. Segne dich selbst.

H wie Häkchenliste Könnte glatt meine eigene Erfindung sein. So was Tolles aber auch! Wenn Wünsche und Ziele erst einmal zu Papier gebracht sind, erfüllen sie sich vielfach zuverlässiger. Ins Kino gehen? Alte Freunde treffen? Ans Meer fahren? Gerne auch ein wenig furioser: Etwas ganz Neues lernen? Das ganze Leben auf den Kopf stellen? Mit dem Funken Leidenschaft für sein Tun ist ja bekanntlich nichts unmöglich. Und mit einer Häkchenliste statt „Mal sehen, irgendwann, wenn der Wind günstig weht ...“ erst recht nicht. Nicht zu vergessen das glückliche, anspornende Gefühl in dem Moment, in dem man das Häkchen setzt.

I wie Illusionen Sie aufzugeben, setzt eine enorme Kraft frei. Gerne zu ersetzen durch einen erfüllbaren Traum. Gerade die großen Illusionen haben das Zeug, die Seele krank zu machen. Weil wir klug genug sind, um zu bemerken, wenn wir einer unerfüllbaren Hoffnung aufsitzen. Weil die Realität irgendwie grandios hinterherhinkt. Bewahren wir uns in jedem Fall unsere Träume. Aber leben wir sie eben auch. Mit einem Plan. Realistischen Zwischenzielen. Einkalkulierten Risiken. Und Schritt für Schritt. Zweifelsohne gibt es Dinge, für die die Zeit noch nicht reif ist und man gelassen bleiben darf in der Gewissheit, zur richtigen Zeit an den richtigen Ort geführt zu werden. Dennoch ist es sinnvoll, von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob man noch auf dem richtigen Pferd sitzt. Um gegebenenfalls abzusteigen.

J wie Jenseits Jenseits hinter dem eigenen Horizont. Dort liegt das weite Reich all dessen, was sich nicht beweisen lässt. Aber dennoch möglich ist. So etwas wie Wunder, beispielsweise. Wenn uns etwas begeistert oder wir etwas wirklich wollen, setzt diese Hochstimmung Energien frei, die uns den Weg verkürzen, vielleicht freier machen, oder mindestens verschönern. Wenn unser Glaube an etwas unerschütterlich ist, fügen sich oft Dinge, die unser Verstand niemals bedacht hätte. Aber auch mitten in den Alltag fallen sie bisweilen hinein: die Wunder, die Unerklärlichkeiten, die aus einer anderen Dimension geschickt zu sein scheinen. Halten wir uns bereit! Und seien wir uns bewusst, dass auch wir selbst mit kleinsten Dingen ein Wunder für andere anstoßen können.

K wie Krebserkrankung Bitte niemals ohne Schulmedizin! Und ebenso niemals, ohne ein kompetenter Patient zu sein. Unbedingt mit einem Traum in der Seele. Und im Idealfall als Anstoß, endlich wieder auf den eigenen Fingern zu pfeifen.

L wie Liebe Hat ungezählte Facetten. Und ist nicht immer ein Paradies. Das Lächeln gehört dazu, eine überraschende Geste, die Berührung, die Hand, die hält, die Ermutigung, die Unterstützung. Aber auch der Streit, bisweilen sogar der Hass tummeln sich in der Aura der Liebe. Erst dort, wo man sich gar nichts mehr zu sagen hat, wird`s kritisch mit der Liebe. Und Fremdbestimmung hat ganz sicher gar nichts mehr mit ihr zu tun.

M wie Mut Mut ist, zu wissen, dass nichts so schlimm ist, dass man nicht etwas daraus lernen kann. Dass man in einem Wagnis dem Leben begegnet. Mut ist, auf unnötige Verkomplizierungen zu verzichten. Und geduldig sein zu können. Umstände durch die Einstellung zu verändern. Loslassen zu können. Dann noch an etwas zu glauben, wenn es alle anderen längst aufgegeben haben. Niemanden für etwas schuldig zu sprechen, sondern an sich selbst zu arbeiten. Seiner eigenen Stimme zu vertrauen. Und überhaupt: zu vertrauen. Mut beginnt mit einem ersten Schritt in eine andere Richtung.

