ADHS – Symptome, Ursachen, Therapie und mögliche Einflüsse durch die Ernährung

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Es wird oft behauptet, 3 bis 10% aller Kinder – wobei Jungen dreimal häufiger betroffen sind – würden Symptome von ADHS zeigen. Diese enorme Bandbreite ergibt sich daraus, dass ADHS nur sehr schwer zu diagnostizieren ist. Im Allgemeinen wird ADHS – das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts- Syndrom – definiert als: Symptomkomplex von Konzentrationsmängeln, Impulsivität und Überaktivität, der sich über einen längeren Zeitraum in mehreren Lebensbereichen (Kindergarten, Schule, Zuhause, Freizeit) erstreckt. Hinzu kommen oft schulische Probleme und die Ausbildung von LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche).

© Nicole Effinger - fotolia.de Symptome

Den betroffenen Menschen fehlt die Fähigkeit, Informationen richtig einzuordnen (wichtig/unwichtig). Sie stehen dadurch ständig unter Stress und sind reizüberflutet.

Kinder können nicht still sitzen, sie sind unruhig und zappelig – „ständig auf dem Sprung“. Später entwickeln sich erhöhte Impulsivität, Eigensinn, Stimmungslabilität und geringe Frustrationstoleranz.

Ursachen

Leider gibt es kein einheitliches Erklärungskonzept. Mittlerweile geht man davon aus, dass ein Ungleichgewicht bei der Reizweiterleitung durch die Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin vorliegt.

Als Ursache für dieses Ungleichgewicht werden organische Faktoren, perinatale Traumen und genetische Ursachen diskutiert.

Andere Faktoren werden – gerade von der Schulmedizin – als fraglich eingestuft. Dazu gehören Allergien, Erziehung und – im weitesten Sinne – der Einfluss der Ernährung.

Therapie

ADHS gehört zu den klassischen Indikationen für eine mulitimodale Therapie, die auf den Einzelfall zugeschnitten ist. Prinzipiell werden drei Therapieformen unterschieden: medikamentös, psychotherapeutisch und heilpädagogische Ernährungstherapie.

Medikamentöse Therapie

Obwohl bestimmte Medikamente bei ADHS-Patienten gute Erfolge zeitigen, ist ihr Einsatz sehr umstritten. Denn es handelt sich dabei in der Regel um Psychopharmaka, die psychische Funktionen beeinflussen und teilweise dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen. Ihr Einsatz sollte im Einzelfall genau überprüft werden.

Psychotherapeutische und heilpädagogische Therapie

Diese Therapieformen sollen dem Kind (und dessen Eltern!) helfen, sich selbst besser zu verstehen und das eigene Handeln zu beeinflussen. Es gehören dazu: Verhaltenstherapie, Selbstmanagement, systemische Therapie und Familientherapie. Sie werden unterstützt durch Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training, progressive Muskelentspannung etc. Die Heilpädagogik versucht zusätzlich, die Erziehung zu beeinflussen und kann so einzelne Problembereiche Schritt für Schritt verbessern.

Ernährungstherapie

Schon immer vermutet wurde der Zusammenhang von ADHS-Symptomen und Allergien sowie Ernährung. Es gibt Ansätze, die auf alternativen Behandlungsformen beruhen und die deshalb als fraglich eingestuft werden. Dazu gehören:

  • AFA-Algentherapie
  • Oligo-Antigene Diät
  • Diäten nach Feingold und Hafer

Einflüsse der Ernährung

An der Universität Southampton wurde 2007 eine Studie mit Kindern und Schulkindern durchgeführt. Die Kinder bekamen Getränke mit und ohne verschiedene Konservierungsmittel und Lebensmittelfarbstoffe verabreicht.

Bei Kindern, die Lebensmittelzusätze konsumierten, war eine signifikante Steigerung der Hyperaktivität erkennbar. Auch wenn dies ein Beweis dafür scheint, dass künstliche Lebensmittelzusätze das Verhalten von Kindern nachteilig beeinflussen können, wird von einer therapeutischen Anwendung abgeraten. Ein Weglassen der Zusatzstoffe könne hyperaktive Verhaltensstörungen nicht beseitigen oder verhindern. Dennoch rät die englische FSA (Food Standards Agency) betroffenen Eltern, entsprechende Nahrungsmittel (mit vielen Farbstoffen und Konservierungsstoffen) zu meiden.

Fallbeispiel

Frau Y. bat telefonisch um eine Beratung, weil sie den Verdacht hatte, dass ihr 9-jähriger Sohn an ADHS leide. Im Laufe des Erstgesprächs stellte sich heraus, dass sie und ihr Sohn schon mehrere Ärzte aufgesucht hatten, die aber kein ADHS diagnostiziert hatten. Als vorherrschendes Symptom schilderte Frau Y. die Unfähigkeit ihres Sohnes, nach dem Mittagessen seine Hausaufgaben konzentriert zu erledigen. Er sei dann immer sehr unruhig und wolle herumlaufen. Sie hätte gelesen, dass dies Symptome für ADHS seien, und war erstaunt, dass die Diagnose nicht gestellt worden war.

Nach einer gründlichen Analyse der Situation stellte sich heraus, dass ihr Sohn am Vormittag mehrere Flaschen eines sehr zuckerhaltigen Getränks zu sich nahm. Zum Mittagessen bevorzugte er außerdem ein Mischgetränk, das schwarzen Tee und wiederum viel Zucker enthielt.

Ich riet ihr, ihrem Sohn zunächst einmal bis zur nächsten Beratungsstunde keine Getränke zu geben, die übermäßig viel Zucker, Farbstoffe und Konservierungsstoffe enthielten.

Nachdem dies eine Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit erbrachte, sprachen wir zusätzlich über Verhaltensänderung in der Erziehung und Freizeitgestaltung.

Es lohnt sich, bei der Untersuchung von möglichen ADHS-Fällen nicht nur die gesamte Bandbreite der medizinischen Untersuchungsmethoden anzuwenden. Auch das familiäre Umfeld und die Ernährung sollten vor einer Diagnosestellung berücksichtigt werden.

Andreas Großmann Andreas Großmann
Jahrgang 1958, Heilpraktiker für Psychotherapie, Pädagoge. Tätig in eigener Beratungsstelle mit den Schwerpunkten Lernen und Schule und als pädagogischer Mitarbeiter an einer Förderschule.
Freie Beratung FELS
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