Heilkundliche Psychotherapie - Kein Thema für die Privatversicherer?

Krankenkassen sehr zurückhaltend!

Wie in Heft 1 des VFP-Forums angekündigt, schrieben wir Mitte März rund 30 Versicherungsgesellschaften an, die private Krankenvoll oder -ergänzungstarife anbieten. Im Einzelnen wollten wir Folgendes wissen:

Betreff: Krankenversicherungstarife und Erstattungsleistungen für heilkundliche Psychotherapie

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir sind der Berufsverband der Freien Psychotherapeuten mit gegenwärtig 2.000 Mitgliedern in Deutschland. Viele unserer Mitglieder sind in eigenen Praxen tätig als Heilpraktikerinnen/Heilpraktiker für Psychotherapie. Das heißt, sie haben ihre Berufszulassung nicht nach dem Psychotherapeutengesetz, sondern nach dem Heilpraktikergesetz. Dementsprechend nehmen diese Kolleginnen und Kollegen nicht an der psychotherapeutischen Versorgung im System der gesetzlichen Krankenkassen teil; vielmehr sind ihre Patienten Privatzahler. Ein Teil dieser Patienten hat Beihilfeansprüche sowie Ergänzungsversicherungen bei privaten Gesellschaften. Ein anderer Teil ist in der GKV versichert, hat aber eine Zusatzversicherung bei privaten Gesellschaften.

Nachdem ab dem Jahre 2002 die staatlichen Beihilfestellen psychotherapeutische Leistungen nur noch dann erstatten, wenn diese durch ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten erbracht worden sind (obwohl generell noch ein Erstattungsanspruch für allgemeine Heilpraktiker-Leistungen besteht), haben die privaten Krankenversicherungs-Gesellschaften eine für uns nicht mehr klar überschaubare Erstattungspraxis entwickelt. Um unseren betroffenen Patienten die besten Auskünfte und Empfehlungen geben zu können, bitten wir Sie, uns doch möglichst bis Ende des Monats folgende Fragen zu beantworten:

1. Welche Ihrer Tarife für Krankenvoll-, Teiloder Ergänzungsversicherungen beinhalten die Erstattung psychotherapeutischer Behandlungen durch Heilpraktiker für Psychotherapie?

2. Gibt es bei diesen Tarifen irgendwelche Beschränkungen im Sinne von z.B. verlängerten Wartezeiten, Höchsterstattungssummen pro Jahr oder sonstige Begrenzungen im Bereich heilkundlicher Psychotherapie (z.B. Ausschluss bestimmter Methoden o. ä.)?

3. Auf welcher Grundlage nehmen Sie im Einzelfall die Erstattung von Honorarrechnungen der Heilpraktiker vor? Ist hier die Grundlage das frei mit den Patienten vereinbarte Honorar je psychotherapeutischer Sitzung oder ein Honorar in Analogie zur Gebührenordnung für Ärzte oder auf der Grundlage des sog. "Gebührenverzeichnisses für Heilpraktiker"? Dieses Gebührenverzeichnis, das 1985 zusammengestellt wurde und dessen Gebührensätze längst überholt sind, hat ja – wie Sie wissen – rechtlich keine bindende Wirkung.

4. Muss im Rahmen Ihrer Tarife die Durchführung einer Psychotherapie vorab beantragt und/oder auch vorab genehmigt werden? Und beschränken Sie sich in Ihren Leistungen auf die sog. wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren oder beziehen Sie auch die vielfach effektiveren neueren und ganzheitlichen Methoden ein, wie z.B. lösungsorientierte Kurzzeittherapie, Paar- und Familientherapie, psychologische Homöopathie, psychosomatische Kinesiologie u. a.m.?