N wie Nein sagen Das ist befreiend! Und nötig. Für uns. Und für den anderen. Wenn wir etwas nicht möchten, tun wir gut daran, uns immer öfter darin zu üben, Nein zu sagen. Es ist so wichtig, um uns selbst, unseren Vorstellungen und Zielen treu zu bleiben. Wir gebrauchen es nicht aus Prinzip. Auch nicht aus Härte. Aber wir versuchen es immer dann, wenn uns ein Zustand beschwert. Denn Ja sagen und Nein meinen – das brennt uns auf Dauer garantiert aus. Benutzen wir es auf jeden Fall dann, wenn wir gerade dabei sind, zu schweigen. Weil wir denken: Der anderen kann ja riechen! Nein, kann er nicht. Er kann aber vor allem den Eindruck haben, dass wir einverstanden sind, solange wir nicht Nein sagen. Mit einem Nein tragen wir zu unserer Originalität bei. Und bieten außerdem unserem Gegenüber die Chance, am konsequenten Nein zu wachsen. Wenn wir der Empfänger eines Neins sind, reden wir es dem anderen im Idealfall nicht aus. Es ist ein Segen, Nein zu sagen und weiterhin akzeptiert zu werden.

O wie Opfer der Umstände Versuchen wir es stattdessen doch einmal mit „Ich liebe, ich will, ich mache“ und erschaffen die Umstände zur Abwechslung einmal so, wie sie uns gefallen. Und wenn sich manche Übel gar nicht beheben lassen, erfinden wir zum Ausgleich eine Wirklichkeit dazu. Dein Job ist nicht dein Traumjob, aber ein Ausbrechen ist nahezu unmöglich? Wir können uns immer noch in unserer Freizeit weiterbilden, zu dem, wozu wir uns berufen fühlen. Bitte keine Allmachtsphantasien; trotzdem kann sich aber alles, was in deinem Leben nicht gut läuft, zum Besseren wandeln.

P wie Projektion Vieles, was wir an unserem Gegenüber verwerflich finden, lebt in uns selbst. Das zu hinterfragen, ist fruchtbarer, als Ressentiments zu züchten. Aber: Es ist auch nicht alles Widerspiegelung. Manche Menschen trampeln aggressiv, egoistisch, gefühllos und rachsüchtig auf uns herum und sprechen damit nur über sich selbst. Dieses Päckchen sollten wir erst gar nicht annehmen. Besser: Wieder zuschnüren und es dort lassen, wo es herkommt. Umdrehen, Krone richten, weitergehen.

Q wie Quälgeister Das sind die ganz großen Trainingsgeräte. Richtig angepackt, lehren sie uns etwas, die Menschen, die uns gerade richtig auf den Senkel gehen: Selbstverantwortung. Weil wir niemals den anderen, sondern immer nur uns selber ändern können. Toleranz. Weil sich noch keiner selbst gemacht hat und oftmals auch nur Produkt seiner Umstände ist. Gelassenheit. Andere Menschen sind nicht per se dazu geschaffen, uns das Leben zu verschönern. Aber wir können unsere Haltung zu ihnen ändern. Wenn sie uns heute unser Leben erschweren, können sie uns morgen eben dadurch geformt und gestärkt haben.

R wie Rad schlagen: Bringen wir uns in Bewegung! Siehe, ein neuer Tag. Sagt Gott. Um auf gut Glück loszugehen. Neue Wege zu beschreiten. Immer der Sonne entgegen. Durch die Nacht spazieren. Ohne Taschenlampe. Durch den Regen laufen. Immer nach vorne sehend. Etwas hinter sich lassend, was uns unglücklich macht. Spüren, dass wir lebendig sind.

S wie Schlaflosigkeit Befällt uns bisweilen nach einem Tag, an dem wir uns in zornroten Situationen wiedergefunden haben. Oder wenn wir für etwas keine Lösung parat haben. In dem Fall kann es helfen, das, was uns wach hält, dem Himmel hinzuhalten. Sich alles von der Seele zu reden. Wie mit einem guten Freund. Und sich darauf verlassen, dass es etwas gibt, das sich uns und unserer Sorgen annimmt und mit an einer Lösung arbeitet.

T wie Traum Einen Traum zu haben heißt: LEBEN. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass Träume sich meistens nicht von ganz allein erfüllen. Wohl niemand könnte dazu etwas Schöneres sagen, als Ulrich Schaffer in seinem Gedicht „Nadel und Zwirn“: „Es wird so sein, wie du es eingefädelt hast. Du hoffst, dass eine Überraschung deine stille Welt verwandeln wird, aber es kommt selten so. Setz dich ins Licht und lass dir Zeit - nimm Nadel und Zwirn und fädele ein, was du willst.“

U wie Unliebsames Geht man am besten sofort an. Weil alles andere Energie kostet. Und vielleicht sogar Nachtschlaf. Den kleinsten Stein als Erstes abtragen. Und damit Zuversicht gewinnen. Dann den nächstgrößeren. Bis dieser Berg weg ist. Und dann nicht vergessen, stolz zu sein!

