Neid

2011-04-Neid1

"Wer andere um ihr Glück beneidet,
Betrübt ist, wenn sich andere freu´n,
Und sich an fremdem Unglück weidet,
Der ist nicht wert ein Mensch zu sein."
Gesehen an einer Hauswand in Österreich

Menschen sehen meistens die negative Seite einer Sache und haben ein großes Bedürfnis, diese Negativität an sich zu ziehen. Auch Menschen, bei denen alles gut ist, finden trotzdem immer etwas auszusetzen. Unzufriedenheit beherrscht die Welt, die tief mit menschlichem Neid verbunden ist. Neid entsteht, wenn wir uns mit einem anderen vergleichen und Gleiches besitzen wollen, was wir sehr erstrebenswert für uns halten. Männer beneiden andere eher um Geld und Erfolg, während bei Frauen der Neid auf schönes Aussehen und Attraktivität im Vordergrund steht.

Wo der Vergleich mit anderen anfängt, fängt auch der Neid an. Die meisten Neider gibt es zwischen Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen. Auch Familien sind betroffen, Neid herrscht besonders zwischen Geschwistern. Neid vergiftet unser Leben, ruiniert unsere Gesundheit, macht Beziehungen kaputt, raubt Freude im Alltag und zerstört im Grunde die gesamte menschliche Würde.

Faktoren die unsere Neidgefühle fördern

  1. Lebenskrise (Andere haben immer Glück.)
  2. Geiz und Gier (Es ist meins und gehört keinem anderen.)
  3. Eifersucht (Ich bin der Beste.)
  4. Ehrgeiz (Ich will von anderen anerkannt und geachtet werden.)
  5. Hohe Lebenserwartungen (Ich will das auch erreichen.)
  6. Idealisierung anderer Menschen (Andere schaffen es besser.)
  7. Geringes Selbstwertgefühl (Ich mache alles falsch.)
  8. Ablehnung eigener Erfolge (Es ist nicht gut genug.)
  9. Angst vor eigenen Fehlern und Schwächen (Es wird wieder schieflaufen.)

Wir Menschen sind unvollkommen und werden nie alles haben oder alles erreichen, was wir gerne möchten. Es wird immer etwas geben, wonach wir uns sehnen. Es gibt keinen Menschen, der nicht andere beneidet. Neid ist ein Gefühl und gehört zum Menschen. Neid ist wie Feuer, wenn es zu stark wird, dann breitet es sich schnell aus und bringt Zerstörung für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Neid macht uns zum „aktiven oder passiven Angreifer“.

„Aktiver Angreifer“

Angriff gegen Wohl und Gesundheit anderer Menschen, der zwischenmenschliche Beziehungen ruiniert: Fehlersucherei, Intrigen, Mobbing, Kränkung, Unterstellung, Schuldzuweisung, Vorurteile, Unterdrückung, Bedrohung.

„Passiver Angreifer“

Angriff gegen sich selbst, der die eigene Lebensfreude, Lebensglück und Lebenskraft raubt und in Unzufriedenheit umwandelt: Selbstmitleid, Selbstzweifel, Selbstvorwürfe, Selbstvorurteile, Unzufriedenheit mit sich selbst.

Es gibt auch positive Seiten von Neid. Wie die Herausforderung, anderen nachzueifern, und den Ansporn zur Veränderung des eigenen Verhaltens. Neid anderer ist Anerkennung der eigenen Leistung.

