Psychosomatische Patienten in der Beratungspraxis

Psyche = Geist Soma = Körper

Dieses Thema ist im Rahmen des VFP-Arbeitskreises in Bielefeld behandelt worden. Um auch anderen das Ergebnis zugänglich zu machen, hier eine Zusammenfassung des Abends.

Per Gesetz sind therapeutische Interventionen gegenüber kranken Menschen beratend Tätigen verboten. Was aber tun, wenn sich während einer Sitzung der Berater mit einer psychosomatischen Erkrankung seines Klienten oder eines Mitgliedes der Familie des Klienten konfrontiert sieht. Der Verweis an einen heilkundigen Kollegen ist auf Dauer für beide Seiten eher frustrierend bzw. liegt das beraterische Handeln zeitweise in einer juristischen Grauzone.


ZUNÄCHST ZUR BEGRIFFSDEFINITION

Psychosomatik:
Med.-psych. Krankheitslehre, die psychischen Prozessen bei der Entstehung körperlicher Leiden wesentliche Bedeutung beimisst (griech.: Psyche = Geist, Soma = Körper)

EINIGE ERKLÄRUNGSMODELLE (AUSWAHL)

Sigmund Freuds Konversionsmodell
Das Symptom entspricht unbewusst einer Fantasie, einem Trieb, einer Befürchtung, d. h., ein psychischer Konflikt wird sekundär ins Körperliche konvertiert (umgewandelt).

Das lerntheoretische Konzept
Symptome werden als Verhaltensstörungen verstanden – Entstehung durch unerwünschte oder fehlende Lernprozesse.

Das Stressmodell
Stress als komplexer Versuch des Organismus, nach einer (stressauslösenden) Belastung, das biologische Gleichgewicht wiederherzustellen

Das Modell der psychosomatischen Energetik nach Dres. Banis
Konflikte beeinflussen unbewusst die Psyche und somit das Verhalten. Sie laugen unser Energiesystem aus und blockieren es. Zudem schwächen sie den Körper und machen auf Dauer krank. Konflikte sind messbar und homöopathisch behandelbar.

Die philosophische Betrachtung (Cluster- Analyse, Louise L. Hay, Dahlke u. a.)
Konflikte machen sich dem Symptomträger in Form spezifischer Organsignale bemerkbar. So deuten beispielsweise Knochenerkrankungen auf eine fehlende Substanz, Struktur oder Festigkeit im Leben hin.

DIE HEILIGEN SIEBEN (HOLY SEVEN)

Die nachfolgend in der Praxis sehr häufig auftretenden Krankheiten haben in der psychosomatischen Medizin ihren Niederschlag als "Holy Seven" gefunden. Diese sind:
1. Das Magengeschwür
2. Die Colitis ulcerosa
3. Der Bluthochdruck
4. Das Rheuma
5. Die Schilddrüsenüberfunktion
6. Neurodermitis
7. Das Asthma

FOLGENDE MERKMALE WEISEN CHRONISCH KRANKE MENSCHEN GEHÄUFT AUF UND SIND SOMIT IN DER BERATUNG BEOBACHTBAR

Die Klienten haben von sich ein unklares oder gar negatives Selbstbild
Die Klienten haben große Schwierigkeiten, sich klar abzugrenzen
Die Klienten weisen eine gewisse "Blindheit" für ihre eigenen Gefühle auf
Konflikte werden in aller Regel verdrängt bzw. negiert.

FOLGENDE BERATUNGSANSÄTZE WURDEN IM RAHMEN DES ARBEITSKREISES AN DIESEM ABEND ERARBEITET UND DISKUTIERT

Empathie
Eine mitfühlende Grundeinstellung ist absolute Pflicht gegenüber dem Klienten.

Krankheit entpsychologisieren
Von Haus- und Fachärzten werden Patienten unfreiwillig in die "Psycho-Ecke" geschoben, ohne dass man sie dort wieder abholt. Klienten sind also u. U. nicht gut auf psychologische Hintergründe ihrer Erkrankung zu sprechen, da sie meist an eine rein körperliche Ursache glauben.

Bearbeitung von Glaubenssätzen
Sehr hilfreich kann die Arbeit an inneren Bildern, Glaubenssätzen bzw. Wertesystemen sein, da sie unterschwellig eine Konfliktsituation auslösen bzw. unterhalten können. Verfahren aus der Kinesiologie, dem NLP, der RET nach Ellis oder auch der Hypnose, um nur einige aufzuzählen, können dabei hilfreich angewendet werden.

