Musik ist Leben

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Musiktherapie im Fokus der Zeit

fotolia©Peter KöglerMusik ist Leben ... und Leben ist Musik. Ein Leben ohne Klänge, ohne Töne ist unvorstellbar. Musik existiert, seitdem es Menschen gibt, sie ist eine organisierte Form von Schallereignissen. Aus einem Tonsystem werden Skalen gebildet; deren Töne können in unterschiedlicher Lautstärke und Klangfarbe erscheinen und bilden Melodien. Aus der zeitlichen Folge der Töne entstehen Rhythmen, aus dem Zusammenklang mehrerer Töne erwächst Mehrstimmigkeit, aus den Beziehungen der Töne untereinander Harmonik.

Die frühesten bekannten Instrumente, die speziell zum Musizieren gebastelt wurden, sind Knochenflöten – über 35 000 Jahre alt. Anthropologen und Evolutionspsychologen sind sich jedoch darüber einig, dass die Musik schon lange vorher zum Alltag des Menschen und seiner Vorfahren gehörte.

Musik war seit ihrer Entstehung lange Zeit in Ritus, Kult und im normalen Alltag der frühen Hochkulturen eingebunden, erst später wurde sie zur autonomen Kunst. Es entwickelten sich viele unterschiedliche Musikstile: Klassik, Rock, Funk, Jazz, New Age, Hip-Hop, Blues, Entspannungsmusik, um nur einige zu nennen.

Musik bewegt, Musik lebt, Musik schwingt, Musik heilt – hervorragende Voraussetzungen, um auch therapeutisch mit Musik zu arbeiten. Musiktherapie dient der Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit. Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze: In der rezeptiven Musiktherapie wird therapeutische Wirkung durch das Hören von Musik erzielt, in der aktiven Musiktherapie wird der Patient zum Musizieren motiviert und dadurch therapiert.

Durch die Fähigkeit, starke emotionale Reaktionen hervorzurufen, war Musik schon früh mit Heilung und Wohlbefinden verbunden. In der klassischen Antike ging man davon aus, dass sich kranke Menschen in Unordnung befinden und durch Musik die geistige und seelische innere Harmonie wiederhergestellt werden kann. Auch im alten Testament gibt es Hinweise auf den Einsatz von Musik zur Heilung von Krankheiten. In der Renaissance gewann der Zusammenhang von Affekten und Musik an Interesse. In Renaissance und Barock stand die Regulation des Blutes durch Schwingungen im Blickpunkt. In der Romantik wandelte sich das klassische medizinische Bezugssystem der Musik hin zum psychologisch ausgerichteten Schwerpunkt.

Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft sieht Musiktherapie als „eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin, die in enger Wechselwirkung mit Medizin, Gesellschaftswissenschaften, Psychologie, Musikwissenschaft und Pädagogik steht“. Musiktherapeutische Methoden folgen gleichberechtigt tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutisch- lerntheoretischen, systemischen, anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen.

Zu den Musiktherapie-Verfahren zählen

  • Integrative Musiktherapie:
    Methode mit phänomenologischem und tiefenhermeneutischem Ansatz
  • Verhaltenszentrierte Musiktherapie:
    arbeitet mit verhaltenstherapeutischen Konzepten; Musik wird aktiv sowie rezeptiv als Verstärker eingesetzt
  • Schöpferische Musiktherapie:
    Hier steht der Mensch mit seinen natürlichen künstlerischen Potenzialen im Mittelpunkt
  • Orff-Musiktherapie:
    neurologische Musiktherapie
  • Regulative Musiktherapie:
    arbeitet mit Erkenntnissen der Paradoxalen Therapie
  • Guided Imagery & Music Psychotherapie:
    Verfahren der Rezeptiven Musikpsychotherapie, wird als Einzelbehandlung durchgeführt

Musiktherapie kann in zwei unterschiedlichen Settings erfolgen

  • Einzelmusiktherapie: Hier arbeitet der Therapeut mit einem Patienten
  • Gruppenmusiktherapie: Hier arbeitet der Therapeut mit einer Patientengruppe

Bei der rezeptiven Musiktherapie nimmt der Patient die Musik, entweder vom Therapeuten gespielt oder abgespielt von Medien, passiv wahr, d. h. ohne Einfluss auf die musikalische Gestalt. Man nutzt die Tatsache, dass Musikhören die Introspektion und die Selbstwahrnehmung erhöhen kann. Biografisch bedeutsame Musik wird verwendet, um Ressourcen zu aktivieren. Wichtige Anwendungsfelder sind u. a. die Arbeit mit Frühgeborenen, innere Medizin, der geriatrische Bereich, komatöse Patienten und Sterbebegleitung.

