| Bannbotschaften kennen und verstehen |
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So gehen Sie als Therapeut richtig damit um Bannbotschaften sind Botschaften die Menschen anderen durch ihr Verhalten und ihre Aussagen vermitteln und die gleichsam einem Bann auf ihnen liegen. Haben Kinder z.B. von ihren Eltern irgendwann einmal Sätze gehört wie: „Hätte ich dich bloß niemals gekriegt. Du warst ein Unfall. Wegen dir musste ich auf Beruf und Karriere verzichten. Weil du gekommen bist, musste Vater so hart arbeiten und wir konnten nicht in Urlaub gehen etc.“, sind diese Botschaften häufig die Grundlage von Beschlüssen, wie „Ich bin nicht liebenswert! Ich bin nichts wert! Ich bin nutzlos! Am besten wäre es, ich wäre tot. Ich wünschte, ich wäre nie auf die Welt gekommen.“ Im Umgang mit Patienten gibt es bestimmte Bannbotschaften, die immer wieder auftauchen und deren Kenntnis dem Therapeuten sehr hilfreich sein kann. Erkennen heißt in diesem Fall auch verstehen und zugleich Verständnis entgegen bringen. Im Therapiebereich unterscheiden wir zwölf grundsätzliche Bannbotschaften, die in unterschiedlichen Prägungen vermittelt werden: 1. Sei nicht! (Existiere nicht!) „Existiere nicht!“ ist eine der weit verbreitetsten Bannbotschaften überhaupt. Wenn einer Ihrer Patienten mit dem Gedanken spielt, mit dem Leben Schluss zu machen, so ist es wahrscheinlich, dass die Bannbotschaft „Sei nicht!“ bei ihm im Unbewussten aktiv ist. Ebenso wenn sich jemand als wertlos, nicht liebenswert oder als nutzlos empfindet. Dies kann geschehen, wenn, wie im Vorspann bereits geschildert, Eltern ihren Kindern solch mörderische Bannbotschaften vermitteln. Aber wir kommt es dazu? Vielleicht hat eine Frau schon eine Reihe von Kindern und wünscht sich keine weiteren. Sie wird trotzdem wieder schwanger und das neue Kind kommt zur Welt. Nun läuft in ihr eine Doppelbindung ab. Einerseits hat sie gelernt, dass man Kinder lieben muss, andererseits möchte sie endlich wieder an sich selbst denken dürfen. Deshalb wird sie die Wut auf das Kind unterdrücken und wird dies auch vor sich selbst nicht wahrhaben wollen, denn sie hat ja die Rolle als liebende und fürsorgliche Mutter zu spielen. Dennoch übermittelt sie dem Baby die Ablehnung. Und zwar nonverbal durch Doppelbotschaften. Es kann sein, dass sie das Kind in den Arm nimmt, aber den Kopf abwendet und sich mit etwas anderem beschäftigt. Es kann sein, dass sie niemals oder nur pflichtbewusst lächelt, wenn sie mit ihm spricht, selbst wenn sie es äußerlich äußerst pflichtbewusst und gewissenhaft betreut. Oftmals beginnen diese Mütter dann die lnkongruenz dieser Botschaft immer weiter auszudehnen, indem sie wirklich alles für dieses Kind tun und damit nur ihre inneren Unzufriedenheitsgefühle und Wutgefühle kompensieren. Leider wird das Kind die inkongruenten Botschaften spüren und deswegen die Prägung erfahren. Warum aber bringen sich dann nicht alle Menschen mit einer solchen Bannbotschaft um? Gott sei dank sind die meisten Menschen überaus erfinderisch, wenn es darum geht, am Leben zu bleiben. Um die tödlichen Folgen dieser Bannbotschaften abzufangen treffen die meisten Menschen Zusatzentscheidungen, die mit dem Satz beginnen: „ich darf weiter existieren, solange ich… z.B. weiterhin anstrenge, es allen recht mache, alles perfekt tue, stark bin, keine Gefühle zeige etc.“
2. Sei nicht Du selbst! Manchmal ist so, dass sich Eltern ganz besonders einen Jungen oder ein Mädchen wünschen. Tritt das nicht ein, sind sie unter Umständen enttäuscht. Kennen Sie das? Jungen, die z.B. Rainer Maria heißen und die von ihren Eltern feminine Kleidung verpasst kriegen. Oder Mädchen, die in Overalls gesteckt werden. Jemand, der die Botschaft „Sei nicht du selbst“ bekommen hat, legt auch im Erwachsenenleben Manieren an den Tag oder trägt Kleidung, die auf das entgegengesetzte Geschlecht hinweisen. Diese Bannbotschaft kann auch die Bedeutung haben: „Sei ein anderes Kind, sei ein anderer Mensch.“ Das sind die Nacheiferer, die immer versuchen, so wie andere zu sein, nur nie so wie sie selbst. Diese Prägung kann entstehen, wenn Eltern dem Kind gegenüber Ablehnung empfinden, z.B. wenn das Kind den Erwartungen der Eltern nicht entspricht. Dann sind Eltern oftmals geneigt, es mit anderen Kindern zu vergleichen. „Schau mal, der Heinz von nebenan, der kann schon richtig schnell laufen – ist das nichts? Und du? Dabei ist er noch ein halbes Jahr jünger als du!“ Hier haben Eltern ein inneres Erwartungsbild wie ihr Kind sein soll und vergleichen das Kind andauernd mit dem inneren Erwartungsbild. Oft übrigens ein Bild dessen, was sie selbst nie waren oder hatten, deshalb muss das Kind es jetzt erfüllen. Manchmal wird das Kind auch verglichen mit dem schwarzen Schaf der Familie: „Du bist wie dieser Versager, der Onkel Fritz.“ Je mehr das Kind sich jetzt wie Onkel Fritz verhält und dessen destruktiven Verhaltensweisen an den Tag legt, so mehr negative Anerkennung bekommt es. Da der Mensch lieber negative Anerkennung als keine Anerkennung erhält, wird das Kind die negativen Tugenden des Onkel Fritz immer weiter ausbauen.
