Ambulante Regressionstherapie – Traumatherapie für die Arbeit mit Einzelklienten

Zusammenfassung Die Methode der Ambulanten Regressionstherapie versteht sich als Bindeglied zwischen den bisher bestehenden zwei großen Therapierichtungen, der Gesprächs- und der Körpertherapien, die bisher, so schien es, unüberbrückbar nebeneinander standen. Darüber hinaus unterscheidet sie sich ganz wesentlich in Bezug auf die Ausgestaltung der Therapeutenrolle. Bei dieser Methode der Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie finden Klienten bei vollem Bewusstsein durch eine nach innen gerichtete Aufmerksamkeit und entlang wahrgenommener somatischer, emotionaler und kognitiver Symptome selbstbestimmt lebensgeschichtliche Themen. Selbst Symptome, deren traumatische Ursprünge vorgeburtlich, während der Geburt oder in der frühesten Kindheit entstanden sind, werden mit dieser Methode einer Bearbeitung zugänglich. Durch unterstützende Begleitung wird während der Therapie zum individuellen Selbstausdruck ermutigt. Dabei werden physiologische und psychische Selbstregulierungsprozesse mit bedeutender Wirkung angestoßen. Klienten wird angeboten, liegend und mit geschlossenen Augen zu arbeiten und sie werden von der Therapeutin / dem Therapeuten körperlich nicht berührt.

Einleitung

Die Ambulante Regressionstherapie ist eine traumatherapeutische Methode zur Arbeit mit Einzelklienten. Sie kann sich mit fast jeder gängigen Psychotherapie, Verhaltens- oder Gestaltungstherapie verbinden. Auch Therapeutinnen und Therapeuten z. B. der Kunsttherapie, Existenzanalyse, Musik-, Atem-, Stimm- und Sprachtherapie können die Ambulante Regressionstherapie praktizieren. Sie kann dann zur Anwendung kommen, wenn z. B. sprachliche Mittel in den gesprächsorientierten Therapieformen erschöpft sind. Körpertherapeuten wiederum können mit der Ambulanten Regressionstherapie arbeiten, wenn sie der Selbstbestimmung mehr Raum geben und die Eigenverantwortung verstärkt bei den Klienten lassen wollen. Gestaltungstherapeuten, die der Körperpsychotherapie nahe stehen, den Selbstausdruck z. B. durch Tanz, Malerei usw. betonen und oft mit Gruppen arbeiten, bekommen mit der Ambulanten Regressionstherapie eine Methode zur vertiefenden Einzeltherapie an die Hand. Zusammenfassung Die Methode der Ambulanten Regressionstherapie versteht sich als Bindeglied zwischen den bisher bestehenden zwei großen Therapierichtungen, der Gesprächs- und der Körpertherapien, die bisher, so schien es, unüberbrückbar nebeneinander standen. Darüber hinaus unterscheidet sie sich ganz wesentlich in Bezug auf die Ausgestaltung der Therapeutenrolle. Bei dieser Methode der Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie finden Klienten bei vollem Bewusstsein durch eine nach innen gerichtete Aufmerksamkeit und entlang wahrgenommener somatischer, emotionaler und kognitiver Symptome selbstbestimmt lebensgeschichtliche Themen. Selbst Symptome, deren traumatische Ursprünge vorgeburtlich, während der Geburt oder in der frühesten Kindheit entstanden sind, werden mit dieser Methode einer Bearbeitung zugänglich. Durch unterstützende Begleitung wird während der Therapie zum individuellen Selbstausdruck ermutigt. Dabei werden physiologische und psychische Selbstregulierungsprozesse mit bedeutender Wirkung angestoßen. Klienten wird angeboten, liegend und mit geschlossenen Augen zu arbeiten und sie werden von der Therapeutin / dem Therapeuten körperlich nicht berührt. Entscheidend ist die Fähigkeit der Therapeuten, die eigene Rolle während der Regressionsarbeit verändern zu können. Die Ambulante Regressionstherapie ist nicht mit „Rückführungen“ zu verwechseln und es kommen keinerlei hypnotherapeutische Techniken zur Anwendung. Während der Regressionsarbeit kommen verdrängte Erlebnisse aus frühester Kindheit ins Bewusstsein. Dabei geht es nicht nur um einmalige traumatische Erfahrungen, denen ein Kind ausgesetzt gewesen sein kann, sondern ebenso um lang anhaltende, subtil schädliche Lebensweisen, die ein Kind innerlich verformen können und die oft erst viel später im Leben ihre verheerende Wirkung entfalten. Hilfesuchende Menschen werden dahin unterstützt, eigene Ressourcen zu finden. Die verlorengegangene körperlich- psychische Balance kann dabei wiedergewonnen werden. Das gelingt, wenn Klienten zum Selbstausdruck ermutigt und dadurch physiologische und psychische Selbstregulierungsprozesse angestoßen werden.