(Lebens-)Zeit- und Stressmanagement
Der Umgang mit Stress und Lebenszeit unter Berücksichtigung z. B. der drei Lebensfelder nach Alfred Adler (Liebe, Beruf und Gemeinschaft) oder auch anderer Verfahren kann zu tiefgreifenden Einsichten führen.

Hinführen zu anderen möglichen Krankheitsursachen
Hier können durchaus philosophische Alternativen, beispielsweise aus der Cluster- Analyse oder nach Dahlke angewendet werden. Nicht selten bekommt der Berater/ Therapeut auf die Frage "Was glauben Sie, warum Sie krank geworden sind"? wichtige Hinweise auf Krankheitsursachen. Oft sind Klienten verdutzt, wenn sie eine solche Frage gestellt bekommen, die ihnen der Hausarzt noch nie gestellt hat.

Hinterfragen der mentalen Programme
Um beispielsweise die Bedürfnisse des Klienten zu erarbeiten, ist das Aufdecken der mentalen Programme hilfreich. So können auch sekundäre Krankheitsgewinne deutlich werden.

Emotionale Unterstützung
Klienten erwünschen sich mit ihrer Erkrankung oft emotionale Begleitung, um z. B. mit ihren Gefühlen wie Wut, Schuld, Scham, Trauer etc. besser umzugehen.

Positive Bewältigungsstrategien fördern
Arbeit an inneren Bildern, Phantasiereisen, Maßnahmen zur Lebensbejahung, Licht und Farbberatung, Depressionsprophylaxe usw. helfen bei der Bewältigung des Alltages.

Aktives Gesundheitstraining
Hier sind alle Maßnahmen zur Stressprophylaxe und –bewältigung gemeint. Autogenes Training, die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Meditationstechniken und selbst Coaching sind per se ein optimales Gesundheitstraining.

Vermittlung von sozialer Unterstützung
Selbstverständlich ist hier ein intakter Familienverbund genau so wichtig wie die Kontakte zu Freunden, Verwandten, Vereinen, Arbeitskreisen und Selbsthilfegruppen. Der Berater sollte hier durchaus Kontakte herstellen können, zumindest aber Adressen und Telefonnummern nennen können.

Arbeit an Zielen und Visionen
Hilfreich sind hier "Ausflüge" in die Zukunft des Klienten, zahlreiche Coaching-Übungen können durchgeführt werden. Wo will der Klient in 5 Jahren leben (und mit wem?). Was will er beruflich tun, welches Ehrenamt will er/sie übernehmen etc.?

Hilfe bei der Sinnsuche und einer möglichen spirituellen Einbettung

Hilfe bei der Problemanalyse und Unterstützung bei der Wahl der richtigen Arzt- bzw. Krankenhausbehandlung (Spezialistensuche etc.)

Gerade für alleinstehende Klienten ohne Sozialpartner ist guter Rat oft teuer, denn an wen wendet sich der Klient mit seiner Erkrankung X, welcher Arzt ist bei der Behandlung von Krankheit Y erfahren genug. Welche möglichst schonenden diagnostischen Verfahren sind sinnvoll und werden auch von der Krankenkasse finanziert?

Diese Ergebnisse stellen nur eine Auswahl an Möglichkeiten dar. Sie machen aber deutlich, dass die Arbeit mit "psychosomatischen Klienten" durchaus keine Grauzone bleiben muss, sofern man deutlich außerhalb der Heilkunde bleibt.

Lebensberatung, Konfliktmanagement sowie soziales Kompetenztraining und Persönlichkeitsentwicklung sind trotzdem lohnenswerte Arbeitsfelder für psychologische Berater/ innen im Umgang mit kranken Menschen.

Dieser Artikel spiegelt selbstverständlich nur eine Zusammenfassung unserer Gruppenergebnisse wieder, soll aber als Motivation für diejenigen unter Ihnen dienen, die sich ebenfalls im Rahmen eines VFP-Arbeitskreises engagieren wollen.

Machen Sie mit, es lohnt sich!



Ralf Wiecker
Seit 2000 Heilpraktiker und Studienleiter der Paracelsus Schule Bielefeld. Umfangreiche Aus- und Weiterbildungen in den Bereich Psychosomatische Medizin, Psychotherapie, Psychologisches Managementtraining, Coaching und Supervision. Eigene Naturheilpraxis mit den Schwerpunktthemen Psychosomatik, Psychosomatische Energetik, Kurzzeitpsychotherapie, Coaching und Supervision für heilende und helfende Berufe.
Paracelsus Schule Bielefeld Ralf Wiecker
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Telefon 0521/136 80 63
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