Bei der aktiven Musiktherapie ist der Patient durch Spielen eines Instruments aktiv beteiligt. Die Musikinstrumente, mit denen er musikalisch improvisiert, geben ihm neben dem verbalen und nonverbalen eine musikalische Möglichkeit des Ausdrucks. Die Auswahl des Instruments wird meist auf die konkrete Therapiesituation abgestimmt, d. h., sie steht im engen Zusammenhang zu aktuellen Themen/der Situation des Patienten. Eine musikalische Vorbildung des Patienten ist nicht nötig.

Arbeitsfelder

Die Einsatzgebiete der Musiktherapeuten liegen in kurativen, rehabilitativen und präventiven Bereichen sowie in der Nachsorge. Künstlerische Therapeuten arbeiten mit Menschen aller Lebensalter, sie behandeln Patienten mit somatischen, psychischen, psychosomatischen sowie psychiatrischen Erkrankungen und Menschen mit Schädigungen, Behinderungen und Beeinträchtigungen. Viele Musiktherapeuten arbeiten in psychiatrischen und psychosomatischen Versorgungseinrichtungen. Hier kommt die Musiktherapie v. a. psychotischen Patienten, Borderline- und gerontopsychiatrischen Patienten sowie Suchtkranken zugute. Darüber hinaus wird Musiktherapie bei Patienten mit Essstörungen, Angststörungen, Somatisierungsstörungen und Depressionen eingesetzt. Im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie werden spezifische Probleme bearbeitet wie z. B. Entwicklungsstörungen, Störungen des Sozialverhaltens, Aufmerksamkeitsdefizitstörungen, Angstund depressive Störungen.

Musik ist Trumpf

Stefan GiengerAuch Stefan Gienger, 37, Dipl.-Ing. Ton- und Bildtechnik mit eigenem Tonstudio in Unterföhring, weiß über die positive Wirkung zu berichten: „Immer wieder beobachte ich, wie gestresst Musiker, Manager, Sänger und Produzenten das Tonstudio betreten und wie sich ihre Stimmung während der Musikaufnahmen zunehmend verbessert.“

Sorgen verschwinden, Probleme treten in den Hintergrund, der Moment zählt. Stefan Gienger hat bereits mit vielen Größen im Musikbusiness zusammengearbeitet, u. a. Bonnie Tyler, Chris Norman, Roland Kaiser, Johannes Heesters, und beschäftigt sich täglich 12 Stunden und mehr mit Musik. Ein Leben ohne Musik wäre auch für ihn undenkbar: „Musik ist der Antrieb des Lebens, des Seins, Musik hält jung und fit, egal ob wir sie selbst praktizieren oder nur zuhören.“

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Blumen, deren Wachstum von ruhiger Musik begleitet wird, viel besser gedeihen und sich entfalten als Blumen, denen keine klangliche Unterstützung zukommt. Kinder, die vor dem Ins-Bett-Gehen entspannende Musik hören, können viel besser schlafen als Kinder ohne Musik. Stefan Gienger möchte genau hier ansetzen und hat aktuell eine eigene CD in Arbeit, die schöne Fantasiereisen für Kinder bietet. „Ich habe eine kleine Tochter, Lisa, 18 Monate, und Musik beruhigt sie immer, wenn sie aufgedreht, nervös oder weinerlich ist. Wenn die ersten Töne erklingen, fängt sie an zu strahlen und ist einfach nur glücklich. Kinder sprechen generell hervorragend auf Musik an, ebenso auf Fantasiereisen. Die Kombination von beidem bewirkt sensationelle Erfolge, wie viele Therapeuten bestätigen können.“

Es ist Zeit, mit einem Vorurteil Schluss zu machen: Wer sagt, er sei unmusikalisch, hat keine Ahnung von sich selbst.

Jeder Mensch ist musikalisch, Musik wirkt auf jeden Körper, auf jeden Geist und jede Seele. Wir müssen es nur zulassen und bereit sein, Musik zu spüren und fließen zu lassen. Über Musik lassen sich Blockaden und Ängste abbauen, Stärke und Selbstbewusstsein programmieren, ein neues positives Lebensgefühl kann erreicht werden.

Musik hilft Menschen, wieder einen Zugang zu sich selbst zu finden und seine Ressourcen effektiv zu nutzen. Stefan Gienger ermutigt: „Hast du das Bedürfnis, zu singen, dann singe. Haste du das Bedürfnis, zu tanzen, dann tanze. Hast du das Bedürfnis, zu musizieren, dann musiziere. Musik ist Leben ... also lebe! Und achte nicht darauf, ob es anderen gefällt, es muss dir guttun!“

Abbas Schirmohammadi Abbas Schirmohammadi
Heilpraktiker für Psychotherapie und Entspannungstherapeut
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