Existenzgründung mit Plan – der Businessplan

2010-03-Existenz1

Jede Gründung braucht einen gut durchdachten Plan. Braucht sie das wirklich? Wozu? Pläne sind was für Schreiberlinge, nicht für intuitiv-kreativ aktive Heilpraktiker und Berater!?

fotolia©Mike KievGespräch mit einer Absolventin:

„Ende April hab ich meine Prüfung. Dann geht es endlich los!“
„Gratuliere ... und was soll losgehen?“
„Na, die eigene Praxis!“
„Und ... wie soll es losgehen?”
„Na, ich miete mir Praxisräume, richte sie ein und dann können die Patienten kommen.“
„Und ... wo soll die Praxis sein?“
„Wo ich geeignete Räume finde?”
„Welche Kriterien definieren Sie als geeignet?“

Schulterzucken. Ich glaube, ich nerve. Wünsche viel Glück, nicht ohne meine Karte und den Hinweis zu hinterlassen, sie könne jederzeit anrufen.

Mai und Juni gehen ins Land, nach meinem Urlaub kam eine Mail:

„Ich komm nicht so recht vorwärts, dreh mich im Kreis. Hab mir Räume angeschaut, überlegt, wie ich sie einrichten möchte. Was das alles kostet! Miete, Kaution, Einrichtung ... Und wenn dann keiner kommt? Und bei den Ämtern, die schicken mich von einem zum anderen. Und ich bräuchte so eine Stellungnahme. Und einen Plan, einen Businessplan. Für das Amt und für die Bank und ich glaube, für mich auch. Liebe Grüße & helfen Sie mir?“

Also doch: Jede Gründung braucht einen gut durchdachten Plan!

Was gehört dazu? Und wo fange ich an? – Dieser Artikel soll ein Leitfaden sein. Er kann und soll nicht alles bis ins Detail erklären. In unserer virtuellen Welt finden Sie zahlreiche Portale, die Sie beim Planen unterstützen oder aber Ihnen einen „fertigen Plan“ liefern. Seien Sie kritisch und nutzen Sie die Angebote mit Vorsicht! In vorgefertigten Modulen könnten sie Redewendungen wie: „Ich habe keine Zugangsvoraussetzungen zu erfüllen“ u. Ä. finden. Dies müssen Sie als HP Psy selbstverständlich ändern, als Berater können Sie dies beibehalten. Lesen Sie das Skript also aufmerksam.

Auch Steuerberater erklären sich gern bereit, ihren künftigen Mandanten ein Konzept zu schreiben. Zweites Vorsicht! Das ist dann der Plan des Steuerberaters und nicht Ihrer! Sie werden feststellen, dass Sie nach diesem kaum Ihre Selbstständigkeit aufbauen können. Ihr Steuerberater hat andere Denkansätze und andere Vorgehensweisen als Sie. Der Plan und Ihr Weg sind daher selten stimmig. Besser: Schreiben Sie den Plan gemeinsam mit einem Steuerberater, besser Unternehmensberater, denn dieser kann Sie im Gründercoaching weiterhin betreuen.

Mitglieder des VFP können auf der Verbandswebsite ein Beispiel für eine Heilpraktikerpraxis für Psychotherapie finden. Meine Empfehlung: Stöbern Sie, suchen Sie Anregungen und dann schreiben Sie Ihren persönlichen Plan!

Gehen Sie nicht davon aus, dass Sie Ihren Businessplan mal eben am Sonntagvormittag schreiben. Der eine oder andere hat vielleicht das Talent dazu, es ist aber keinesfalls die Regel. Der Plan wird wachsen und sich entwickeln – fast wie ein Kind. Und das ist gut so! Denn ihr Unternehmen wird Ihnen ans Herz wachsen – fast wie ein Kind. Jedem, der an dieser Stelle ein Veto einlegt, sei geraten, seinen Plan der Selbstständigkeit noch einmal zu überdenken. Es geht nicht in erster Linie ums Geldverdienen! Es geht um Ihren Lebenstraum! Egal ob Heilpraktiker oder Berater, Klempner oder Rechtsanwalt ... man sollte sich nur selbstständig machen, wenn man dies mit Leib und Seele will und bis zur letzten Konsequenz dahintersteht!

Also:
Schreiben Sie Ihren persönlichen Plan!

