Das Schmidt´sche Problem-Haus

- ein Verstärker psychotherapeutischer Maßnahmen und ein wirksames Instrument zur Erfolgskontrolle!

Das Schmidt'sche Problem-Haus wurde im Alltag der psychologischen und verkehrstherapeutischen Beratungspraxis in den Jahren 1999 - 2000 entwickelt.

Es eignet sich jedoch auch bei vielen anderen psychotherapeutischen Interventionen zur Kontrolle und Vertiefung vom Klienten bereits ansatzweise erkannter Zusammenhänge und erleichtert dem Kliente n das Finden neuer Sichtweisen.

Beschreibung des Schmidt'schen Problemhauses:

Angeregt auch durch Hanscarl Leuner (Katathym-imaginative Psychotherapie) entwickelte ich ein besonders einfach strukturiertes, also vom Klienten leicht nachvollziehbares und damit leicht akzeptierbares Muster, das Schmidt'sche Problem-Haus. Das Schmidt'sche Problem-Haus dient der Zusammenfassung, Verdeutlichung, Vertiefung und Vervollständigung bereits vom Klienten zumindest ansatzweise erkannter Ursachen unerwünschter Ereignisse. (im Beispiel: auffällig gewordene Verkehrsverstöße)

· Es verdeutlicht dem Klienten durch Abstraktion, welche persönlichen Probleme tatsächlich ursächlich sind für die vom Klienten unerwünschten Ereignisse.

· Es verdeutlicht dem Klienten den Unterschied zwischen Auslöser und Ursache, hilft ihm, tatsächliche Ursachen und Zusammenhänge zu erkennen.

· Es hilft, vorhandene Ressourcen bewußt zu machen, um Lösungsmöglichkeiten zu finden, um Auslöser für negative Verhaltensweisen zu eliminieren.

Es macht sich hierbei zunutze, dass ein Dach die Spitze eines Haus repräsentiert, ein Mensch üblicherweise die Stockwerke (Entwicklungsstufen) durchlaufen muß, um zum Dachgeschoß zu kommen, ein Haus ein Fundament benötigt, um stehen zu bleiben. Durch die vom Klienten hier geforderte Abstraktionsleistung hat der Therapeut die Möglichkeit, zu beurteilen, in wie weit der Klient

· Zusammenhänge bereits erfasst hat

· seine Einstellung bereits geändert hat.

Durch die Stockwerke hat der Therapeut die Möglichkeit, die Stufen, die zum unerwünschten Ereignis geführt haben, auf einfache, übersichtliche und dadurch sehr einprägsame Weise zu verdeutlichen. Es ist durchaus möglich, durch das Hinzufügen weiterer Stockwerke feiner zu gliedern. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, daß die hier beschriebene Variante gerade wegen ihrer einfachen Struktur sehr einprägsam und damit erfolgreich ist.

Es ist von großer Bedeutung, daß dem Klienten der Mechanismus bewußt wird, der speziell bei ihm zu den von ihm unerwünschten Ereignissen geführt hat.

· Wer die tatsächlichen Ursachen nicht erkannt hat, kann sich (und ggf. andere) nicht dauerhaft vor weiteren unerwünschten Ereignissen schützen!

Gebrauch des Schmidt'schen Problemhauses:

Ablauf.:

Das Haus wird mit einfachen Strichen gezeichnet: Erst das Dach, dann dasObergeschoß und zuletzt das Eingangsgeschoß.

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Während des Skizzierens der Geschosse werden dem Klienten die Geschoßnamen genannt (Bezeichnungen wichtig):

Dachgeschoß

Obergeschoß

Eingangsgeschoß.

Es wird dann dem Klienten erklärt, daß das Dach des Hauses (Spitze) das/die vom Klienten unerwünschte/n Ereignis/se repräsentiert, so, wie ein Eisberg nur auffällig wird durch seine Spitze. (Ziel: Erkenntnis, dass Symptom nicht gleich Ursache ist) Das/ die vom Klienten unerwünschte/n Ereignis/se wird/werden dann auch rechts vom Dach notiert. (Beispiele siehe Skizzen im Anhang).

Frage an den Klienten:

„Welche Voraussetzungen müssen im Obergeschoß gewesen sein, was führte bei Ihnen unweigerlich zum Dach, also zum unerwünschten Ereignis? Ablauf.. Während dieser Fragestellung wird eine kleine Treppe gezeichnet, die vom Obergeschoß zum Dach führt.

