Psychosomatische Energetik in der Psychotherapie-Praxis


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Anlässlich dieses Vortrages habe ich mich mit meinem Eindruck auseinandergesetzt, dass Psychotherapien bei Patienten, die parallel mit der PSE behandelt werden, erfolgreicher und schneller verlaufen. Das Ergebnis möchte ich Ihnen gern vermitteln und etwas von den theoretischen Hintergründen erörtern, die zum Verständnis wichtig sind. Ich möchte vorwegschicken, dass meine psychotherapeutische Arbeit tiefenpsychologisch und hypnotherapeutisch (nach Milton H. Erickson) ausgerichtet ist.

In der Psychotherapie geht man davon aus, dass psychische Probleme in aller Regel ihren Ursprung in der Kindheit haben. Wenn ein Kind massive Beeinträchtigungen seiner psychischen Entwicklung hinnehmen muss, versucht es, die negativen Erfahrungen aus seinem Bewusstsein zu verbannen. Man kann sich das so vorstellen, dass es Teilbereiche seiner Seele einzäunt und mit einem Schild versieht: Verbotene Stadt – Betreten strengstens untersagt und verschiedene Schutzmechanismen einrichtet, um ein Betreten zu verhindern. Das bedeutet auch, dass dieser Mensch sich in den betreffenden Bereichen nicht so weiterentwickelt wie in anderen.

2008-02-Praxis2Auf die Dauer wird die Abwehr der Traumatisierungen – die ursprünglich sinnvoll war, um eine junge Seele möglichst frei zu halten von überfordernden Erfahrungen – selbst zu einem großen Problem. Ich möchte das anhand eines Beispiels verdeutlichen. Wenn ein Kind unerwünscht bei lieblosen Eltern aufwächst, die ihm nicht die positive Spiegelung, die weitgehend bedingungslose Annahme und die Verlässlichkeit geben, die es für eine gesunde Entwicklung braucht, löst dies starke Angst aus, weil das Kind von den Eltern absolut abhängig ist. Hinzu kommt, dass ein kleines Kind sozusagen nur Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse sehen kann, keine Zwischentöne. Stellen Sie sich vor, wie es wäre, vollkommen in der Hand von Menschen zu sein, die durch und durch schlecht sind – das wäre selbst für Erwachsene höchst ängstigend. Insbesondere wäre es unter solchen Bedingungen lebensgefährlich, die Wut zuzulassen, die man sicherlich hat – so fühlt es sich auch für das Kind an. Mit einer massiven Angst lässt es sich aber schlecht leben, weshalb man versucht, sie abzustellen oder zumindest zu reduzieren. Die Lösung liegt darin, die Negativerfahrung aus dem Bewusstsein zu verdrängen, zu leugnen, was man erlebt hat und ggf. sich selbst als denjenigen anzusehen, der schlecht ist. Das reduziert die Angst, denn man kann sich ja vornehmen, von jetzt an nur noch "gut" zu sein – zumindest in der kindlichen Vorstellung.


Da die traumatisierenden Erfahrungen und die daraus entstandenen Überzeugungen aus dem Bewusstsein verbannt sind, weiß man später nicht mehr, warum man von sich selbst grundsätzlich eine schlechte Meinung hat und warum es einem schwer fällt, sich adäquat zu wehren. Vielleicht fällt es einem nicht mal selber auf, dass man kaum wütend wird, wo andere explodieren. Die Wendung der Aggressionen gegen die eigene Person – wie diese Abwehr im Fachjargon genannt wird – hat jedoch gravierende Konsequenzen: Aufgrund der unbewussten, aber wirksamen Überzeugung, schlecht zu sein und selbst die Schuld zu haben, kann man früher oder später eine Depression entwickeln, wenn die Lebensumstände einen wiederholt mit der entsprechenden Thematik in Berührung bringen.

Ich möchte kurz etwas über die wichtigsten Abwehrmechanismen erzählen, die oft zusammenfassend als Verdrängung beschrieben werden.