 

Die Ambulante Regressionstherapie – eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Der tiefen psychologisch fundierten Psychotherapie1 liegt die Annahme zugrunde, dass Menschen von Kindheit an Anforderungen, die sich aus der zeit- und familiengeschichtlichen Situation ergeben, bewältigen müssen. Nicht jeder Mensch hat aber das Glück, in eine Familie hineingeboren zu werden, in der dem werdenden und heranwachsenden Kind alle Liebe und Geborgenheit zuteil wird, die es erwartet. In der Kindheit jedes Menschen – einschließlich der vorgeburtlichen Zeit – werden die Weichen für ein stabiles und belastungsfähiges Erwachsenenleben gestellt, sofern die grundlegenden Bedürfnisse eines Kindes kontinuierlich Beachtung finden und befriedigt werden. Ist ein Kind jedoch überlastenden, schädigenden und überfordernden Erlebnissen ausgesetzt, die nicht begriffen, nicht verstanden und nicht verarbeitet werden können, so setzen Schutzmechanismen der Verdrängung ein. Der biologisch bedingte Reifezustand eines Kindes ist noch nicht so weit entwickelt, um belastende Erlebnisse verarbeiten zu können. Darum ist ein Kind in hohem Maße schutzbedürftig. Kommt hinzu, dass das Kind in seiner Not keine oder nur unzureichende Hilfe erfährt, so kann nur von Erlebnissen, nicht aber von Erfahrungen gesprochen werden, aus denen im positiven Sinne gelernt werden könnte. Durch nicht fassbare Erlebnisse entstehen Traumata, die sich nach haltig auswirken. Sie verursachen unbewusst bleibende Reaktionsbereitschaften wie z.B. Furcht, Vermeidungsverhalten, Anspannungen, Flucht- und Verteidigungsimpulse. Ein Trauma ist vorstellbar als ein komplexes Erinnerungsgebilde, bestehend aus unfassbaren Sinnes-, Gefühls- und Körpereindrücken, verbunden mit überwältigender Angst, Schreck, Ohnmacht, Schmerz und Einsamkeitsgefühlen. Nachhaltige Schädigungen sind prä-, peri- und postnatal möglich ebenso wie bei familiären Langzeitbelastungen (z. B. Ablehnung durch die Eltern, Krankheit, Sucht, Gewalt, Verbrechen, Todesfälle), durch gesellschaftliche Katastrophen (z. B. wirtschaftliche Not, Krieg und Kriegsfolgen), kulturell bedingte Gewalt (z. B. Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund des Geschlechtes oder der Nationalität) oder durch naturbedingte oder von Menschen verursachte Katastrophen.