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Gemeinsam wird die entsprechende Aussage erarbeitet (Beispiele siehe Skizzen).

Hinweis: Wenn der Klient jetzt Tatsachen nennt, die bereits dem Eingangsbereich zugeordnet werden können, bespricht der Therapeut das mit dem Klienten und schreibt das vom Klienten Genannte in Abstimmung mit dem Klienten rechts neben das Eingangsgeschoß. Das Obergeschoß wird in diesem Fall erarbeitet mit dem Hinweis an den Klienten:

„Bei vielen Menschen führt das aber nicht zu solch unerwünschten Ereignissen (siehe Dachgeschoß). Da ist bei Ihnen also noch etwas „zwischengeschaltet':

Anschließend wird die entsprechende Aussage für das Obergeschoß erarbeitet (Beispiele siehe Skizzen).

Hinweis an den Klienten: Dies muß also bei Ihnen Voraussetzung für das/ die unerwünschte/n Ereignis/se sein, so, wie man in einem Haus in der Regel nur durch das Obergeschoß zum Dach kommt. Es folgt die Frage zum Eingangsgeschoß, eine Schlüsselfrage.

Frage an den Klienten: Wenn dies also das Obergeschoß darstellt, was war der Eingang, der Einstieg in die ganze Misere - wo haben Sie begonnen, die Weichen falsch zu stellen?

Ablauf.. Während dieser Fragestellung wird eine kleine Treppe gezeichnet, die vom Eingangsgeschoß (Einstieg) zum Obergeschoß führt.

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Auch hier wird die entsprechende Aussage erarbeitet (Beispiele siehe Skizzen); es soll verdeutlicht werden, daß dies tatsächlich der „Einstieg" in ein Verhalten war, welches bei dem Betroffenen zu den unerwünschten Ereignissen geführt hat. (im Beispiel Verkehrsauffälligkeiten) Im weiteren Verlauf geht es darum, daß der Klient erkennt, dass es ihm noch unbewußte Ursachen und Zusammenhänge geben muß, die tatsächlich ursächlich für sein unerwünschtes Verhalten waren.

Hierzu erfolgt folgender Denkanstoß an den Klienten:

Ein Haus kann nur gebaut werden, wenn ein „geeignetes" Fundament vorhanden ist.

Ablauf.: Während dieses Hinweises wird das Fundament angedeutet wie auf der Skizze.

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Frage an den Klienten: Auf welchem Fundament steht Ihr persönliches Problemhaus? Durch den überraschenden Hinweis, daß ja auch ein Fundament da sein muß, auf dem das Haus steht, kann sich der Klient hier oft erstmals mit dem Gedanken identifizieren, dass es da ja noch etwas geben muß, obwohl die meisten Klienten bis zu diesem Zeitpunkt der Auffassung sind, dass mit dem „Eingangsbereich" (Einstieg) alles angefangen hätte. Unmittelbar nach der Fragestellung wird zur Zusammenfassung und zur Verdeutlichung die erste Skizze unter dem Haus aufgezeichnet. Da die Antwort zum Fundament noch nicht erarbeitet wurde, wird beim Fundament auch nicht mehr weiter geschrieben. Durch das Zeichnen unmittelbar nach der Fragestellung wird die Aufmerksamkeit des Klienten auf die entstehende Zeichnung gerichtet und seine Gedanken werden fokussiert.

Diese erste Skizze unter dem Haus wird folgendermaßen gezeichnet: Erst werden die drei Worte „Streß", „Probleme" und „Ängste" aufgeschrieben, mit dem Hinweis darauf, daß diese drei Auslöser auf den Betroffenen eingewirkt haben. Probleme Streß Ängste Hin und wieder entsteht hier Erklärungsbedarf: Auch Frustrationen, mangelndes Selbstbewußtsein, fehlendes Zeitmanagement oder Aggressionen in Folge von vorangegangenen Frustrationen in anderen Lebensbereichen sind meist reduzierbar auf „Streß", „Probleme" und „Ängste':

Durch ein mündliches Abstimmen auf den persönlichen Bereich des Klienten wird hier meist Zustimmung zu erreichen sein:

Hinweis: Wenn der Klient sich mit den Begriffen gar nicht identifizieren kann, besteht selbstverständlich die Möglichkeit, hier Begriffe einzusetzen, die der Klient akzeptieren kann, ggf. kann auch das Wort „Auslöser' notiert werden. Es hat sich jedoch gezeigt, daß gerade die o.g. Begriffe auch geeignet sind, dem Klienten zu helfen, die Tragweite seiner Problematik zu erkennen.