Alle Unterformen der Verdrängung dienen dazu, die eigentlichen Inhalte unbewusst werden oder bleiben zu lassen. Wie gesagt, entwickelt die Seele seit früher Kindheit "Abwehrmechanismen", d. h. Fähigkeiten, unerträgliche Erfahrungen aus dem Bewusstsein fernzuhalten, um das seelische Gleichgewicht so weit wie irgend möglich aufrechtzuerhalten. Das kleine Kind verfügt nur über unreife Abwehrformen wie z.B. Spaltung. Wir kennen das von kleinen Kindern: Eine Bezugsperson ist entweder gut oder schlecht – manchmal beschwert sich das Kleinkind bei der "guten Mama" über die "böse Mama", die ihm etwas verboten hat. Im Laufe einer gesunden seelischen Entwicklung nimmt ein solches "Schwarz-Weiß-Denken" zugunsten einer differenzierteren Betrachtungsweise ab. Das heißt, man kann zunehmend erkennen und ertragen, dass jeder Mensch – auch man selbst – gute und schlechte Eigenschaften hat. Als Therapeuten sehen wir Spaltungen gehäuft bei sogenannten "Frühgestörten" – Paradebeispiel: Borderline-Patienten. Spaltung bedeutet nicht nur Schwarz-Weiß, es werden oft auch ganze Erfahrungssequenzen abgespalten, unbewusst gemacht. Die wichtigsten weiteren Abwehrmechanismen möchte ich kurz beschreiben:

- Projektion bedeutet: Ich sehe das, was ich an mir selbst nicht akzeptieren kann, nicht bei mir, sondern bei einem anderen Menschen, den ich dann entsprechend erlebe, z.B. aggressiv oder faul. Diese Abwehrform gilt auch noch als relativ "unreif", zumindest, wenn sie sehr oft angewandt wird und wenn die Inhalte schwer bewusstseinsfähig sind.

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Die Wendung gegen das Selbst hatte ich schon erklärt: Wenn ein Mensch glaubt, dass seine Aggressionen eine lebenswichtige Beziehung (wie die als Kind zu den Eltern) gefährden, betrachtet er sich selbst als schlecht und bestraft sich selbst, d. h. Autoaggression.

- Leugnung: Man gaukelt sich vor, das Problem gäbe es nicht, man habe sich getäuscht, es sei doch alles in Ordnung.

- Bei der Verschiebung wird die Emotion – z.B. Angst – von ihren ursprünglichen Inhalten verlagert auf weniger bedeutsame Situationen oder Gegenstände. Klassisches Beispiel ist die Phobie, wo die massive Angst z.B. davor, von lebenswichtigen Bezugspersonen fallengelassen zu werden, auf Brücken oder sonstige Höhen verschoben wird.

- Mit der sogenannten Reaktionsbildung versucht der Mensch, massive Aggressionen, die ihm Angst machen, dadurch abzuwehren, dass er sich besonders intensiv um die betreffende Person bemüht (der er eigentlich den Hals umdrehen möchte).

- Auf eine Somatisierung greift die Seele aus psychoanalytischer Sicht dann zurück, wenn alle anderen Versuche, inkompatible Inhalte abzuwehren, zu scheitern drohen.

2008-02-Praxis3Zum einen ist es also so, dass die Seele versucht, unerträgliche Inhalte zu verdrängen. Zum anderen zeigt die Erfahrung, dass solche Themen versuchen, an die Oberfläche – sprich: ins Bewusstsein – zu drängen, wenn auch meistens nicht klar erkennbar. Freud hat folgende Metapher benutzt, um dieses Phänomen zu veranschaulichen: Ein Mann hält eine Rede. Er wird immer wieder gestört von einem Zuhörer, der mehr oder weniger laut unpassende Äußerungen tätigt. Der Redner verbittet sich dies zunächst höflich, später etwas weniger freundlich. Als alles nichts nützt, wirft er den Störenfried schlicht und einfach raus. Der kommt jedoch nach kurzer Zeit wieder rein und macht weiter mit seinen Störungen. Daraufhin wirft ihn der Redner erneut raus und schließt die Tür ab, was den Störenfried dazu veranlasst, an die Tür zu klopfen und an der Klinke zu rütteln. Der Redner wirft ihn auch aus dem Vorraum und schließt diesen ab. Nun erscheint der Störenfried laut schimpfend draußen vor den Fenstern. Auch das Schließen der Fenster und das Zuziehen der Gardinen kann die Störungen nicht ganz eliminieren – zumal mittlerweile sowohl der Redner als auch die Zuhörer dafür ziemlich sensibilisiert sind, d. h. schon auf leiseste Störungen reagieren.

Das, was wir nicht wahrhaben wollen als Teil unserer Erfahrung oder unserer Person, drängt in unser Bewusstsein, z.B. in Träumen oder auch in Form von Symptomen. Wir alle projizieren unsere inneren Erfahrungen, Bilder, Gefühle usw. nach außen. Wenn wir verliebt sind, erscheint uns die ganze Welt rosarot, alles ist wunderbar, die anderen Menschen kommen uns freundlich und angenehm vor. Ganz anders hingegen ein Mensch mit Depressionen, der überall Schreckliches sieht. Der kleinkarierte Mensch, der ständig Fehler sucht, findet sie auch. Dabei ist die äußere Welt, in der sie dies erleben, die gleiche!