Ein Trauma zu erleben, bedeutet:

• betroffene Personen sind in ihrem Selbst zentral getroffen und verletzt,

• ein Geschehen wird als existenziell bedrohlich oder vernichtend erlebt,

• es entwickelt sich unbewusst eine dauerhafte, latente Reaktionsbereitschaft und zwar auf körperlicher, emotionaler und kognitiver Ebene,

• das Erleben steht unverbunden und nicht integriert neben dem sonstigen Lebensfluss,

• Traumata wirken wie ein Schock, das Zeitempfinden im Zusammenhang mit traumatischem Geschehen ist unterbrochen (Amnesien),

• Traumata werden als Ganzes verdrängt, jedoch können einzelne Bestandteile traumatischen Geschehens getrennt voneinander Signalfunktionen übernehmen. Sie bilden dann Warn- oder Auslösereize (trigger), um eine drohende oder vermeintlich drohende Wiederholung anzuzeigen, dies geschieht unbewusst,

• langanhaltende, jahrelange Traumata (z. B. mangelnder emotionaler Kontakt zwischen Eltern und Kind) bewirken neben individuellen Antwortmustern einen hohen unbewusst bleibenden Anpassungsdruck und/ oder Rebellion und/oder Resignation. Traumatisches Erleben mit überwältigenden Sinneseindrücken kann in jedem Lebensalter geschehen. Bereits vorgeburtlich können unter traumatischem Erleben nachhaltige Prägungen stattfinden. Traumata stellen Weichen für Deutungs-, Verhaltens-, Gefühls- und Körperreaktionsbereitschaften. Lang andauernde Belastungen über Wochen, Monate oder gar Jahre können zu einem späteren Zeitpunkt Krankheiten und Schmerzen, Neurosen und Psychosen, Ängste und Zwänge, Perversionen und kriminelle Energien (z.B. durch nicht ausgelebte, unbewusst bestehende Rachegefühle) auslösen, deren konkrete frühe Ursachen im Einzelnen meist nicht mehr erkennbar sind. In der Ambulanten Regressionstherapie können selbstbestimmt traumatische Erlebnisse schrittweise ins Bewusstsein gelangen. Dabei kommt es zu unterschiedlichen Formen des Selbstausdrucks die angeregt und begleitet werden.

 