Der Businessplan zwingt Sie, Ihre Gründung und die künftige Unternehmensführung zu überdenken. So werden Sie immer wieder an Punkte kommen, wo Sie merken: „Hier stimmt irgendetwas nicht!“ Vielleicht müssen Sie genauer recherchieren, einen Fachmann (Steuerberater, Rechtsanwalt, Versicherungsvertreter ...) befragen, etwas umdisponieren – alles kein Problem in der Planungszeit! Haben Sie aber gegründet und dann tauchen die Fragen auf, können aus relativ banalen Dingen gefährliche Fallstricke werden. Die Wahl des Namens oder Beschaffenheit der Räume seien nur zwei Beispiele.

Zu Anfang kann Ihr Businessplan ruhig aussehen wie eine To-do-Liste. Alles, was Ihnen einfällt, was mit der Gründung zusammenhängt, schreiben Sie auf. Mancher hat viele kleine Zettel, ein anderer hat ein extra Buch, ein Dritter nutzt die Speicherfunktion seines Handys. Völlig egal. Gut ist, wenn Sie sich nach einiger Zeit günstigenfalls an den PC setzten und „Ihre Sammlung“ ordnen.

Bedenken Sie beim Schreiben bitte Folgendes:

Sie wissen genau, was Sie wollen.

In Ihrem Businessplan erklären Sie das, was Sie wollen, Menschen, die bisher absolut keine Ahnung von Ihrem Vorhaben haben. Genau das ist ja (ein) Zweck des Planes. Versuchen Sie also, sich in deren Lage zu versetzen. Möchten Sie z. B. einen Kredit für die Einrichtung Ihrer Räume und der Banker liest nur „Heilpraktiker für Psychotherapie“, kann er u. U. wenig mit diesem Begriff assoziieren. Legen Sie allerdings dar, dass Sie z. B. Paartherapie durchführen werden, ist es ihm eher verständlich, dass Sie dazu Räumlichkeiten benötigen, die Diskretion gewährleisten. Gut ist es auch, wenn Sie Ihren Entwurf Freunden oder Angehörigen zu lesen geben. Idealerweise sollte der Leser noch nichts oder wenig von Ihren Plänen wissen. Genau an den Stellen, wo er fragt: „Wie meinst du das? Warum willst du das so und nicht anders machen?“, sollten Sie Ihren Entwurf noch einmal prüfen und überarbeiten. Ihnen selbst fällt Unschlüssiges weniger auf, da Sie die Begründung im Kopf haben. Jeder Dritte bekommt aber nur Ihren Plan, nicht Ihren Kopf ausgehändigt. Denn Ihren Kopf – einen kühlen Kopf – und alle sieben Sinne brauchen Sie für einen gelungenen Start in die Selbstständigkeit.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Schreiben und Erfolg bei Ihrer Gründung!

Anhang:
Was gehört in Ihren Businessplan?

  1. Überblick/Einordnung Ihres künftigen Unternehmens:
    Name des Unternehmens, Unternehmers, Branche, Standort, Eröffnung
  2. Geschäftsidee:
    Branche, spezifische Angebote, kurz- und langfristige Ziele, Philosophie
  3. Welche Leistungen oder Produkte wollen Sie anbieten:
    Beschreibung der Leistungen und Produkte. Was ist Ihr absolutes Alleinstellungsmerkmal
  4. Marktübersicht:
    Kunden, Konkurrenz, Standort
  5. Marketing:
    Werbung, Vertrieb, Preis
  6. Führung und Organisation des Unternehmens:
    Qualifikationen und (Berufs-)Erfahrungen des Gründers, Rechtsform, Mitarbeiter, wie soll die Organisation des Unternehmens konkret aussehen (z. B. Arbeitsteilung, Öffnungszeiten, Hausbesuche ...)
  7. Chancen und Risiken:
    Warum sehen Sie gute Chancen für die Entwicklung Ihrer Selbstständigkeit? Welche Probleme könnten auftreten? Wie würden Sie diesen begegnen?
  8. Finanzierung:
    Kapitalbedarfs- und Investitionsplan, Finanzierungsplan, Liquiditätsplan, Rentabilitätsrechnung
  9. Anhang:
    tabellarischer Lebenslauf, Zeugnisse, fachkundige Stellungnahme bei Beantragung von Fördermitteln

Eva Jakob Eva Jakob
Jahrgang 1966. Diplompädagogin, Geprüfte Psychologische Beraterin, Burnout-Beraterin. 14 Jahre Leitung eines eigenes Unternehmens, danach Industrie- und Handelskammer- Beratung von Selbstständigen zu Gründungs- und Rechtsfragen. Fasziniert von Psychologie in Arbeit und Management. Seit 2009 freiberufliche Unternehmensberaterin und Dozentin.
www.Unternehmensberatung-Chance.de
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