Tiefenpsychologisch ausgerichtete Psychotherapie versucht, die verbotenen Städte aufzuspüren und die abgewehrten kindlichen Erfahrungen bewusst zu machen. Sie bietet dem Patienten die vertrauensvolle Beziehung, die es ihm ermöglicht, sich den schmerzhaften Erfahrungen jetzt zu stellen und sie zu verarbeiten. Dadurch werden nicht nur viele Energien frei, die der Mensch bislang benötigt hat, um die Abwehr aufrechtzuerhalten, sondern er reift auch in den Bereichen nach, in denen er bislang in seinen unbewussten kindlichen Gefühlen und Abwehrmechanismen stehen geblieben war.

Ich möchte kurz beschreiben, wie man als tiefenpsychologisch orientierter Psychotherapeut klassischerweise die relevanten Themen ausfindig macht.

Man lässt sich vom Patienten schildern, worunter er leidet und erfragt seine Lebensgeschichte, insbesondere bezüglich seiner Kindheit. Dabei lässt man nicht nur auf sich wirken, was der Patient einem erzählt, sondern auch wie er es schildert. Man achtet z.B. darauf, wo Gefühle wie Trauer, Schmerz, Wut offenbar fehlen oder aber überbetont ausgedrückt werden. Das heißt man hält Ausschau nach dem, was vermutlich abgewehrt wird, da dies einen Hinweis darauf gibt, wo "der Hase im Pfeffer liegt".

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Daneben gibt es – nach inzwischen 100 Jahre an Erfahrung seit Freud – Theorien über die Entstehung bestimmter Störungsbilder. Beispielsweise geht man in der Psychoanalyse und den tiefenpsychologischen Verfahren davon aus, dass bei Angsterkrankungen Defizite in der frühen Elternbeziehung insbesondere unter dem Aspekt "Haltgebung", Verlässlichkeit eine Rolle spielen. Wir entwickeln innere Abbilder (sogenannte "Introjekte") von den Menschen, die für uns wichtig sind. Ein Mensch, der als Kind eher unzuverlässige, wenig einfühlsame Eltern hatte, kann dann in seinem späteren Leben nicht in ausreichendem Maße auf Halt gebende Introjekte zurückgreifen, sondern fühlt sich in Angst auslösenden Lebenssituationen wie ein kleines Kind, das im Dunkeln allein gelassen wird.

Ein ganz zentraler Aspekt bei den meisten psychischen Störungsbildern ist nach den Erkenntnissen der letzten Jahrzehnte nicht – wie Freud annahm – die Sexualität, sondern es sind die Aggressionen, die als äußerst bedrohlich erlebt und deshalb verdrängt werden.

Ich will das Genannte an einem Beispiel aus meiner Praxis aus der Zeit vor meiner Arbeit mit der Psychosomatischen Energetik verdeutlichen: Eine junge Frau kommt zur Psychotherapie wegen einer schweren Bulimie, unter der sie seit ihrem 16. Lebensjahr leidet. Die äußerlich attraktive, schlanke, beruflich erfolgreiche Frau berichtet, sich ganz schnell sehr dick und damit absolut unattraktiv zu fühlen, sobald sie ihr Gewichtslimit auch nur minimal überschreite. Sie beschäftige sich fast permanent mit den Themen Figur, Abnehmen, Essen. Sie traue sich auch sonst im Leben wenig zu, sei ganz schnell verunsicherbar, wenig durchsetzungsfähig. In der Beziehung zum Ehemann fühle sie sich einerseits geliebt, andererseits habe sie ständig Ängste, der Partner könne andere Frauen attraktiver finden und sie betrügen oder gar verlassen.