Die Regressionsarbeit

Die Arbeitsweise der Therapeutenperson unterscheidet sich von herkömmlichen Therapieverfahren. Sie besteht darin, selbstbestimmte Regressionsprozesse teilnehmend zu begleiten und Klienten darin zu unterstützen, die eigene Lebensgeschichte daraufhin zu erforschen ob sich folgenschwere oder traumatische Erlebnisse auffinden lassen, die immer noch nachwirken. Die Therapeutenperson beachtet emanzipatorische Grundprinzipien. Z. B. erfahren Klienten zu Beginn dieser Therapie wie gearbeitet wird, worin ihre Mitarbeit besteht, was sie von der Therapeutenperson erwarten dürfen und welches die theoretischen Grundüberzeugungen sind. Klienten bestimmen weitestgehend die inhaltlichen Abläufe und sie können jederzeit regressionstherapeutische Prozesse hinterfragen oder beenden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist, dass die Klientin, der Klient entschlossen ist, die eigene Lebensgeschichte aufzuarbeiten und sich den schmerzhaften Erlebnissen des damaligen Kindes im Erinnern, im Fühlen und im Spüren zu öffnen. Die Fähigkeit, offen in einen Regressionsprozess hineinzugehen, führt zu den am meisten befriedigenden Ergebnissen. Der inneren Offenheit des Klienten steht die ergebnisoffene Begleitung der Therapeutenperson gegenüber. Der Erwachsene lernt, sein im Fluss befindliches starkes Selbst mit verletzten und schmerzenden, manchmal abgespaltenen Anteilen des Selbst zu verbinden. Traumatisches Geschehen kann neu eingeordnet, neu bewertet und damit in die Lebensgeschichte integriert werden. Verdrängung ist nicht mehr erforderlich. Störende Symptome werden in ihrem Entstehungszusammenhang bewusst, sie können modifiziert und in die Lebensgeschichte als Erfahrung integriert werden. In der therapeutischen Praxis begegnen uns ständig Menschen, die z. B. unwillkommen waren, das „falsche“ Geschlecht hatten, vernachlässigt, geschlagen, sexuell missbraucht, einen Abtreibungsversuch überlebten, missachtet, herumkommandiert, genötigt, gedemütigt, erniedrigt wurden. Bereits vorgeburtlich wurde häufig eklatant gegen grundlegendes Lebensrecht verstoßen, gegen das schlichte Bedürfnis, leben zu wollen, geachtet und ernst genommen zu werden. Bei der Ambulanten Regressionstherapie haben wir es mit einem methodischen Ansatz zu tun, der sowohl der „Reparatur“ als auch der Prävention dient. Da die therapeutische Arbeit zurückführt in die Zeit der eigenen Kindheit, entsteht gleichzeitig ein hohes Maß an Sensibilität für die Bedürfnisse von Kindern heute. Klientinnen/Klienten konzentrieren sich von Anfang an auf Wahrnehmungen im eigenen Körper, auf Schmerzen, Druck und Spannungen, auf Gefühle, Bilder und Erinnerungen, die aus ihnen selbst heraus ins Bewusstsein gelangen und die ein Ausdruck ihres Selbst sind. Menschen darin zu unterstützen und ihnen zu ermöglichen, früher Erlebtes auszudrücken, gilt als Schlüssel zur Wiedergewinnung eigener Ressourcen. Die Regressionsarbeit bewirkt in kurzer Zeit deutlichen Zuwachs an Selbst-Bewusstsein und ein Gespür für das Selbst, so dass die Therapeutin/der Therapeut sich auf den Prozess einer ergebnisoffenen Begleitung konzentrieren kann. Subjektivem Erleben und eigenen Bewertungen und Deutungen der Klientinnen und Klienten wird Glauben geschenkt. Sie sind häufig in der Vorstellungswelt des damaligen Kindes entstanden, innerlich lebendig und bestimmen somit gegenwärtiges Erleben. Die therapeutische Begleitung erfolgt parteilich nach dem Grundsatz „Kinder sind immer unschuldig“ (Alice Miller). Bei der Ambulanten Regressionstherapie wird angeboten, liegend und mit geschlossenen Augen zu arbeiten, zu reflektieren und zu verbalisieren. Was Klienten aus sich selbst heraus zum Ausdruck bringen, gilt als subjektiv empfundene Wahrheit. Häufig finden gleichzeitig tiefgreifende körperliche und emotionale Prozesse statt, die mit Erinnerungen an früher Durchlebtes im Zusammenhang stehen. Klienten werden körperlich nicht berührt, um diese Prozesse nicht zu stören. Bei dieser Methode, wie ich sie seit 1992 in Selbstexperimenten und in der Arbeit mit Einzelklientinnen und Klienten entwickelte, bedeutet in die Regression zu gehen, sich dem sensiblen Prozess einer Selbstwahrnehmung zu öffnen. Das gelingt leichter auf dem Rücken liegend. Deswegen wird auch von „Liegungen“ gesprochen, die ca. 100 bis 120 Min. dauern können, weil somatische Prozesse Zeit brauchen. Individuell kann eine Liegung auch sehr viel kürzer sein. Die Dauer und Intensität ist abhängig von der augenblicklichen Konzentration und Gesamtverfassung. Die Klientin/der Klient muss eben, warm und bequem liegen. Der Raum kann leicht abgedunkelt werden, um die Erinnerungsarbeit zu erleichtern. Die Orientierung an der von Person zu Person sehr unterschiedlich entwickelten wahrnehmung mit allen Sinnen (z. B. Anspannungen und Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle, Kälteund Schwer-/Leichtgefühle, der Atmung, des Herzschlages oder von Ohrgeräuschen, das Auftauchen von Erinnerungsbildern oder Symbolen) ermöglicht, eine ganz auf den einzelnen Menschen eingestellte therapeutische Begleitung. Das Erinnern, Fühlen und Spüren im Klienten kommt durch diese Therapie in einen wechselseitigen Fließprozess und die Balance zwischen Körper, Emotionalität und kognitiver Ebene (wahrnehmen, denken, schlussfolgern, antizipieren, die Welt und das Leben deuten und verstehen) kann sich neu regulieren. Die Ambulante Regressionstherapie ist eine aufdeckende Therapie, die dennoch schonend verläuft, weil sie selbstbestimmt, d. h. nach dem individuell bestimmten Maß und Tempo des zu Verkraftenden bestimmt ist.