Wie stillen wir unseren Neid? Wie kann man Neidgefühl löschen? Es hängt davon ab, was wir für Menschen sind und welche Eigenschaften wir besitzen. Menschen, die zum „aktiven Angreifer“ geworden sind, beneiden den anderen und gleichzeitig machen sie ihm das Leben schwer. Sie freuen sich, wenn es den anderen schlecht geht. Sie sind zufrieden und ausgeglichen, wenn sie damit ihr Ziel erreicht haben. Zunächst vergessen sie, dass sie auch an der Stelle des Opfers sein könnten. Menschen, die zum „passiven Angreifer“ geworden sind, beneiden den anderen, aber sie tun ihm nichts, sondern nur sich selbst. Sie verheimlichen sogar eigene Erfolge, um sich vor Neidern zu schützen. Unsere Neidgefühle entwickeln sich durch unsere Gedanken. Warum vergleichen wir uns mit anderen immer wieder? Wurde es schon in der Familie geprägt? Wie kommen wir aus dem alten Muster heraus? Zunächst hören wir auf, uns ständig zu vergleichen, und sammeln die Pluspunkte für unsere allgemeine Zufriedenheit.

Pluspunkte, wie wir unsere Neidgefühle neutralisieren können:

  • Ich darf neidisch sein, um mich selbst von anderer Seite anschauen zu können, um meine versteckten Eigenschaften zu entdecken, um mich selbst weiter zu erforschen.


  • Obwohl ich neidisch bin, schätze ich alles, was ich in meinem Leben erreicht habe. Wenn ich keine schlechten Erfahrungen hätte, könnte ich nicht einschätzen, was eigentlich gut war, und wäre nicht so stark. Es gibt immer Menschen, denen es besser oder schlechter geht als mir. Mich selbst zu bemitleiden, bringt mich nicht weiter, sondern tiefer in den Abgrund. Leben ist eine Bewegung, es gibt immer einen Grund zum weitergehen. Ich schließe eine Tür, damit ich eine andere öffnen kann.


  • Ich darf Fehler machen, da es keinen Menschen gibt, der keine Fehler macht. Ich verzeihe mir Fehler und auch den anderen, da ich aus Fehlern am besten lernen kann. Meine Niederlagen sind meine Wegweiser, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.


  • Mein Körper und meine Seele sind meine allergrößten Schätze. Meine Erfahrungen sind ein Geschenk meines Lebensweges. Alles, was ich besitze, ist zeitlich begrenzt.


  • Ich darf eifersüchtig sein, um mich wertvoll zu fühlen. Jeder Mensch ist einmalig, etwas Besonderes, ein Unikat. Ich stehe zu meinen Macken und akzeptiere die Macken der anderen. Ich bin zu einer Veränderung bereit und nehme meine Mitmenschen so, wie sie sind, ohne Erwartung von Gegenleistung.


  • Was ist gut oder schlecht? Ich beurteile meine eigenen Lebensmomente mit der Zeit anders. Was früher für mich schlecht war, kann später gut sein und auch umkehrt. Ich hole mir schlechte Erinnerungen nur, um die Fehlschläge nicht noch mal zu wiederholen und hole mir gute Erinnerungen, um meine Lebensfreude zu erhalten.


  • Im Grunde genommen bin ich allein. Meine Eltern, meine Geschwister, meine Kinder, meine Freunde, meine Bekannten sind die Begleiter meines Lebensweges. Es hängt nur von mir allein ab, wie ich meine Begleitung gestalte und was mir Freude oder Tränen bringt.


  • Keiner kann mich glücklich und zufrieden machen, wenn ich es selbst nicht erlaube. Ich gönne es anderen, etwas zu besitzen, auch wenn ich es gerne selber hätte.


  • Es spielt keine Rolle, wie ich aussehe, wichtig ist, wie ich mich selbst einschätze. Wenn wir alle gleich wären, dann gäbe es nichts zu bewundern und keinen Ansporn, sich weiterzuentwickeln. Ich kann vieles erreichen, wenn ich es mir wirklich selbst wünsche.

Wie können wir uns mehr Zufriedenheit und Freude in unser Leben holen? Was können wir konkret dafür tun?

Darüber wissen wir am besten selbst Bescheid. Dann übernehmen wir die Verantwortung und gestalten unser Leben so, wie wir es tief in unserem Herzen wünschen.

Lidia IvanovLidia Ivanov, Psychologische Beraterin
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