© World Press Photo 2003 / Eric Grigorian
3. Sei kein Kind! Diese Bannbotschaft wird gegeben, wenn einer der Partner um seinen kindlichen Platz in der Familie fürchtet. Meistens derjenige, der weniger Verantwortung trägt. Die Botschaft lautet: „Hier ist nur Platz für ein Kind und das bin ich (der eine Elternteil). Nun, du kannst hier bleiben, so lange du dich nicht wie ein Erwachsener aufführst und nicht wie ein Kind.“ Die direkten Botschaften äußern sich dann in Sprüchen wie: „Ein lndianer kennt keinen Schmerz. Du bist doch schon zu alt, um dich so kindisch aufzuführen. Große Jungen weinen nicht. Du bist doch schon ein erwachsenes Mädchen etc.“ Diejenigen von Ihnen, die sich unwohl und verspannt fühlen sobald Sie auf einer ausgelassenen Party sind oder Erwachsene Blödsinn machen, tragen höchstwahrscheinlich diese Bannbotschaft in sich. Oftmals herrscht dort eine Überzeugung vor, die heißt: „Geht’s dir zu gut, dann passiert dir was schlimmes.“ Um das zu vermeiden, sorgen diese Menschen dafür, dass es ihnen schlecht geht oder dass es zumindest immer vernünftig zugeht.
4. Werde nicht erwachsen! Oftmals sind es die jüngsten Kinder in Familien, die diese Bannbotschaften übertragen bekommen. Kennen Sie die Art Eltern, die Ihre Kinder auch dann, wenn diese schon längst Erwachsen sind und selbst Familie haben, immer wieder „Kind“ nennen? Die sie immer so behandeln, als ob sie noch Kind seien? Diese Eltern beziehen einen Großteil ihres Selbstwertgefühles daraus, immer gute Eltern zu sein und ein Kind „gut“ zu erziehen. Natürlich berauben sie dadurch unbewusst dem „Kind“ die Möglichkeit, erwachsen zu werden und sich auf eigene Füße zu stellen. Manchmal definieren Kinder diese Botschaft auch als „Verlass mich nicht, bleib bei mir!“. Wie bei der Frau mittleren Alters, die mit ihrer Mutter zusammenlebt und für sie sorgt. Diese Frau hat unter Umständen die Bannbotschaft „Verlass mich nicht“ in sich. „Sei nicht sexy“, ist eine weitere Variante. Oftmals wird diese Botschaft gegeben, wenn sich die Tochter vom Mädchen zur Frau entwickelt. Der Vater spürt die eigenen sexuellen Signale und hält plötzlich bewusst Abstand. Die Tochter ist verwirrt und möchte natürlich weiterhin die enge körperliche Bindung mit dem Vater. Jetzt beschließt sie nicht sexy oder erwachsen sein zu dürfen, um weiterhin die Nähe vom Vater bekommen zu können.