Verdrängung und Ausdruck

Der Überlebenswille bereits des sehr jungen Menschen ist so stark, dass selbst katastrophale Ereignisse, z.B. die Mutter bei der Geburt oder den Vater, die Mutter in der Kindheit zu verlieren, einen schweren Unfall zu erleiden, Krieg und Hungersnot zu erfahren, ungewollt und abgelehnt, vielleicht beinahe abgetrieben worden zu sein, in eine gewalttätige oder durch Krankheit belastete Familie hineingeboren zu werden, überlebt werden können. Das gelingt aber nur aufgrund der angeborenen Fähigkeit, zu verdrängen. Einmalige, lang andauernde und wiederkehrende traumatische Erlebnisse werden von Kindem um des Überlebens willen verdrängt, zurück bleibt ein Trauma. Traumatische Erlebnisbestandteile entwickeln im Unbewussten häufig eine Eigendynamik und es können unterschiedliche Symptome entstehen. Unverarbeitete oder nur teilweise verarbeitete Erinnerungen hinterlassen gravierende Spuren auf allen eng miteinander verwobenen Daseinsebenen:

Die Daseinsebenen

1. Auf der Körperebene können sich zeigen:

– der muskuläre bzw. zelluläre Abdruck nicht ausgelebter heftiger Gefühle (Angst, Wut, Hass, Trauer,) der z. B. zu Atemwegs-, Herz-Kreislauf-, Organ-, Knochengerüst-, Weichteilerkrankungen führen kann.

– Nachwirkungen von vorgeburtlichen medikamentösen Einwirkungen oder vorgeburtlichen Schief- und Querlagen, Nabelschnurumwicklungen vor und während schwerer Geburten,

– Nachwirkungen von Verletzungen aller Art, z.B. durch Unfälle, Gewalthandlungen, Vergiftungen durch Alkohol, Nikotin, Medikamente.

2. Auf der emotionalen Ebene können sich zeigen:

– Stau von nie zum Ausdruck gebrachten heftigen Gefühlen, verbunden mit dem unbewussten Bedürfnis nach Ausleben und Ausagieren und dem gleichzeitigen Bestreben, diese Gefühle unter Kontrolle zu halten,

– schwer kontrollierbare Gefühlsimpulse mit Risiken für den eigenen sozialen Status und das soziale Miteinander: z. B. bekommt jeder Mensch mit schwer kontrollierbarer Angst, Unzufriedenheit, Wut oder Hass früher oder später Schwierigkeiten im sozialen Miteinander.

3. Auf der kognitiven Ebene können sich zeigen und abbilden:

– Festhalten an Deutungen aus der Kinderperspektive: einzelne oder lang andauernde Erlebnisse wie z.B. Vernachlässigung oder Gewalt formten die Wahrnehmung der sozialen Welt,

– Anpassung an neurotisches oder psychotisches Elternverhalten, mit der Folge, die eigene Wahrnehmung verbiegen zu müssen,

– Festhalten an Schlussfolgerungen aus der Kinderperspektive. über das Verhalten von Frauen und Männern bei ungleichgewichtigen, zerstrittenen, sich gegenseitig missachtenden Elternteilen,

– die Folgen gedanklicher Unterwerfung und ideologischer lndoktrination,

– in die Zukunft hineinprojizierte Erwartungsängste aus Kinderperspektive.

