Die Entwicklung meiner Praxis in den vergangenen 12 Jahren

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gersitz-1 Diese Form des Entwicklungsberichtes führt dazu, eine Rückschau zu halten, in meinem Fall bis Herbst 1993. Zu dieser Zeit begann ich mit der Ausbildung zur psychologischen Beraterin, ohne ein spezielles berufliches Ziel damit zu verknüpfen. Von Beruf Heilpädagogin (seit 1982), arbeitete ich damals im Sonderschuldienst mit mehrfach behinderten/ primär hörgeschädigten Kindern. Die Ausbildung an der Paracelsus Schule begriff ich eher als Weiterbildung und weniger als neue Perspektive.

Im Frühjahr 1995 schrieb ich die Abschlussarbeit im Bereich der Familientherapie. Dies entsprach meinem beruflichen Hintergrund ebenso wie meinen Ambitionen. Während der Ausbildung lernte ich die Kinesiologie kennen, speziell die Edu-Kinestetik von Dr. Dennison und die Psychokinesiologie nach Dr. Klinghardt. Da ich verheiratet, aber noch kinderlos war, besuchte ich an vielen Wochenenden und in den Schulferien kinesiologische Kurse und Psychotherapiesymposien, parallel zur Beratungsausbildung. Es war eine Zeit des Aufsaugens, der Wissbegier, der neuen Kontakte und Reise zu mir selbst. Dankbar war ich meinem Partner, der mich unterstützte, indem er mir den Raum gab.

In unserem Haus gibt es eine kleine Einliegerwohnung, welche ich damals als meinen Arbeitsbereich nutzte und die mir heute als Praxis dient. Vom Arbeitgeber erhielt ich im Sommer 1995 eine Nebentätigkeitserlaubnis mit geringer Stundenzahl.

Über Kollegen und Freunde kamen erste Klienten, vorwiegend Kinder mit Lern- oder Entwicklungsproblemen. Interessanterweise wurde die Kinesiologie gewünscht, nicht die Familientherapie.

Im Januar 1997 erhielt ich die Lehrerlaubnis für die Edu-K-Kurse: Brain-Gym 1 und 2. Im April 1997 kam dann meine Tochter auf die Welt und ich ließ mich für acht Jahre im Schuldienst beurlauben. Um in der Praxis arbeiten zu können, blieb Lisa stundenweise bei der Oma. Ab sofort wurden Aus- und Fortbildungen bei Dr. Dennison, Dr. Dewe, Dr. Jacobs, G. Stokes usw. nun mit Kind besucht. Ich erlangte Lehrerlaubnisse für verschiedene Bereiche. Die Kinesiologie wurde zur beruflichen Erfüllung, eröffnete mir immer neue Möglichkeiten.

1999 begann ich im "Institut für pädagogische Weiterbildung" in Würzburg, vorwiegend pädagogisches Personal fort- bzw. auszubilden, hauptsächlich in den Bereichen Edu-Kinestetik sowie energetische Psychologie nach Dr. Gallo. Über diese Fortbildungstätigkeit wurde ich in Kindergärten, Schulen oder Vereine eingeladen, um Vorträge zu halten. Dabei kam mir meine langjährige pädagogische Tätigkeit zugute.

Ein weiterer Schwerpunkt wurde die Arbeit mit Kindern, denen ADS/ADHS zugeschrieben wird. Gerade die Kinesiologie bietet uns viele Möglichkeiten, vielschichtig auf diese Problematik zu reagieren. Sie verlangt allerdings auch Disziplin seitens der Familien, in der Durchführung der Hilfsangebote (Ernährungsumstellung, Brain-Gym-Übungen, Meridianklopfen …), um positive Erfahrungen zu initiieren, zu stabilisieren und in das eigene System zu integrieren.

Zum Schuljahr 2005/2006 kündigte ich im Schuldienst. Seit 2007 unterrichte ich in den Deutschen Paracelsus Schulen in Würzburg und Nürnberg. Es ist eine Freude, interessierte, spirituelle, suchende Menschen kennen zu lernen und diese Arbeit vermitteln zu dürfen.

Während der Jahre, die ich mit Kindergruppen in pädagogischen Einrichtungen arbeitete, fühlte ich mich oft wie im Laufrad. Trotz der Tagesarbeit hatte ich häufig das Gefühl, nicht geschafft zu haben, was notwendig gewesen wäre. Heute beende ich eine Balance, wenn es angezeigt ist und ich darf mich auf die Bedürfnisse einer Person, eines Paares oder einer Familie konzentrieren.

Die Rahmenbedingungen werden von mir und meinen Klienten bestimmt und mir nicht von außen übergestülpt. Die Verantwortung übernehme ich gerne, weil diese Arbeit mit mir in Resonanz geht und ich mich mit ihr identifiziere.