Zur Vorgeschichte erfahre ich, dass sie ein vermutlich ungewolltes Kind war von Eltern, die wegen der Schwangerschaft geheiratet hatten. Die Mutter habe mehrfach geäußert, dass sie den Vater ansonsten wohl nicht geheiratet hätte. Die Eltern seien zwar immer noch zusammen, aber "nicht gerade glücklich" miteinander. Die Mutter leide "schon ewig" unter Depressionen, sei ein "total lieber Mensch", "viel zu gut für diese Welt". Auf meine Nachfrage: Auf unerwünschtes Verhalten der Patientin habe sie niemals mit Wut reagiert, nie geschrieen oder gar geschlagen. Sie sei ganz traurig geworden, wenn die Patientin sich "schlecht betragen" habe. Der Vater hingegen wird als "grober Klotz" beschrieben, der mit der Sensibilität seiner Frau gar nicht umgehen könne. Er kommandiere alle herum, werde oft laut, manchmal auch jähzornig. Die Patientin sei ein angepasstes und liebes Kind gewesen, auch in der Pubertät nicht rebellisch geworden. Ihr Mann sei ihr erster fester Partner gewesen. Sie habe sich sehr schwer damit getan, die Mutter "allein zu lassen", als sie anlässlich ihrer Heirat (mit 21 Jahren) ausgezogen sei. Sie telefoniere jeden Tag mit ihr, mache sich viele Gedanken um die Mutter. Für einen therapeutisch Geschulten liegen einige Thesen förmlich auf der Hand:

  • Da die Patientin ungewollt und die Schwangerschaft mit ihr der Grund für die unglückliche Ehe war, war die Beziehung der Mutter zur Patientin in deren Kindheit bzw. schon vor deren Geburt vermutlich hochambivalent.
  • Somit hat sie vermutlich Defizite in den Grundanforderungen eines kleinen Kindes an die Mutter-Kind-Beziehung erlitten, insbesondere bzgl. einer Halt und Wert gebenden Beziehung.
  • Die Mutter benutzt bzw. missbraucht die Patientin vermutlich als jemanden, der sie bestärkt, beschützt und ihr Halt gibt.
  • Aus diesen Gründen ist mit Sicherheit anzunehmen, dass die Patientin eine immense Wut auf die Mutter hat. Diese Wut – von der sie befürchtet, dass sie alles zerstören würde – ist vollkommen abgespalten und abgewehrt, u.a. durch Reaktionsbildung und Wendung gegen das Selbst.
  • Um ihre Wut nicht spüren zu müssen, verschiebt die Patientin sie auf ihren Körper. Sie betrachtet ihn als nicht in Ordnung, versucht ihn zu kontrollieren.
  • Die Bulimie ermöglicht ihr gleichzeitig, ihren immensen "Hunger nach guten Gefühlen" zu stillen und ihre Wut "rauszukotzen".

Bei äußerst vorsichtiger Exploration bestätigt sich meine Vermutung, dass die junge Frau überhaupt keinen Zugang hat zu ihren Aggressionen. Einem erfahrenen Therapeuten ist klar, dass es sich hier um eine schwerwiegende Problematik handelt, deren Therapie viel Zeit benötigen wird. Insbesondere bedarf es eines guten Fingerspitzengefühls, um die richtige Dosis zu finden, die Patientin mit ihren Aggressionen zu konfrontieren.

Grundsätzlich besteht bei einer Psychotherapie das Dilemma, dass ich dem Patienten zwar aufzeigen muss, wo bei ihm "der Hase im Pfeffer liegt", aber dass ich damit in eine "verbotene Stadt" eindringe, d. h. Widerstand erzeuge. Durch eine begleitende PSE kommen die relevanten Themen ans Tageslicht, ohne dass ich als Therapeutin diejenige bin, die den Patienten direkt damit konfrontiert und dadurch dessen Abwehr oder eine negative Übertragung provoziert wie z.B.: "Sie meinen, meine Mama ist eine schlechte Mutter?!" (So war es bei dieser Patientin.) Wenn ich beispielsweise bei dieser Frau parallel eine PSE-Behandlung beginne und als ersten Konflikt Emvita 17 (Schock, frozen feelings) finde mit einem Kausalwert von 70, kann ich einfach die These in den Raum stellen: "Es könnte ja sein, dass Ihre Ankunft auf dieser Welt nicht so war, wie man sie sich wünschen würde, nämlich: sehnlich erwartet, überglücklich, dass man da ist." Das konfrontiert nicht direkt, aber lenkt in die Richtung, in die ich die Patientin bringen möchte: dass sie beginnt zu hinterfragen. Bei dieser Patientin hatte ich diese Chance leider noch nicht.

Als hilfreich habe ich die PSE auch erlebt, um weitgehend verborgene Aspekte zu entdecken wie in folgendem Fall:

Die Patientin, Mitte 30, kam aufgrund von Depressionen, Ängsten, etlichen psychosomatischen Symptomen und einer fast hypochondrischen Ängstlichkeit in Bezug auf den eigenen Körper zu mir in psychotherapeutische Behandlung. Ein sehr wichtiges Thema in der Therapie war die im Prinzip unglückliche Ehe mit einem zwar netten Mann, mit dem aber kein Austausch über Gefühle und andere wichtige persönliche Themen möglich war. Insbesondere konnte sie mit ihm trotz aller Bemühungen keine Konflikte klären; er reagierte auf entsprechende Äußerungen der Patientin immer mit Fragen wie: "Bin ich denn kein guter Mann für dich?"