Die Ambulante Regressionstherapie unterscheidet drei Symptomebenen entsprechend den Daseinsebenen.

1. Körperliche Symptome:

z. B. Schmerzen aller Art, Verspannungen, Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates, Funktionsstörungen von Atmung, Kreislauf, Organen, Nerven und Zellen.

2. Emotionale Symptome: z.B. Ängste, Unsicherheit, Depressionen, Ausweglosigkeit, Entfremdungsgefühle, Traurigkeit, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Wut und Hass.

3. Kognitive Symptome (den Verstand, die Wahrnehmung und das Selbst betreffend):

Entscheidungsunfähigkeit, Selbstbeschuldigungen, geringer Selbstwert, die Unfähigkeit, sich durchzusetzen, Unzufriedenheit, Zwangshandlungen, Selbsthass, Selbstbeschädigungen, Aggressivität, kriminelle Fantasien und Handlungen, Perversionen. Bei Menschen, die an einem oder mehreren Symptomen leiden, ohne dass eine Erklärung gefunden wird, liegt die Vermutung nahe, dass hier lebensgeschichtlich bedeutsame Ereignisse im Hintergrund stehen, die für die Symptombildungen ursächlich sind. Der Sinn der Regressionstherapie besteht demnach darin, verdrängte Symptome der Ursprungssituation wieder zuordnen zu können. Ins Erwachsenenbewusstsein getreten, können die lebensgeschichtlichen Erlebnisse zu Erfahrungen werden, integriert und damit bewältigt werden. Der Gewinn für die Klienten ist zweifach: zum einen bilden sich die Symptome zurück, zum anderen werden Energien frei, die bisher für die Verdrängung erforderlich waren.

Die Arbeitsbeziehung zwischen Klientin/Klient und Therapeutin/Therapeut

Die therapeutische Arbeit in der Regressionstherapie ist für Klienten einer schweren Arbeit vergleichbar. Konzentration und eine Motivation zu dieser Art der Lebensgeschichtsarbeit sind erforderlich. Die Anstrengung lohnt sich aber, denn der Gewinn an Lebensqualität ist schon nach kurzer Zeit greifbar. Wissensvermittlung dient der eigenen Sicherheit und stärkt das Vertrauen in die vorhandenen Selbstheilungskräfte. Sie unterstützt den wachsenden Prozess der Selbstbestimmung. Je sicherer sich die Klientin/der Klient mit der Zeit fühlt, desto tiefer und leichter kann sie/er sich auf eine Regressionsarbeit einlassen. Eine Offenheit entsteht durch das Verstehen der Methode und Vertrauen in die Therapiesituation. Klienten dürfen wissen, die Ambulante Regressionstherapie kann nur durch Therapeuten vermittelt werden, die über regressionstherapeutische Selbsterfahrung verfügen. Die Klientinnen/Klienten sind es, die den Regressionsprozess durch innere Offenheit und ein Geschehenlassen ermöglichen und in hohem Maße selbst steuern. Therapeuten begleiten diesen Prozess, helfen dabei, in den Selbstausdruck zu gelangen, in dem sie unterschiedliche Anregungen geben.

Die Ambulante Regressionstherapie basiert

• auf der Erfahrung, dass das Regredieren (Zurückschreiten) unter o.g. Voraussetzungen gefahrlos praktiziert werden kann,

• auf der Entdeckung, dass es vor und neben der kognitiven Erinnerung ein Erinnerungsvermögen der Körperzellen gibt,

• auf dem Wissen, dass körperlichen Schmerzen und zellulären Veränderungsprozessen häufig psychische und emotionale Ursachen zugrunde liegen, aber auch Verletzungen vor, während und nach der Geburt,

• auf dem Wissen, dass unausgelebte Gefühle im Körper Eindrücke und Abdrücke hinterlassen, die nach Ausdruck verlangen,