Das bayrische Bildungssystem führt mir die kleinen Klienten leider zu. Selbst der Kindergarten wird immer mehr verschult zum "Zahlenland", "Buchstabenland", "Hören- Lauschen-Lernen-Programm". Alles, was heute in Programme gestopft wird, machten wir früher spielerisch mit den Kindern. Den kleinen Menschen wurde Zeit gelassen, sich zu entwickeln. Heute kann es nicht früh genug in den Kindergarten oder in die Schule gehen. Der Zeitgeist heißt: Immer früher, immer schneller, denn Zeit ist Geld! Wer achtet da noch auf die emotionale Bedürfnislage von Kindern?

Die Jugend soll früher auf den Arbeitsmarkt, die Studenten sollen eher und möglichst zügig studieren. Dafür erhöht man den Druck in der Grundschule durch frühe Auslese und nimmt den Kindern im G8 die Jugend durch das Arbeitspensum. Die Reaktion der Schüler wird deutlich in Schulversagen, Kopf- und Bauchschmerzen, Tics, Verhaltenstörungen usw.

Gleichzeitig sind auch Mütter in ihrer Hilfslehrertätigkeit überfordert, neben Beruf, Haushalt und Partnerschaft. Das Wochenende gehört nicht mehr der Familienpflege, sondern dient der Vorbereitung auf die neue Schulwoche. Dieses bedeutet in der Konsequenz, dass die gesamte Familie die Bildungssituation mitträgt und Hilfe in der Beratung sucht.

In meiner Praxis spiegelt sich meiner Meinung nach auch immer die gesellschaftliche Situation. Kamen in den ersten Jahren vor allem Kinder und Frauen, so meldeten sich mit der Verschärfung des Arbeitsmarktes zunehmend Männer. Sie wurden offener dafür, ihre Situation zu reflektieren, Gefühle zuzulassen und auszudrücken sowie alte Verhaltensmuster und Rollenbilder zu hinterfragen bzw. zu verändern.

Kernstück meiner Arbeit scheint für mich das Hinhören zu sein. Klienten geben mir mit ihren Worten die Richtung für unsere Zusammenarbeit in der Balance. Der Muskeltest bedeutet mir viel als Kommunikationsmittel, ein Hinspüren, ein Lauschen auf das, was das System mitteilen, ausdrücken möchte. Eine hohe Anforderung bildet das Aufrechterhalten der Konzentration, die absolute Präsenz während der Arbeit.

In meiner Praxis gibt es keine Vertragsabschlüsse. Der Klient/die Klientin bleibt frei in der Entscheidung zu wählen, ob und wie lange er oder sie kommen möchte. Wir Menschen werden in unserem Leben so häufig fremdbestimmt (was uns der Blasenmeridian offenbart), dass es mir ein Anliegen ist, die Freiheit zu betonen. In der Kinesiologie nimmt die Achtung/der Respekt vor dem anderen Menschen einen hohen Stellenwert ein. Dieser Aspekt ist beruhigend.

Diese Arbeit liebe ich sowohl inhaltlich als auch von ihrem ethischen Hintergrund und meinen persönlichen Rahmenbedingungen aus betrachtet. Die Faszination nahm über die Jahre stetig zu und ich hoffe, sie entwickelt sich weiterhin.

Insofern wurde die Beratungsausbildung ein wichtiger Baustein meines Lebens.

Wöchentlich habe ich zwischen 10 und 12 Termine, wobei häufig bei einem Termin für eine ganze Familie balanciert wird. Dieses bedeutet, die anwesende Person testet stellvertretend (als Surrogat) für abwesende Familienmitglieder und wir brauchen dann mehr Zeit. Dabei wird vorher um Erlaubnis getestet. Das Honorar beträgt € 49,- pro Zeitstunde, wenn z. B. Rosalindeblüten integriert sind. In all den Jahren wurde wohl dreimal wegen des Preises abgesagt. Damit kann ich gelassen umgehen. Diese Menschen haben möglicherweise einen anderen Weg für sich gefunden. Ca. fünfmal wurde abgesagt, weil Väter meinten, die Mütter sollten mit den Kindern lieber kassenärztliche Leistungen in Anspruch nehmen. Manche Klienten bringen mir auch Eier oder Gartenfrüchte mit, um mir eine Freude zu machen. Das ist schön und freut mich sehr. Mir ist bewusst, dass etliche meiner Besucher sich das Honorar absparen, und ich weiß dieses wohl zu schätzen.


Tamara Gersitz
Eisenbahnstraße 42, 97084 Würzburg
Telefon 09 31/ 6 20 44
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