Wie Pferde die Persönlichkeit des Menschen trainieren

 

 

 

 

 

In der Natur der Pferde liegen die idealen Voraussetzungen, um Menschen in ihrer Persönlichkeit zu entwickeln. Ihre Fähigkeiten und Eigenschaften hierzu haben sie über Jahrtausende ausgeprägt.

Als Herdentiere leben Pferde in einer hierarchischen Sozialstruktur und verfügen über einen ausgeprägten Fluchtinstinkt. Der Kombination dieser Eigenschaften verdanken sie seit mittlerweile über 50 Millionen Jahren ihre Existenz. Sie leben absolut im Augenblick. Sie überprüfen jede Sekunde aufs Neue die Situation und entscheiden, ob sie flüchten, Schutz suchen oder die Lage als neutral bewerten.

PferdeMit dieser hochsensiblen Aufmerksamkeit und Wahrnehmung begegnen sie auch den Menschen - die für ein Pferd in die Kategorie „Raubtier" fallen. Mit ihrer ausgeprägten Intuition reagieren sie unverzüglich auf unsere Gefühle, unser Verhalten und unsere Körpersprache und spiegeln uns so kompromisslos und ehrlich unsere Persönlichkeit.

Pferden können wir nichts vormachen. Sie spüren, ob wir ihnen authentisch oder „mit einer Maske" gegenübertreten. Entsprechend wird ihre Reaktion ausfallen. Die „Maske" zählt für sie nicht! Pferde kennen keine Diplomatie, keine Höflichkeit und keine Fassade. Sie reagieren immer direkt im Sinne ihres Überlebens und erschließen unsere „wahren" Gefühle und Verhaltensweisen. Sie bringen ans Licht, was uns selbst noch nicht bewusst war.

In Trainings und Seminaren mit Pferden „als Spiegel der Persönlichkeit" geschieht dieser Prozess durch Kontakt und Spiele der Teilnehmer mit den Pferden automatisch. Dabei werden keine großen Aufgaben an die Teilnehmer gestellt. Allein das Führen eines Pferdes, z. B. durch einen Parcours, oder das Erwirken einer schnelleren Gangart eines Pferdes bringen erstaunliche Erkenntnisse hervor.

Der Vorteil des Trainings mit Pferden gegenüber den bekannten „Rollenspielen" unter Menschen liegt darin, dass die Teilnehmer die Situationen als Echterlebnisse erfahren. Es entsteht keine konstruierte Situation, die den Verlauf „künstlich" werden lässt. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die Teilnehmer bereits Erfahrungen mit Pferden haben oder nicht.Pferde

Mithilfe von Videoaufzeichnungen der jeweiligen Übungen mit den Pferden sehen sich die Teilnehmer zudem ein zweites Mal aus einer anderen Perspektive. Sie können ihren Blick von außen auf das Ganze richten, was den Erkenntnisprozess deutlich unterstützt. Die Teilnehmer stellen zum Beispiel fest, dass sie mit ihrer Körpersprache Unentschlossenheit ausdrücken; sich von dem Pferd ihren Platz streitig machen lassen; bei Unsicherheit in Handlungsunfähigkeit verfallen; zu wenig Konsequenz aufbringen; mit zu viel Energie ein Ergebnis erzwingen wollen; die natürlichen Bedürfnisse des Pferdes nach Schutz und Sicherheit außer Acht gelassen haben; keine Vertrauensbasis hergestellt haben ... usw.  Der Transfer dieser Erkenntnisse in das persönliche Leben geschieht häufig von ganz allein.

Durch das Training mit Pferden werden Wahrnehmung und Körpergefühl geschult und unbewusste Gefühle und Verhaltensweisen aufgedeckt. Durch Integration der neu gewonnenen Aspekte in die Persönlichkeit entwickelt sich Selbstbewusstsein, emotionale Stabilität, Authentizität und Präsenz - eben eine charismatische Persönlichkeit, mit der sich neue Möglichkeiten für das persönliche Leben erschließen!

Ein Auszug aus der Praxis

Sabrina beginnt den Trainingstag mit unbestimmter Erwartung. Beim Anblick von Pferden empfindet sie zugleich Angst und Faszination. Beidem wollte sie an diesem Tag nachgehen ...

Für Sabrina stehen zwei Pferde für Übungen und Spiele parat.