• auf der Annahme, dass neurotische und psychotische Ausdrucksweisen eines Menschen verfestigte oder automatisierte Antwortmuster auf frühe gravierende, einzelne oder dauerhafte Schädigungen sind, die sich erst dann auflösen können, wenn es gelingt, die Ursprungssituationen neu zu durchleben, neu zu bewerten und in die eigene Lebensgeschichte zu integrieren,

• auf der Erkenntnis, dass das Gesamtsystem jedes einzelnen Menschen das Bestreben hat, im Gleichgewicht mit sich selbst und mit der sozialen Gemeinschaft zu sein, um leben und überleben zu können.

 

Welche Menschen können durch die Ambulante Regressionstherapie Hilfe erfahren?

• Menschen, die unter Gefühlen wie Unsicherheit, Ausweglosigkeit, Entfremdung, Traurigkeit, Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit leiden -

• Menschen, die immer wieder in Beziehungsfallen hineingeraten -

• Menschen mit psychosomatischen Symptomen ohne Befund -

• Menschen mit Schmerzen ohne Befund -

• Menschen, die unter Ängsten und Phobien leiden -

• Menschen, die unter Zwängen leiden -

• Menschen mit Depressionen -

• Menschen, die eine schwere Geburt erlebten und prä-, peri- und postnatale Traumatisierungen (vor, während und nach der Geburt) vermutet werden können. Die medizinische und psychologische Forschung von heute bestätigt, dass schwere Geburten, Frühgeburten, Saugglocken-, Zangen- und Kaiserschnittgeburten, verbunden mit tage- oder wochenlanger Trennung von der Mutter eine unbewusste Belastung von erheblicher Tragweite für den betreffenden Menschen darstellen können -

• Menschen, die tatsächliche oder vermutete Misshandlungen aufgeklärt und verarbeiten wollen -

• an Krebs erkrankte Menschen.

Die Ambulante Regressionstherapie kommt beding zur Anwendung bei Suchtmittelabhängigen. Viele Menschen greifen zu solchen Substanzen, weil die körpereigene Verdrängung nicht mehr ausreicht. Suchtmittel mindern aber die Selbstwahrnehmung, sie decken die psychischen und körperlichen Schmerzen zu. Ist jemand bereit, die Suchtmittel konsequent in ärztlicher Begleitung behutsam auszuschleichen oder eine Entgiftung zu machen, bestehen bei einer Therapie gute Erfolgsaussichten. Die Ambulante Regressionstherapie kann nicht hilfreich sein bei Menschen, die nicht innerlich bereit sind, sich auf Regressionsprozesse einzulassen - die nicht einsichtsfähig sind - die nach einer Krise noch nicht ausreichend stabilisiert sind - deren Angst vor dem, „was da möglicherweise herauskommt“, zu groß ist - die sich in einem prä-psychotischen Zustand befinden - die sich aus Suchtmittelabhängigkeit nicht lösen können oder wollen.

Schlussgedanken

Die Evolution hat beim Menschen als wichtigen Mechanismus ein Erhaltungssystem hervorgebracht, welches vor allem hilft, Schicksalsschläge zu verkraften und Unfälle zu überleben.