Sie litt sehr darunter, dass er neben der Ehe im Prinzip sein Junggesellenleben weiterlebte, sie viel allein ließ, wenn auch andere Frauen wohl keine Rolle spielten. Durch psychotherapeutische Vorbehandlungen konnte sie ihre Aggressionen bereits relativ gut zulassen und konstruktiv ausdrücken.

Die Patientin war vor Therapiebeginn mit einem anderen Mann eine außereheliche Beziehung eingegangen, die ihr wesentlich mehr von dem bot, was sie in der Ehe vermisste: intensive Gespräche, Interesse an ganz persönlichen Themen, eine befriedigende Sexualität.

Als der Ehemann einen Unfall erlitt, trennte sie sich vom Freund und "beichtete" dem Ehemann ihr Verhältnis. Dieser war schockiert, drückte erstmalig aus, wie wichtig sie ihm sei, flehte sie an, bei ihm zu bleiben. Er gelobte Besserung in Bezug auf sein "Junggesellen-Verhalten". In der Folge änderte sich allerdings gar nichts. Die außereheliche Beziehung der Patientin wurde nicht mehr erwähnt, alle Versuche ihrerseits, mit dem Ehemann aufzuarbeiten, warum sie sich dem anderen Mann zugewandt hatte, schlugen fehl.

Die Patientin nahm irgendwann entgegen ihrem Versprechen wieder Kontakt mit dem Freund auf und lebte also weiterhin in einer Dreiecksbeziehung.

In der PSE behandelte sie folgende Konflikte, allesamt sehr groß: Emvita 28 (Festhalten an alten Überzeugungen), 17 (Schock), 11 (hungrig) und 15 (gebrochenes Herz, verängstigt).

Sie gewann zunehmend an Klarheit, Selbstwertgefühl, erwachsenen Kompetenzen wie der, sich selbst beruhigen zu können. Ihre Depressionen und Ängste nahmen kontinuierlich ab, an der äußerlichen Situation änderte sich jedoch nichts. Die Patientin klagte weiterhin darüber, wie unbefriedigend ihre Ehe sei, konnte und konnte sich jedoch nicht zur Trennung entschließen – weder vom einen, noch vom anderen.

Es war für mich äußerst interessant, als sich als Zentralkonflikt Emvita 26 zeigte. Mit der Interpretation: "das Leben als Kampf – nichts gelingt auf Anhieb" konnte sie sehr viel anfangen – das war ihr als Grundgefühl im Leben sehr vertraut.

Für mich wurde über diesen Zentralkonflikt die schizoide Seite der Patientin offensichtlich, die man bei dieser klinisch depressiven, (scheinbar) Nähe fordernden Frau leicht übersehen konnte. So wurde verständlich, dass die Dreiecksbeziehung für sie – zumindest vorerst – ideal war: Dadurch bekam sie Nähe, ohne sich wirklich binden zu müssen.

Um meinen Eindruck, dass eine begleitende PSE-Behandlung für eine Psychotherapie von Vorteil ist, mehr zu objektivieren, habe ich eine befreundete Psychologin und Psychotherapeutin (Frau M.) – die selber seit längerem bei mir in PSE-Behandlung ist – gebeten, mir aus ihrer Sicht über die "gemeinsamen" Patienten zu berichten, die von ihr psychotherapeutisch und von mir mit PSE behandelt werden. Von der nicht geringen Zahl – profitiert haben offensichtlich alle! – habe ich mich auf diejenigen konzentriert, die der Psychologin entweder bereits aus einer früheren Psychotherapie oder schon längere Zeit vor Beginn der PSEBehandlung bekannt waren. Meine Fragestellung lautete, worin die Psychotherapeutin die Unterschiede in der Psychotherapie mit PSE sieht im Vergleich zu der ohne PSE. Aus Zeitgründen stelle ich Ihnen nur einige exemplarische Fälle vor.