5. Schaff es nicht! Diese Botschaft ist verwandt mit dem „Du bist zu klein, du kannst es nicht.“ Sie wird häufig dann übertragen, wenn Vater oder Mutter eifersüchtig auf die Leistungen ihrer Kinder sind. Typisch, wenn Eltern aus bürgerlichen Verhältnissen, die ihr Leben lang schwer gearbeitet haben, von Ihren Kindern z.B. übertrumpft werden. Die sind erfolgreicher und die Eltern reagieren vielleicht mit einem charakteristischen Spruch wie: „Toll, dass es bei dir im Geschäft so gut läuft, aber wer hoch fliegt, wird auch tief fallen.“ Die Studentin z.B., die den Skriptbeschluss gefasst hat „Schaff es nicht!“ ist bei den Klausuren und Prüfungsvorbereitungen voll dabei. Stehen aber die Prüfungen an, so findet sie ganz sicher eine Möglichkeit sich selbst zu sabotieren. Vielleicht entwickelt sie Prüfungsangst, oder eine Psychosomatik, die es ihr nicht möglich macht an der Prüfung teilzunehmen. Oder der Unternehmer, der seinen Eltern erzählt wie gut das Geschäft läuft und die Prägung „Schaff es nicht“ von diesen aktiviert wird durch Sätze wie: „Das verstehen wir nicht mehr, das geht über unseren Horizont, du weißt ja, Schuster bleib bei deinen Leisten, etc.“ Bei ihm kann es dadurch geschehen, dass er eine Reihe von unbewussten Fehlern macht, um das Muster zu bestätigen. Dann können die Eltern sagen: „Kind, wir haben’s ja gleich gewusst. Wir wollen nur dein Bestes. Such dir eine anständige Arbeit.“ „Wir wollen nur dein Bestes!“ Ist dieser Satz an sich nicht schon ein Paradoxum? Das Beste dürfen Eltern gerne ihren Kindern lassen! Denn dieser Satz drückt klar die Prägung aus: „Schaff es nicht!“
6. Lass das! (Tu überhaupt nichts!) Wenn ein Erwachsener andauernd zwischen verschiedenen Alternativen schwankt und sich nicht entscheiden kann, dann kann es sein, dass er die Botschaft „Lass das, Finger weg, fass nichts an, mach ja nichts kaputt“, bekommen hat. Der Erwachsene ist sich über sein Verhalten vielleicht sogar bewusst, kann es aber einfach nicht abstellen. Diese Bannbotschaft wird von Eltern gegeben, die Angst haben, dass ihr Kind zu schaden kommen könnte. Deshalb wollen sie es unter allen Umständen davor bewahren und verdammen es deswegen zur Bewegungslosigkeit. Diese Bewegungslosigkeit kann andere Menschen zum Wahnsinn treiben. Im Unternehmen sind das die ewigen Zögerer und Zauderer, die erst tausend Gründe und Ursachen gegeneinander abwägen müssen. In der Zwischenzeit wird die Entscheidung dann doch von anderen getroffen.
7. Sei nicht wichtig! Auch das ist eine Bannbotschaft die auf einer unbewussten Ablehnung dem Kind gegenüber beruht: „Es ist o.k., dass du da bist, Kind, solange du nicht zu viel Zeit und Raum beanspruchst.“ Menschen mit solch einer Bannbotschaft haben den sprichwörtlichen Frosch im Hals, wenn es darum geht, eine Führungsrolle einzunehmen oder gar öffentlich eine Rede zu halten. Sie leisten hervorragende Arbeit in einer nachgeordneten Position. Sollen sie aber in eine Führungsposition aufrücken oder befördert werden, so schaffen sie es garantiert, sich ein Bein zu stellen. „Bemühe dich nicht darum, du darfst nicht verlangen, was du willst“, sind weitere Varianten dieser Botschaft. Diese äußern sich in Sätzen wie: „Passt schon, ist schon gut, ich frag lieber nicht, wenn ich das sage, wird man mich für unbescheiden halten. Das darf ich nicht fordern, das ist schon gut genug für mich.“
8. Sei nicht zugehörig! Wer diese Botschaft in sich trägt, wirkt oft als Einzelgänger oder Außenseiter, obwohl er vielleicht gerne Teil einer Gruppe oder Gemeinschaft wäre. „Nirgends fühle ich mich zu Hause, wo gehöre ich hin, am liebsten bin ich ganz allein, mich mag eh keiner, mich mag eh keiner dabei haben“, sind typische Aussagen dieser Botschaft. Wird ein Kind ständig zum Sündenbock gestempelt oder für Sachen verantwortlich gemacht, die es gar nicht getan hat, so kann diese Botschaft geprägt werden.