Wie auf der körperlichen Ebene an allen Stellen unserer Haut zum Schutz eine Hornschicht entstehen kann oder wie der Körper jeden Bluterguss absorbiert (solcherlei Belastungen und Verletzungen also auch erwartet werden), so ist der Mensch auch in Bezug auf seelische Verletzungen mit vielerlei Reaktionsmöglichkeiten ausgestattet. Der Sinn dieser Schutz- und Erhaltungsmechanismen besteht darin, sich bei Wiederholung einer gleichen oder ähnlichen Bedrohung durch Flucht, verbale oder körperliche Gegenwehr oder Vermeidung rechtzeitig schützen zu können. Unserer Gesellschaft sind die Ursachen menschlichen Elends weites gehend bekannt. Viele psychosomatische Erkrankungen, Neurosen, Psychosen, Kriminalität, Gewaltbereitschaft sind nicht erblich, sondern das Ergebnis von Vernachlässigung und Gewalterfahrung, Missachtung, Armut und Schicksalsschlägen. Trotzdem reagiert unsere Gesellschaft überwiegend mit einem kostenträchtigen Gesundheitswesen, Justiz- und Überwachungsaparat und sie vernachlässigt eklatant das Feld der Prävention. Bei dreijährigen Kindern, die erstmals im Kindergarten auffallen, sind unter ungünstigen Bedingungen bereits gravierende Schäden eingetreten und sie wirken weiter in allen nachfolgenden Sozialisationsinstanzen. Das schwächste Glied in einer Gesellschaft ist das ungeborene Leben und die werdende junge Familie. Kulturell bedingte Misshandlungen, jegliche Ablehnung, unerwünschte Schwangerschaften, Bedrohung, versuchte Abtreibung, Vernachlässigung, Armut und Gewalterfahrungen, von medizinischen Gerätschaften dominierte Geburts- und Frühgeborenenhilfe, unzureichende familiäre und gesellschaftliche Unterstützung für die junge Familie, Mangel an sozialem und materiellem Schutz, wirken sich gravierend, prägend und negativ auf die Erlebnisse und Erfahrungen des jungen Selbst aus. Hier zeigt sich, welches Bewusstsein eine Gesellschaft über die Gegenwart hinaus für das historische Überleben und die Lebensqualität folgender Generationen hat. In heutiger Zeit verändert sich das Bewusstsein der Völker der Erde. Der Planet scheint zu einem großen „Dorf“ zusammenzuwachsen. Es ist darum nur konsequent, wenn sich Menschenrechtsorganisationen weltweit vernetzen und Verletzungen der Menschenwürde anprangern. Wenn eine oder einer leidet, leidet der ganze Organismus, diese tiefe Wahrheit erfährt heute eine globale Bedeutung für eine hoffentlich voranschreitend mögliche Humanisierung individuellen und gesellschaftlichen Lebens.

 

Irene Behrmann

 

Die Methodenbeschreibung ist soeben erschienen: Irene Behrmann: – Zurück ins Leben – Erfahrungen mit der Ambulanten Regressionstherapie. Mit einem Vorwort von Ludwig Janus. Leutner, Berlin 2002. ISBN 3-934391-15-X. Weitere Informationen und Fortbildung: www.ambulante-regressionstherapie. de

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lrene Behrmann

M.A. Erziehungswissenschaften Ambulante Regressionstherapie und Psychotherapie (HP) Mitglied der Internationalen Studiengemeinschaft für Pränatale und Perinatale Psychologie und Medizin (ISPPM) Mitglied im Verband Freier Psychotherapeuten und Psychologischer Berater e.V. (VFP)

29331 Lachendof, Brömmerkamp 10
Telefon: 0 5145-28 42 89
Fax: 0 5145-93 9152
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 


1 „Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie arbeitet theoretisch mit den Erkenntnissen der Psychoanalyse und deren Weiterentwicklungen bzw. Modifizierungen im Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung und deren Störungen. In der praktischen Umsetzung dieser Erkenntnisse folgt sie aber nicht oder teilweise nicht dem klassischen psychoanalytischen Therapieprozedere, sondem hat eigene Methoden entwickelt, die – im Vergleich mit der Psychoanalyse – Begrenzungen und Fokussierungen markieren… Die verschiedenen Ansätze und Modifikationen des ursprünglichen psychoanalytischen Therapiemodells führten dazu, daß es eine einheitliche Theorie zur tiefenpsychologischen Psychotherapie nicht gibt.“ Chr. Reimer, J. Eckert, M. Hautzinger, E.Wilke (Hrsg.): Psychotherapie. Springer Berlin 1996, S.12 f.