V wie Vergessen wir`s Gewiss beweist es menschliche Größe, sich für etwas zu entschuldigen: Die Beine in die Hand nehmen. Und loswackeln. Ohne vorher die Bestattungsmodalitäten wasserfest gemacht zu haben. Weil man sich darauf verlassen kann, dass eine Entschuldigung, die aus dem Herzen kommt, immer akzeptiert wird. (Anderenfalls trennt sich die Spreu in dem Moment selbst vom Weizen.) Vielleicht ist es aber eine viel mutigere menschliche Größe, etwas stecken lassen zu können. Jemanden so zu akzeptieren, wie er ist: auch mal schräg. Auch mal ins Klo greifend. Selbst wenn er nicht zum Kniefall bereit ist für unsinniges verbales Gebimmel, das eben dieses Schräge produziert hat. Es ist eine Überlegung wert für Menschen, die wissen, dass man ohne Fehler zu machen nicht leben kann. Dass Fehler Anstoß zum Wachsen sind. Und für die, die sehen, dass sie sich selbst auf einem wertvollen Weg blockieren, wenn sie glauben, dass die Alleinschuld immer beim Anderen liegt. Für die, die fühlen, dass es sie auf neue Höhen mitnimmt, wenn sie nicht in Vorwürfen stecken bleiben. Für die, die so groß sind, dass sie kein Gerutsche auf den Knien brauchen. Trotzdem bleibt es ein feiner Zug: sich entschuldigen zu können.

W wie Warten können Ganz schwierig sage ich nur, ganz schwierig!!! Und trotzdem manchmal das einzig Richtige. Was nicht mit Passivität zu verwechseln ist. Das meint vielmehr, etwas wachsen zu lassen: es beobachten, es mit guten Gedanken nähren, vielleicht sogar dafür beten, wenn man kann. Den Boden bereiten für das, was man erwartet. Tun, was man tun kann. Und auf den Rest zu vertrauen.

X wie X-Mal versucht Das ist so eine Sache mit dem Widerstand. Die einen sagen: Was nicht leicht und auf Anhieb geht, soll vielleicht nicht sein. Es gibt aber durchaus auch eine andere Erfahrung: Was bei drei nicht klappt, muss deshalb längst nicht verloren sein. Man kann heute auf jeden Fall noch einmal das versuchen, was einem gestern bereits versagt wurde. Ein Geheimnis liegt dabei in der eigenen inneren Stimme. Die einem sicher den Weg weist, ob eine erneute Bemühung Sinn macht, oder nicht.

Y wie Yes we can Man wünscht sich etwas. Bringt eine Sache an den Start. Gibt sein Bestes. Und es klappt trotzdem nicht richtig. Gib in dem Moment nicht auf! Frag erst einmal noch andere. Such dir Verbündete. Was man alleine nicht schafft, kann gelingen, wenn man sich in Gemeinschaft begibt, verschiedene Sichtweisen in sein Thema einfließen lässt, unterschiedliche Erfahrungen dazu einpflegt, neue Ideen einholt. Versuch es auf jeden Fall. Gib niemals etwas auf, bevor du nicht alle Möglichkeiten ausgereizt hast.

Z wie Zu einem guten Ende führen Es kann leider nicht immer haargenau das gewünschte Happy End sein. Aber die Erfahrung zeigt, dass es wirklich sinnvoll ist, angefangene Dinge vernünftig abzuschließen. Streit, Beziehung, Job, ganz gleich, welcher Lebensbereich betroffen ist. Wenn wir einfach wegrennen anstatt noch einmal hinzusehen, ist es ansonsten fast garantiert, dass der nächste Versuch von einer offenen Altlast gestört wird. Man muss dafür nichts zerreden. Man braucht dazu auch nicht zwingend ein Gegenüber. Viele Situationen ergeben sich, weil Menschen beteiligt sind, die aus eigener Verletzung handeln. Trennen wir sie von dem, was passiert ist, anstatt zu verurteilen. Damit tun wir uns selbst den größten Gefallen. Nichts und niemanden verachten. Weil alles Sprungbrett zum eigenen Wachstum ist. Und meistens kommt es dann doch noch: das Happy End. Anders als gedacht. Aber vielleicht sogar besser als erwartet.

Verena Körner
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