Für eine detaillierte und verbindliche Auskunft sind wir Ihnen dankbar.
Mit freundlichen Grüßen


Bislang hielten es überhaupt nur acht Gesellschaften für nötig, unsere Anfrage zu beantworten – und zwar die

  • Allianz Private Krankenversicherungs-AG
  • Continentale Krankenversicherung a. G.
  • Debeka Krankenversicherungsverein a. G.
  • DEVK-Krankenversicherungs-AG
  • DKV Deutsche Krankenversicherung AG
  • Inter Krankenversicherung a. G.
  • Signal Iduna Krankenversicherung a. G.
  • Victoria Krankenversicherung AG

Gemeinsam ist bei allen bisher eingegangenen Antworten:

1. Zentrale Leistungsvoraussetzung ist die medizinische Notwendigkeit einer psychotherapeutischen Behandlung. Anders gesagt: "Nicht erstattungsfähig sind Behandlungen von Störungen ohne Krankheitswert oder eine Maßnahme zur beruflichen Förderung oder sozialen Anpassung sowie Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung." (Signal Iduna)

2. Daraus ergibt sich die Frage: Wie muss die medizinische Notwendigkeit nachgewiesen werden? Hier unterscheiden sich die Bedingungen der Gesellschaften:
Die "Continentale" und die "Signal Iduna" verlangen z.B. eine fachärztliche Anordnung und Überwachung der Therapie durch "nichtärztliche Psychotherapeuten". Selbst dann lehnt aber die "DKV" eine Versicherungsleistung ab: "Nicht erstattungsfähig sind Aufwendungen für Psychotherapie durch andere Behandler, insbesondere also Psychotherapeuten mit einer Berufszulassung nach dem Heilpraktikergesetz."

3. Die weiteste Regelung hat die "Debeka":
In der Krankheitskostenvoll-Versicherung werden jährlich bis zu 20 durch einen Heilpraktiker durchgeführte psychotherapeutische Behandlungen je versicherter Person erstattet; in der Ergänzungsversicherung (zur GKV) Heilpraktikerleistungen einschl. Psychotherapie bis höchstens 1.600,– Euro im Kalenderjahr. "Da die Leistungen vertraglich festgelegt sind, brauchen sie vorab nicht beantragt werden." Auch die "Inter" zeigt sich ähnlich offen, nennt aber ihre Tarife und Beschränkungen nicht im Einzelnen.

4. Die anderen genannten Gesellschaften haben demgegenüber doch verschiedene Einschränkungen ihrer Leistungen vorgesehen:

  • z.B. Wartezeiten von acht Monaten (nach Abschluss der Versicherung)
  • oder Begrenzung der Anzahl der Sitzungen/der Höchstsummen pro Jahr
  • meist Beschränkung auf sog. "wissenschaftliche" Verfahren, ggf. überprüft durch den "(Schul-)Medizinischen Dienst" der Krankenversicherungen, keine "Paar-und Familientherapie", keine "Kinesiologie" etc. "weil sie mit Krankheitsbehandlung nichts bzw. wenig zu tun hat" (meint die "Allianz"). Oder die "Signal Iduna": „Therapien, deren Wirksamkeit bisher nicht nachvollziehbar begründet werden konnten, sind nicht medizinisch notwendig im Sinne der Versicherungsbedingungen."

5. Alle Gesellschaften orientieren sich in der Höhe ihrer Honorarerstattungen nach wie vor an den viel zu niedrigen Sätzen des sog. "Gebührenverzeichnisses für Heilpraktiker" (GebüH) von 1985.

Gerade auch deshalb ist es zwingend erforderlich, unsere Patienten von Anfang an darüber zu informieren, dass die Privatkassen und Beihilfestellen in der Regel nicht alle Behandlungskosten übernehmen und dass es deshalb in ihrem eigenen Interesse ist, wenn sie sich nach den konkreten Konditionen bei ihrer Versicherungsgesellschaft vorab erkundigen. (Wirtschaftliche Aufklärungspflicht des Therapeuten!!)

 

Dr. paed. Werner Weishaupt
Heilpraktiker für Psychotherapie