Im ersten „Spiel" mit den Pferden geht es darum, den (wahrgenommenen) Charakteren der Pferde auf die Spur zu kommen. Die Pferde bewegen sich dazu frei in der Reithalle und es stehen Putz- und Spielzeuge als Hilfsmittel für die Kontaktaufnahme zur Verfügung. Sabrina bleibt längere Zeit hinter der Absperrung, bevor sie dann - in Begleitung - den Raum der Pferde betritt. Über vorsichtiges Streicheln nimmt sie den ersten Kontakt auf. Nach einer Weile und gesammelten Eindrücken beschreibt sie den kleineren Sammy als unruhig, neugierig und frech; den größeren Charly als entspannt und gelassen, was ihr deutlich entgegenkommt. Auf die Frage, warum ihr Sammys Eigenschaften nicht liegen, antwortet sie: sie ziehe Ruhe und Harmonie vor. Bewegung sei für sie gleichbedeutend mit Stress und körperliche Beschwerden würden sie außerdem daran hindern ... Wir lassen diese Aussage erst einmal unkommentiert stehen.

Die nächste Aufgabe an Sabrina lautet nun, beide Pferde durch einen Parcours mit Stangen, Pylonen und einem kleinen Hindernis zu führen. Sabrina nimmt sich einen Führstrick und geht mit einem Lächeln zuerst auf Charly zu. Über eine freundliche Geste lädt sie Charly ein dieses Spiel mit ihr gemeinsam zu spielen. Am lockeren Führstrick folgt ihr Charly einwandfrei durch den Parcours. Sabrina ist zufrieden und glücklich über ihren Erfolg.

Das Lächeln in Sabrinas Gesicht weicht einem angespannten Ausdruck, Pferdeals sie auf Sammy zugeht, um die gleiche Aufgabe mit ihm umzusetzen. Mit einem Griff in das Halfter, direkt am Kopf des Pferdes, will sie die Runde beginnen. Sammy antwortet mit einem deutlichen Ruck und Rückwärtstreten und befreit sich aus der Situation. Sabrina ist erschrocken.

Was war passiert? - Eine kurze Reflexion

Beide Pferde spiegelten durch ihre Reaktionen Sabrinas innere Haltung.

Charly antwortete auf Sabrina mit Einverständnis, Harmonie und Vertrauen. Sammy drückte Sabrinas inneren Widerstand gegen diese „Zusammenarbeit" und ihren Wunsch nach Rückzug aus der Situation aus.

Gemeinsam mit Sabrina suchen wir nach Möglichkeiten, auch mit Sammy zu einem positiven Ergebnis zu kommen. Nach dem Zusammentragen verschiedener Vorschläge startet Sabrina ihren Parcours mit Sammy ein zweites Mal.

PferdeZwar noch etwas unsicher, dennoch mit viel mehr Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse des Pferdes (wir erinnern uns an den Fluchtinstinkt des Pferdes und die Einordnung des Menschen in die Kategorie „Raubtier") geht Sabrina auf Sammy zu. Beide nähern sich vorsichtig an - Vertrauen entsteht. Sabrina hängt nun den Führstrick in Sammys Halfter und lädt ihn - mit für beide angenehmer räumlicher und körperlicher Distanz - erneut zum Parcours-Spiel ein. Sammy folgt. Im Parcours nimmt Sabrina Sammy in seiner Dynamik durch leichte Signale über den Führstrick ab und an etwas zurück und findet letztlich einen Weg, mit dem beide mit gutem Gefühl durch den Parcours gehen.

Fazit

Sabrina hat in dieser Trainingseinheit mit Sammy etwas gelernt über

  • das Respektieren der Wünsche und Bedürfnisse des anderen
  • Vertrauen als Grundlage für Gemeinsamkeit
  • das Wirken von Nähe und Distanz
  • das In-Kommunikation-mit-dem-anderen-Gehen und Vereinbarungen (in diesem Fall über das Tempo) zu treffen
  • das Respektieren und Setzen von Grenzen

und letztlich darüber, dass sie das Ergebnis einer Situation durch ihr eigenes Verhalten beeinflussen kann.

Zwei Wochen nach diesem Trainingstag bedankt sich Sabrina noch einmal per E-Mail für die aufschlussreichen Erfahrungen und schreibt: „... ich bin beeindruckt, mit welcher Natürlichkeit mich die Pferde zu Selbsterkenntnis und Bewusstsein geführt haben. Auf meinem persönlichen Weg werde ich jetzt beherzt vorangehen und auf das für mich richtige Tempo achten ... Vielen Dank!"

Saskia WestphalSaskia Westphal Jahrgang 1971, Industriekauffrau, Kommunikationswirtin, Psychologische Beraterin, Kinesiologin. Tätig in eigener Praxis mit den Schwerpunkten Kinesiologie und Radionik, Trainings und Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung, Pferdekommunikation.

Kinesiologie & Beratung Isernhagen Am Ortfelde 98, 30916 Isernhagen Telefon 0511/7614580 www.beratung-kinesiologie.de