  1. Frau A., Anfang 60, war im Zuge einer Trennungssituation zur Psychotherapie gekommen wegen massiver depressiver Symptomatik sowie panikartiger Angst vor dem Alleinsein. Die Patientin – selbst Psychotherapeutin – erschien auffallend unfähig, Wut oder auch nur Empörung zu fühlen, geschweige denn auszudrücken. Durch die tiefenpsychologisch fundierte Langzeittherapie, in der schwerpunktmäßig mit dem "inneren Kind" gearbeitet wurde, verschwand die depressive Symptomatik weitgehend. Allerdings kam es im Rahmen von beruflicher Überforderung, mit der die Patientin schon immer ihre Angst vor Einsamkeit abzuwehren versuchte, zu Bluthochdruckkrisen. Daneben reaktivierte eine neue Partnerschaft mit einem offenbar schwer gestörten Partner nicht nur ihre Angstsymptomatik, sondern auch ihre Unfähigkeit, in engen Beziehungen konstruktiv aggressiv zu sein. Zum Zeitpunkt der hypertensiven Krisen begann Frau A. mit der PSE-Behandlung und arbeitete folgende große Konflikte ab: Emvita 17 (Schock, frozen feelings), 25 (Misstrauen), 6 (Angst, die in den Körper gefallen ist) und schließlich 9 (unterdrückte Wut) als Zentralkonflikt.

    Unter der Behandlung nahm die Bluthochdrucksymptomatik parallel zur Reduktion der Angst ab. Durch die Behandlung des Zentralkonflikts bekam die Patientin (laut eigener Aussage als sehr therapieerfahrene Therapeutin) erstmalig Zugang zu ihrer Wut. Dies empfand sie als äußerst hilfreich nicht nur, um sich letztendlich aus der unbefriedigenden Partnerschaft lösen zu können, sondern auch für ihre allgemeine Abgrenzungsfähigkeit.

  2. Frau B., Anfang 50, eine vorzeitig pensionierte Lehrerin mit anhaltender Erschöpfungsdepression und subjektiver Schwindelsymptomatik ohne organisches Korrelat, erwies sich in der Psychotherapie als Mensch mit selbstunsicherer Persönlichkeit mit erheblichen Abgrenzungsschwierigkeiten, massiven autoaggressiven Tendenzen und Verlassenheitsängsten. In der PSE wurden folgende große Konflikte abgearbeitet, die die immense Erschöpfung der Patientin gut erklärten: Emvita 6 (Angst, die in den Körper gefallen ist), 21 (körperlich überanstrengt), 5 (ständig unter Strom stehen) sowie 26 (das Leben als Kampf). Auch ihr Zentralkonflikt war Emvita 9 (unterdrückte Wut). Frau B. berichtete von kontinuierlicher Verbesserung bzgl. Offenheit, Abgrenzungsfähigkeit, Klarheit in der Kommunikation insbesondere mit dem Ehepartner (der auch sehr erfolgreich bei mir in PSE-Behandlung ist) – die Veränderungen sind sowohl mir als auch Frau M. sehr eindrücklich wahrnehmbar.

    Psychotherapie ist auch deshalb sehr hilfreich, weil der Mensch nicht nur unter den Traumatisierungen und Defiziten seiner Kindheit leidet, sondern oft noch mehr an den Folgen seiner Abwehr. Wie gesagt, wird heute die Unfähigkeit, Aggressionen auf angemessene Weise zu integrieren, als ein zentraler Aspekt bei der Entstehung psychischer Störungen angesehen. Die betreffenden Menschen verinnerlichen meistens sehr früh, dass sie ihre Aggressionen um jeden Preis abwehren müssen, um nicht die ohnehin zu geringe Zuwendung der Eltern zu verlieren. Sehr häufig sehen wir in der Psychotherapie, dass der Patient sich als Opfer anderer Menschen erlebt, wobei er offensichtlich eigene Aggressionen projiziert. Wenn es in der Therapie mit Hilfe einer tragfähigen Beziehung gelingt, dass der Patient sich den eigenen ängstigenden Anteilen stellen kann, ist dies außerordentlich hilfreich. Ich möchte exemplarisch einen Fall schildern, von dem die Psychologin den Eindruck hatte, dass insbesondere dieser Aspekt durch die PSE sehr viel leichter zu bearbeiten war.