9. Sei nicht nahe! Diese Bannbotschaft wird oftmals von Eltern weitergegeben die sich oder ihr Kind nur seiten berühren. Aber sie kann auch bedeuten „Sei gefühlsmäßig nicht nahe!“. Wenn Sie jemals Schwierigkeiten hatten mit Ihrem/r Partnerln über Gefühle und Empfindungen zu sprechen, dann können Sie davon ausgehen, dass diese Botschaft in Ihrem Unbewussten aktiv ist. Diese Botschaft wird oftmals von Generation nach Generation weitergegeben, wo man niemals über Gefühle spricht. Schreit das Kind in seinen ersten Tagen viel und niemand kümmert sich darum, kann es sein, dass sich das Neugeborene selbst die Botschaft „Sei nicht nahe“ gibt. Es erlebt immer wieder dass es Nähe und Vertrauen sucht und es nie oder unzureichend für seine Bedürfnisse bekommt. Nun schließt es daraus, dass es sich eh nicht lohnt, weil es zu schmerzhaft ist, Nähe und Vertrauen zu jemanden zu haben. Also aktiviert es seine Bannbotschaft und lässt später im Leben niemand mehr an sich ran aus Angst, davor, dass der andere ihn eh wieder enttäuschen mag. Selbst wenn der Erwachsene jetzt irgendwo wärmstens aufgenommen wird, streckt er seine Antennen aus, um das geringste Zeichen von Ablehnung und Vertrauensmissbrauch wahrzunehmen. Natürlich wird er diese selbstgemachten Zeichen entdecken und dann wird er diese Bekanntschaften oder Freundschaften so lange belasten, bis sie zerbrechen und er sich sagen kann, dass er es ja gleich gewusst hat, dass man niemandem vertrauen darf und niemanden erlauben darf, nahe zu kommen.
10. Sei nicht gesund! (Sei nicht normal!) Denken Sie an das Kind, das gelernt hat, dass es durch Krankheit und Leid an Anerkennung und „Liebe“ gewinnt. Die Variante „Sei nicht normal“ wird dann wirksam, wenn das Kind nur dann Aufmerksamkeit erfährt, wenn es sich verrückt genug aufführt, dass seine Umgebung es bemerkt und darauf reagiert. So erfährt der bekannte Klassenkasper immer wieder Aufmerksamkeit für sein verrücktes Verhalten und nicht für sein konzentriertes Mitwirken. Dies kann zur Auswirkung haben, dass der Erwachsene immer sozial unangepasste weniger hilfreiche Verhaltensweisen ausprägt, die ihn noch außen hin „verrückt“ erscheinen lassen.
11. Denke nicht! Kennen Sie diese Art Mensch, der bei dem kleinsten Problem in Panik verfällt und sein Denken einfach ausschaltet? Der eben nicht mehr klar denken kann und den Zugang zu seinen Fähigkeiten einfach vergisst? Wenn ein Kind seinen Eltern ganz stolz ein Bild zeigt und die Eltern sagen: „Na du kleiner Schlauberger, so toll ist das ja noch nicht, was soll das denn sein?“ antworten, oder das Kind das erste Mal seinen Namen schreibt und die Eltern mit: „Du kleiner Naseweis, du willst es wohl besonders gut machen“, reagieren, so wird dem Kind die Botschaft vermittelt „denke nicht.“ Modelliert das Kind einen Erwachsenen, vielleicht den Vater, der bei jeder Kleinigkeit einen Wutausbruch bekommt und wegen der Steuern auf das Finanzamt zu schimpfen beginnt, so lernt das Kind, das man Probleme wohl dadurch löst, dass man tobt und schreit, aber sich nicht um das Wesentliche kümmert. So werden diese Erwachsenen eher den Kopf hängen lassen als nachzudenken und etwas Konstruktives zu unternehmen.
12. Fühle nicht! In vielen Familien werden die Bannbotschaften weitergegeben, nur das fühlen zu dürfen, was die Eltern erlauben. „Ich bin so hungrig. Kind, möchtest du ein Eis?“ „Mir ist so kalt. Zieh deine Jacke an!“ Dies sind Botschaften, die dem Kind den Zugang zu den eigenen Gefühlen verwehren und nur die Gefühle der Eltern zählen. Im Erwachsenenleben können diese Botschaften dazu führen, dass Menschen ihre eigene Position, ihre eigene Wahrnehmung völlig verlieren. Dies sind die Menschen, die mit jedem „mit“leiden“ und, wenn Menschen über ihr tragisches Schicksal berichten, wird es für diese Menschen sein, als ob sie selbst dies gerade jetzt erleben. Diesen Menschen geht es nur dann gut, wenn es den anderen Menschen gut geht. Wenn Sie einen Menschen direkt mit der Erkenntnis konfrontieren, kann es sein, dass sein Lebensgerüst zusammenfällt. Deshalb seien Sie liebe/r Leserin achtsam damit, wenn sie Bannbotschaften bei anderen erkennen.
„Auch wenn man es nicht weiß, hat man meist eine Wahl.“
* Thomas H. Bastian ist Leiter derTBA-Akademie.
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