Ablauf: Während der Erklärung sind die Begriffe einzukreisen, der Betroffene wird als Viereck darunter skizziert und sein Name wird in das Viereck geschrieben. Pfeile symbolisieren den Angriff dieser Auslöser auf den Klienten.

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Frage an den Klienten: Aus welchem Grund haben Sie dem Streß, den Problemen und den Ängsten (also den Auslösern) nichts anderes entgegengestellt? Warum haben Sie den Streß, die Probleme und die Ängste nur in diese diffuse Wolke eingehüllt?

Ablauf. Die drei Begriffe werden mit einer Wolke umrahmt. Dann wird Bezeichnung der Wolke, des Verdrängungsmechanismus (im Beispiel Alkoholmissbrauch), rechts neben die Wolke geschrieben. (weitere Beispiele siehe Skizzen).

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Frage an den Klienten: Aus welchem Grund haben Sie diesen Auslösern nicht geeignete Maßnahmen entgegen gehalten?

Zusatzfrage: Obwohl Sie das heute doch tun? Ablauf Während der Frage wird die unterste Skizze gezeichnet, die Pfeile zeigen hier nicht nur auf den Betroffenen, zuletzt werden Pfeile vom Betroffenen in Richtung

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Streß, Problemen und Ängste gezeichnet. Die Pfeile vom Betroffenen in Richtung Stress, Probleme und Ängste symbolisieren geeignete Techniken, Stress zu reduzieren, sich mit den Problemen auseinander zu setzen und Ängste zu relativieren. Gemeinsam wird man zu dem Schluß kommen, daß der/die Betroffene zu diesem Zeitpunkt offensichtlich keine geeigneten Möglichkeiten hatte, um mit auftretenden Problemen optimal umgehen zu können!

Hinweis an den Klienten: Aus diesem GRUND haben Sie damals den Verdrängungsmechanismus (im Beispiel Alkohol) eingesetzt. Dies ist dann das Fundament, also der GRUND, auf dem das Problemhaus steht! Der GRUND, auf dem das Problemhaus steht, ist der Grund (die Begründung), warum es zu den vom Klienten unerwünschten Ereignissen (im Beispiel Verkehrsauffälligkeiten) kam!

Besprechung mit dem Klienten und Erweiterung des Erarbeiteten:

· Hat der/die Betroffene heute geeignete Lösungsmöglichkeiten?

· Wie sehen diese konkret aus?

· Können gemeinsam noch weitere, tragfähige Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden?

· Wie kam es überhaupt dazu, daß der Klient damals nicht auf geeignete Lösungsmöglichkeiten zurückgreifen konnte? Zusammenfassung

· Das Schmidt'sche Problem-Haus ist ein wirksames Instrument zur Erfolgskontrolle!

· Dem Therapeuten/Moderator wird hier ein Werkzeug in die Hand gegeben, mit dem er praxisnah arbeiten kann.

· Rege Mitarbeit von Betroffenen konnte beobachtet werden, da hier mit einfach zu verstehenden Symbolen aus dem praktischen Leben Erkenntnisse überprüft und gefestigt werden und nachvollziehbare Lösungsmöglichkeiten allgemein verständlich deutlich werden.

Es ist nicht nur in der Verkehrstherapie einsetzbar, es eignet sich auch bei vielen anderen psychotherapeutischen Interventionen durch Abstraktion zur · Kontrolle, · Vertiefung und · Erweiterung vom Klienten bereits ansatzweise erkannter Zusammenhänge und · vereinfacht dem Klienten das Finden neuer Sichtweisen.

Das Schmidt'sche Problem-Haus in vier Beispielen:

 

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Korrespondenzadresse:
Praxis für psychologische Beratung
Herr Peter Schmidt
Postfach 13 63
52014 Aachen
Tel: 0800 - 434 65 336


Peter Schmidt,
Verkehrstherapeut
Gremiumsmitglied des AK
Verkehrspsychologie im VFP