  3. Frau C., Ende 30, hatte nach einer lebensbedrohlichen Komplikation ihrer Kaiserschnittentbindung mit der Psychotherapie begonnen. Frau M. diagnostizierte eine erhebliche Selbstwert- und Beziehungsproblematik mit immer wieder auftretenden Gefühlen des Bedroht- und Abgelehntwerdens sowie Unverstandenseins. Ihr und auch mir zu Beginn der PSE-Behandlung fiel eine starke latent aggressiv-anklagende Haltung der Patientin auf, die offensichtlich die eigenen massiven Aggressionen – die ihr weitestgehend unbewusst waren – projizierte. Mir war sofort klar, dass sie mit ihrer vorwurfsvollen Haltung z.B. bei Ärzten genau die Ablehnung provozierte, die sie zu vermeiden versuchte. In der PSE wurden folgende große Konflikte behandelt: Emvita 6 (Angst, die in den Körper gefallen ist), 7 (stärker erscheinen, als man ist), 23 (angespannt) und derzeit Emvita 1 (nicht gut genug). Durch die Behandlung wurde bereits eine deutliche Reduktion der latent aggressiven, dabei ängstlichen Grundhaltung erreicht; Frau D. hat außerdem selbst erkannt, dass sie sich oft wie ein "Angstbeißer" verhalten hat.

  4. Sehr interessant ist die Entwicklung von Frau D., Ende 50, die unter einem schweren Weichteilrheumatismus litt. Auffällig war für die Psychologin, dass ihre Lebensgeschichte voller Erfahrungen von Ungeborgensein war, auf die sie seit der Kindheit mit einem ausgeprägten Einzelkämpfertum reagierte. Sie managte nicht nur den Haushalt und die Betreuung ihrer drei Kinder, sondern organisierte auch die Zahnarztpraxis ihres Ehemannes – und all dies sicherlich perfekt. In der Ehe wiederholte sich ein großer Teil ihrer kindlichen Erfahrung, nicht wahrgenommen zu werden. Frau M. berichtete, dass es der Patientin zunächst nur schwer möglich war, Zugang zu finden zu ihren weitgehend verdrängten Verletzungen und erst recht zu den dadurch ausgelösten Aggressionen. Nach Aufnahme der PSE-Behandlung wurde dieser Zugang nach Einschätzung der Psychologin erheblich erleichtert. Frau D. behandelte folgende große Konflikte: Emvita 17 (Schock), 4 (extrem selbstbeherrscht) und als Zentralkonflikt Emvita 6 (Angst, die in den Körper gefallen ist) und fühlte sich deutlich besser. Als ich sie vor wenigen Tagen erneut sah, berichtete sie von einer aktuellen Krise mit einer Zunahme der rheumatischen Beschwerden. Auslöser war nicht nur das Sterben der Mutter, sondern noch viel mehr die Erfahrung, dass der Stiefvater ihr eröffnete, sie dürfe sein Haus nicht mehr betreten – somit konnte sie sich nicht von der Mutter verabschieden. Der Stiefvater sagte ihr schonungslos, er habe sie und ihren Bruder nie haben wollen, immer als Schmarotzer empfunden. Die Patientin, die zusammen mit der Mutter und dem 7 Jahre älteren Bruder zu ihm gekommen war, als sie 2 Jahre alt war, hatte ihre Kindheit immer als schön und intakt erinnert und fiel nun aus allen Wolken. Als aktiven Konflikt fand ich Emvita 27 (die Realität nicht sehen wollen) mit einem Kausalwert von 60 – zum Glück sage ich meinen Patienten immer, dass ich "blind" teste, so dass sie wissen, dass nicht ich dieses Thema ausgesucht habe, sondern sie.

  5. Die letzte Patientin, die ich noch als besonders interessanten Fall vorstellen möchte, ist Frau E., Anfang 40, die aufgrund von Depressionen bereits seit längerer Zeit bei Frau M. in psychotherapeutischer Behandlung war. In der Vorgeschichte der Patientin fand sich ein jahrelanger Alkohol- und Drogenmissbrauch (Captagon und Valium), auch ansonsten zeigte die Patientin erhebliche autoaggressive Tendenzen. Während ihrer Schwangerschaft in 2002 wurde eine chronische Hepatitis C diagnostiziert, trotzdem trank die Patientin nach der Schwangerschaft wieder zu viel Alkohol. Während die Psychotherapie langsam auslief, begann Frau E. mit der PSE-Behandlung. Bei ihr fanden sich als große Konflikte sowohl Emvita 11 (hungrig nach guten Gefühlen) als auch 10 (mehr haben wollen), 14 (in sich selbst gefangen) und als Zentralkonflikt Emvita 23 (angespannt, unfähig zu entspannen) – allesamt prädisponierend für Süchte aller Art. Unter der Behandlung tauchten interessanterweise viele wichtige Erinnerungen aus ihrer Kindheit auf, die vollkommen verschüttet gewesen waren. Es ging der Patientin kontinuierlich besser – auch wenn die Behandlung sie phasenweise arg "beutelte" –; sie entwickelte insbesondere einen wesentlich liebevolleren Umgang mit sich selbst. Auch die Beziehungen mit den ihr nahestehenden Personen gestalteten sich deutlich stabiler und verlässlicher. Aktuell fand sich kein Konflikt mehr bei der "normalen" Testung. Da es ein Anliegen der Patientin ist, wegen ihrer chronischen Hepatitis möglichst keinen "Energieräuber" mehr zu haben, testete ich sie mit den Chavita+-Ampullen und fand Chavita 7+, als Konflikt Emvita 27 (die Realität nicht sehen wollen). Auf dem Hintergrund ihrer Suchtanamnese finde ich äußerst interessant, dass sie auch noch einen riesigen passiv-karmischen Konflikt hat, der eine Suchtentwicklung fördern kann. Außerdem war dies der erste Konflikt, den ich bei ihrem 6-jährigen, hoch schwingenden Sohn gefunden und behandelt hatte!

