The King‘s Speech - des Königs Rede

2011-02-Koenig1

„Das hätte auch dein Film sein können“, sagte meine Kollegin und Freundin, als der Abspann lief und mir die Tränen über das Gesicht rollten. Es waren wissende Tränen, Tränen verbunden mit dem Gefühl und der Erfahrung, dass das, was in diesem Film in einer ausgesprochen guten Qualität gezeigt wurde, Realität sein kann. Meine Realität.

fotolia©ZoeIch bin das lebende Beispiel, wenn es um Heilung bei Redeflussstörungen (landläufig als Stottern bezeichnet) geht. Und ich sagte: „Das nächste Mal drehen wir unseren Film.“ Denn meine Kollegin und Freundin war und ist ein wesentlicher Bestandteil meines Weges der Genesung. Früher war sie meine Dozentin an der Paracelsus Schule in Kassel. So manchen Kampf wollte ich mit ihr kämpfen, aber sie kämpft nicht.

Heute, einige Jahre nach meiner Ausbildung, habe auch ich diese Haltung entwickelt – schade um die Energie, die ich im Kampf verschwende. Unglaublich, welche Parallelen sich in diesem Film zeigten. Zwischendurch konnte ich kurz lesen, 1936 … Damals hat dieser begnadete Therapeut, der übrigens keine Approbation hatte, schon mit ähnlichen Mitteln gearbeitet wie ich heute. Ich entdeckte Ähnlichkeiten zur dynamischen Meditation. Gearbeitet wurde auch mit dem inneren Kind, welches sich nun nicht mehr fürchten muss, da der Erwachsene jetzt da ist und das Kind stärkt, stützt und schützt.

In meinem früheren Leben habe ich schwer gestottert, manchmal gab es Tage oder Momente, da kam kein Wort aus meiner verspannten Kehle. Ich lief aus Luftnot zwar blau an, aber ein Laut kam nicht heraus. Meine Mimik völlig verzerrt und das Gesicht entstellt – aber kein Laut.

Die Sprechmethoden, die ich in der Logopädie lernte und in einer sogenannten „Sprachheilschule“ anwenden sollte, hatten nichts, aber auch gar nichts mit meiner Sprache zu tun. 25 Jahre Logopädie-Erfahrung, mit mehr oder weniger Erfolg.

Als ich schon verheiratet war und zwei Kinder hatte, lernte ich einen Logopäden kennen, der selber unter einer ausgeprägten Redeflussstörung litt. Um Logopäde werden zu können, musste er für die Zeit in die USA umsiedeln, da es in Deutschland nicht erlaubt war (oder ist, das weiß ich nicht genau), als Betroffener diesen Beruf – kommt von Berufung – ausüben zu dürfen. Bei ihm lernte ich einen „Werkzeugkoffer“ zu packen, mit technischen Hilfsmitteln, die nicht meine Sprache entstellten. Dort lernte ich die paradoxen Interventionen kennen, was ich damals natürlich nicht wusste. Diese realisierte ich auch noch nicht in meiner systemischen Ausbildung, sondern erst jetzt im Zusammenhang mit dem Film „The King´s Speech“.

Heute, einige Jahre nach meiner Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie, arbeite ich sehr erfolgreich in eigener Praxis und begleite andere Gruppen. Nicht zuletzt bin ich an den Deutschen Paracelsus Schulen Kassel und Göttingen als Dozentin tätig.

Dafür auch ein Dank an meine Studienleiterin, die sich nicht hat beirren lassen, sondern immer wieder signalisiert hat, ich traue dir das zu. Den ersten Anlauf nahm sie schon vor drei Jahren und ich sagte ihr: „Du spinnst wohl, ich kann doch nicht reden …”

Manchmal, eher selten geworden, ist da noch dieses Gefühl des geschehenen Wunders. Früher stellte ich mich noch im Zusammenhang mit meinem früheren Leben vor. Etwa so: „In meinem früheren Leben habe ich gestottert ...” Heute vergesse ich das meistens, denn die Gewissheit „ich kann und darf alles sagen“, hat sich fest verankert und ist wesentlicher Bestandteil meiner selbst geworden.

Schwerpunkt meiner Praxisarbeit ist natürlich die Behandlung von Redeflussstörungen, aber damit unmittelbar verbunden sind z. B. Angst, Stimmungsschwankungen, Vermeidungsverhalten, Abhängigkeit und Missbrauch, um nur einige zu nennen. Denn das Stottern als solches ist nur die Spitze des Eisberges.

Im Moment kontaktiere ich verstärkt Selbsthilfegruppen; Radio- und Fernsehsender. Diese Energie darf nicht ungenutzt bleiben und auch die Stigmatisierung muss unterbrochen werden. Es ist mir viel zu wichtig!!!

Ilona Eschstruth
Ilona Eschstruth
Systemisch-lösungsorientierte Therapie, Beratung und Supervision
37269 Eschwege, Enge Gasse 14
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