Zusammenfassend möchte ich feststellen, dass sowohl die Psychologin Frau M. als auch ich die Kombination einer Psychotherapie mit PSE als wesentlich effektiver und befriedigender beurteilen als Psychotherapie allein. Psychotherapie ist eine anstrengende und oft schmerzhafte Angelegenheit; schon Freud hat erkannt, dass ein "Leidensdruck" nötig ist, damit der Mensch sich seinen abgewehrten Erfahrungen und den damit verbundenen Gefühlen stellt. Offenbar ist es nicht so, dass die PSE den notwendigen Leidensdruck nimmt, aber dass die psychotherapeutische Behandlung leichter wird. Möglicherweise werden die verbotenen Städte unbewusst weniger bedrohlich erlebt in dem Maße, in dem die Konflikte "abgeschmolzen" werden. Die Patienten verändern sich in der Regel schneller und eindrucksvoller als die Patienten "ohne PSE" bis hin zu einem deutlich veränderten, leichteren, weicheren Körperausdruck.

Ich persönlich habe den Eindruck, dass die PSE bei den Patienten am effektivsten und befriedigendsten ist, die entweder in Psychotherapie sind bzw. waren oder die sich auf einem spirituellen Weg befinden und sich von daher intensiv mit sich selbst auseinandersetzen. Solche Menschen sind offener für den Prozess, der oft längere Zeit in Anspruch nimmt, und nehmen die Veränderungen meistens intensiver wahr als Patienten, die nur darauf achten, ob lästige Symptome verschwinden oder nicht.

Grundsätzlich finde ich es wichtig, den Patienten zu vermitteln, dass sie für die Veränderungen ein Bewusstsein entwickeln sollten. Ich erkläre ihnen, dass die Summe der Lösungssätze eine ausführliche Beschreibung eines psychisch gesunden Menschen darstellt. Jeder Konflikt setzt uns eine Brille auf die Nase, durch die wir die Welt verzerrt wahrnehmen. Wenn diese Brille verschwindet, sollte man offen sein für das, was man dann verändert sieht – und nicht nur seine Aufmerksamkeit dem nächsten Problem widmen.


Karin von Wolff geb. 1957, Medizinstudium in Aachen. Nach einigen Jahren in der Organ- und Schulmedizin (Anästhesie, Innere Medizin, Allgemeinmedizin) Psychotherapieausbildung. Von 1991 bis 2000 Kassenpraxis für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, ein wesentlicher Schwerpunkt: Hypnotherapie nach Milton Erickson. Ende der 90er Jahre Weiterbildung in Naturheilverfahren. 2000 Aufgabe der Kassenpraxis, seitdem Privatpraxis für Naturheilverfahren und Psychotherapeutische Medizin. Seit 2003 im Praxisgemeinschaft mit meinem Mann (Allgemeinmediziner), Energetische Therapieverfahren wie EFT/Energetische Psychotherapie nach Gallo ("Meridianklopfen"). Diverse Ausbildungen in manueller Therapie (SMT nach Dr. Graulich, Dorn-Hock, Dr. Furter), aber mein Interesse geht immer mehr in Richtung energetisch-spirituelle Heilung. Seit 2004 intensive Arbeit mit der Psychosomatischen Energetik, die für mich den Brückenschlag zwischen meinen verschiedenen Behandlungsmethoden bedeutet. Karin von Wolff, Ärztin für Naturheilverfahren und Psychotherapeutische Medizin- Große Straße 56, D-27356 Rotenburg

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